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Kolumne

IBM macht‘s vor – stirbt das Homeoffice jetzt auch in Deutschland?

In den USA möglicherweise bald Vergangenheit: Deutsche Firmen halten jedoch am Homeoffice-Modell fest. (Foto: Uber Images/Shutterstock)

US-amerikanische Firmen schaffen das Homeoffice ab. Der Grund: Mitarbeiter seien in Gesellschaft ihrer Kollegen produktiver. Zieht Deutschland nach? Müssen wir uns mittelfristig auch hier von der Arbeit in den eigenen vier Wänden verabschieden?

In den 80er Jahren hob IBM als eines der ersten Unternehmen tradierte Arbeitsmuster aus den Angeln, indem es seinen Angestellten erlaubte, von Zuhause aus zu arbeiten. Seitdem hat sich Homeoffice auch in zahlreichen deutschen Unternehmen etabliert. Doch inzwischen scheint sich dieser Trend umzukehren.

So kündigte IBM im Februar diesen Jahres an, dass etwa 2.600 Mitarbeiter, vor allem aus den Bereichen Marketing, IT und Beschaffung, aufgefordert seien, in einer von sechs US-amerikanischen Städten zu arbeiten – oder zu „koplatzieren“. Wenn ein Mitarbeiter nicht in der für ihn vorgesehenen Stadt arbeiten kann oder will, so müsse er sich nach einem neuen Job umsehen. Yahoo arbeitet mit einem ähnlichen Ultimatum. Sind diese Signale US-amerikanischer Firmen ein Zeichen dafür, dass einer der größten Vorteile der modernen Arbeitswelt verschwindet? Müssen sich Arbeitnehmer in absehbarer Zeit von dem geliebten Heimarbeitsplatz verabschieden?

Modernes Arbeiten braucht Interaktion

Eine mögliche Erklärung für diesen Kurswechsel ist Bloomberg zufolge, dass unsere Arbeitsstrukturen ein gewisses Niveau an Zusammenarbeit verlangen. Eine Tatsache, die die meisten Unternehmen sicher unterschreiben würden. Dass Wissensarbeit davon lebt, kreative Lösungen zu finden, ist unstrittig. Und dass sich Kreativität multipliziert, wenn Menschen mit hohem fachlichem und emotionalem Bezug zur Sache die Köpfe zusammenstecken, leuchtet ebenfalls ein. Glaubt man Homeoffice-Kritikern, so lässt sich gute Teamarbeit eben nicht ohne persönliche Interaktion erreichen. Teammitglieder müssten auf Zuruf handeln, sich gegenseitig im Arbeitsprozess befruchten, um für das Unternehmen erfolgreich am Markt zu agieren.

Auf den ersten Blick mutet dieser Ansatz reichlich grotesk an. In Zeiten der Digitalisierung, in der die Range an Kommunikationstechnologien keine Wünsche offen lässt, holt man die Mitarbeiter wieder ins Büro, damit sie sich an einen Tisch zu setzen. Ganz physisch.

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Zusammenarbeit geht auch ohne Nähe

Deutsche Firmen lassen diesen Zug bisher unbeachtet an sich vorüber fahren. „Der Trend in großen Unternehmen geht in Richtung Globalisierung. Das bedeutet, dass sich Teams aus verschiedensten Standorten zusammensetzen“, so Annette Kreutzenbeck, Quality Manager and Project Manager bei der Continental AG in Hannover. „Wenn Experten ihres Faches in Asien, Amerika und Europa sitzen, ist ‚Remote-Arbeiten‘ unerlässlich.“ Und so sei es für das Unternehmen keine Option, die Mitarbeiter zwangsweise an gemeinsame Schreibtische zu setzen. SAP Deutschland schlägt in die gleiche Kerbe: „Homeoffice und Mobilarbeit sind wesentliche Bestandteile unserer Flexibilisierungsstrategie“, so Cawa Younosi, Head of Human Resources des Technologiekonzerns. „Wir bieten unseren Mitarbeitern sowohl Vertrauensarbeitszeit als auch Vertrauensarbeitsort.“ Dass diese das zu schätzen wissen, zeigt der aktuelle Glassdoor-Report, bei dem SAP unter deutschen Firmen Platz eins belegt. Keine der beiden Unternehmen sieht in der fernmündlichen Zusammenarbeit ein wirtschaftliches Risiko. Im Gegensatz zu IBM. Dort meint man, dass Mitarbeiter in der Nähe ihrer Kollegen besserer Ergebnisse erzielten.

Gemeinsam mit Skype und Co.

Dabei ist auch deutschen Technologieunternehmen bewusst, dass Interaktion im Arbeitsprozess erfolgsentscheidend ist. „Um optimale Ergebnisse zu erzielen, brauchen Unternehmen ein besonderes Maß an persönlicher Interaktion. Dieses lässt sich jedoch problemlos auf verschiedene Art und Weise realisieren“, so Kreutzenbeck von Conti. Dazu müsse man nicht zwangsweise in einem Büro tätig sein. „Unsere Mitarbeiter können zahlreiche Interaktions-Kanäle nutzen“, so die Conti-Managerin. Von ganz klassischen Optionen wie Telefon und E-Mail über Chats und Social-Media-Plattformen bis zu Video-Konferenzen gäbe es ausreichend Möglichkeiten für eine persönliche Interaktion, ist Kreutzenbeck überzeugt. Auch die Mitarbeiter in Walldorf greifen regelmäßig auf Videokonferenzen zurück. „Alle Kolleginnen und Kollegen haben einen eigenen Zugang zu unserer Videokonferenz-Struktur“, so SAP-Personalchef Younosi. Die Belegschaft sei es ohnehin gewohnt, über Softwarelösungen zusammenzuarbeiten.

Ortsunabhängiges Arbeiten lebt weiter

Angestellte in Deutschland können also vorerst aufatmen, denn noch sind Remote-Arbeitsmodelle wie Homeoffice quicklebendig. Für Kreutzenbeck ist eine Trendwende zur Anwesenheitspflicht nicht absehbar. „Gebraucht wird vielmehr die Möglichkeit, Leistung ganz unabhängig vom aktuellen Aufenthaltsort zu erbringen.“ Das könne das eigene Zuhause sein, aber auch die Bahn, der Flughafen oder das Restaurant. „Ich selbst wähle die passende Interaktion abhängig von der jeweiligen Aufgabe“, so die Conti-Managerin. Ein Interview mit einem Kollegen aus Asien oder Amerika führe sie über eine Videokonferenz, eine Statuspräsentation für ein Projekt zeige sie lieber via Online-Konferenzraum. Das heißt nicht, dass wir gänzlich auf physische Nähe verzichten können. In der Produktionsentwicklung beispielsweise ist eine echte Zusammenarbeit vor Ort oft unumgänglich. „Wenn es um eine neue technische Lösung für eine Produktionsmaschine geht, dann mache ich mich auf den Weg zu meinen Kollegen. Denn so eine Lösung findet man am besten, während man gemeinsam aussichtsreiche Optionen erarbeitet“, bestätigt Kreutzenbeck. Damit standortübergreifendes Arbeiten nachhaltig funktioniert, seien teambildende Maßnahmen wichtig. Denn so ganz ohne menschliche Nähe gehe erfolgreiche Zusammenarbeit eben doch nicht.

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