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Streit unter Mitarbeitern: Schlichten oder lieber raushalten?

    Streit unter Mitarbeitern: Schlichten oder lieber raushalten?

„Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ – Im Büro ist das meist nicht der Fall. Und schon gar nicht, wenn man der Chef ist. Streit unter Mitarbeitern vergiftet das Büroklima und wirkt sich zudem auf die Arbeitsleistung aus. Für den Chef ist das richtige Verhalten bei Konflikten ein Drahtseilakt.

Dass es im Büro, besonders bei enger Zusammenarbeit zu Konflikten zwischen Mitarbeitern kommt, ist ganz normal. Immerhin verbringt man einen erheblichen Teil seiner Lebenszeit mit den Kollegen. In der Regel legen sich solche Streitigkeiten von alleine oder die Mitarbeiter klären das untereinander. Was aber, wenn sie das nicht tun?

Zerstörerische Konflikte entstehen in der Regel nur, wenn sie den passenden Nährboden dafür haben. Deswegen sollte die wichtigste Strategie zum Konfliktmanagement sein, von vornherein zu verhindert, dass es ausartet.

Handeln, bevor es überhaupt Streit gibt

Damit es gar nicht erst zu Mord und Totschlag kommt, sollte man eine gesunde Streitkultur im Büro etablieren. Dazu kann man sich zum Beispiel einen Coach ins Haus holen. Ausgebildete Kommunikationsexperten können einem erklären, wie man Wünsche und Kritik so formuliert, dass sie besser gehört werden und Kommunikationsmuster ausmachen, die Konfliktpotential bergen.

Kleine Kommunikations-Veränderungen können schon Großes bewirken. Ein Beispiel: Du-Botschaften werden oft als negative Bewertung empfunden. Ich-Botschaften können dagegen als Feststellung einer Tatsache in Bezug auf den Sender der Botschaft entschlüsselt werden. Ein Kommunikationscoach kann dabei helfen, den Mitarbeitern solche Muster zu verdeutlichen.

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Ein Coach kann helfen, Streit von vornherein klein zu halten. (Foto: Shutterstock)

Teambildende Maßnahmen wirken sich ebenfalls positiv auf die interne Kommunikation und die Stimmung unter den Mitarbeitern aus. Besonders in stressigen Phasen, stoßen Kollegen quasi nur unter Anspannung aufeinander. Zusammen eine unbeschwerte und positive Zeit zu verbringen, bietet Raum wieder positiver aufeinander zuzugehen.

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist

Wenn es trotz aller Prävention doch zu einem hartnäckigen Konflikt unter Mitarbeitern kommt, stellt sich die Frage, wann der Chef eingreifen sollte und wann er das sogar muss. Denn was vermutlich weniger bekannt ist: Im Ernstfall sollte der Chef nicht nur schlichtend tätig sein, er muss es sogar. Der Anwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt, hat für Zeit Online konkret die Frage beantwortet, wann der Arbeitgeber einschreiten muss bei Streit unter Mitarbeitern, vor allem wenn ein Kollege gezielt Streitigkeiten durch sein Verhalten fördert.

Im Ernstfall sollte der Chef nicht nur schlichtend tätig sein, er muss es sogar.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Mitarbeiter sich gegenüber Kollegen oder Vorgesetzten beleidigend verhält und dadurch die Atmosphäre im Büro vergiftet. Auch hinterrücks Lästern und Beleidigungen über Social-Media-Kanäle zählen dazu, schreibt Weigelt. Ist es bereits soweit gekommen, muss der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nachkommen und versuchen zu schlichten. „Erst wenn ein solcher Versuch gescheitert ist, kann nach vorherigen Abmahnungen den Mitarbeitern ordentlich gekündigt werden.“, so der Anwalt.

streit unter kollegen
Bei einem „handfesten“ Streit kann der Arbeitgeber auch direkt kündigen.(Foto: Shutterstock)

Auch wenn ein Mitarbeiter sich sträubt auf die Vermittlungsvorschläge des Arbeitgebers einzugehen, kann der Arbeitgebern ihn abmahnen. Anders verhält es sich bei „handfestem“ Streit. Da kann der Chef direkt eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen, da „Arbeitsgerichte bei tätlichen Auseinandersetzungen unter Mitarbeitern eine schwerwiegende Verletzung der arbeitsvertraglichen Nebenpflichten sehen.“

Auch beim herausposaunen politischer Ansichten darf der Arbeitgeber laut Weigelt eingreifen: „Die politische Gesinnung eines Arbeitnehmers kann unter Umständen eine personenbedingte außerordentliche Kündigung rechtfertigen, etwa in Tendenzbetrieben oder bei verfassungsfeindlicher Grundeinstellung.“

Streit schlichten mit Methode

Ganz unvorbereitet sollte man sich nicht als Schlichter in einen Streit stürzen. Vor allem vor einer allzu frühen Parteinahme gilt es sich zu hüten. Zunächst einmal ist es wichtig, Zeit einzuräumen für eine Klärung. Ein Streit lässt sich schlecht neben der Arbeit klären. „Probleme am Arbeitsplatz kann man nicht nach Feierabend lösen. Das schwächt nur die Position im Unternehmen und erzeugt zusätzlich neue Konflikte, auch im Privatleben.“, erklärt Joseph Rieforth, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Beratung und Konfliktlösung an der Universität Oldenburg, der Frankfurter Rundschau.

