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Startups

„Da ist richtig viel Feuer!“ Was wir von jugendlichen Gründern lernen können [Interview]

    „Da ist richtig viel Feuer!“ Was wir von jugendlichen Gründern lernen können [Interview]

Verena Pausder. (Foto: Fox & Sheep)

Die Initiative „Startup Teens“ vermittelt Jugendlichen ganz praktisches Gründungswissen. Warum das Engagement für junge Gründer in deutschen Schulen und Elternhäusern bisher nicht ausreicht und was wir von den jungen Startup-Pionieren lernen können.

„Startup Teens“: Mehr Unternehmergeist für deutsche Schulen

Was haben Lea-Sophie Cramer (Amorelie), Jan Beckers (Hitfox), Florian Gschwandtner (Runtastic), Julia Bösch (Outfittery) oder Flo Meissner (EyeEm) gemeinsam? Sie helfen Schülern und Jugendlichen im Rahmen der Initiative Startup Teens, eigene Geschäftsideen zu entwickeln und zu verfolgen. Insgesamt engagieren sich mehr als 120 Unternehmer bei der von Hauke Schwiezer gegründeten Initiative, bieten Online-Trainings an, wirken bei Events mit und stellen Räumlichkeiten oder Geld zur Verfügung.

Verena Pausder über die Initiative „Startup Teens“. (Foto: Fox & Sheep)
Verena Pausder über die Initiative „Startup Teens“. (Foto: Fox & Sheep)

Kern des Projekts ist eine digitale Plattform, über die Schüler Online-Trainings und Webinare von Unternehmern zu den Themen Ideenentwicklung, Gründung, Finanzierung und mehr abrufen können. Man habe sich bewusst dazu entschieden, nicht selbst mit den Inhalten in den Unterricht zu gehen, sondern Online als zentralen Kanal zu nutzen, erzählt Verena Pausder, die Mit-Initiatorin von Startup Teens: „Nur digital können wir wirklich alle abholen.“ Wir haben mit ihr über das Projekt und die bisherigen Defizite in der Ausbildung neuer Gründer-Generationen in Deutschland gesprochen.

t3n: Verena, was war eure Motivation, die Initiative „Startup Teens“ zu gründen?

Verena Pausder: Wir sind alle Unternehmer und haben festgestellt, dass es insgesamt in Deutschland noch immer ganz schön wenige von uns gibt. Der Eindruck, den man etwa in Berlin zuweilen bekommt, dass Startups und Gründer überall seien, täuscht: Gerade bei den Jüngeren ist das Thema Gründen nicht richtig verwurzelt in Deutschland, es hat nicht denselben Nährboden wie in anderen Ländern.

t3n: Dabei gibt es doch vor allem an Hochschulen zunehmend Angebote, um Gründen als Karriereoption zu etablieren …

Verena: Für Studenten wird einiges getan, ja, aber da hat ja schon eine gewisse Selektion stattgefunden. An den Universitäten erreicht man längst nicht mehr alle. Wenn du davon ausgehst, dass eigentlich in jedem etwas schlummert, musst du viel früher ansetzen. Also haben wir gesagt: „Lasst uns was machen“.

t3n: Und ihr habt eine Online-Plattform erstellt, über die Jugendliche sich informieren und Webinare besuchen können. Zusätzlich gibt es eigene Events und Business-Plan-Wettbewerbe. Wie ist die Resonanz?

Verena: Momentan besuchen schon mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler unseren wöchentlichen Livestream und verfolgen die Webinare. Bei den zusätzlichen Events haben wir durchschnittlich auch noch mal 200 Teilnehmer. Klar kann das noch viel größer werden, aber die Entwicklung macht uns auch jetzt schon sehr zufrieden. Wir versuchen, Schüler und Lehrer direkt anzusprechen, gehen aber auch über die Wirtschaftsförderungen, Kultusministerien oder die Industrie- und Handelskammern. Bisher funktioniert das Word-of-Mouth-Prinzip gut – und auch das Feedback der Teilnehmer fällt sehr positiv aus: Wir bekommen viele Mails und Reaktionen über soziale Medien. Morgen kommen wieder zwei Schüler bei mir vorbei. Sie nutzen einen ganzen Tag ihrer Ferien, um sich von mir Feedback zu holen und was auszuprobieren. Ganz schön motiviert!

Lena Kotlarov (17) engagiert sich in einer Schülerfirma und nimmt sowohl an den Online-Trainings als auch am Business-Plan-Wettbewerb der „Startup Teens“ teil. Sie kann sich gut vorstellen, später einmal selbst zu gründen: „Mir helfen die Online-Trainings, meine eigene Arbeit besser zu verstehen und Know-how zu erwerben, das mir auch später im Berufsleben weiterhilft. Besonders durch die vielen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer, die bei ‚Startup Teens‘ als Vorbilder dienen.“ (Foto: Lena Kotlarov)
Lena Kotlarov (17) engagiert sich in einer Schülerfirma und nimmt sowohl an den Online-Trainings als auch am Business-Plan-Wettbewerb der „Startup Teens“ teil. Sie kann sich gut vorstellen, später einmal selbst zu gründen: „Mir helfen die Online-Trainings, meine eigene Arbeit besser zu verstehen und Know-how zu erwerben, das mir auch später im Berufsleben weiterhilft. Besonders durch die vielen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer, die bei ‚Startup Teens‘ als Vorbilder dienen.“ (Foto: Lena Kotlarov)

t3n: Was lernst du selbst im Umgang mit den Jugendlichen?

„Das ist keine Generation, die bei Mami und Papi am Tisch sitzt und sagt ‚ach, die machen schon alles für mich‘.“

Verena: Man lernt zum Beispiel, nicht zu abgehoben zu denken. Wenn du zu lange in der Startup-Branche unterwegs bist, gehst du irgendwie davon aus, dass das alles Allgemeinwissen ist: Alle reden nur noch in irgendwelchen englischen Fachbegriffen und sind in ihrer eigenen Welt. Bei der Initiative merke ich: Sie holt einen runter von dem ganzen Lifestyle und Hype und lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Frage: „Was ist es denn wirklich?“ Das finde ich spannend: Es darauf zu reduzieren, worum es wirklich geht, nämlich eine Idee haben, sie aufschreiben, Leute dafür begeistern, loslegen. Außerdem macht es mich fast ein bisschen stolz zu sehen, was in den 16-, 17-jährigen in Deutschland so steckt. Das ist keine Generation, die sich nur bei Mami und Papi an den Tisch setzt und sagt „ach, die machen schon alles für mich“, sondern da ist richtig viel Feuer. Es macht mich happy, dass das hier in Deutschland auch möglich ist, dass wir richtig coole Jugendliche haben und nicht ins Silicon Valley gucken müssen.

t3n: Beobachtest du, dass Teenager anders an Dinge herangehen?

Verena: Gerade mit digitalen Komponenten gehen sie viel selbstverständlicher um. Sie denken gar nicht in „non-digitalen Geschäftsmodellen“. Klar können die sich auch eine Dönerbude oder eine Bäckerei vorstellen, kein Problem, aber sobald es irgendwie konkreter wird, spielen neue Kommunikationsmedien und soziale Kanäle automatisch eine Hauptrolle. Aber ohne dass das ihre explizite Digitalstrategie wäre. Das ist einfach ihr Leben! Wir sagen: „Oh, wir müssen mal mehr auf YouTube machen, da geht glaube ich gerade die Post ab“. So etwas würden die Jugendlichen nie sagen, die sind einfach da. Die wüssten gar nicht, wie sie NICHT irgendwas auf YouTube machen sollen. Dieses Selbstverständnis kriegt man live mit und merkt, dass das nicht nur in der Presse geschrieben wird sondern wirklich stimmt.

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t3n: Sind sie daher auch näher dran? Können sie bessere Lösungen entwickeln?

„Der Weg zum Tech-Startup ist für heutige Jugendliche nicht unbedingt kürzer.“

Verena: Nein, das nicht. Sie sind zwar näher dran am Digitalen, aber sie haben tatsächlich oft relativ wenig Ahnung von Technologie. Bei unseren Events ist es nicht so, als ob da lauter Techies vor uns sitzen würden – sondern eher sehr affine Digitalanwender, die dann aber auch nicht wissen, wie man eine App eigentlich programmiert, wen man dafür braucht und so weiter. Ihr Weg zum Tech-Startup ist nicht unbedingt kürzer als unserer.

Das ist überhaupt ein schwieriger Transfer: Wie können wir dafür sorgen, dass die nächste Generation nicht nur Konsumenten von Digitalem sind, sondern selber gestalten lernen, und zwar auch schon früh? An den Schulen findet das noch nicht statt und auch die Eltern sind überfordert.

t3n: Gilt das neben dem technischen Bereich auch für den Business-Bereich?

Verena: Absolut. Wenn es Wirtschaft als Fach an Schulen gibt, geht es da fast immer um Konzern-Business-Cases, beispielsweise die Deutsche Bahn. Aber es gibt selten Projektwochen in Richtung „Was habt ihr für Ideen? Macht mal einen Plan und entwickelt bis Ende der Woche einen Prototyp.“ Und da wir insgesamt wenige Unternehmer in Deutschland haben, finden solche gedanklichen Experimente auch in den meisten Elternhäusern, etwa am Abendbrottisch, kaum statt. Das soll „Startup Teens“ ändern und ein zusätzliches Forum für unternehmerische Ideen bieten.

t3n: In welcher Hinsicht sollten sich andere Unternehmer – sollten wir „Älteren“ uns – ein Beispiel an den Startup-Teens nehmen?

Verena: Indem wir nicht so viele Risiken sehen und über Gefahren reden, sondern eher die Chancen sehen. Schüler denken ziemlich wenig in Kategorien wie „was alles nicht gehen kann“, sondern sind noch sehr unvoreingenommen. Ich glaube das täte uns als Erwachsenen, besonders uns deutschen Erwachsenen, auch ganz gut – sich weniger darin zu verlieren, über die negativen Seiten von Entwicklungen oder Unternehmen zu diskutieren. Von dieser Unvoreingenommenheit sollten wir uns dringend eine Scheibe abschneiden.

Das Gespräch mit Verena Pausder haben wir im Rahmen unserer Recherche zum Magazintitel „20 unter 20 – Digitale Pioniere und wie sie unsere Zukunft gestalten“ geführt. Mehr Infos zum Schwerpunkt und eine Kostprobe findet ihr hier

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2 Reaktionen
Alter ist kein Grund
Alter ist kein Grund

Oh. Ich bin wohl zu alt. Daher werden meine vor 10 Jahren verkündigten Ideen jetzt von Golem, Uber, BlaBlaCar, manchmal von Amazon, ... realisiert. Diese Steuern hätten in Deutschland fliessen können.

Hier wurde ja mal auf Franchise-Opfer hingewiesen. Meine Forderung, das Steuerberater und Insolvenz-Verwalter hier regelmäßig (anstelle der viel zu häufigen Cashburner-Jubel-Meldungen) berichten sollten, wird ja bis heute nicht realisiert.
Und auch manche 60jährigen haben keine Sozialkompetenz.

Wichtiger wäre, wo das ganze Geld bleibt und das man Trivialpatente dank TTIP im Knast haften darf. Geschäftsführer-Durchgriffs-Haftung kennen die meisten wohl auch nicht und zappen wohl zu gern weiter bei den Berichten über Business-Betroffene oder die hier auch erwähnten Franchise-Opfer mit gigantischen Schulden.
Wichtig wären generelle Liste von Dingen. Z.b. den Großeltern das Produkt benutzen lassen. Dann wird diese Software schon mal besser als fast alle Mediatheken wo man ohne IT-Studium kaum was gebacken kriegt oder Fernseher und Settopboxen. Erst ShowView (siehe Wikipedia) ermöglichte dem Volk die simple Programmierung.
Eat what you feed. An den Restaurant-Rettungs-Shows erkennt man wieso das wichtig ist...
Aber hier wurde ja mehrmals berichtet/zitiert das man sich um die Zahlen und Cashflow kümmern muss. Auch sicherheitsreserven.

