Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Studie: Deutsche sind auffällig zurückhaltend bei Social-Media-Nutzung

Eine neue untersucht das Social-Media-Verhalten der Bevölkerung von 21 Ländern. Die Ergebnisse sind grundsätzlich nicht sehr überraschend, denn die Studie bestätigt einmal mehr die schwache Stellung Deutschlands beim Thema Social Networking. Auch Länder mit ähnlichen Voraussetzungen wie Deutschland weisen einen wesentlich höheren Grad von Social-Media-Nutzern auf.

Studie: Deutsche sind auffällig zurückhaltend bei Social-Media-Nutzung

Deutschland ist in Sachen Social Media noch unterentwickelt

In vielen Sachen liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze, allerdings gehört das Social-Media-Verhalten sicherlich nicht zu den größten Tugenden des Volks der Dichter und Denker – Michael Kroker spricht gar vom „Social-Media-Entwicklungsland Deutschland". Auch wenn diese Tatsache sicherlich niemanden mehr erschreckt, so belegt eine neue Studie dies  einmal mehr mit handfesten Zahlen.

Deutschland sortiert sich bei der Social-Media-Nutzung nur im hinteren Drittel ein.

26000 Menschen in 21 Ländern befragt

Die Meinungsforscher vom Pew Research Center aus den USA haben insgesamt rund 26000 Menschen in 21 Ländern zu ihren Social-Media-Nutzungsverhalten befragt. Die abgebildeten Länder sind dabei sehr vielfältig und so wurden sowohl relativ arme oder politisch unstabile Länder wie Ägypten oder Brasilien bis hin zu reichen Ländern wie die USA oder Deutschland berücksichtigt. Die Umfragen wurden entweder direkt „Face-to-Face“ oder am Telefon durchgeführt.

Die Zurückhaltung der deutschen ist in allen Altersgruppen sichtbar.

46 Prozent der Deutschen nutzen keine sozialen Netzwerke

Eine der grundlegendsten Fragen innerhalb der Studie ist dijenige, ob die Probanden überhaupt soziale Netzwerke nutzen. Während darauf 52% der Befragten in Großbritannien mit Ja antworteten, so sind es in Deutschland nur 34 Prozent. Mit Nein antworteten in Deutschland sogar 46 Prozent. Das ist mit Abstand der größte Wert der „Nein“-Sager unter allen Ländern (Auf dem zweiten Platz in dieser Kategorie liegt Japan mit 36 Prozent).

Damit ordnet sich Deutschland in Sachen Social-Media-Affinität irgendwo zwischen Tunesien und Mexiko im hinteren Drittel ein. Spitzenreiter sind auffälligerweise die Briten, gefolgt von den USA und Russland.

Je ernster, desto weniger interessant

Auch über die Art der Nutzung gibt die Studie Auskunft. So nutzen 67 Prozent aller Befragten Nutzer zum Teilen von Beiträgen über Musik und Filme. 42 Prozent teilen dort lokale und gemeinschaftliche Probleme aus ihrem Alltag. Es folgt der Sport, und schließlich auf den hinteren beiden Plätzen Politik und Religion.

Je ernster das Thema, desto weniger Menschen möchten sich darüber unterhalten.

Weiterführende Links:

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
7 Antworten
  1. von Cédric am 20.12.2012 (17:55 Uhr)

    Es gibt da ein soziales Netzwerk namens Real Life, das nicht in der Studie vorkommt.

    Antworten Teilen
  2. von Stephan Jäckel am 20.12.2012 (19:44 Uhr)

    Die Nachfahren der Dichter und Denker kennen dieselben gar nicht mehr. An Spielekonsolen kann es nicht unbedingt liegen, denn die gibt es auch in Japan, Südkorea oder China, wo Goethe, Schiller, Lessing, Kant, Schopenhauer oder Nietzsche nicht nur dem Namen nach bekannt sind, sondern auch gelesen werden..... und hier verengt dann eine Studie NUR über "Social Media Nutzung" das Blickfeld und verliert an Relevanz.

    Eigentlich kann man an ihr nichts ablesen, ganz besonders nicht, das Deutschland ein Entwicklungsland sei. Jede Entwicklung aufzunehmen und Massenkonsument von allem Neuen zu sein ist kein Zeichen von hohem Entwicklungsstand.

    Die Deutsche Kultur ist nun einmal nicht die angelsächsische bzw. anglo-amerikanische und so passen gewisse "soziale" Angebote nicht unbedingt in "unsere" Art sozialen Zusammenseins. Wenn hier also weniger Social Media genutzt wird, dann weil andere Kommunikationwege attraktiver und zielführender erscheinen, ebenso andere Formen der Zeitnutzung.

    Es müsste also eher gefragt werden, warum in Deutschland niemand bisher ein Angebot geschaffen hat, welches den Anforderungen des lokalen Marktes entspricht. "One Size Fits All" ist eine sehr veraltete Marketingstrategie und mag beim Ford-T gepasst haben. Im Deutschland des 21. Jahrhunderts verfängt sie verhältnißmäßig weniger.

    Böse Zungen könnten unken, dass unsere IT-Visionäre nur Visionen davon haben, wie sie US-Geschäftsmodelle für sich nutzen und damit viel Geld verdienen können. Werden dann diese Hoffnungen enttäuscht, dann muss das diese verletzen, dann muss ggf. zurück geätzt, gleich ganz Deutschland zum Entwicklungsland degradiert werden.

    Vielleicht nimmt dieses Land nur eine andere Entwicklung? Vielleicht hätte das richtige Geschäftsmodell ja Chancen in Deutschland zu funktionieren, wenn es dann den Kundenwünschen entspräche? Was ist an einer anderen Entwicklung schlecht? Haben Nationen kein Recht auf Individualität?

    Wir sind nicht alle gleich, nicht innerhalb von Deutschland, noch innerhalb von Europa oder gar der ganzen Welt - trotz Hollywood und US Fernsehserien! Und möge die Welt bitte untergehen, bevor wir alle anfangen gleich zu sein oder uns so sehr zu ähneln, dass wir alle in denselben Cluster passen - mehr oder weniger.

    Und wenn ich mir beide Tabellen ansehe, so kann ich kein Mißfallen daran entwickeln, uns aktuell dort zu sehen wo vergleichsweise auch China oder Japan stehen (Südkorea fehlt in den wiedergegebenen Studiendaten leider; wäre interessanter gewesen als Jordanien, Libanon oder die Tsch. Rep.).

    In so fern gilt es vielleicht zu relativieren: Als viertgrößte Industrienation der Welt kennen wir unsere Dichter und Denker nicht mehr so gut wie jene auf Platz drei und zwei, aber haben noch so viel von ihnen Inne, dass wir nicht jedem Hype der Webwelt hinterher rennen, der uns als so revolutionär wie die Glühbirne, der Telegraf oder das Telefon verkauft wird.

    Vielleicht haben ja die Naturwissenschaftler und Ingenieure, die unseren Dichtern und Denkern folgten einfach zuviel von dem ersonnen und geschaffen, was die Welt heute WIRKLICH antreibt? Dann sind wir in der Breite der Bevölkerung vielleicht gelassener, als die Panikmacher, die uns wegen ein bisschen weniger facebook, Twitter (20 Zeichen zu wenig) und Co. gleich den Untergang des Landes andichten wollen?

    Falls wir "untergehen" sollten, dann vielleicht wegen des Euros, aber sicher nicht wegen ein paar Tweets zu wenig und ein paar weniger deutschen Nutzerdaten bei facebook.

    Fröhliche Weihnachten!

    Antworten Teilen
  3. von Jan am 21.12.2012 (09:23 Uhr)

    Ja, das ist doch super, dass Social Media hier in Deutschland wenig benutzt wird.

    Ein tolle Nachricht!

    Facebook und Twitter sind doch ziemlich langweilige Nummern, die man definitiv nicht zu unterstützen braucht.

    Vorallen Dingen, da es sehr unsympathische Firmen sind. Deswgen freut mich, dass es anscheinend doch noch viele kritische Mitbürger gibt, die nicht jeden Hypetrain mitmachen.

    Antworten Teilen
  4. von nachtgold am 21.12.2012 (10:28 Uhr)

    Heißt doch auch, dass die Leute andere Sorgen haben, als dort rumzugammeln.

    Antworten Teilen
  5. von Björn am 21.12.2012 (17:38 Uhr)

    Die Deutschen sind eben etwas ängstlich und schauen sehr genau hin. Nicht umsonst sind die Deutschen im internationalen Vergleich am stärksten versichert und deutsche Produkte stehen bis heute für ausgezeichnete Qualität. Wenn dann der Umgang mit den User-Daten durch US-Konzerne regelmässig von Datenschützern scharf und medienwirksam kritisiert wird, dann hat das gerade in Deutschland erhebliche Auswirkungen auf die Nutzung solcher Dienste. Die Deutschen schauen dann eben etwas genauer hin und fühlen sich unsicher, wenn ihre Daten irgendwo in riesigen Rechenzentren außerhalb geltender Gesetze auf Lebenszeit für privatwirtschaftliche Zwecke gesammelt werden.

    Vielleicht ist Deutschland in Bezug auf irgendwelche Modeerscheinungen wie "Social Media" ein Entwicklungsland, aber ganz sicher nicht in Bezug auf die erwartete Naivität. Und dagegen ist auch überhaupt gar nichts einzuwenden.

    Antworten Teilen
  6. von Astrid Radtke am 21.12.2012 (22:47 Uhr)

    Sozial Media ist ja auch nicht die einzige Form das Internet zu nutzen. Viele tauschen sich zu Zeitungsartikeln aus oder schreiben in Blogs bzw. kommentieren dort.
    Twitter, fb, Xing usw. hat nur einen bestimmten Nutzerkreis. Sascha Lobo sprach von Datenburgen. Es halten sich dort nur eine bestimmte Anzahl von Menschen auf und es dringt sehr wenig nach außen.

    Die Frage ist, wofür man es nutzen möchte.

    Antworten Teilen
  7. von iFrank am 23.12.2012 (23:21 Uhr)

    Wundert mich gar nicht. Das passt genau zur deutschen Verschlossenheit und Diskretion. Immer schön unauffällig und bescheiden bleiben. ;)

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Studie
E-Commerce-Studie 2014: SEO, SEA und Social Media bei den 177 größten Online-Shops der Republik
E-Commerce-Studie 2014: SEO, SEA und Social Media bei den 177 größten Online-Shops der Republik

Die Marketing-Agentur Aufgesang wird morgen ihre aktuelle Studie zum Online-Marketing im E-Commerce-Sektor veröffentlichen. Wie in den vergangenen Jahren haben sie dazu die SEO-, SEA- und … » weiterlesen

Social Media am Arbeitsplatz: Chefs surfen häufiger privat als Mitarbeiter
Social Media am Arbeitsplatz: Chefs surfen häufiger privat als Mitarbeiter

Heute schon privat während der Arbeit gesurft? Social Media am Arbeitsplatz sehen viele Chefs kritisch – eine Studie zeigt jedoch deren häufige Doppelmoral auf. » weiterlesen

Studie seziert eine Million Headlines: Darauf springen Nutzer am häufigsten an
Studie seziert eine Million Headlines: Darauf springen Nutzer am häufigsten an

Die Anbieter eines Social-Media-Tools haben fast eine Million Überschriften ihrer Kunden analysiert. Das Ergebnis zeigt, dass auf verschiedenen Netzwerken auch unterschiedliche Headlines gut ankommen. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 37 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen