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Lieber Startup statt Konzern: Warum diese 9 IT-Spezalisten sich gegen Microsoft, Google & Co. entschieden haben

Lieber Startup statt Konzern: Warum diese 9 IT-Spezalisten sich gegen Microsoft, Google & Co. entschieden haben

Startup oder Konzern? oder kleine Internet-Schmiede? Für viele Berufseinsteiger in der Tech-Branche stellt sich genau diese Frage. Wir haben mit neun IT-Spezialisten gesprochen, die sich gegen den großen Konzern entschieden haben.

Lieber Startup statt Konzern: Warum diese 9 IT-Spezalisten sich gegen Microsoft, Google & Co. entschieden haben

Foto: dierken / flickr.com, Lizenz: CC-BYFoto: dierken / flickr.com, Lizenz: CC-BY

„Mach was mit IT, dann kannst du dir die Jobs aussuchen“, sagten die Eltern damals in den 90ern. Und genauso ist es gekommen: IT-ler haben generell keine Probleme einen Job zu finden. Unternehmen buhlen um die besten IT-Talente; ebenso wie , Siemens, SAP oder Google. Letztere haben dabei die vermeintlich besseren Karten. Neun IT-ler erzählen uns, warum sie trotzdem in kleinen Startups arbeiten – sei es als Gründer, Freiberufler oder Angestellte.

Ob Startup oder Konzern – alle setzen auf Headhunter

Auch Google legt viel Wert auf ein gutes Arbeitsklima.
Auch ein Konzern wie Google legt viel Wert auf ein gutes Arbeitsklima. Was kann ein Startup dagegen halten?

39.000 offenen Stellen für IT-Experten ermittelte der Branchenverband BITKOM im Oktober 2013, im Jahr davor waren es noch 42.000 offene Arbeitsplätze. Der Fachkräftemangel sei ein strukturelles Problem, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Er bestehe dauerhaft und weitgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung. „Die Frage ob ein Fachkräftemangel besteht, stellt sich wohl nicht mehr, bei permanent weit über 1.000 unbesetzten IT-Positionen allein in Berlin“, meint auch Ivo Betke, heute Geschäftsführer von webcrowd, einem Job und Service Netzwerk für Internet Professionals, früher selbst Freelancer im Webdevelopment. „Wenn selbst Startups vor der ersten Finanzierungsrunde Headhunter beauftragen, um Seniorentwickler oder einen CTO für Ihr Unternehmen zu finden, dann sieht man schon, wie groß der Wettbewerb ist.“

Buhlen um die Besten – gegen Firmen wie Google oder Microsoft

Firmen wie Microsoft, Siemens, SAP oder Google, die in entsprechenden Umfragen immer wieder als Top-Arbeitgeber genannt werden, haben dabei ebenso Bedarf wie junge Startups. Der Bundesverband deutscher Startups (BVDS) definiert „Start-up“ als Unternehmen, das jünger als zehn Jahre ist, ein deutliches Mitarbeiterwachstum vorzuweisen hat und mit einer hohe Innovationsfähigkeit überzeugt. Der BVDS geht davon aus, dass es in Deutschland circa 5.000 derartige Startups gibt. Die wollen wachsen und dafür brauchen sie – da es sich meist um webgetriebene Geschäftskonzepte handelt – IT-ler.

Die Großen haben im Kampf um Talente die vermeintlich besseren Karten: Mehr Geld, meist mehr Reichweite in den sozialen Medien (jede zehnte Stelle wird via Social Media besetzt), (Arbeitgeber-)Marken mit mehr Strahlkraft, eine komfortablere Infrastruktur, Zusatzleistungen, Boni und so weiter. Doch nicht alle zieht es in die großen Unternehmen. Neun IT-ler erzählen uns, warum es sie ins Startup-Umfeld verschlagen hat.

Startup? Eine Entscheidung gegen die Ellbogenmentalität im Konzern

Simon Meyborg, Hanse Ventures
Simon Meyborg, Hanse Ventures.

Diplom Informatiker Simon Meyborg war CTO bei Clipgenerator.de und ist seit 2012 im Research and Development beim Hamburger Company Builder Hanse Ventures aktiv. Das Unternehmen entwickelt eigene Geschäftskonzepte und setzt diese mit geeigneten Gründerteams um. Auch Meyborg selbst „entwickelt laufend neue Ideen und könnte sich durchaus vorstellen, einige von ihnen erfolgreich in ein Unternehmen zu überführen.“ Doch auch die Arbeit in einem Großunternehmen ist für ihn vorstellbar. „Da ich dies bisher noch nie gemacht habe, sitze ich sicherlich einigen falschen Vorstellungen und Klischees auf. Aber es kommt auf das Unternehmen und die Rolle an, die mir zugedacht werden würde. Ich würde mich ungern in ein zu enges Korsett pressen lassen.“

„If you wanna try it, do it!“

Im Startup zu arbeiten bietet Simon Meyborg „in erster Linie: Freiheit“. Er könne sich in allen Bereichen einbringen und empfinde keine Einschränkung durch gesetzte Verantwortungsbereiche. „Meine Stimme findet Beachtung und ich kann aktiv ein Projekt nach vorne bringen. Dazu gehören auch die Ups und Downs, die in der Startphase stets auftreten. Diese täglichen Herausforderungen zu meistern, macht es insgesamt wesentlich spannender, als in einem Konzern zu arbeiten, bei dem es häufig nur um Produktiterationen und -variationen geht, die schon erfolgreich am Markt sind.“ Zudem sei der Startup-Alltag mehr von Zusammenarbeit als internen Konkurrenzkämpfen geprägt. „Die oft beschriebene Ellbogenmentalität in Großkonzernen spüre ich hier nicht.“ Meyborg hat sich bewusst für die Arbeit im Startup entschieden, da er es liebt, möglichst viel selbst zu machen und Neues zu lernen. „Mein Ansatz ist dabei sehr praxisorientiert und explorativ. If you wanna try it, do it! Ich wollte ungern in einer zugeteilten Position einer Karriere entgegenstreben, die mir diesen Geist rauben könnte.“

Nachteile nimmt er dabei gerne in Kauf: „Startups sind oft unterfinanziert, was einerseits die Kreativität fördert, aber auch sehr nervig sein kann. Zudem öffnet ein großer Name – wie es bei Konzernen der Fall ist – sicherlich schneller einige Türen hinsichtlich Kooperationen oder Vertriebsthemen. Im Alltag eines Entwicklers sehe ich aber keine Nachteile.“ Seine Arbeit bestehe die meiste Zeit aus zielgerichteter Programmierung unter „Kopfhörerbeschallung“, plötzlich auftauchenden Problemen („XY funktioniert nicht, kannst du mal schauen“) und alltäglichen Absurditäten (iOS7, arrrg). „Klingt trostlos, ist aber eigentlich ganz geil.“

Wenn das Wohl des Unternehmens an einem einzigen Produkt hängt

Dr.-Ing. David Linner, Smartlaw
Dr.-Ing. David Linner, Smartlaw,

Nach Stationen als Software-Entwickler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter unter anderem beim Fraunhofer Institut Fokus, den T-Labs und der Axel Springer AG ist Diplom Informatiker Dr.-Ing. David Linner im Herbst 2012 als CTO und erster Entwickler des Startups SmartLaw eingestiegen. Smartlaw ist ein Dienst, mit dem man in wenigen Schritten selbst individuelle, unterschriftsfertige Verträge, Vereinbarungen oder Vollmachten erstellt.

