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Startup-Steckbrief: ununi.TV will das E-Learning entstauben

Im und um das Netz bilden sich viele kleine Neugründungen. In unserem Startup-Steckbrief stellen wir euch wöchentlich einige interessante Projekte vor. Heute geht es um ununi.TV, eine Bildungs-Videoplattform, die das Thema Weiterbildung im Netz revolutionieren möchte. Im Interview steht uns Mitgründerin Anja C. Wagner Rede und Antwort.

Startup-Steckbrief: ununi.TV will das E-Learning entstauben

Startup-Mitgründerin Anja C. Wagner im Gespräch:

t3n.de: Liebe Anja, erklär uns doch mal ununi.TV.

Anja C. Wagner: Ununi.TV ist eine Bildungs-Videoplattform von allen für alle. Wir arbeiten mit Google Hangouts. Jeder kann dabei mitmachen und Mitglied werden. Für die Mitglieder ist es eine Austauschbörse, Dachmarke und Möglichkeit, Geld zu verdienen. Für die Zuschauer entsteht dadurch ein interaktives Bildungsfernsehen mit einem bunten Strauß an Angeboten. Und das Ganze aufgezogen als gemeinnütziges Netzwerk-Unternehmen.

Das Startup ununi.TV bringt Schüler und Lehrer per Google-Hangouts zusammen. (Screenshot: ununi.tv)
Das Startup ununi.TV bringt Schüler und Lehrer per Google-Hangouts zusammen. (Screenshot: ununi.tv)

t3n.de: Was habt ihr gemacht, bevor ihr ununi.TV gestartet habt und wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen?

Anja C. Wagner: Das erste ununi.TV war ein Demo-Spaß-Projekt im Rahmen eines größeren Weiterbildungsprojektes an einer Hochschule. Wir hatten mit einigen Fach-Experten demonstrieren wollen, wie sich Innovation entwickeln kann, wenn man kollaborativ arbeitet. Da die vier originären Co-Founder aus dem Social Media-, Web TV- und Bildungskontext stammten, kam dabei ununi.TV heraus. Zunächst ohne Business-Modell angedacht, haben wir uns im Laufe der Zeit überlegt, wie man das Projekt aufsetzen müsste, um es nachhaltig aufzubauen, ohne in diesen Venture-Capital-Exit-Strudel zu geraten. Daraus resultierte diese zweite ununi.TV-Generation, die sich personell etwas anders darstellt, sich auf eine größere Community stützt und eine neue Unternehmensform generiert. Man kann heute kaum noch zwischen „Team“ und „Netzwerk“ unterscheiden – die Grenzen sind fließend und je nach Zeitbudget bei den beteiligten Personen variabel. Wir arbeiten sehr modern und nutzen die Möglichkeiten des dezentralen Netzes.

t3n.de: Wie sieht euer Konzept zur Monetarisierung von ununi.TV aus? Womit wollt ihr Geld verdienen?

startup ununi.tv
Anja C. Wagner ist Mitgründerin von ununi.TV, einer Bildungs-Videoplattform von allen für alle: „Das erste ununi.TV war ein Demo-Spaß-Projekt“.

Anja C. Wagner: Ununi.TV ist am Front-End eine kostenfreie Video-Plattform für die Öffentlichkeit, über die sich unsere Community-Mitglieder mit ihrem Know-how präsentieren können. Die eigentliche Weiterbildung entsteht aber im Hintergrund, im Mitgliedschaftsbereich. Hier werden wir später geringe Mitgliedschaftsgebühren erheben, die sich im Bereich von zehn Euro pro Monat, respektive 100 Euro im Jahr, bewegen. Als Gegenleistung erhält man dafür zunächst eine kontinuierliche Weiterbildung im Feld von Social Media, Visual Literacy und Videokonferenz-Kompetenz. Darüber hinaus bieten wir Anlässe, sich mit anderen zu vernetzen und wechselseitig die Erfahrungen auszutauschen, um neue Online-Formate für den eigenen Bedarf zu entwickeln. Diese Formate kann man dann nutzen, das eigene Knowhow über den späteren „EduShop“ als kostenpflichtige Online-Dienstleistung per Videokonferenz zu verkaufen, sei es als Guided Tour, Coaching oder Beratungsangebot. Hier werden wir eine kleine Provision nehmen.

t3n.de: Was sind/waren für euch die größten Hürden bei der Gründung?

