Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Startup-Krach: studivz-Gründer Dariani setzt Belohnung auf Hinweise gegen Samwers, Team Europe und Holtzbrinck aus

In der Berliner Gründerszene rumort es zum Jahreswechsel. Ehssan Dariani, Gründer der Studenten-Community studivz, wettert lautstark: gegen den Inkubator Team Europe Ventures, dessen Chef Lukasz Gadowski, gegen die Samwer-Brüder und gegen Holtzbrinck. 25.000 Euro gibt es von ihm für Hinweise auf kriminelle Machenschaften dieser Parteien.

Startup-Krach: studivz-Gründer Dariani setzt Belohnung auf Hinweise gegen Samwers, Team Europe und Holtzbrinck aus

Strafbefehle gegen Geschäftsführung von Lieferheld – gewerbsmäßiger Diebstahl?

Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation ist ein Artikel bei deutsche-startups.de vom vergangenen Samstag, in dem über Strafbefehle gegen das gesamte Führungsteam vom Team-Europe-Startup Lieferheld berichtet wird. Lieferheld soll systematisch die Datenbanken vom Konkurrenten pizza.de angezapft und für seine Zwecke genutzt haben. Kein Einzelfall, betonte Ehssan Dariani im ersten seiner inzwischen zahlreichen Kommentare zum Artikel. „Kriminelle und korrupte Machenschaften" von Lukasz Gadowski (Chef von Team Europe Ventures), der Samwer-Brüder und von Stefan von Holtzbrinck seien an der Tagesordnung. Aus Angst vor juristischen und geschäftlichen Folgen durch das weitverzweigte Netzwerk der Beteiligten würden Geschädigte schweigen.

Auch „Szene-Medien" würden das Thema totschweigen, nicht zuletzt aufgrund ihrer Eigentümer-Struktur (Gründerszene gehört Team Europe Ventures wurde von Gadowski gegründet, Team Europe ist heute maßgeblich an der Betreibergesellschaft beteiligt; an deutsche-startups.de halten die Samwer-Brüder eine signifikante Beteiligung). Darum habe er jetzt 25.000 Euro plus anwaltliche Hilfe für jeden ausgelobt, der sich gegen Holtzbrinck, Gadowski und die Samwers zur Wehr setzen wolle. Aus seinem Ziel macht Dariani keinen Hehl: „Wann sehen wir endlich Samwer im Knast? Wann Holtzbrinck?"

Dariani legt sich dabei mit alten Weggefährten an: Gadowski war ebenso wie die Samwer-Brüder an studivz beteiligt. Gemeinsam verkauften sie das soziale Netzwerk im Januar 2007 an Holtzbrinck, als Verkaufspreis wurden 85 Millionen Euro kolportiert. In seinen Kommentaren geht Dariani auch auf diesen Sachverhalt ausführlich ein: Tatsächlich beschäftige der Deal seit Jahren deutsche Gerichte, Dariani habe für die Hälfte seiner Anteile noch keinen Cent gesehen. Nach Abschluss der Prozesse wolle er umfangreiche Enthüllungen folgen lassen.

t3n.de erreichte Dariani auf einem Schießplatz in Südafrika, wo er den Jahreswechsel verbracht hat. Dariani bestätigte seine Urheberschaft an den Kommentaren und gab an, Gadowski sei bereits juristisch gegen seine Äußerungen vorgegangen. Er wolle zeitnah einen Blog aufsetzen, um seine eigenen Gedanken zum Themenkomplex ungefiltert mitzuteilen. Lukasz Gadowski wollte sich gegenüber t3n.de nicht offiziell zur Angelegenheit äußern.

Externe Debatte über Gründerszene ist überfällig

Die Angelegenheit wirft ein Schlaglicht auf die sonst eher verschwiegene Berliner Gründerszene – zumindest wenn es um Arbeitspapiere und Exits geht. Abseits von hier hereinspielenden persönlichen Nickligkeiten: Eine breite Diskussion über Gegebenheiten in der heutigen Startup-Landschaft – marginale Beteiligungen junger Gründer an ihren eigenen Unternehmen bei Rocket Internet & Co., schlecht bezahlte Mitarbeiter mit extremen Arbeitszeiten – würde der deutschen „New Economy" gut tun. Und ob angesichts der enormen Konzentration von Kapital, Netzwerken und Medien eine glaubwürdige Debatte innerhalb der Szene selbst entstehen kann, ist tatsächlich fraglich.

[Update 17:30 Uhr: 

  1. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir schätzen die Arbeit der Kollegen von gruenderszene.de und deutsche-startups.de. Aber die möglichen Interessenkonflikte in der Berichterstattung aufgrund der Beteiligung der Inkubatoren Rocket Internet und Team Europe gehören angesprochen, wenn es um die Nachvollziehbarkeit der Vorwürfe von Dariani geht.
  2. Wir haben den Begriff „Kopfgeld“ aus der Überschrift entfernt und durch das passendere Wort „Belohnung" ersetzt.
  3. Aufgrund des juristisch höchst brisanten Themas schließen wir die Kommentarfunktion über das Wochenende.

]

[Update 05.01.: Dariani legt Wert auf die Feststellung, er sei lediglich zum Zeitpunkt des Telefonats mit t3n.de auf dem Schießplatz gewesen und habe dort nicht etwa den gesamten Jahreswechsel verbracht.]

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
5 Antworten
  1. von Sebastian Fiebiger am 04.01.2013 (12:33 Uhr)

    Ein eigenes Blog von Ehssan fände ich extrem spannend. Ein wirklich unabhängiges Portal zu Startup-Szene auch. Zweites bleibt aber sicher Wunschdenken. Zu sehr ist man bei der Finanzierung auf die großen Player angewiesen.

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

    Antworten Teilen
  2. von Andreas am 04.01.2013 (13:03 Uhr)

    Diese ganze Ehssan Dariani Geschichte ist schon sehr komisch. Er schimpft und wettert, aber hat bisher keine einzige konkrete Sache hervorgrbracht, ausser nebulösen Andeutungen und dem besagtem Kopfgeld. Wenn seine ehemaligen Gesellschafter ihn so betrogen haben, und das alles so klar auf der Hand, warum macht er das nicht einfach öffentlich? Und gegen Gadowski - hier habe ich bislang nur persönliche Beleidigungen gesehen, die sich auf Gadowskis Privatleben beziehen und Boulevard-Nievau haben.

    Offenbar gibt es tatsächlich nichts, ausser einem persönlichen Rachefeldzug, weil er bei StudiVZ rausgeflogen ist. Damals hat er ja auch selber für den einen oder anderen Skandal gesorgt (siehe http://rebellmarkt.blogger.de/static/antville/rebellmarkt/images/studivz_vbeobachter.jpg). Es wundert mich, dass ihm t3n dafür eine Bühne gibt - das liegt doch alles auf der Hand, oder übersehe ich etwas?

    Das Argument, dass eine ausgewogene Berichterstattung nicht möglich sei in der Szene, teile ich zudem nicht. Zwar gehören die wesentlichen Magazine jeweils Netzwerken an, aber diese Netzwerke stehen in erbitterter Konkurrenz zueinander. Deustche Startups berichtet kritisch über Lieferheld, und Gründerszene hat seinerzeit kein gutes Haar an Citydeal gelassen, etc.

    Antworten Teilen
  3. von Tweeeeeter am 04.01.2013 (13:11 Uhr)

    Zeitnah einen Blog aufsetzen? Nun ja- das schafft sogar meine kleine Schwester in 5 Minuten auf eine der großen Plattformen. Worauf warten man also? Oder muss erstmal in Ruhe auf dem Schießplatz in Südafrika darüber philosophiert werden?

    Dennoch finde ich die Diskussion (von der ich als Aussenstehender jetzt erst was mitbekomme) recht interessant.

    Antworten Teilen
  4. von Peter am 04.01.2013 (16:01 Uhr)

    Was für ein peinlicher Artikel! Wisst ihr wer dieser Dariani ist? Tipp: Googlen! Ihr bietet ihm eine Platzform und beschwert euch über die anderen Magazine obwohl sie gut da drin sind jede kleinste Ungerechtigkeit zu veröffentlichen (siehe Gründerszene und Deutsche Startups Artikel zu Liererheld, Groupon, eDarling, ect). Was sie aber nicht machen sind Schmutzkampagnen. Aber das ist jetzt ja scheinbar euer Job. Ab sofort kein t3n mehr für mich. Schade!

    Antworten Teilen
  5. von Andreas Kleiser am 07.01.2013 (17:38 Uhr)

    spannend. ich hol schonmal das Popcorn raus :-)

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Startups
Earlyclaim reserviert euren Nutzernamen für Dienste, die es noch nicht gibt
Earlyclaim reserviert euren Nutzernamen für Dienste, die es noch nicht gibt

Earlyclaim erlaubt es euch, euren Nutzernamen für verschiedene Dienste zu reservieren, die es noch nicht gibt. So habt ihr immer euren gewünschten Screenname und die teilnehmenden Startups bekommen … » weiterlesen

Google Ventures Library: Hier stillen Startups und Gründer ihren Wissensdurst
Google Ventures Library: Hier stillen Startups und Gründer ihren Wissensdurst

Mit der Google Ventures Library betreibt Google schon länger ein umfangreiches Wissensangebot für Gründer. Bisher nur für Startups aus dem Portfolio des Konzerns zugänglich, stehen viele Inhalte … » weiterlesen

Bootstrapping für Hardware-Startups: Dieser neue Guide hilft euch dabei
Bootstrapping für Hardware-Startups: Dieser neue Guide hilft euch dabei

„The Ultimate Guide To Bootstrapping A Hardware Startup“ führt Gründer im Hardware-Segment auf 22 Seiten von der Idee bis zum ausgelieferten Produkt. Das Dokument könnt ihr euch kostenlose … » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n-Newsletter t3n-Newsletter
Top-Themen der Woche für Web-Pioniere
Jetzt kostenlos
anmelden
Diesen Hinweis verbergen