Wenn man Wirtschaftskunde richtig macht studiert man danach lieber was Bill Gates Kinder studieren und weniger Studiengänge wo das Volk genau weiss das der Lohn klein, die Arbeit groß und die Lebens-Einnahmen niedrig sein werden.
1.7% beim Exit sollten jedem Klar machen welche Seite mehr verdient und welchen Job man besser wählt:
http://www.gruenderszene.de/allgemein/hacking-business-model Man suche " utopischen ".
TV-Sendungen mit der Wahrheit über den Lohn sollten die Eltern und alle Schüler regelmäßig sehen müssen. Dann studiert man die profitablen Jobs statt trotz nützlicher Arbeit am Hungertuch zu nagen.

Und wer Ältere pauschal abschreibt gibt ja zu das man als verhasster vorgesetzter Boni-Manager nicht mit 30 schon zu alt für den Job ist sondern eine weitere Beförderung bekommt und frische Uni-Absolventen billig arbeiten und programmieren zu lassen. Es gibt Jobs für die man mit 30 schon zu alt ist. Das realisieren viele halt nicht und die Presse bekommt es erst mit wenn mal jemand schaut wo das viele Geld bleibt und wieso es uns immer schlechter geht. Für Parteien, Presse und Gewerkschaften ist das bisher wohl nicht so spannend.

Und wer mit KMU-Kunden zu tun hat erkennt diejenigen, welche geistig schon in Rente sind und die anderen die immer noch hungrig sind und ihre Lebenserfahrung erfolgreich ausspielen können.
Beim Exit an Großunternehmen muss man sich ja nicht mehr anstrengen. Leistungs-Lose-Pauschalboni sind denen anscheinend wichtiger als Leistungsbasierte Erfolgs-Löhne. Daher sind die Produkte ausser dem wahren Cashbringer (Suche+Vermarktung aber wohl nicht so sehr mobil weil Facebook dort wohl besser ist) überschaubar erfolgreich und fast alles ausser Youtube gibts ja oft kaum noch.
http://www.golem.de/1011/79268.html Mittlerer (also dritter) Absatz. Wenn man keine Leistung bezahlt braucht sich auch keiner mehr als nötig anzustrengen. Für ein besseres Android, virenfreien Appstore, Virenfreies Web, Funktionierendes bezahlbares ARA, Google Glass, Froogle, Base, Wave, Internet fürs Volk... ... kriegt man ja nicht mehr Geld. Die Folgen: Aufkauf und Beendigung/Stagnation sehen wir täglich. Ein brauchbares NEST würde den Klimawandel verringern und das Volk viel billiger leben lassen. ARA-Handies konnte man gute Displays weiternutzen und die CPU upgraden oder was viele Firmenkunden wollen: Abhörfreie Handies gründen wo man die Voice/Kamera-Module abziehen kann. Jetzt macht es M$ teuer für Firmenkunden und wir haben wieder nix davon und müssen Phone und Tablett trotz Funktionsfähigkeit und vorhandener Infrastruktur/Haltern/Gehäusen/Car-Docking... immer wieder alles (oft extra-teuer) neu kaufen :-(((

http://t3n.de/news/zukunft-digital-natives-673230/

Antworten
Marius
Marius

Toll, ich war auch mal ein "startup teen". Nannte 1998 nur keiner so. Im Rückblick war ich einigen Leuten gegenüber ein ziemlich A*schloch. Heute tut mir das leid. Worauf ich hinaus will - was "startup teens" wie mir völlig fehlte, ist Sozialkompetenz. Die erwirbt man mit Lebenserfahrung. Daher gilt für mich heut: Trau keinem Startup Gründer unter 30.

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