Anja C. Wagner: Wir haben uns entschieden, den Anschub über zu finanzieren, um zu sehen, ob solch ein Angebot gewünscht ist und Menschen bereit sind, für ein sehr modernes Weiterbildungsprogramm zu zahlen. Bildung soll halt nichts kosten, das ist der vorherrschende Anspruch. Aber das funktioniert nicht, wenn man sich nicht auf etablierten, verschnarchten oder kommerziellen Wegen bewegen will. Deshalb verkaufen wir die Mitgliedschaften vergünstigt vorab, damit wir den Aufbau der Community-Leistungen und des „EduShops“ finanzieren können. Zudem haben wir mit einem sehr traditionellen Bildungsverständnis in der Bevölkerung zu kämpfen. Viele denken bei Bildung an klassische Wissensvermittlung, wie sie es beispielsweise aus ihrer Hochschulzeit gewohnt sind. Und dann gähnen sie erst einmal. Aber diese Bildungsform hat sich längst überlebt im Zeitalter des Internets – auch wenn man dies in unseren Bildungsinstitutionen kaum bemerkt.

Das Wissen steht nun mal im Netz. Deshalb bedeutet Bildung heute, Erfahrungen auszutauschen, neu zu kombinieren und damit Innovationen zu schaffen. Und das kann Spaß machen. Da gibt es niemanden mehr, der den Weg weisen könnte. Wir sind selbst gefragt. Diese Selbstverantwortung zu übernehmen, scheint ein Problem zu sein – neben all denjenigen Menschen, die in den alten Institutionen sitzen und sehenden Auges ihre Bedeutungslosigkeit erahnen – was sie verständlicher Weise nicht erfreut angesichts des Status, den sie heute noch haben.

t3n.de: Was ist euer Alleinstellungsmerkmal? Warum sollten unsere Leser ununi.TV unbedingt mal ausprobieren?

Anja C. Wagner: Ununi.TV ist richtig moderne Weiterbildung, keine rückwärtsgewandte Fortführung der klassischen Hochschulen wie andere Online-Bildungsanbieter, die von den Medien als „Revolution“ gefeiert werden. Bei uns trifft man andere, berufstätige Erwachsene auf Augenhöhe. Wir tauschen uns konstruktiv aus und versuchen gemeinsam, die Zukunft zu gestalten, neue Angebote zu entwickeln und die interaktiven Möglichkeiten von Videokonferenz-Technologien zu nutzen. Die Vielfalt und der wechselseitige Austausch von kompetenten Menschen, die in ihrem Feld Experten sind, führt zu neuen Ansätzen: In jedem Menschen steckt ein Experte. Wer mit seinem Know-how Geld verdienen will, soll zu uns kommen – wir unterstützen uns wechselseitig und überlegen, wie neue Wissensformate ausschauen könnten.

t3n.de: Wo geht die Reise mit ununi.TV hin? Was sind eure nächsten großen Baustellen?

Anja C. Wagner: Erst einmal die Crowdfunding-Kampagne zu Ende führen. Ohne Geld kann es keine Entwicklung der Plattform geben, keine Community-Arbeit und keine kostenfreien Online-Sessions. Sollten uns die Menschen zeigen, dass sie dieses Angebot wünschen, dann hängen wir uns rein und bauen die Plattform professionell aus und institutionalisieren uns. Mit diesem Vertrauensvorschuss können wir Fördermittel beantragen und politischen Druck aufbauen, uns einen minimal kleinen Bruchteil der öffentlichen Bildungsausgaben und GEZ-Gebühren zur Verfügung zu stellen. Wir benötigen nicht viel. Und im Zweifel produzieren wir mit diesem Geld weit innovativere Formate als diese alten, behäbigen Institutionen. Die Bretter sind dick, die wir bohren. Das wissen wir. Wer etwas bewegen will, darf uns aber gerne unterstützen.

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