Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Startup-Standorte: Berlin in weltweitem Vergleich nur auf Platz 15

Mit dem „Startup Ecosystem Report“ wurde kürzlich die weltgrößte Untersuchung von Startup-Standorten veröffentlicht. Überraschenderweise bescheinigt die Untersuchung Berlin lediglich Mittelmaß. Die deutsche Startup-Hochburg rangiert trotz großem Hype nur auf dem 15. Platz, weit hinter Standorten wie Tel Aviv, London und Paris.

Startup-Standorte: Berlin in weltweitem Vergleich nur auf Platz 15

Der Startup Ecosystem Report wurde von Startup Genome und Telefonica Digital durchgeführt und basiert auf Informationen aus Umfragen, Interviews und externen Datenquellen. Als Basis dienten zudem rund 50.000 Datensätze junger Unternehmen, die den Benchmarking-Dienst Startup Compass nutzen.

Startup-Standorte: Silicon Valley dominiert das Ranking

Das komprimierte Ergebnis der Untersuchung ist die folgende Tabelle, die insgesamt 20 Standorte listet. Sie wird von wenigen Regionen dominiert, wirft aber dennoch ein positives Licht auf die Entwicklung der einzelnen Ökosysteme. So war den Autoren zufolge ein Großteil der gelisteten Standorte vor fünf bis zehn Jahren noch weit davon entfernt überhaupt erwähnt zu werden.

Berlin steht als Startup-Standort hinter Tel Aviv, London und Paris.

Die oben eingebundene Tabelle des „Startup Ecosystem Report“ ist keinesfalls perfekt. Sie sei lediglich eine „robuste 80%-Lösung“, so die Autoren. Auf Basis der Tabelle lassen sich denoch erste Rückschlüsse ziehen, die im Rahmen der Untersuchung noch deutlicher ausdifferenziert werden. Die oben dargestellten Unterkategorien werden demnach wie folgt definiert:

  • Startup Output Index: Er repräsentiert die Aktivität und Anzahl der Gründer in einer Region sowie die Entwicklungsphase bestehender in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl.
  • Funding Index: Er repräsentiert die Beschaffenheit des Venture Capital in der entsprechenden Region.
  • Performance Index: Er misst die Performance und das Potenzial von Startups einer Region. Mit einberechnet werden dabei Variablen wie der Umsatz, das Wachstum von Unternehmen und Arbeitsplätzen.
  • Mindset Index: Er versucht die Einstellung der Gründer zu definieren. Eine Rolle spielen hierbei Faktoren wie Vision, Risikobereitschaft und Arbeitsethik.
  • Trendsetter Index: Er misst wie schnell ein Ökosystem neue Technologien, Management-Prozesse und Geschäftsmodelle umsetzt. Damit sollen Standorte identifiziert werden, in denen innovative Unternehmen große Chancen haben.
  • Support Index: Er misst die Qualität der vorhandenen Netzwerke. Dazu zählen unter anderem Mentoren und Dienstleister.
  • Talent Index: Er repräsentiert das Talent der Gründer an einem gegebenen Standort in Abhängikeit von Faktoren wie Alter, Bildung und Erfahrung.
  • Differentiation Index: Er stellt den Unterschied zum Silicon Valley dar, das hier als Vorbild dient. Als Indizien dienen die Art der dort gegründeten Unternehmen und die Demografie der dort lebenden Bevölkerung.

Startup-Standorte: Berlin hat mehrere Schwächen

Wie man der oben stehenden Tabelle entnehmen kann überzeugt Berlin in Hinblick auf den Funding, Talent und Trendsetter Index. Im direkten Vergleich zum Silicon Valley, dem glorreichen Vorreiter des „Startup Ecosystem Report“, offenbaren sich aber auch deutlich feinere Unterschiede. So ist das Durchschnittsalter der in Berlin ansässigen Gründer etwa zweieinhalb Jahre unter dem der US-amerikanischen Vorbilder. Auch der Anteil an Seriengründern sowie die Anzahl an Arbeitsstunden ist hierzulande niedriger.

Die Unterschiede im Detail

Von diesen und vielen weiteren Faktoren ist unter anderem die Zahl der Neugründungen abhängig. Im Vergleich zum Silicon Valley produziert Berlin demnach 88 % weniger Startups. Ein möglicher Grund dafür sind große Finanzierungslücken. Startups sammeln hierzulande deutlich weniger Kapital ein als im Silicon Valley, sowohl vor als auch nach der Markteinführung. Der Finanzierungsanteil von Banken ist zudem relativ hoch, wohingegen die Finanzierung durch Business Angels und VCs verhältnismäßig niedrig erscheint.

Der Vergleich offenbart aber auch positive Seiten des Startup-Standorts Berlin. Dort ansässige Unternehmen leben am Puls der Zeit, setzen auf neue Technologien und konzentrieren sich in der Regel auf kleine, sehr konkrete Märkte. Dies resultiert in geringeren Chancen einen Unternehmenswert oberhalb der Milliardenmarke zu generieren, könnte aber ein Grund dafür sein, dass die Chancen auf eine frühe Monetarisierung hierzulande höher sind als im Silicon Valley.

Berlin könnte Standort-Ranking erobern

Trotz einiger Negativfaktoren deutet die Entwicklung für Berlin in Richtung Aufstieg. Vor allem der Trendsetter Index der deutschen Startup-Hochburg lässt eine solche Entwicklung vermuten, erklären die Autoren. Die Chancen stehen also gut, dass Berlin schon bald deutlich besser abschneidet und seinem Hype gerecht wird. Die zunehmende Entwicklung der notwendigen Strukturen, eine wachsende Community und mehr risikofreudige Investoren könnten hierbei hilfreich sein. Insgesamt gesehen setzt die deutsche Gründerszene mit Berlin also schon seit langem auf das richtige Pferd. Eine Entscheidung, die sich langfristig auszahlen könnte.

Weitere Informationen

NEU: Lass dir diesen Artikel vorlesen
Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.
Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Eine Antwort
  1. von martin am 21.11.2012 (16:58 Uhr)

    national liegt berlin hinter münchen, also stimmt das alles eh nicht...

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Startups
360-Grad-Blick über das Silicon Valley - Zu Besuch bei 500 Startups in Mountain View [Bildergalerie]
360-Grad-Blick über das Silicon Valley - Zu Besuch bei 500 Startups in Mountain View [Bildergalerie]

500 Startups ist einer der bekanntesten Seed-Accelerator in San Francisco und dem Silicon Valley. Unser US-Korrespondent Andreas Weck hat für euch das Büro in Mountain View besucht. » weiterlesen

Cloud Computing: IBM fördert IT-Infrastruktur von Startups mit bis zu 120.000 Dollar
Cloud Computing: IBM fördert IT-Infrastruktur von Startups mit bis zu 120.000 Dollar

Cloud-Services im Wert von bis zu 120.000 US-Dollar will IBM ausgewählten Startups zur Verfügung stellen, damit diese ihre IT-Infrastrukturen auf aktuelle Anforderungen des Cloud Computing anpassen … » weiterlesen

Office Fetish: So sehen die Büros deines Lieblings-Startups aus
Office Fetish: So sehen die Büros deines Lieblings-Startups aus

Office Fetish veröffentlicht Fotos verschiedener Startups und Freelancer aus der Tech-Branche. Wer wissen möchte, wie es sich bei Firmen wie Medium, Indiegogo oder Squarespace arbeitet, der sollte … » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 38 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen