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Facebook begeistert Journalisten und bedankt sich mit Sushi [Silicon Valley Tagebuch]

Journalistisch hat dieses Jahr mit dem Facebook-Presse-Event begonnen – ein gutes oder schlechtes Omen? Kulinarisch jedenfalls war die Konferenz ein Erfolg, hat sich nicht lumpen lassen. Meine Anfrage für ein Business-Lunch mit dem deutschen LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke mündet in einer Business-Wanderung - ein Konzept, das durchaus Potential hat, warum sollten Business-Gespräche immer beim Mittagessen geführt werden?

Facebook begeistert Journalisten und bedankt sich mit Sushi [Silicon Valley Tagebuch]

Facebooks Presse-Event: Top oder Flop?

So langsam geht es nach der Winterpause im wieder los mit den zahlreichen Events. Der Blick in den Terminkalender zeigt trotzdem auf: Bei der Auswahl an Veranstaltungen hat ein natürlicher Selektionsprozess eingesetzt. Wie die meisten habe ich hier am Anfang mitgenommen, was nur geht, und bin mittlerweile wählerischer geworden. Denn nicht jedes Meet-up oder ist so vielversprechend, wie es sich für neue Ohren anhören mag.

Ein „Muss“ ist natürlich die Facebook-Pressekonferenz, zu der das Netzwerk in einer kryptischen Mail sämtliche wichtigen Journalisten eingeladen hat. Ich selbst stand unverständlicherweise nicht auf der Liste der zu einladenden Medienleute, kann aber mittlerweile auf ein Netzwerk an Leuten zurückgreifen, die in solchen Fällen aushelfen. Zahlreiche Mails später habe auch ich eine Bestätigung im Postfach – und frage mich, ob es das wert war. Erinnerungen an die letzte Presse-Konferenz werden wach, um die im Vorfeld ebenfalls viel Wind machte und dann die Welt mit langweiligen Inhalten verärgerte, an die sich keiner mehr erinnern kann.

Facebook lädt zum Presse-Event ein, die Journalisten warten auf Marks Zuckerbergs Ankündigung.

Anders als erwartet drängeln sich nicht Horden an sensationsgeilen Journalisten in das Facebook-Gebäude, alles ist entspannt und übersichtlich. Mark Zuckerberg erscheint beinahe pünktlich und berichtet strahlend und souverän – seine wachsende Medienkompetenz ist deutlich wahrnehmbar – von Facebooks neuestem Stern am Himmel: der sozialen Suchmaschine Graph Search. Gut, es ist nicht das Facebook-Phone, auf das viele gehofft hatten. Aber eine Enttäuschung ist die Ankündigung auch nicht. Das Thema ist spannend, polarisierend und wirft viele Fragen auf. Nach getaner Arbeit werden die braven Journalisten mit einem Sushi- und Kaviar-Buffet belohnt, das schwer zu toppen ist.

Enthusiastische Gründer ringen um Aufmerksamkeit

Zwei Tage später stehe ich in einem stickigen Raum, in dem Startups um die Aufmerksamkeit der Besucher ringen. Anders als auf den meisten Pitch-Veranstaltungen bekommen die einzelnen Gründer dieses Mal keine Bühne samt fünf Minuten Redezeit, sondern pitchen gleichzeitig an Stehtischen. Zur Verfügung steht ihnen nur ihr Laptop und was sonst auf einen kleinen Stehtisch passt. Aufgrund des enormen Geräuschpegels brüllen sich die Gründer die Stimme aus dem Hals, ständig müssen sie ihr Konzept den wechselnden Besuchern erneut erklären. "The next big thing" ist vermutlich nicht dabei, aber die Ausdauer und der Enthusiasmus der Gründer sind beeindruckend. Der Veranstalter WeWork Labs hat sich an diesem Abend das Geld für das Essen gespart und statt dessen in eine reichhaltige Bar investiert, an der es neben Bier und Wein auch Cocktails und Longdrings gibt. Alkohol statt Food, interessantes Konzept.

Mark Zuckerberg erklärt gewohnt leger und gut gelaunt, was es mit der sozialen Suche "Graph Search" auf sich hat.

Am Tag darauf steht ein Treffen mit dem deutschen LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke an. Normalerweise finden solche informellen Gespräche in Form von Business-Lunches statt, San Francisco bietet dafür eine nie endende Auswahl an tollen Restaurants. Doch der Deutsche tickt anders, wer sich mit ihm verabreden möchte, wird zum Wandern eingeladen. „So verbinde ich das Nützliche mit einem Work-out“, erklärt er. Deutsche Effizienz in ihrer besten Ausprägung. Wobei: Auch die Amis haben das Wandern für sich entdeckt, so wird hier zum Beispiel regelmäßig zum "Entrepreneurs Social Hiking" eingeladen.

Zum Wandern eignet sich im Silicon Valley das Gelände der Stanford-Universität. Neben dem eigentlichen Uni-Campus gehört ein riesiges Stück vom Umland zum Eigentum der Universität. Das Naturarreal bietet spektakuläre Aussichten auf das Silicon Valley und darf laut Stiftungsordnung niemals verkauft werden. Dies und mehr erzählt mir Konstantin Guericke bei einem entspannten Wander-Ausflug unter kalifornischer Sonne. In den Achtzigern war er selbst Standford-Student und ergatterte den begehrtesten Studenten-Job: Campusführungen. Mittlerweile hat er Stanford und sein späteres Projekt LinkedIn hinter sich gelassen und ist neben seiner Tätigkeit bei Earlybird Ventures und dem Startup Doximity als Mentor der Stanford Universität tätig. Als solcher versucht er, „jungen Unternehmern zu helfen, Felsen zu umschiffen und richtig Gas zu geben, wenn die Bahn frei ist.“

So schön kann Studieren sein: auf dem Campus der Stanford-Universität.

Auch dies ist eine Besonderheit des Silicon Valleys: die enge Vernetzung der Stanford Universität mit den wichtigen Größen der Branche, mit VCs, Business Angels und Mentoren wie Guericke. Wer hier Rat sucht, muss nicht lange suchen, ein großer Vorteil. Aber das entsprechende Umfeld wachse auch in Deutschland, speziell Berlin, ist Guericke überzeugt. Als Earlybird-Partner ist er regelmäßig in der deutschen Hauptstadt und findet die Entwicklung dort sehr positiv. „Natürlich ist dort weniger Geld als hier, die Investitionssummen sind viel kleiner. Aber man braucht dort auch einfach weniger Geld als Gründer – ein guter Standortfaktor“, erklärt er.

Nach dem Hike bin ich wieder einmal angetan vom gut funktionierenden Netzwerk im Silicon Valley, den unkomplizierten Kontakten und der Spontanität, mit der man sich hier verabredet. Ob es etwas mit der kalifornischen Sonne zu tun hat?

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