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Studie zur Smartphone-Nutzung 2012: Die „Smart-Natives“ kommen!

Studie zur Smartphone-Nutzung 2012: Die „Smart-Natives“ kommen!

Die „GO SMART 2012: Always-In-Touch“ führt verschiedene Teilstudien zusammen, um die der Smartphone-Nutzung zu prognostizieren. Aus den Daten wird vorallem eine zentrale Prognose für die Zukunft abgeleitet: Die Nutzung wandelt sich vom „Always-On“ zum „Always-In-Touch“. Zudem bringt diese digitale (R)Evolution beinahe unbemerkt eine neue Spezies hervor, die im Jahr 2010 noch im Dickicht des Internets und unter den Steinen der Datenflüsse gesucht werden muss: der Smart-Native.

Studie zur Smartphone-Nutzung 2012: Die „Smart-Natives“ kommen!

Das Studien-Setup

Die von Trendbüro, TNS Infratest, Otto Group und Google durchgeführte Studie suchte sich eine ganz bestimmte Zielgruppe:

Im Fokus der GO-SMART-Studie stehen Smartphone-Nutzer, die sich durch eine hohe Nutzungsintensität, Technik- und Webaffinität auszeichnen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Was heute das Leben der sogenannten Smart-Natives prägt, wird morgen den Alltag breiter Nutzergruppen beeinflussen.

Die erhobenen Messdaten für das zu untersuchende Online-Verhalten ausgewählter Nutzer wurden dabei mittels Tracking während einer sechswöchigen Messperiode erfasst. Die Umfragen wurden auf Basis zweier Methoden erhoben: Zum einem durch die TNS-Digitalbehave-Plattform, einem digitalen Messpanel, und durch CATIs (Computer Assisted Telephone Interview). So nahmen insgesamt mehrere tausend Probanden im Alter von 18 bis 59 Jahren an der Studie teil – ein durchaus breites Methoden- und Datenfundament, aus denen  Thesen wie die Folgenden abgeleitet werden:

  • Der sogenannte Tipping-Point des mobilen Internets ist fast erreicht. Einstige Barrieren der Smartphone-Nutzung werden überwunden. Damit wird sich die Art der Kommunikation, des Konsums und der Interaktion, drastisch verändern.
  • E=M-Commerce: Die Studie geht davon aus, dass M(obile)-Commerce langfristig den herkömmlichen E-Commerce ablösen und ersetzen wird.

Was ist ein Smart-Native?

Die Studie definiert diese Spezies wie folgt:

Den Smart-Native kennzeichnet seine hohe Nutzungsintensität, Technik- und Webaffinität. Die Bedienung seines Smartphones geht ihm leicht von der Hand, und er integriert das dem mobilen Internet innewohnende Potenzial bereits gewinnbringend in seinen Alltag. Fast täglich ruft er „on the go“ nützliche Informationen ab oder füllt mit Online-Entertainment seine Leerlaufzeiten. Dieser Typ ist überdurchschnittlich gebildet, berufstätig, jung und besitzt ein iPhone.  Natives finden online immer, was sie gerade brauchen und verwenden das mobile Web besonders gern in seiner appbasierten Form. Smart-Natives möchten nicht mehr auf den mobilen Mehrwert verzichten müssen.

Hier werden bereits existierende Nutzer durchaus treffend beschrieben und gleichzeitig herbeizitiert, denn: Wenn der Smart-Native die sogenannte „digitale Avantgarde“ darstellt und ihm die Zukunft gehört, dann sollte die Wirtschaft besonders an einer Schaffung dieser Zielgruppe interessiert sein – und das nicht nur wegen der Möglichkeiten des M-Commerce, des mobilen Shoppings. Mit den Bedürfnissen dieser Konsumenten erschließen sich permanent neue Märkte, an die heute möglicherweise noch nicht gedacht werden kann.

Und die Studie weiß diesen Ansatz mit einer weiteren These zu unterfüttern – und schafft dabei eine interessante Analogie und eine oftmals vermutete Verwandschaftsbeziehung:

Durch das wird multimediale Interaktion zur Zigarettenpause des 21. Jahrhunderts.

Rauchen? Nikotin auf 140 Zeichen? Das ist nichts weniger als das Aufgreifen eines brandheißen Themas, das im Zuge der Begriffe wie Digital-Native, Digital-Nomad oder Digital-Bohème immer wieder diskutiert wird (Wer sich für diesen Themenkomplex interessiert, sollte auch einen Blick auf die Vortragsfolien der hochinteressanten ConventionCamp-Keynote von Wolfgang Wopperer werfen: Von Hackern, Coworkern und Idealisten). Ein Schelm wer jetzt an Begriffe à la (Informations-)Junkies denkt. Und ebenso schelmisch daran zu denken, was erst alles passiert, wenn gewisse Technologien wirkliche Aufmerksamkeit bekämen.

Der Begriff Smart-Native ist eine letztendlich unglückich gewählte Wortkreation, die einen Ist-Zustand im Kern zwar treffend beschreibt, aber in der Formulierung noch zuviele Reibungspunkte und Unzulänglichkeiten offenbart und nur mit Stilblüten zu fassen ist. Ein erneuter Blick in die Einleitung dieses Artikels kann auch dafür Beweis genug sein.

Das Mindset der Smart-Natives

Zum inhaltlichen Kern des Smart-Natives-Theorems. Das sich aus den Bedürfnissen speisende Mindset dieser Spezies sei an vier Dimensionen ablesbar:

  • Nutzung (Einfachheit, ohne Unterbrechung),
  • Effizienz (Dynamisierung des Alltages, Flexibilität),
  • Kommunikation (Social Media, direkte Interaktionsfähigkeit) und
  • Konvergenz (Multifunktionalität und Personalisierung)

Always-In-Touch bedeutet demnach: Man geht nicht mehr ins Internet, man ist einfach im Internet. Ein konkret zu erfassender Raum, der die Lebenswelt vieler Menschen eins zu eins wiederspiegelt. Ausgewählte Probanden wissen die Zukunft des Smartphones zu präzisieren – und damit auch ihre eigene in vielen Lebensbereichen:

  • Susi (24), Smart-Native: „Durch den Touchscreen meines iPhones wird mir das mobile Internet so leicht gemacht, dass ich gar nicht mehr drum herumkomme, online zu gehen.“
  • Niklas (24), Smart-Native: „Meine  klassische Telefonie hat drastisch abgenommen. Ich nutze jetzt mehr E-Mail, Facebook und Twitter.“
  • Victor (28), Smart-Native: „Es gibt für mich keinen Unterschied zwischen stationärem und mobilen Internet. Es ist DAS Internet.“

Besonders durch die Usability seien Smartphones wahre Marktöffner und das iPhone sei ihr Anführer.

Zahlen- und Gedankenspiele

Diese Annahmen gründen sich auf den folgenden Zahlen:

  • 75 Prozent der Handybesitzer gehen nicht ohne das Gerät aus dem Haus, 42 Prozent haben es immer in Reichweite, sogar nachts (Synovite, 2009).
  • 80 Prozent der Deutschen nutzen das Internet mindestens einmal wöchentlich (GO SMART, 2010).
  • Durch die verlässliche Netzabdeckung mit relevanten Übertragungsraten wird mit der zunehmenden Geräteverbreitung ein Anstieg des mobilen Datenverkers um das 66-fache bis 2013 prognostiziert (Cisco, 2009).
  • Allein 2009 wurden die Datentarife um 24 Prozent billiger (Perspektive Mittelstand, 2009).
  • Weltweit stieg die Menge an Musik-, Video- oder ähnlichen mobil übertragenen Content in den letzten zwei Jahren jährlich um 280 Prozent, es wird eine gleichbleibende Tendenz erwartet (Mobile Marketing Watch, 2010).

Prognosen:

  • Bis 2012 steigt der Anteil der Smartphone-Intensivnutzer um 83 Prozent, die Nutzung des stationären Internets um 39 Prozent.
  • 11 Prozent der Deutschen besitzen 2010 ein Smartphone. 22 Prozent Prozent der Deutschen werden 2012 ein Smartphone besitzen.
  • In Zukunft machen Online-Medien fast 40 Prozent der Nutzung aller Medien aus.

All das fasst die Studie mit dem Begriff: „Always-In-Touch“. Damit soll die Maxime der Zukunft geliefert werden, und das „Always-On“ der 2000er Jahre ablösen.

Was wird wie lange genutzt?

Bereits jeder zweite Smart-Native der Studie (49 Prozent) zieht das mobile Web gegenüber dem stationären vor, um alltäglichen Content abzurufen, wie z.B. Nachrichten, Social Media, Lifestyle. Dabei ist die typische Mobil-Web-Session kurz und gezielt.

  • Eine kurze Info-Session dauerte 3 Minuten, 18 Klicks und startete bei bild.de.
  • Eine Info-Session dauerte 10 Minuten, 23 Klicks und startete bei google.de.
  • Eine Social-Media-Session dauerte 9 Minuten, 51 Klicks und startete bei facebook.net.

Was die Zukunft bringt?

Wie wird also die Zukunft aussehen, wenn an Geo-Locating, Augmented-Reality, Realtime-Anwendungen und Mobile Payment gedacht wird? Die GO-SMART-Studie macht die folgenden Bereiche als besonders zukunftsträchtig aus:

  • Convenience: Relevanz von Realtime (Zeitpunkt) und Mobilität (Aufenthaltsort). Z.B.: Routenplaner, nützliche Alltags-Informationen, Online-Banking, Wetter.
  • M-Commerce: Mobile Payment, Bezahlfunktionen, Preisvergleichsseiten.
  • Zugangswissen: Suchmaschinen, Akute Informationssuche, tagesaktuelle Nachrichten, Nachschlagewerke, Online-Lexika.
  • Media: Radio und Musik hören bzw. downloaden.
  • Social Media: private Kontakte pflegen.

Was denkt ihr? Welche Funktionen und Anwendungsbereiche werden in den nächsten zwei Jahren wirklich kommen? Wo liegen noch konkrete Defizite (z.B. fehlende Mobil-Browser-Optimierung)? Und vorallem: Wird sich „Smart-Native“ als Terminologie durchsetzten? In den Comments kann fleißig weiter diskutiert werden.

Zur Studie auf slideshare.net...

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4 Antworten
  1. von Daniel Rosner am 16.11.2010 (11:52 Uhr)

    Ich frage mich wann semantische Technologien hinzukommen und wie die "Crows", helfen könnte die Annotationen durch zu führen. Erst wenn die Datenbestände aufbereitet sind, können Sie auch produktiv genutzt werden. z.B. für tagesaktuelle Preise.

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  2. von anonymus am 16.11.2010 (14:21 Uhr)

    Nachdem ich nun seit 15 Minuten geschockt vor meiner Tastatur gesessen habe und mir während des Schreibens klar wurde, dass ein Kommentar dieser Frechhheit in keinster Weise gerecht würde, habe ich mich entschlossen, einen Blog zu starten. Meine eigene Mündigkeit verbietet es mir, solch eine Zumutung widerstandlos hinzunehmen.

    Daher verbleibe ich hier erst einmal nur mit einer Frage, die man sich in Zeiten des neoliberalen Wirtschatfsfaschismus, in denen "[...] das dem [...] Internet innewohnende Potenzial bereits gewinnbringend in den (seinen) Alltag" integriert wird, unbedingt stellen sollte: Wer profitiert davon wirklich?

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  3. von Michael Liebert am 16.11.2010 (18:05 Uhr)

    Ist doch schon Wirklichkeit. Die app auf dem iphone bereitet mir meinen Feedreader wunderbar und so lese ich im Zug oder Flugzeug (geht auch offline) was "meine" Journalisten und Blogger gerade für berichtenswert halten. Dort hab ich Zeit. Der Rechner im Büro dient zum Arbeiten. Bei Fragen gibt es Google und Widipedia und meine eigenen Weinbeschreibungen finde ich im Netz oft leichter, wie in meiner kryptischen Ablage...
    Und das Schöne ist, bei gewissen Gelegenheiten kann man das Ding einfach ausschalten!

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  4. von Bätschman am 16.11.2010 (21:26 Uhr)

    Schöner Artikel der gut beschreibt wo es vermutlich hingehen wird. Jetzt da *hust* Facebook ja gerade seine neu erfundene E-Mail präsentiert hat und De-Mail und der E-Postbrief in den Startlöchern stehen, dürfte sich einiges machen. Auch im Hinblick, da in der privaten Kommunikation die SMS immer mehr durch Push-Mail in Messenger aller Art ersetzt wird.

    2 Punkt, welche mir während meinen Reisen durchs WWW aufgefallen sind.
    Zum einen hätte ich mir eine markenneutrale Def. gewünscht. Das iPhone ist nicht das einzige Endgerät, mit dem man unterwegs ins WWW gehen kann. Dies sollte auch in der Def. berücksichtigt werden. Sicherlich dürfte die Def. auf Zahlen aufgebaut sein, dennoch sollte eine Def. in dieser Hinsicht offen bleiben.
    Der Zweite Punkt ist die Konzentration auf Apps. Sicherlich auch im Moment noch bedingt durch das iPhone. Ich bin allerdings eher der Meinung, dass Apps zum grössten Teil Übergangslösungen sind. Sobald alle Webseiten für Smartphones optimiert sind, werden ein Grossteil der News-Apps aussterben. Was bleiben wird sind Apps, welche zum Arbeiten gedacht sind. Das ist klar. Aber die reinen News-Apps werden weniger werden. Heute schon gibt es Studien, die sagen "Browser vor App".
    Dazu braucht es aber auch Browser, die das WWW sauber darstellen können.

    Wenn diese Punkte zusammentreffen denke ich schon, dass die Kommunikation sich enorm verändern wird. Ein weiterer Punkt sind die Roaming Gebühren. Sollten diese bei Daten irgendwann fallen, wird ein weiterer Schub ausgelöst.

    mfg Ralf (@Baetschman_de)

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