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Streaming-Abmahnung: Trittbrettfahrer versenden getarnte Malware [Update]

Streaming-Abmahnung: Trittbrettfahrer versenden getarnte Malware [Update]

Zum ersten Mal ist der Nutzer eines Streaming-Dienstes wegen einer vermeintlichen Urheberrechtsverletzung abgemahnt worden. Ob die abmahnende Kanzlei damit vor Gericht Erfolg hätte, scheint jedoch unwahrscheinlich.

Streaming-Abmahnung: Trittbrettfahrer versenden getarnte Malware [Update]

Streaming-Abmahnung. (Foto: jsawkins / Flickr Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Update vom 11. Dezember 2013: Kriminelle Trittbrettfahrer haben die aktuelle Abmahnwelle für sich genutzt und damit begonnen gefälschte Abmahnungen per E-Mail zu versenden. Der Dateianhang ist dabei mit Windows-Schadsoftware kontaminiert. Das geht aus Aussagen von t3n-Lesern und Medienberichten hervor. Die echten Abmahnungen der Kanzlei U+C werden den betroffenen Nutzern postalisch zugestellt. Wir können euch nur eindringlich davor warnen, die Dateianhänge zu öffnen.

Update vom 9. Dezember 2013: Die Anwaltskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE geht derzeit von 10.000 Abmahnungen aus, die von der Kanzlei U+C an Redtube-Nutzer verschickt worden sein sollen. Wie die abmahnende Partei an die IP-Adressen der Nutzer gekommen ist, bleibt weiterhin unklar. Die Anwaltskanzlei Ferner geht Hinweisen darüber nach, dass die Informationen durch einen Virus beschafft worden sein könnten. Andere Theorien gehen von der Weiterleitung durch ähnlich klingende Domains oder anderen zweifelhaften Methoden aus. Allerdings hätte dem Landgericht Köln detailliert dargelegt werden müssen, wie die Kanzlei an die IP-Adressen gekommen ist, was gegen diese Theorien spricht.

Streaming-Abmahnung: Nutzer wegen des Anschauens eines Films abgemahnt

Konkret geht es in dem Fall um einen Nutzer, der sich auf der Porno-Streaming-Seite Redtube den Film „Amanda‘s Secret“ angeschaut haben soll. Die Kanzlei U+C Rechtsanwälte soll im Auftrag der Archive AG handeln und vor dem Landgericht Köln vom Internet-Service-Provider Auskunft über den Abgemahnten erhalten haben. Das geht aus einem Beitrag des Fachanwalts für Urheber- und Medienrecht Karsten Gulden von der Mainzer Kanzlei GGR Rechtsanwälte hervor. Ihm sollen die IP-Adresse des Abgemahnten und seine Nutzerkennung vorliegen.

Wie genau die Daten erhoben worden sind, kann der Anwalt zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht erklären. Auf Anfrage von t3n.de teilte er schriftlich mit: „Zur Datenermittlung können wir noch keine Angaben machen, da der in den Abmahnungen zitierte Auskunftsbeschluss des LG Köln nicht beigefügt wurde.“ Die abmahnende Kanzlei konnte zum jetzigen Zeitpunkt nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Die Abmahnung eines Nutzers, der sich ein Video auf einer Streaming-Seite angesehen haben soll, stellt ein Novum dar – zumal es weder entsprechende Gesetze noch Urteile gibt, die das Streaming ausdrücklich verbieten. Gulden scheint daher eher skeptisch zu sein, was die Chancen für die abmahnende Kanzlei vor Gericht betrifft.

Streaming-Abmahnung: Bei Erfolg wären die Konsequenzen kaum absehbar

Streaming-Abmahnung: Auch Portale wie YouTube wären in Gefahr, wenn sich diese Abmahnpraxis etablieren sollte und vor Gericht bestand hätte. (Screenshot: YouTube)
Streaming-Abmahnung: Auch Portale wie YouTube wären in Gefahr, wenn sich diese Abmahnpraxis etablieren sollte und vor Gericht bestand hätte. (Screenshot: YouTube)

Grundsätzlich, so Gulden, haften die Anbieter und nicht die Nutzer. Da die Streaming-Dienste aber oft im Ausland sitzen, würden die Rechteinhaber versuchen, die in Deutschland ansässigen Nutzer zu belangen. Sollte diese Praxis Erfolg haben, seien die Konsequenzen für die gesamte Branche kaum abzusehen.

„Sicherlich hätte das Konsequenzen für die gesamte Streaming-Branche, da die grundsätzliche Frage geklärt werden müsste, ob der ‚Streamer‘ für einen möglichen Urheberrechtsverstoß haftbar zu machen wäre. Wäre dem so, dann könnten die Streaming-Dienste einpacken, da sich die Nutzer wohl abwenden würden.“ Rechtsanwalt Gulden über die möglichen Folgen eines solchen Urteils.

Die Aussage ist verständlich. Wenn jedes Herumsurfen auf Portalen wie YouTube potenziell zu einer Abmahnung führen könnte, dürften es sich viele Nutzer zweimal überlegen, ob sie das Risiko auf sich nehmen. Zwar würden sich Teile der Content-Industrie vermutlich freuen, letztlich würde es aber auch den Tod von Inhalten bedeuten, die tatsächlich von Nutzern erstellt und hochgeladen wurden und somit wäre die digitale Kulturlandschaft um einies ärmer. Die GGR Rechtsanwälte haben eine eigene Seite über die Streaming-Abmahnung erstellt, auf der sie die Details des Falles schildern und weitere Betroffene dazu aufrufen, sich bei der Kanzlei zu melden.

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16 Antworten
  1. von Klasen am 08.12.2013 (10:25 Uhr)

    Kann es sein, dass die Abmahner auf Redtube Werbeanzeigen buchen und über die eingebetteten Javascripts Referer und IP mitloggt und so an die IPs kommt wie hier vermutet

    http://www.ratgeberrecht.eu/urheberrecht-aktuell/abmahnung-streaming.html

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  2. von Conny am 08.12.2013 (17:38 Uhr)

    Und was passiert wenn eine Stream in eine Seite eingebettet wird und automatisch, ohne Aktion eines Nutzers gestartet wird?

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  3. von Fabi am 09.12.2013 (11:45 Uhr)

    Geschäftsidee für Trittbrettfahrer: Porno drehen, auf Youporn veröffentlichen und dann alle User abmahnen, die das Video angesehen haben. So kommt man auch zu seinen Millionen. Traurig, wenn die Kanzlei damit wirklich erfolg hat.

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  4. von Jochen am 09.12.2013 (12:29 Uhr)

    Hallo zusammen,
    hat jemand einen Vorschlag, wie man jetzt konkret vorgehen sollte. Also nicht zahlen ist schon mal klar... Aber ignoriert man das Ganze? Legt man Widerspruch ein? Zum Anwalt - und wer zahlt den wiederum?

    Danke!

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  5. von Oink am 09.12.2013 (13:24 Uhr)

    Das Zitat von Herrn Gulden stimmt wohl nicht so ganz. Ein "Streamer" ist entweder die Plattform, welche den Film zum "Viewer" streamt, oder ein User, der selbst auf eine Streamingplattform streamt (twitch), das wiederum von "Viewern" angeschaut werden kann. Bitte die Begrifflichkeiten klären oder verwechsel ich da was? Dahingehend wäre die Aussage doch schon längst geklärt, natürlich ist der Streamer haftbar für Urheberrechtsverletzungen, da ja geschütztes Material ohne Zustimmung verteilt wird. Andersherum kann der User nix für, da man einen View tricksen könnte (versteckter Content, Javascript getriggert etc.). Wer kann also beweisen, das der Stream beabsichtigt geschaut wurde? Niemand!

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  6. von umllr am 09.12.2013 (13:38 Uhr)

    Soll die Bundesregierung doch einfach alle Anschlüsse überprüfen und direkt an 50 Millionen Menschen eine Abmahnung senden. Für mich ist das alles ein wenig zu viel des Guten!

    Schluss damit! Alles und jede Internetseite ist eine Grauzone. Was soll denn das?

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  7. von cephei am 09.12.2013 (13:53 Uhr)

    "durch einen Virus beschafft worden"

    Virus: Versucht sich selbst du verbreiten und richtet womöglich schaden auf dem System an.
    Trojaner: Versteckt sich auf dem System und spioniert den Nutzer aus um die gesammelten daten dann unbemerkt weiterzuleiten.

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  8. von Alfredo Heinemann am 10.12.2013 (02:19 Uhr)

    Sicher keine Alternative für alle, aber mindestens für alle Diensteanbieter ist eine Adresse im Ausland "Pflicht". Ein Postfach bzw. eine Postadresse im Ausland reicht aus: http://auslandsadresse.blogspot.com/2013/08/keine-pflicht-zum-impressum-fur.html Wer sich nicht auf die gleiche Art wehrt, wie die Abzockmafia, hat auf Dauer keine Chance!

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  9. von G. Jenne am 10.12.2013 (10:53 Uhr)

    Ähm, vielleicht sollte man sich diese "Abmahnungen" mal etwas genauer anschauen: Datum des angeblichen Verstoßes liegt in der Zukunft, Uhrzeit 24:59h ( hat denn der Tag mehr als 24 Stunden?

    Habe dieses Schreiben heute ebenfalls bekommen - per E-Mail ( sowas macht keine Anwaltskanzlei) und gleich zwei mal, versch. Absender, unterschiedliche "Verstöße", unterschiedl. Gebühren, sonst alles gleich.

    Beide Mails hatten eine Zip-Datei im Anhang. Also alles in allem ein deutlicher Hinweis auf die wahre Natur dieser angeblichen Abmahnwelle: nichts anderes eine ganz plumpe Spam-Mail mit dem Ziel, einen Trojaner (beim Entzippen des Anhangs) auf den Empfänger-Rechnern zu platzieren.

    Und darum soviel Aufregung? Und eine Anwaltskanzlei, die auf diesen Zug aufspringt und angeblich Betroffenen ihr Mandat anbietet?

    Meine Empfehlung: beim nächsten Mal genauer hinschauen. Solche Hoaxes geistern zu tausenden durchs Netz. Immer wieder neu.

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  10. von hduendheken am 10.12.2013 (15:02 Uhr)

    Kommt davon wenn man im Bett nichts kann und keine alte in die Küste bekommt. Selber schuld.

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  11. von silke am 10.12.2013 (23:04 Uhr)

    Ich bekam heute eine Abmahnung per e-Mail. Wie bei "G. Jenne" liegt bei mir ebenfalls die "Tatzeit" in der Zukunft, auch meine IP stimmt nicht. Habe den Anhang nicht geöffnet und die Mail gelöscht. Bloß nicht auf helfende Anwaltskanzlein aus dem Netz reinfallen, zur Not selbst einen in der Umgebung suchen.

    An "hduendheken" dumm schwätzen kann jeder, bis man selbst betroffen ist.

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  12. von Jürgen am 12.12.2013 (12:16 Uhr)

    Schade, dass sich genannte Anwaltskanzlei auf diese Weise sein Geld verdienen muss. Da wollen sich wieder viele Anwälte mit einer Verunsicherungstaktik eine goldene Nase verdienen.

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  13. von Tina am 12.12.2013 (14:49 Uhr)

    gestern habe ich eine mail erhalten mit 3200 euro... komisch das dies an thiena ging , ich schreib meinen namen immer falsch wenn ich auf was komisches antworte , und ich schau bestimmt nicht auf solche seiten ....lol
    jedenfalls soll ich nun erst übermiorgen die tat begehen schreiben sie

    lasst euch nicht verrückt machen und löscht den mist. !!!!

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  14. von Dirk am 13.12.2013 (13:11 Uhr)

    Warum kommentieren immer wieder Leute bezüglich des Artikels ohne den Artikel gelesen zu haben (ich meine die Kommentare ab 11.12.)? Es ist doch klar, dass E-Mails nichts mit der Anwaltskanzlei zu tun haben außer, dass es von Trittbrettfahrern ist. Selbst dann ist die Frage, ab wann man überhaupt gezwungen ist darauf plötzlich zu antworten ... (man muss nicht immer antworten)

    Zur Virus & Trojaner: Die hier genannte Definition ist falsch. Woher kommt der Begriff Trojaner? Genau, aus geschichtlichem Kontext zum trojanischen Pferd. Und was war da? Es wurde ein Pferd geschenkt, indem sich die Krieger versteckten. Was heißt das analog zur IT-Welt? Genau, etwas Schädliches versteckt sich in etwas nicht Schädlichem. Und was ist das Schädliche? Das kann alles sein, was schadet. Das wird allgemein als Virus bezeichnet, weil auch Programme schaden, wenn sie etwas ausspionieren und dann unerlaubt die Informationen verteilen, aber nicht den Wirt selbst zerlegen. Insofern ist der Begriff richtig, da der Virus eine dürftige Verkleidung hatte (also sich lediglich als "ich bin kein Virus" bezeichnete).

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  15. von alex.metzger73 am 06.02.2015 (11:36 Uhr)

    Ob das Streamen nun legal oder illegal ist, ist immer noch nicht geklärt, glaub ich. Das Thema "Streaming" bzw. "Filesharing" befindet sich so wie ich nachgelesen habe immernoch in einer sogenannten "Grauzone". Der Europäische Gerichtshof hat sich also immernoch nicht dazu geäußert bzw. entschieden aber dennoch gibt es Abmahnanwälte, welche Abmahnungen wegen Streaming oder Filesharing verschicken. Ich habe hier mal einen Artikel eines Rechtsanwaltes gefunden, welcher sich mit diesem Thema näher befasst hat und dazu mal etwas verfasst hat: https://www.aid24.de/rechtsblog/streaming-und-filesharing-was-ist-legal-was-nicht Dort wird auch nochmal ausführlich über die rechtliche Lage berichtet. Lest das euch mal aufjedenfall durch! Ist echt informativ und hilfreich.. Jedenfalls würde ich vorerst die Finger vom Streamen lassen, denn es könnte ja trotzdem passieren das mal eine Abmahnung reinflattert. Ich hoffe ich konnte euch helfen. Liebe Grüße!

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