„Hierarchien sind – falls vorhanden – zweckgerichtet und dienen nicht der Egopflege von Führungskräften.“

David Linner kennt also sowohl die Arbeitsweise in Startups als auch größeren Unternehmen und Institutionen. „Große Unternehmen versuchen viele Variablen gleichzeitig zu optimieren. Das macht die eigentliche Arbeit an der Sache beschwerlich“, erklärt Linner. Startups seien in der Regel auf genau eine Herausforderung fokussiert. „Selbst fachübergreifende Teams haben konvergente Ziele und die volle Unterstützung des Managements. Startups können sich leicht modern ausrichten, technisch und methodisch. Man lernt viel und hat das Gefühl in kurzer Zeit etwas Großes auf die Beine zu stellen.“ Die andere Seite: „Die Ressourcen sind beschränkt. Im Vordergrund stehen nach dem Start am Markt meist Fragen von kurzfristigem, geschäftlichem Interesse. Das Wohl des Unternehmens hängt in der Regel am Erfolg eines einzelnen Produkts.“

Die Entscheidung für die Arbeit im Startup fiel Linner leicht: „Technische Innovationen begeistern mich. Nicht selten verdrängen in großen Unternehmen die Herausforderungen des täglichen Geschäfts Mut und Mittel zur Innovationen. Die deutsche Forschungslandschaft – die eigentlich logische Alternative für innovatives Schaffen – ist kaum marktgerichtet. Es gibt wenig Anreize und Unterstützung für gute Ideen, die öffentliche Finanzierung von Vorhaben wird durch langwierige Verfahren verkompliziert, die Evaluierungskriterien werden selten transparent gemacht und es fehlt an Karriereperspektiven und Durchlässigkeit. Startups sind von Natur aus auf Innovation getrimmt, die wichtigen Steuerungsgrößen stehen in Wechselwirkung mit dem Markt und sind für jeden Mitarbeiter transparent. Hierarchien sind – falls vorhanden – zweckgerichtet und dienen nicht der Egopflege von Führungskräften.“

Ob Startup oder Konzern – alle bekommen die Talente, die sie verdienen

Angelo Cardinale, Wawibox
Angelo Cardinale von Wawibox hat sich für das Startup und gegen den Konzern entschieden.

Angelo Cardinale ist seit dem Jahr 2000 Online-Marketing-Berater und Webentwickler und ab Januar 2012 mit seinem eigenen Startup aktiv. Seine Wawibox ist eine Online Materialwirtschaft und Bestellplattform für Zahnarztpraxen. Er gehe damit den Weg „arm aber sexy“. „Doch als Gründer meines eigenen Startups bin ich mein eigener Kunde. Kompromisslosigkeit im Anspruch an die Qualität der eigenen Arbeit und gleichzeitig die Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen, das treibt mich jeden Tag an.“

„Nicht wie bei Google in kunterbunten Bürolandschaften mit Rutschen und Pools aus Schaumstoff-Würfeln.“

Als Freelancer war das anders: „Man macht für den Kunden eine Arbeit und hat das Gefühl, dass durch die Kundenkorrekturen Qualität verloren geht – und das trotz aller Überzeugungsversuche. Das war in der Regel keine Katastrophe aber auch nicht sehr befriedigend!“ Als weiteren Vorteil gegenüber seiner Freelance-Tätigkeit sieht Cardinale, „dass die Wertschöpfung meiner Arbeit im eigenen Unternehmen bleibt.“ Dafür nimmt er den Nachteil in Kauf „nicht wie bei Google in kunterbunten Bürolandschaften mit Rutschen und Pools aus Schaumstoff-Würfeln zu sitzen“. In seinem eigenen Startup will er versuchen, für seine Mitarbeiter Bedingungen zu schaffen, in denen er auch selber gerne arbeitet. „Ich habe grundsätzlich die Erfahrung gemacht, das Unternehmen die Talente bekommen, die sie verdienen. Sollten das unterm Strich nicht die gewünschten Talente sein, so muss sich der Unternehmer in Frage stellen.“

Der Jobmarkt ist dabei, sich zu drehen

Tobias Krönke, truffls
Tobias Krönke, truffls.

