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Startups

Startups: Warum Snapchat wächst und Everpix gescheitert ist

    Startups: Warum Snapchat wächst und Everpix gescheitert ist
© Marek - Fotolia.com

Profitable Startups geben den Geist auf, unprofitable Startups bekommen immer weitere Finanzierungen. Die einen haben ein Geschäftsmodell, die anderen wollen erst mal nur Reichweite. Warum manche Startups erfolgreich sind und manche nicht – ein Erklärungsversuch.

Ein fiktives Gespräch zwischen Snapchat und Facebook

Das amerikanische Startup Snapchat hat jüngst ein Übernahmeangebot von Facebook abgelehnt. So könnte ein Gespräch zwischen Mark Zuckerberg (Facebook) und Evan Spiegel (Snapchat) abgelaufen sein:

Mark: Hey Jungs, wie läuft's so?
Evan: Ganz cool. Und selbst?
Mark: Auch ganz cool. Hört mal, ich hab eure Snapdingens mal ausprobiert. Ist ganz lustig, bekomme viele Selfies von Priscilla.
Evan: Cool, freut uns.
Mark: Wollt ihr den Laden nicht verkaufen?
Evan: Keine Ahnung. Sag an, was willst du denn zahlen?
Mark: Naja, null Profit bis jetzt, horrende Kosten ... hmm, weiß nicht. Sagen wir drei bis vier Milliarden Dollar?
Evan: Nö, lass mal. Wir haben erst noch mal 60 Millionen Dollar bekommen. Davon ist noch was da. Erst mal noch ein paar Nutzer generieren. Außerdem bist du zu alt für Snapchat.

Von unprofitablen und profitablen Startups

Snapchat ist eine App zum Sharen von Fotos. Nicht mehr. Alle Fotos zerstören sich nach zehn Sekunden selbst. Cool. Kein Business-Modell, keine Ahnung, wie man damit jemals Geld verdienen will. Über 20 Mitarbeiter. Dafür ein Netzwerk, in dem am Tag etwa 350 Millionen Selfies und Duckface-Fotos verteilt werden. Serverkosten ohne Ende und ein Büro, das seinesgleichen sucht. Zielgruppe: irgendwas zwischen 13 und 25. Die Ü-40er entdecken das aber auch gerade für sich. Dafür wollte der gute Mark drei bis vier Milliarden US-Dollar zahlen. Ende der Geschichte.

Parallel gibt Everpix bekannt, dass sie ihren Dienst einstellen werden – die 38.000 US-Dollar Hosting-Kosten können nicht mehr gestemmt werden. Keine Finanzierung mehr bekommen. Everpix ist auch eine App zum Sharen von Fotos. Sechs Mitarbeiter und knapp 7.000 zahlende Premium-Kunden. Finde den Fehler.

think big
Startups sollten manchmal „größer“ denken. (Foto: © Marek – Fotolia.com)

Warum Startups scheitern

Der Grund, warum manche Startups scheitern und andere nicht, liegt nicht zwingend in der Idee. Es fehlt oft eine größere Vision – der Blick über den eigenen Tellerrand. Gerade wenn es darum geht, eine Finanzierungen zu bekommen, wird häufig in zu kleinen Dimensionen gedacht. Kommt man dem Investor direkt mit einem wasserdichten Geschäftsmodell, kann das bedeuten, dass man nur darauf bedacht ist, die Kosten zu decken. Um zu wachsen, muss man aber investieren. Will man viele Nutzer, sind vielleicht kostenpflichtige Modelle hinderlich. Es ist ratsam, Vorstellungen davon zu haben, was mögliche Geschäftsmodelle sein könnten. Diese aber von Anfang an in Stein zu meißeln, ist es sicher nicht.

Schaut man sich die großen, erfolgreichen Ideen an, findet man wenige, die ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Twitter? Hat bisher noch nicht wirklich Geld verdient. Instagram? Auch nicht. Und die Liste lässt sich beliebig fortführen. Aber alle diese Ideen haben eines gemeinsam: Reichweite, viele Nutzer, und sie sind von Anfang an darauf bedacht, noch mehr Nutzer zu generieren.

Für Startups essentiel: Nutzer, ganz viele

Die Anzahl der Nutzer ist also ein extrem mächtiges Pfund. Es ist ein Unterschied, ob man 7.000 zahlende Nutzer hat (nett) oder Millionen von Nutzern, die einen kostenlosen Dienst lieben (netter). Ersteres ist einem Kapitalgeber nur schlechter zu verkaufen. Nutzer gewinnt man durch Nutzen. Wenn man nicht gerade Cheeseburger verkauft, kommt der Nutzen oft erst durch Kontinuität und regelmäßige Nutzung. Ein Geschäftsmodell, das von Anfang an auf Monetarisierung zielt, kann hinderlich sein. Nutzer vom ersten Tag an zur Kasse zu bieten, kann eine gute Idee im Keim ersticken.

Startups:  Reichweite ist wichtig
Startups: Reichweite ist wichtig. (Grafik: Nate Weiner, Pocket)

Der populäre Dienst „Pocket“ zum Abspeichern von Webseiten zum späteren Lesen konnte auf neun Millionen Nutzer wachsen, nachdem er sich vom kostenpflichtige Modell verabschiedet hatte und zu einem kostenlosen Dienst wurde. „Wir werden ein Geschäftsmodell finden, das besser zu uns und unseren Usern passt“, so Nate Weiner, Gründer und CEO von Pocket. In seinem Blog hat er dazu eine schöne Grafik veröffentlicht, die das System anschaulich beschreibt. Es bringt das oben genannte Beispiel auf den Punkt. Bei einem Cheeseburger ist der Nutzen klar: Hunger stillen. Danach aber sinkt der Nutzen rapide ab. Bei einem Dienst wie einer Zeitung ist der Nutzen gleichbleibend. Er sinkt nicht und er steigt auch nicht, da das Bedürfnis nach Nachrichten gleichbleibend ist. Bei Diensten wie Evernote, Dropbox oder Pocket aber steigt der Wert – und zwar mit regelmäßiger Nutzung.

Startups müssen sich entscheiden

Venture Capitalists lieben große Ideen. Und sie sind auch bereit, in solche zu investieren – in den USA zumindest. Als Gründer hat man zwei Möglichkeiten: entweder in großen Dimensionen denken, dann gibt es unter Umständen auch großzügige Finanzierungen, oder bescheiden sein, dann bekommt man keine Finanzierung und wächst langsam (aber vielleicht auch stetig). Dazwischen gibt es nicht viel.

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4 Reaktionen
Adrian von anythinx

Eins vorweg: es gibt kein Masterplan für den Erfolg mit einem Startups im Internet. Es gibt maximal gute Hinweise und Erfahrungsberichte, an die man sich halten kann - aber nicht muss. Es gibt so viele Möglichkeiten erfolgreich zu werden - doch wie findet man nur die richtige? Ich glaube, dass man vor Allem Glück haben muss. Die richtigen Kontakte, das richtige Produkt, der richtige Zeitpunkt ...
Wenn die Vision jedoch bleibt und wir als Gründer an unsere Chance glauben, können wir es schaffen - es ist jedoch Durchhaltevermögen angesagt :-)

Antworten
Startup-Berichte verbessern
Startup-Berichte verbessern

Investoren haben oft andere Interessen. Man will Steuern sparen. Gelder fliessen an die Freunde und Bekannten im Aufsichtsrat, befeundere Juristen und Berater usw. Oder man hat Büro-Immobilien und füllt sie mit Startups damit die Mietpreise nicht absinken und man großen Füllstand vorweisen kann. Die TV-Sender beteiligen sich an Startups und senden im Gegenzug (vielleicht anstelle von Geld) TV-Werbung für diese Online-Games, Startups usw. Dann bleiben weniger Werbe-Minuten zum Verkauf und Verknappung erhöht oft die Preise. Auch kann man mit Startup-Werbung Lücken auffüllen wo zu wenig Werbezeit gebucht wurde und noch Zeit bis zur nächsten Sendung bleibt. Manche Startups sind vielleicht nur Assessment-Center. Die guten Mitarbeiter holt man dann per Festanstellung in die Groß-Firma und der Rest kann woanders ein neues Praktikum anfangen.
Man muss also sehr genau schauen was die Investoren wirklich wollen.
Oder auch wie der Mindestlohn die Startup-Szene massiv ändern wird.

In Europa muss man wohl einen existierenden Prototyp vorzeigen. Evtl darf man auch keine großen Verluste machen.
In USA wollen die Investoren jeder Finanzierungs-Runde den Schwerpunkt eher auf so vielen existierenden Usern wie möglich und wie die potentielle Monetarisierungs-Idee sein soll. Beim Börsengang gehts dann auch oft nur um Umsatz und/oder User-Anzahl. Monetarisierung ist nicht so wichtig. Siehe Amazon oder Groupon.
So würde ich die Berichte bei diversen Startup-Websites oder auch hier mal grob zusammenfassen.