Als Schlichter solltest du dir die Argumente der beiden Parteien anhören. Dabei läufst du aber Gefahr, dass der Streit vor dir neu entbrennt. Am besten man lässt es gar nicht erst zu ausführlichen Erklärungen und Schuldzuweisungen kommen. Der Fokus sollte auf der Lösung des Problems liegen und nicht auf der Suche nach dem Schuldigen.

Das Harvard-Konzept

streit unter kollegen schlichten
(Foto: Shutterstock)

Als Grundgerüst für eine Schlichtung kann auch das Harvard-Konzept genutzt werden. Es wurde 1981 von den Professoren Roger Fisher und William Ury an der Harvard Universität im Rahmen des „Harvard Negotiation Projects“ entwickelt. Mit der Methode sollen Konfliktpartner einen Streit konstruktiv und friedlich lösen können. Ziel ist es, ein Ergebnis zu erarbeiten, von dem beide Verhandlungspartner profitieren. Zudem soll vermieden werden, das faule Kompromisse geschlossen werden, mit denen eigentlich beide Parteien unglücklich sind.

  • Behandle Menschen und ihre Interessen (die Sachfragen) getrennt voneinander
  • Konzentriere dich auf die Interessen der Beteiligten und nicht auf ihre Positionen
  • Entwickle Entscheidungsoptionen (Auswahlmöglichkeiten)
  • Bestehe auf objektiven Beurteilungskriterien (zum Beispiel gesetzliche Regelungen, ethische Normen et cetera), bei deren Einhaltung das Ziel eine Übereinkunft ist

Den Streit professionell lösen lassen

Geht man einmal davon aus, dass die meisten Streitigkeiten im Büro nicht durch boshafte Einzelpersonen provoziert werden, sondern Konflikte sind, die durch Missverständnisse, fehlendes Einfühlungsvermögen oder Stress entstanden sind und sich festgefahren haben., kann man auch davon ausgehen, dass sie sich durch Kommunikation lösen lassen. Dennoch können Streitigkeiten manchmal so festgefahren sein, dass es professioneller Hilfe bedarf.

Dann gibt es immer noch die Möglichkeit einen professionellen Schlichter ins Boot zu holen, zum Beispiel einen Konfliktmanager oder Kommunikationscoach (wie oben schon erwähnt). Oder der Arbeitgeber kann sich oder einen Mitarbeiter der Personalabteilung in einem Konfliktmanagement-Seminar schulen lassen, sodass auch schwierige Fälle intern gelöst werden können. Zwar eine kleine Investition, dafür eine die sich auch auf persönlicher Ebene auszahlen könnte.

Wie löst ihr Konflikte im Office? Findet ihr, dass der Chef eingreifen sollte, wenn es zu wild wird? Antwortet und in den Kommentaren.

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4 Reaktionen
Tressa
Tressa

Es wäre natürlich nicht schlecht, wenn die Mitarbeiter über die Gründung eines Betriebsrats nachdenken, damit Konflikte schnellstmöglich gelöst werden (vgl. Artikel hier unter http://www.betriebsrat.de ). Gerade bei Schlichtungskonzepten müssen die meisten Mitarbeiter an einem Strang ziehen. Schwierig wird es nur bei einem Kleinbetrieb mit maximal 5 Mitarbeitern!
Wenn ich mir die aktuellen Tagesnachrichten ansehe, ist die Notwendigkeit der Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen fast unvermeidlich.

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Dr. Timo Müller (IKuF-Institut)

Vielen Dank für den Artikel.
Zitat von oben: "Dennoch können Streitigkeiten manchmal so festgefahren sein, dass es professioneller Hilfe bedarf."

Ich stimme zu. Es ist wichtig zu erkennen, wann ein Konflikt so eskaliert ist, dass eine externe Unterstützung sinnvoll ist.
Leider werden Konflikte von der "nächst höheren Hierarchie-Ebene" oft noch als Probleme gesehen. Wer als Team- und Abteilungsleiter Konflikte in seinem Team/Abteilung hat wird schlechter beurteilt. Folge: Konflikte werden verschwiegen. Dies wirkt sich wirtschaftlich negativ aus.
Ein offener Umgang mit Konflikten ist angezeigt.

Wichtig ist außerdem, dass Führungskräfte Mitarbeiter-Konflikte selbst als Konflikt-Moderator bearbeiten und lösen können. Hier fehlt in vielen mittelständischen Unternehmen das Know-how. Einfache Kommunikationskenntnisse reichen zur Lösung von Konflkten nicht aus.
In diesem Kontext empfehle ich den lesenswerten IKuf-Artikel: "Wie durch eine professionelle Führung in Konflikt-Situationen Kosten eingespart werden können".

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Timo Müller

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Thomas Albert Klein
Thomas Albert Klein

Im obigen Artikel wird MEDIATION (= ein Verfahren zur "Vermittlung" in Konflikten) nicht erwähnt. Ein MEDIATOR hat die Aufgabe, als neutrale und unabhängige Person, eine konstruktive Kommunikation zwischen den Streitparteien wieder in Gang zu setzen, damit diese "Ihren" Konflikt darin einvernehmlich lösen können. Er hat keinesfalls die Befugnis, eigene Entscheidungen (anders als ein Schlichter oder Richter) in der Sache zu treffen. Das ist die eigenverantwortliche Aufgabe der Parteien. Und denen gelingt das auch in ca. 3/4 aller Konflikte! Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Thomas Albert Klein

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Hung trong nguyen
Hung trong nguyen

Mit Größem prolemen schön Spaßen sehr schön und interessant für mich. Mit mir immer gern und gefallen. Größem prolem und sehr schwiegsten spielenSpaßen machen können.
Mit besten Grüßen.
Ihr nthmarketingfinance. Team.

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