Tobias Krönke ist seit 2012 CTO und Gründer von truffls, einem Dienst, der Lebensläufe mit Traumjobs matcht, und hat seit 2013 einen M.Sc. Informatik der TU Darmstadt. In einem größeren Unternehmen hat er noch nie gearbeitet. Als Vorteile der Arbeit im Startup sieht er „die üblichen Verdächtigen: Zeitliche Flexibilität, Entscheidungsfreiheit, einen großen kreativen Spielraum, Eigenverantwortlichkeit und die Arbeit am eigenen Baby“. Und für ihn der wichtigste Vorteil: „Die Arbeit fühlt sich (fast) nie wie Arbeit an, denn ich mache genau das, was ich immer machen wollte!“ Als Nachteile empfindet Krönke „jede Menge Unsicherheit  und das Gehalt. Macht aber nichts! (Viel) Geld verdienen kann man später immer noch, falls es mit dem eigenen Startup nichts werden sollte.“

„ Die Arbeit fühlt sich (fast) nie wie Arbeit an.“

Sein Antrieb: „Ein profitables Unternehmen aufbauen, das für Qualität steht und gute Leute beschäftigt. Und ganz allgemein Erfolg haben – sei es mit einem Exit oder mit dem Aufbau einer Firma, die ich lange Zeit mit führen kann.“ Als Mitgründer einer Jobmatching-Plattform ist er nah dran am Geschehen und kann sagen: „Der gesamte Jobmarkt ist dabei, sich zu drehen, und Unternehmen verstehen (langsam, aber sie fangen zumindest an), dass sie sich um gute Leute bemühen müssen und nicht mehr einfach Bewerbungen abwarten können. Dieser Wandel fängt natürlich da an, wo am dringendsten gesucht wird: Ganz allgemein im MINT-Bereich, besonders deutlich bei IT-lern.“

Sieht er seine berufliche Zukunft eher in einem Startup oder einem größeren Konzern? „Kommt drauf an, ob unser Startup irgendwann zu einem großen Unternehmen wird. Im Ernst: Vorstellbar ist alles, wichtig ist für mich vor allem größtmögliche Freiheit beim Arbeiten. Die habe ich natürlich im eigenen Startup am ehesten, daher hoffe ich sehr, noch lange so wie aktuell weiterarbeiten zu können.“

Startups im War for Talents gut positioniert

Peter Oliver Geller, Userlike
Peter Oliver Geller, Userlike.

Peter Oliver Geller ist Mediengestalter für Digital- und Printmedien mit Fachrichtung Medienoperating und verfügt über zehn Jahre Erfahrung in Entwicklung, Beratung und Konzeption. Seit Mitte 2011 ist er Freelancer bei Userlike, einer Live-Chat-Software für Websites. Er ist in das Startup reingewachsen, da er mit einem der Geschäftsführer schon früher gearbeitet hat und hält eine kleine Unternehmensbeteiligung an Userlike. Geller kann sich vorstellen, irgendwann auch in einem großen Unternehmen angestellt zu sein, aber „nur wenn es mein Eigenes ist, oder die unglaublich gute Bedingungen im Vertrag verankern.“

„Weil wir ein kleines Team sind, bekommt man natürlich einen großen Einblick in alle Bereiche.“

Diese Vorteile bietet seine Arbeit bei Userlike: „Weil wir ein kleines Team sind, bekommt man natürlich einen großen Einblick in alle Bereiche, die den Aufbau eines Unternehmens betreffen: Produktentwicklung, Kapitalbeschaffung, Mitarbeiterorganisation, Marketingstrategien und so weiter. Wichtig ist auch, dass man mit einem guten Team in einem kleinen Startup viel schneller auf den Markt oder Nachfragen reagieren kann, als in einem großen Unternehmen.“

Nachteile sieht Geller nicht wirklich. „Mein persönlicher Nachteil ist, dass ich für meine Arbeit etwas weniger verdiene als bei einem größeren Unternehmen, dafür aber die Aussichten sehr gut aussehen.“ Außerdem sei es ein viel besseres Gefühl kurzfristig einen persönlichen finanziellen Nachteil durchzumachen, um an einem größeren und gemeinsamen Ziel zu arbeiten.

Geller sieht Startups im War for Talents durchaus gut positioniert: „Ich würde meinen, dass es den meisten guten Leuten nicht nur ums Geld geht, sondern darum, wofür Sie arbeiten und vor allem mit wem. Bei der bisherigen Erweiterung des Teams hatten wir keine Probleme, sehr gut ausgebildetes und erfahrenes Personal für Userlike zu gewinnen. Die Verhandlungsposition bleibt im Gleichgewicht, wenn man neben einem guten Gehalt auch eine gemeinsame Vision und intrinsische Werte anbieten kann.“

Das Leben für Menschen auf der ganzen Welt besser machen

Sebastian Noack, Eyeo und Adblock Plus
Sebastian Noack, Eyeo und Adblock Plus.

Sebastian Noack hat 2006 seine IHK-Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung („in einem sehr traditionellen Unternehmen“) abgeschlossen. Seitdem hat er für verschiedene Startups gearbeitet und ist aktuell für Eyeo als Entwickler tätig. Eyeo bietet mit Adblock Plus eine Browser-Erweiterung, um aufdringliche Werbung im Internet zu blocken, einem Unternehmen, das in letzter Zeit in die Schlagzeilen geraten ist. Dennoch: An der Arbeit im Startup schätzt er, nicht nur die Anforderungen anderer umzusetzen, sondern als Entwickler am gesamten Prozess beteiligt zu sein und seine eigenen Ideen einbringen zu können. „In einem traditionellen Unternehmen arbeitet man oft nur an Lösungen, von denen niemand außerhalb des Unternehmens oder einem einzelnen Kunden jemals erfahren wird. In einem Tech-Startup hingegen arbeitet man an einem Produkt, dessen Ziel es ist, das Leben für Menschen auf der ganzen Welt besser zu machen.“

„Ich habe zumindest noch kein erfolgreiches Startup von Stellenabbau reden gehört.“

Für ihn gute Gründe, auch die Schattenseiten des Star-up-Lebens in Kauf zu nehmen: „Wenn man einem Startup in einer frühen Phase beitritt, geht es dort in der Regel etwas stressig zu und 60+Stunden-Wochen werden schnell zum Alltag. Aber dies geht ohnehin langfristig nicht gut. Entweder man wird schnell profitabel beziehungsweise findet einen Investor und stellt genug Leute ein, oder das Startup scheitert.“ Abgesehen davon, biete die Arbeit im Startup für ihn persönlich aber nicht wirklich Nachteile. Wenn man jedoch kein Interesse am Produkt, sondern ein rein technisches Interesse an seinem Job als Entwickler hat, oder wenn man sich einen Aufstieg ins Management erhofft, dann ist man in einem traditionellen Unternehmen vermutlich besser aufgehoben.“

Der Fachkräftemangel hat Noacks Meinung nach nicht nur die Verhandlungsposition für IT-ler verbessert, „sondern eine komplett neue Unternehmenskultur in der Tech-Industrie etabliert. Alles in allem sind die Auswirkungen sehr positiv, nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern für die gesamte Tech-Industrie, da nur ein zufriedener und motivierter Mitarbeiter auch einen guten Job machen kann.“

„Verwandte und Bekannte, die nicht mit der Tech-Industrie vertraut sind, sorgen sich oft darum wie sicher mein Arbeitsplatz ist. Ich persönlich mache mir eher weniger Sorgen, da ich im Zweifelsfall, irgendeinen gut bezahlten Job jederzeit finden würde.“ Seien aber Profit und Wachstum erstmal sichergestellt, sei ein Job im Startup unter Umständen sogar sicherer als bei einem traditionellen Unternehmen. „Ich habe zumindest noch kein erfolgreiches Start-up von Stellenabbau reden gehört.“

Irgendwann doch mal in einen Konzern? Oder selbst ein Startup gründen?

Julius Schay beim Sugartrends-Teamevent in Wacken
Julius Schay beim Sugartrends-Teamevent in Wacken

Julius Schay ist seit Oktober 2012 CTO von SugarTrends, einem Startup, das auf einem  Online Marktplatz die besten Ladengeschäfte mit verschiedensten Produkten aus aller Welt vereinen möchte. Schay steht kurz vor dem Abschluss zum Dipl. Ingenieur Maschinenbau und hat bereits viele Jahre Erfahrung als IT-Administrator und selbständiger Web-Entwickler. Während des Studiums hat er ein Jahr bei einem großen deutschen Kommunikationsdienstleister gearbeitet: „Man ist im Unternehmen doch nur ein kleiner Teil eines großen ganzen und hat das Gefühl, dass ohne einen auch alles noch weiter laufen würde – natürlich hängt das auch vom Unternehmen ab.“ Nichtsdestotrotz könnte er sich für die Zukunft durchaus vorstellen, bei einem großen Unternehmen angestellt zu sein – obwohl ihn auch die Gründung eines eigenen Startups sehr reizt.

„Selbst coden ist nicht mehr.“

Seine Familie verstehe meist nicht so richtig, was er da eigentlich mache, und fände es besser, wenn er sein Studium beenden und einen „richtigen Job“ anfangen würde. „Freunde und  Bekannte haben teils großen Respekt und reagieren meist interessiert. Einige wären auch gerne in einem Startup, die meisten können sich das aber nicht vorstellen.“

Bei SugarTrends hat Schay schon eine Entwicklung auf der Karriereleiter hinter sich: „Ich habe zunächst als Freelancer angefangen und das Grundgerüst unseres Shops entworfen und umgesetzt. Seitdem sind verschiedene spannende Aufgaben hinzugekommen, mit denen ich Anfangs nicht gerechnet hätte. Tech-Office-Gründung in Lissabon, Bewerbungsgespräche mit Entwicklern und Praktikanten sowie Partnerschaften mit verschiedensten Dienstleistern aushandeln, gehört mit zu den Aufgaben. Mittlerweile kümmere ich mich eigentlich nur noch um Administrative Aufgaben und koordiniere die Entwickler – selbst coden ist nicht mehr.“

Durch eine gute Unternehmenskultur wettbewerbsfähiger

Tim Becker und Philip Westphal, WESTWERK
Tim Becker und Philip Westphal, WESTWERK

Tim Becker und Philip Westphal haben 2011 die Agentur WESTWERK gegründet und realisieren als Vollblut-Techniker für Konzept- und Design-Agenturen anspruchsvolle Weblösungen im Front- und Backend. Tim sieht Freiheit in der Zeiteinteilung und damit eine perfekte Kombination aus Beruflichem und Privatem als großen Vorteil der Selbstständigkeit. „Die Freiheit der Zeiteinteilung wird andersherum genau so zum Schuh und bedeutet oftmals: Deutlich mehr Arbeit als im klassischen 9to5-Job“.

„Wir pflegen ein lockeres Verhältnis mit allen unseren Mitarbeitern“

Den War for Talents nehmen beide aus der Arbeitgeberperspektive wahr: „Es ist wirklich nicht einfach Talente zu finden. Selbst in Aachen mit der technischen Universität muss man schon einige Zeit und Mühe investieren, um (begabte) Studenten zu bekommen und dann aufzubauen. Uns gelingt das aktuell zum Glück erstaunlich gut“, meint Becker. „Man hat halt die Chance, durch eine gute Unternehmenskultur wettbewerbsfähiger zu sein“, ergänzt Westphal. „Wir pflegen ein lockeres Verhältnis mit allen unseren Mitarbeitern. Der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Lasergames mit der gesamten Mannschaft, sehr flexible Arbeitszeiten, gemeinsames grillen und Co. machen wir eh gerne. Und erst recht mit dem Team.“

Gestörter Biorhythmus aufgrund flexibler Arbeitszeiten

Nicolas Amann, bibflirt
Nicolas Amann, bibflirt

Nicolas Amann ist Gründer von und Frontend-Developer bei bibflirt. Das Startup hilft beim Wiederfinden von „Flirts, indem Aussehen, Event- und Locations-Checkins gemacht werden. „Cooles Team, coole Arbeitsumgebung (die tägliche Runde Tekken darf nicht fehlen), flache Hierarchien, freie Arbeitszeiten (bei festgelegter Arbeitsdauer), der Reiz, etwas Großes aufzubauen und daran teilzuhaben, Identifikation mit dem Produkt“, fasst er die Vorteile seiner Arbeit bei bibflirt zusammen. Demgegenüber stehen akzeptable Nachteile: „Blasen am Daumen vom Programmieren und Tekken zocken, Verfettung vom vielen Fast Food sowie ein gestörter Biorhythmus aufgrund flexibler Arbeitszeiten.“

„Blasen am Daumen vom programmieren und Tekken zocken.“

Zwar kann sich Amann grundsätzlich vorstellen in einem großen Unternehmen tätig zu sein, „allerdings ist das nicht mein Wunsch und ich mache mir im Moment keine Gedanken darüber. Die Arbeit im Startup möchte ich so lange wie möglich fortführen.“ Im Gegensatz zur Arbeit in einem großen Unternehmen, sei man in einem Startup nicht einer von vielen, sondern man entwickele zusammen in einem gleichgestellten Team am Unternehmen.

Und wie sieht es bei euch aus? Großes Unternehmen oder kleines Startup? Wo seht Ihr die Vor- und Nachteile? Und wie hat sich der Fachkräftemangel auf eure Verhandlungsposition bei Bewerbungen ausgewirkt?

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4 Antworten
  1. von Ausnahmen bestätigen die Regel am 02.02.2014 (15:28 Uhr)

    Das erinnert an den neuen Markt.

    BWLer und Juristen verdienen vermutlich mehr.
    Fachkräftemangel müsste sich in mehr Geld auszahlen als nur 1%:
    http://www.golem.de/news/trotz-fachkraeftemangel-kaum-mehr-gehalt-fuer-it-spezialisten-1310-102389.html

    Die Firmen haben spezielle Software gekauft und im Gegensatz zu KFZ-Mechanikern die alle gängigen Autos reparieren können, braucht man bei Software Spezialisten für WindowsXP, für WindowsNT, für Windows2000, Für Windows2008Server, für Vista, Für Windows7, Für windows8, für Windows8RT usw. Tja. Und die Apps laufen unter ObjectiveC(iOS), Java(Android), C(Linux), .NET(Windows, Windows-Phone, Windows-RT) was die Sache auch nicht grade erleichtert...

    http://www.gruenderszene.de/allgemein/hacking-business-model
    Wieviel bleibt Euch vom Exit ? Und bei manchen Firmen darf man nicht mal veröffentlichen das und was man gearbeitet hat wohingegen das in USA als Skill problemlos verkündbar ist.
    Wer kriegt mehr ? Der Programmierer ("Entwickler" "Architekt") oder der BWLer ? Der Trainer oder der Fußball-Spieler ?

    Das bedauerliche ist ja auch, das jedes Jahr wohl mehr Leute Informatik studieren, aber ich bis heute kaum Demokratie-Projekte sehe. Rot-Rot-Grün hätte als Basis abstimmen und den Koalitionsvertrag schon vor der Wahl aushandeln können.
    Und welche Software macht Deutschland besser ? Seit rot-grün hat sich am Online-Banking nicht viel getan. Rechnungen kann ich bis heute nicht scannen und die Daten automatisch in die Felder eintragen lassen.
    Und Kritik an aktuellen Bezahlmethoden sind bei t3n ja nicht gerade selten.
    Wieso also wird Software kaum besser wenn die Zahl der Informatiker steigt ?

