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Startups

Diese Startup-Themen haben uns 2015 besonders bewegt

    Diese Startup-Themen haben uns 2015 besonders bewegt

(Foto: Shutterstock.com)

Das Jahr neigt sich dem Ende und es wird Zeit, zurückzublicken: Diese Themen haben die Gemüter der Startup-Szene 2015 zum Kochen gebracht.

Welche Trends die Startup-Szene 2016 beeinflussen werden, haben wir euch vor einigen Wochen schon vorgestellt. Doch „nur wer die Vergangenheit kennt, hat auch eine Zukunft“ – dieser Weisheit von Wilhelm von Humboldt zu Ehren werfen wir heute noch mal einen Blick zurück auf das vergangene Startup-Jahr.

1. Der Mindestlohn

Es war das Aufreger-Thema schlechthin zu Beginn des Jahres: der Mindestlohn, der seit dem 1. Januar 2015 auch an Startup-Praktikanten ausgezahlt werden muss. Sinnvolle Maßnahme oder ungebührliche Belastung für die Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft? An dieser Frage schieden sich die Geister, auch t3n hat sich an der Diskussion beteiligt. Mittlerweile ist es um das Thema Mindestlohn wieder ruhiger geworden. Das heißt aber nicht, dass die Startups nicht weiterhin mit der Regelung zu kämpfen haben.

Das Startup-Jahr 2015: Juniqe-CEO Lea Lange macht das Beste aus dem Mindestlohn, wünscht sich aber Anpassungen. (Foto: Juniqe)
Das Startup-Jahr 2015: Juniqe-CEO Lea Lange macht das Beste aus dem Mindestlohn, wünscht sich aber Anpassungen. (Foto: Juniqe)

So etwa Juniqe aus Berlin, das seine Hiring-Strategie in diesem Jahr umgestellt hat und sich bei der Praktikantensuche jetzt vor allem um Studenten bemüht, die ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen und damit vom Mindestlohn ausgenommen sind. Gründerin Lea Lange ist überzeugt, dass die Neuregelung vor allem einen Nachteil für junge Leute in der Ausbildung darstellt, die gerne etwas lernen und ausprobieren würden, jetzt aber weniger Gelegenheiten dazu bekommen: „Ich halte den Mindestlohn für eine sehr wichtige sozialpolitische Maßnahme“, hält sie fest. „Zeitgleich stellt uns die Regelung als Startup vor große Herausforderungen. Eine Anpassung der Regelung für Praktika je nach Unternehmensgröße oder gebunden an relevante Unternehmenskennzahlen fände ich (…) sehr sinnvoll.“

Hauke Windmüller, Mitgründer und CEO des Hamburger Startups FAMILO, sieht das ähnlich. Das Unternehmen stellt heute vermehrt Werksstudenten ein, da sie das Startup – im Gegensatz zu Praktikanten, denen oft ein Zeitraum von drei oder sechs Monaten vorgegeben ist –, meist über einen längeren Zeitraum unterstützen können, so dass sich die Personalkosten gerechnet auf Einarbeitungszeiten und Mitarbeit eher decken lassen. Die Mindestlohnproblematik komme bei FAMILO insgesamt nicht sehr häufig zum Tragen, da das Startup überwiegend erfahrenes Fachpersonal einstelle. Trotzdem gehe die aktuelle Regelung zulasten derjenigen, die gerne „mal in ein neues Arbeitsumfeld reinschnuppern wollen“, ohne dass sie dabei von Anfang an ausreichend zum Geschäftserfolg des Unternehmens beitragen könnten: „Wir würden jungen, motivierten Bewerbern gern einen Praktikumsplatz bieten, dafür wäre es aber von Vorteil, wenn der Mindestlohn bei Praktika mit einer Maximallänge von drei oder sechs Monaten ausgeschlossen wird“, sagt Windmüller.

2. Das (letztlich doch beerdigte) „Anti-Angel-Gesetz“

Aus dem Finanzministerium kam der Vorstoß im Sommer 2015, Veräußerungsgewinne aus Streubesitzbeteiligungen stärker zu besteuern. (Foto: Metropolico.org / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Der Mindestlohn ist nicht das einzige Themengebiet, auf dem Politik und Gründerszene 2015 ordentlich aneinandergerasselt sind. Streitpunkt Nummer 2: das geplante sogenannte „Anti-Angel-Gesetz“, das vorsah, Erträge aus der Veräußerung von Streubesitzanteilen zu besteuern. Das hätte vor allem deutsche Business-Angels betroffen, die momentan einen Steuervorteil genießen, wenn sie die aus dem Verkauf von Startup-Anteilen generierten Gewinne direkt wieder in neue Startups investieren. Die Sorge um die Abschaffung dieses indirekten Startup-Förderungs-Instruments schickte Gründer, Investoren und Startup-Sympathisanten gleichermaßen auf die Barrikaden. Mit Erfolg, denn im September verkündete Angela Merkel, dass das Anti-Angel-Gesetz vom Tisch sei: „Der Tötungsvorgang ist schon im Gange“.

Stattdessen stellte die Regierung ein Eckpunktepapier vor, um mehr „Wagniskapital für mutige Ideen“ zu gewährleisten. Das wiederum ging vielen nicht weit genug – es fehle an konkreten geplanten Maßnahmen, um die Startup-Förderung in Deutschland, die im internationalen Vergleich stark abfalle, wirklich anzukurbeln. Das Wort „Mutlosigkeit“ machte die Runde. Fazit: Eine Verschlimmerung der Lage ist 2015 erfolgreich abgewehrt worden, auf eine deutliche Verbesserung müssen wir 2016 wohl weiter warten.

3. Große Startup-Exits 2015

Das Team von Runtastic. (Foto: AplusB/Inventures.eu)
Das Team von Runtastic. (Foto: AplusB/Inventures.eu)

Ein Thema, das die Akteure der hiesigen Gründerszene regelmäßig in Wallung bringt, sind erfolgreiche Startup-Exits – und von denen gab es 2015 eine ganze Menge. Zu den prominentesten gehören sicherlich diese vier:

  1. Adidas übernimmt Runtastic für 220 Millionen Euro
  2. ProSiebenSat.1 übernimmt Verivox für bis zu 210 Millionen Euro
  3. Microsoft übernimmt 6Wunderkinder für bis zu 200 Millionen Euro
  4. Recruit übernimmt Quandoo für 198,6 Millionen Euro

Runtastic-CEO Florian Gschwandtner hat uns übrigens auch verraten, wie es seit dem Exit bei Runtastic weitergegangen ist. Aber auch der Kauf des Stuttgarter Startups RegioHelden durch Außenwerber Stroer, der erste Exit eines in Deutschland durch den Schwarm finanzierten Startups, Lottohelden, oder die überraschende Übernahme des E-Commerce-Startups Amorelie durch ProSiebenSat.1 haben Schlagzeilen gemacht. Welcher Exit war 2015 euer persönlicher Favorit? Schreibt uns einen Kommentar!

4. Kein Börsensegment für Startups

Ein eigenes Segment erhalten Startups an der Frankfurter Börse vorerst nicht. (Foto: Jorg Hackemann / Shutterstock.com)
Ein eigenes Segment erhalten Startups an der Frankfurter Börse vorerst nicht. (Foto: Jorg Hackemann / Shutterstock.com)

Seit Ende 2014 haben sich die Forderungen nach einem Börsensegment für Startups in Deutschland gemehrt – im Juni 2015 folgte die Antwort der Deutschen Börse in Form des „Deutsche Börse Venture Networks“. Das Venture Network ist allerdings nicht das, was sich die deutsche Startup-Szene und auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gewünscht hatten, sondern eine außerbörsliche, nichtöffentliche Plattform, auf der es um die Anbahnung von Investorenkontakten und Later-Stage-Finanzierungen geht. So könne man das Problem der Unterfinanzierung deutscher Startups letztlich mit besseren Erfolgsaussichten angehen, hieß es. Als Weg aufs Börsenparkett biete sich immerhin auch der mit eher niedrigen Anforderungen versehene „Entry Standard“ an.

Auch wenn das „Deutsche Börse Venture Network“ wächst – laut einer aktuellen Meldung sind mittlerweile 57 „Wachstumsunternehmen“ und 107 Investoren auf der Plattform vertreten – ist die Forderung nach einem „Neuen Markt 2.0“ nicht gänzlich verstummt. Der von Sigmar Gabriel ins Leben gerufene Roundtable hat im September unter dem Titel „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland“ (PDF) einen Abschlussbericht mit zahlreichen Empfehlungen vorgelegt, um den Weg deutscher Startups an die Börse zu erleichtern, darunter ein eigener Wachstumsindex und die Weiterentwicklung des bisherigen „Freiverkehrs“ im Hinblick auf besondere Startup-Bedürfnisse. Vielleicht erleben wir ja schon 2016 die Umsetzung zumindest einiger der Maßnahmen aus dem Katalog.

5. Netzneutralität

Der letzte Punkt unserer Liste ist leider weder marginal, noch bislang zur Zufriedenheit der deutschen Startup-Szene gelöst. Genau genommen ist wohl fast niemand in Deutschland glücklich darüber, dass das EU-Parlament im Oktober dem Entwurf eines Gesetzes zugestimmt hat, das die Netzneutralität faktisch abschaffen dürfte. Sowohl eine „Überholspur“ für bestimmte „Spezialdienste“, die dann bevorzugt durchs Netz geleitet werden, als auch das „Zero-Rating“, bei dem Mobilfunk- und Content-Anbieter wie etwa Facebook vereinbaren, dass ihre Dienste ohne Anrechnung auf das Datenvolumen genutzt werden können, wären so in Zukunft möglich.

Die Netzneutralität ist in Gefahr – die Telekom unter Timotheus Höttges will das möglichst bald ausnutzen. (Grafik: Shutterstock-Poosan)
Die Netzneutralität ist in Gefahr – die Telekom unter Timotheus Höttges will das möglichst bald ausnutzen. (Grafik: Shutterstock-Poosan)

„All Data has to be treated equally – nur nicht in der EU.“

Dass sich solche Regelungen auch auf die Startchancen junger Technologieunternehmen auswirken, leuchtet ein. Denn in der Regel sind diese nicht zahlungskräftig genug, um sich von Anfang an dieselben Konditionen wie ihre etablierten Konkurrenten sichern zu können – mit gravierenden Folgen. Dass sich die Bedingungen für deutsche Startups schon sehr bald drastisch verschlechtern könnten, zeigt der Vorstoß von Telekom-Chef Timotheus Höttges nur drei Tage nach der Entscheidung des EU-Parlaments: Er stellt sich vor, dass Startups künftig gegen eine „Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent“ die Möglichkeit erhalten, ebenfalls Spezialdienste anzubieten – faktisch eine Internet-Maut, die wir bei t3n in der Vergangenheit mehrfach scharf kritisiert haben (etwa hier und hier).

Gibt es noch Hoffnung? Ja, denn zumindest hat der EU-Rat der geplanten Verordnung noch nicht zugestimmt. Und selbst wenn er das tut, bleiben weite Teile der gesetzgeberischen Ausgestaltung in den Händen der Mitgliedsstaaten. Es ist also noch nicht zu spät für die Netzneutralität in Europa.

An dieser Stelle sei allen, die es noch nicht kennen, das Video von „Last Week Tonight“ zum Thema Netzneutralität empfohlen:

Was hat euch 2015 beschäftigt, gefreut, aufgeregt? Schreibt es uns in die Kommentare!

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1 Reaktionen
Bitte kritischer Berichten
Bitte kritischer Berichten

Man sollte sich nicht zum Sprachrohr machen.
- Mietpreise steigen für Büros und Wohnungen. Die profitablen Startups sind wo man günstige Mieten hat. Glasfasern gibts dort auch genug. Fragt QSC.
- Produkte sind nicht verfügbar oder werden abgeschaltet
- Wann zahlen die Steuern in überschuldeten Städten und tragen ihren Beitrag ?
- wenn die für hunderte Millionen aufgekauft werden. Kriegen die Praktikanten ihren Anteil oder haben die 10 Jahre lang Praktika bei vielen Firmen gemacht und keine/kaum Rentenansprüche erworben und hingegen die Geldgeber leben in Saus und Braus ? "Generation Praktikum" wurde schon von ich glaube Arabella Kiesbauer erwähnt "Zuerst hatten die Sender viel Geld. Dann kam Generation Praktikum" war das TV-Zitat m.W..
Man suche das Wort "ungerecht" und erkenne das er als Gründer gerade mal EINS-KOMMA-SECHS Prozent vom Milliarden-Exit bekommen hat:
http://www.gruenderszene.de/allgemein/hacking-business-model
- Welchen Beitrag tragen die zur Finanzierung vom Flughafen oder Abbau der Gemeinde-Schulden für Straßen, Schulen, Beamten-Pensionen, Flüchtlinge, Klimawandel (tausende Bäume umgeknickt und Dächer abgedeckt)
- Wer kriegt die Zillionen Investments ? Wo bleibt das Geld ? Wo 20% bleiben steht ja hier:
http://t3n.de/news/deutsche-startup-boerse-hoechste-500567/ Man suche "reine Geldverbrennung".
Insolvenzverwalter geben Euch vermutlich die Informationen.
- Kleine STEUERZAHLENDE Mittelständler, Heizungs-Bauer, Fenster-Bauer, Roll-Tor-Bauer, Weltmarkt-Firmen... brauchen IT-Sensoren, Steuerung usw. per Bluetooth und Handy. Denen fehlen die IT-Fachkräfte weil diese lieber in Startups Software programmieren welche dann oft gelöscht oder abgeschaltet wird.

Fragt bitte endlich mal die Steuerberater nach dem Konzept von Film-Fonds oder halt auch "einen Steuervorteil genießen, wenn sie die aus dem Verkauf von Startup-Anteilen generierten Gewinne direkt wieder in neue Startups investieren." (oben irgendwo im Artikel). Der Arbeiter zahlt jeden Monat seine Steuer.

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