Facebook hat sich am Riemen gerissen oder zufällig was richtig gemacht und monetarisiert wohl besser als beim Börsengang. Twitter könnte auch mit Werbung Geld machen. Die müssten nur wissen wem sie welche Werbung zeigen sollen. Die wissen ja sogar dank Handy meist, wo die Leute sind.
"100 Meter von Dir hat ... einen Sonderverkauf" "Starbucks 1 Block weiter hat heute ... als Coffee-of-the-Day-Sonderangebot" .
Von daher ist bedauerlich das Twitter keinen Gewinn macht obwohl das vielleicht gar nicht so schwer wäre.

Bei anderen Startup-Ideen ist Monetarisierung vielleicht mühseliger. Aber Google-Werbung kann eigentlich jeder einbauen. Allerdings weiss ich nicht, wie gut diese bei Mobile monetarisieren. Aber jeder Startup braucht eine Mobile-App oder zumindest auf mobile optimierte Site.
Und ich weiss noch wie geschrieben wurde "Auf Handies kann man keine Werbung anzeigen." und heute heisst es das Webseiten immer kleinere TKP-Preise kriegen und immer mehr Werbung einbauen und die Besucher zum Adblocker treiben während man am Handy nur 1-2 Werbungen fixiert oben/unten drin hat und somit die Werbe-Wirkung krass besser ist als bei fast allen anderen Werbeformen wo man ja woanders hingucken, weiterblättern oder herumzappen kann. Das macht auch Branding-Werbung (also wo man nicht unbedingt klicken muss und sich oft nur die Werbe-Message merken soll) interessanter.

Wie hier schon geschrieben wurde, sollte man sich die profitablen Startups auch anschauen. Die Lieferdienste beispielsweise. Immer nur Großkonzerne oder gute Ideen mit schlechter Umsetzung sind eher schlechte Vorbilder. Leider liegt der Schwerpunkt der Berichterstattung darauf.

Die zwei Vorpostings würde ich bestätigen. Von Investoren gestellte Chefs denken nur an den nächsten BMW oder ein Stockwerk höher ins nächste Steuer-Spar-Startup.
Und wirtschaftliches Denken müsste man jedem beibringen. Z.B. per Lern-Hilfe-Wikis.

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zoidberg
zoidberg

Leider vergisst der Autor zu erwähnen, dass der Großteil der unprofitablen Startups pleite geht. Viele Startups lassen sich leider von den großen Erfolgsgeschichten blenden und meinen ähnliches Aufbauen zu können. Dies entspricht leider nicht der Realität.

Gegenüber den medienwirksamen Erfolggeschichten weniger, stehen viele solide, profitable KMU gegenüber. Hieran sollten sich Gründer ein Beispiel nehmen und nicht an Facebook und Co.

Investoren verfolgen Ihrer Strategie meist statistisch: ein Erfolg finanziert 10 Mißerfolge.

Jemand der gründen möchte, sollte von Anfang an bootstrappen und nicht oder nur wenig auf externe Mittel setzen.

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Frank

Wichtig für diese Startups (oder passt Startapps besser?) wäre aus eigener Entwickler-Erfahrung noch zu sagen:
Liebt eure Coder (Entwickler), behandelt sie gut und bezahlt sie auch gut, denn von Peanuts bekommt ihr nichts auf die Beine.

Viele gute Dinge brauchen ihre Zeit und kosten Geld und auch Coder leben in der realen Welt und müssen für alle anderen Dinge bezahlen.
Klappt letzteres nicht, werden sie sich auch nicht mehr besonders um die guten Dinge für das Startup kümmern, denn Ideen machen nicht satt.

Lasst zwei Leute die sich verstehen, komplexen Code zusammen programmieren (Paarprogrammierung). Das ist keine Verschwendung von Ressourcen, sondern es geht doppelt so schnell und produziert nur ein Viertel der Fehler wie wenn es einer alleine machen würde.

Und nehmt den Posten des Seniorentwicklers (Chief-Developer) ernst und pfuscht ihm nicht immer dazwischen, das wird sonst nichts und hat mit agiler Entwicklung schon gar nichts zu tun. Scrum bedeutet nicht, wir machen es jeden Tag ganz anders.

Und ja, Richtlinien sind wichtig, wie wichtig sie sind, zeigt sich erst später, wenn der Saustall stinkt und die Truppe ihre eingefahrenen Gewohnheiten hat.

Coder die schlecht behandelt werden, arbeiten schlecht, nur merkt der Chef das am wenigsten schnell. Sie arbeiten dann wie "Dienst nach Vorschrift am Zoll", aber viele gute Ideen und sinnvoller persönlicher Einsatz fehlen. "Der Chef hat so gesagt und wir machen das so" ist ganz schlecht, weil keiner mehr einen Zug bremst, der voll auf den Abgrund zu fährt.

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