    Festanstellung im Konzern mit Haustarif ist im Nachhinein wohl oft die bessere Lösung als Armutsrente.

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  2. von sam am 03.02.2014 (01:10 Uhr)

    Schöner Artikel. Aber kaum jemand hat meiner Meinung nach Ahnung wie es in einem Konzern wirklich abgeht. Zudem hat auch nicht jeder lust auf längere Auswahlprozesse und Assesment Centern bzw. kommen gar nicht in die engere Auswahl. ich bin seit über einrm Jahr bei Microsoft, habe auch querbeet studiert und konnte,mich im AC durchsetzen. habe zuvor auch startup luft geschnuppert,und,muss sagen, dass MS im Moment spannender und offener ist als eon grosteil der startups die ich im moment beobachte. Die Kontakte in die Wirtschaft die ich bisher in nur 12 Monaten knüpfen konnte hat mir der brandname Microsoft eröffnet. Ich arbeite von wo immer aus ich will. Mam im HomeOffice,mal in der Firma, gestern aus dem Office,in Seattle und heute nach dem Skifahren aus Vancouver aus. Durch neue initiativen kann ich cross,group kollaborationen starten und kann meine projekte so steuern wie ich mochte. startup, spaeter gerne gruenden aber den spass, das geld, die benefits eines konzerns mochte,ich niemals,missen.

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  3. von Michaela am 03.02.2014 (08:58 Uhr)

    Ich korrigiere. ca. 90% der Startups engagieren keine Headhunter, sondern hauen ihre Stellenprofile wahllos gerne an bis zu 8 Agenturen raus, drücken gerne den Preis, sind nicht bereit eine Anzahlung leisten, machen sich seltenst die Mühe wirklich mit dem Headhunter/Personaler zusammenzuarbeiten und wundern sich dann, warum sie oft keine qualifizierten Mitarbeiter in angemessener Zeit bekommen. Die pot. MA sind es müde x mal auf die gleiche Position angeschrieben zu werden und wenn sie sich doch entscheiden, dann noch im Bewerbungsgespräch im Gehalt gedrückt zu werden.

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  4. von Ausnahmen bestätigen die Regel am 03.02.2014 (11:18 Uhr)

    Ergänzung: Auch wenn ich M$ nicht mag: M$ ist wohl recht beliebt und stand bei Zufriedensheitsumfragen oft ganz oben. Auf Dauer ist es evtl zu stressig, aber ein paar Jahre dort (M$-Deutschland ich glaube das war in Frankfurt) arbeiten wäre anspruchsvoll aber hilfreich.

    Arbeiterminister sollten Fluktuation in Unternehmen messen und es müsste in den Ausschreibungen drinstehen bzw. im Web unter der Arbeitgebernummer zu sehen sein. Sowas wäre schnell programmiert aber leider finden sich vielleicht immer Gründe, es abzuschalten. Dann sähe man auch ob man im Konzern mit Haustarif-Vertrag oder dem Subunternehmen mit Niedriglöhnen anheuern soll.

    Ergänzung zu Michaela: Und auch bei großen Unternehmen wissen oft nicht so genau was sie suchen und es steht was anderes in der Ausschreibung als was man später machen soll. Gelegentlich sieht man Ausschreibungen die anders sind weil sie wohl von den Mitarbeitern und nicht der Personalabteilung gemacht wurden.
    Unzufrieden ist man überall. Im Konzern gibts meist mehr Geld.
    Google und andere regeln das Problem der Kreativitäts-Steuerung indem man Teil der Arbeitszeit für eigene Projekte nutzen kann. Diese Projekte sind anscheinend nicht so besonders bekannt bzw. verbreitet. Daran erkennt man die kollektive Qualität der zigtausenden Google-Mitarbeiter.

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