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Startup-Finanzierung geglückt? So macht ihr das Beste aus eurem Geld

Startup-Finanzierung geglückt? So macht ihr das Beste aus eurem Geld

Das Geld der Investoren ist auf dem Konto und jetzt? Wie Gründer ihre erste Startup-Finanzierung optimal nutzen, erklärt dieser Artikel.

Startup-Finanzierung geglückt? So macht ihr das Beste aus eurem Geld

(Foto: Shutterstock)

Startup-Finanzierung: Die erste Million auf dem Konto

Da tanzt sie nun, die erste Million auf dem Geschäftskonto. Der Abschluss der ersten Finanzierungsrunde kommt für Gründer oft einem magischen Moment gleich. Schließlich steckt in der siebenstelligen Zahlenkolonne nicht nur ein hoher Vertrauensbeweis seitens der Investoren, sondern vor allem knüppelharte Arbeit. Einen Parcours bestehend aus hunderten E-Mails, dutzenden Pitches und mitunter zähen Verhandlungen mussten Gründer meistern, um die Entwicklung ihres Geschäftsmodells auf eine finanziell solide Basis zu stellen – vorerst zumindest.

Denn wie bei Finanzierungsrunden so üblich, ist das Geld nämlich erstmal nicht mehr als eine Wette auf Zeit. Eine Wette auf dem Weg zu Profitabilität, zur nächsten Finanzierungsrunde oder gar Insolvenz. Wie also machen Gründer das Beste aus ihrem Geld, um letzteres zu verhindern? Wir haben uns bei erfolgreich finanzierten Gründern umgehört. Ihre Tipps solltet ihr beherzigen.

„Maximale Transparenz mit den Investoren“

Zwei Finanzierungsrunden im jeweils sechsstelligen Bereich hat das Hamburger E-Commerce-Startup Spottster abgeschlossen, zuletzt stieg sogar Jochen Schweizer ein. Dieses Vertrauen zahlt Mitgründerin Freya Oehle mit uneingeschränkter Offenheit gegenüber den Geldgebern zurück. „Wir richten zum Beispiel gerade einen Informations-Hub ein, wo sich alle Gesellschafter einloggen und unser Reporting sowie Logbuch jederzeit abrufen können“, sagt die 25-Jährige.

Spottster-Gründerin Freya Oehle und Mitgründer Tobias Kempkensteffen. (Foto: Presse/Patrick Sun)
Die Spottster-Gründer Freya Oehle und Tobias Kempkensteffen. (Foto: Presse/Patrick Sun)

In Sachen Ausgabenplanung hingegen sollten Gründer laut Oehle so lange wie möglich im „Bootrapping-Modus“ bleiben. „Einige Startups neigen dazu, mit der ersten Finanzspritze das Komfortlevel etwa hinsichtlich der Ausstattung enorm zu steigern.“ Dabei sei dies oft ein großer Kostenapparat, der jedoch keiner Unternehmensverbesserung gegenüberstehe. „Bei uns sind 50 Prozent der Büroausstattung nach wie vor selbstgebaut, in vielen Wochenend-Teamaktionen“, so Oehle. Ihr Tipp: „Immer zuerst in Leute und das Produkt selbst investieren.“

Außerdem sollte man sich nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde übrigens nicht auf dem Geldsegen ausruhen. „Es schadet nicht, nebenher über weitere Finanzierungsrunden nachzudenken und diese auch aktiv vorzubereiten“, sagt Oehle. Immerhin sei die „liquide Situation die Beste, um den Markt zu sondieren“, etwa auch, um „zur Abwechslung mal entspannte Gespräche mit Investoren zu führen und abzusagen.“ Der finanzielle Druck komme im Zweifel früh genug.

„Ich warne vor kurzfristigen Zielen“

Auch wenn man Starinvestoren ins Boot holt, müssen Gründer „kühlen Kopf“ zu bewahren. Das jedenfalls empfiehlt Number26-Mitgründer Valentin Stalf, der unter anderem Peter Thiel von einer Finanzierungsrunde überzeugen konnte. Wichtig sei, die anfangs formulierten Werte und Prinzipien in einem Startup nicht auf Kosten eines Investments über Bord zu werfen.

„Man muss seiner Vision und Idee treu bleiben“, sagt Stalf: „Das bedeutet, dass man das Geld so effektiv wie möglich einsetzt und weiterhin in die Entwicklung des Produkts und Teams investiert. Nachhaltiges Wachstum stehe im Vordergrund, auch wenn Investoren mal „auf die Tube drücken“. Hier warnt Stalf davor, sich nur auf kurzfristige Ziele zu fokussieren. „Es ist das wichtigste, direkt über die Ziele bis zur nächsten Finanzierungsrunde oder Profitabilität klar zu werden.“

Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf. (Foto: Presse)
Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf über die Startup-Finanzierung. (Foto: Presse)
Genau wie Freya Oehle von Spottster betont auch Stalf die kontinuierliche Beziehungspflege zu den Gesellschaftern – auch um sich die Chance auf Anschlussfinanzierungen zu wahren. Eine gute Beziehung zu den Investoren und den eigenen Board-Mitgliedern sei wesentlich, um langfristig erfolgreich zu sein, so Stalf. Zusätzlich sollten Gründer darauf achten, die Investoren immer mit Blick auf die zukünftigen Finanzierungsrunden auszuwählen.

„Vieles selber machen, vor allem die PR“

Beim Startup Familo um Mitgründer Hauke Windmüller setzt man unter anderem auf datengetriebenes Arbeiten, um die erhaltene Millionenfinanzierung bestmöglich zu verwerten. „Als Startup mit einer App investieren wir Marketing-Gelder lieber in messbare Online-Performance-Maßnahmen als in klassisches Offline-Marketing mit hohen Streuverlusten“, sagt der 28-Jährige .

Ein Stolperstein für junge Gründer seien außerdem die oft unerwartet hohen Personalkosten. Sie machen laut Windmüller den größten Kostenblock aus und erfordern deshalb eine frühzeitige Finanzplanung. „Gerade wenn kurzfristig Personal eingestellt werden soll und das eigene Netzwerk erschöpft ist, müssen auch hohe Kosten für Recruiter berücksichtigt werden“, so Windmüller.

Das Gründerteam von Familo: David Nellessen, Michael Asshauer und Hauke Windmüller. (Foto: Presse)
Das Gründerteam von Familo: David Nellessen, Michael Asshauer und Hauke Windmüller. (Foto: Presse)

Das aber sollte am Anfang eher die Ausnahme sein. Windmüller und seine Mitgründer hätten die Investorengelder vor allem in das bestehende Team investiert und versucht, möglichst viele Kompetenzen intern aufzubauen. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Gründer in frühen Unternehmensphasen vieles selber machen können. Es muss nicht sofort die große und teure Digital- oder Marketingagentur sein, oft ist die Zusammenarbeit mit Freelancern sinnvoller“, sagt Windmüller. Das spare Kosten und wahre zudem Kontrolle. Gerade in der PR-Arbeit habe sich das für Familo ausgezahlt. „Keine Agentur, mit der wir zusammen gearbeitet haben, hat so gute Ergebnisse erzielt, wie wir Gründer selbst.“

Du strebst deine erste Finanzierungsrunde an? Dann lies auch unseren Artikel: „Cash für Gründer: Der große Guide zur Startup-Finanzierung“

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