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Invasion der Roboter: Künstliche Intelligenz ist bald so normal wie Strom

Invasion der Roboter: Künstliche Intelligenz ist bald so normal wie Strom

Je mehr menschliche Fähigkeiten von Maschinen und Robotern übernommen werden, umso dringlicher stellt sich die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht. Sind es nur jene Fähigkeiten, die noch nicht automatisiert werden können? Und was ist, wenn nichts mehr davon übrig bleibt? Antworten darauf gab es am zweiten Tag der South by Southwest () in Austin.

Invasion der Roboter: Künstliche Intelligenz ist bald so normal wie Strom

(Foto: Shutterstock)

Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze kosten

Jede wirkliche Revolution in der Arbeitswelt geht mit massiven Jobverlusten einher. Die industrielle Revolution hat die Arbeit in der Landwirtschaft bis auf einen kleinen Rest reduziert. Nun stehen womöglich ähnliche Prozesse für Wissensarbeiter bevor. Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze kosten. Oder umgekehrt und positiv formuliert – menschliche Intelligenz für neue Aufgaben und Herausforderungen freisetzen.

Lego für Geeks auf der SXSW in Austin. (Foto: Martin Recke)
Lego für Geeks auf der SXSW in Austin. (Foto: Martin Recke)

Die künstliche Intelligenz (KI oder AI) lebt seit ihren Anfangstagen mit einem seltsamen Paradox: Sobald eine Funktion oder Fähigkeit, die als Element künstlicher Intelligenz galt, erfolgreich implementiert ist, gilt sie sofort als selbstverständlich –  und wird nicht mehr als KI wahrgenommen.

Ein prominentes Beispiel ist die Erkennung menschlicher Sprache, die als Paradebeispiel für KI galt. Inzwischen reden wir wie selbstverständlich mit unseren Telefonen und denken keine Sekunde daran, dass dies irgendetwas mit KI zu tun haben könnte.

Dieses Paradox wirkt sich auch auf das Interaktionsverhalten zwischen Mensch und Maschine aus. Wir interagieren intuitiv mit Robotern wie mit anderen Lebewesen, auch wenn unser Verhalten gar keinen Sinn zu haben scheint, weil nur sehr eingeschränkt oder gar nicht auf dieses menschliche Verhalten reagieren.

Wendy Ju illustrierte dies am Beispiel eines autonomen Mülleimers, der rein äußerlich wenig mit einem Lebewesen gemein hat. Für die Interaktion mit Menschen ist der Ausdruck von Zuständen oder auch Emotionen wichtiger als die äußere Erscheinung.

Wenn ein Roboter schon an seiner Aufgabe scheitert, dann sollte er wenigstens Traurigkeit darüber zum Ausdruck bringen. Beruhigend für die Apokalyptiker: Die Expertenrunde auf dem Panel war sich heute einig darin, dass eine Machtübernahme durch Roboter vorerst nicht zu erwarten sei. Künstliche Intelligenz ist heute vielfach noch auf menschliche Unterstützung angewiesen.

Das nächste große Ding: Human-assisted AI

Max Levchin (Mitgründer von PayPal, Anm. d. Red.) sieht „human-assisted AI“ als einen unaufhaltsamen Trend. Wo Siri nicht weiter weiß, kommt der Mensch ins Spiel. So verschiebt sich die feine Linie zwischen Mensch und Maschine, und der Mensch wird zum Assistenten der Maschine.

Beneficence: The doing of good; active kindness.“

Wen dies beunruhigt, der möge an herkömmlich-analoge Szenarien wie die Arbeit am Fließband denken, wie sie schon das industrielle Zeitalter hervorgebracht hat. Umgekehrt sieht Levchin den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt des Wirtschaftens rücken, denn Profitmaximierung sei nicht so gut für den User – der aber letztlich über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet. Levchin nennt diesen Trend Beneficence.

Intelligence wird zur Utility, wie fließendes Wasser

Dag Kittlaus, vormals Gründer von Siri und heute Mitgründer von Viv, sieht Siri inzwischen als das erste Kapitel einer längeren Geschichte. AI sei jetzt an dem Punkt angekommen, an dem das iPhone war, bevor es den App Store gab.

Steven Levy prophezeit Kittlaus eine Art neues, AI-getriebenes Internet: Wir werden keine Software auf unseren Spiegel oder den Kühlschrank herunterladen, sondern alles wird in der Cloud sein. Intelligence wird zur Utility, wie Strom und fließendes Wasser.

Auch Kittlaus, da ist der Norweger ganz Europäer, stellt sich philosophischen Fragen wie dieser: Kann man einer Maschine vertrauen, die meistens richtige Entscheidungen trifft — auch wenn man nicht versteht, wie sie diese Entscheidungen trifft? Diese Maschine bekommt so lange neue Informationen, sie lernt so lange dazu, wie sie richtige Entscheidungen trifft — bis sie irgendwann falsche Entscheidungen trifft.

Seine Prognose: AI wird als Superintelligence einen Punkt erreichen, an dem sie außer Kontrolle geraten kann. Die offene Frage ist, wann das geschieht und welche Folgen es haben wird. Übernehmen die Maschinen also doch die Macht?

Dieser Artikel erschien zuerst auf Medium.com

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Eine Antwort
  1. von Tipping-Point für eIQ am 13.03.2016 (13:27 Uhr)

    20% bekommen dauerhaft kein schnelles Internet. Google Fiber wäre nicht so beliebt wenn USA-DSL toll wäre. In Afrika ist Internet EDGE auf dem Handy. Oder wieso hat Google sein Logo auf 300 Byte herunterkomprimiert ?
    Von daher ist IQ in the Cloud nicht überall möglich.

    Interessant ist aber das schon vor 20-30 Jahren neuronale Netze Fördergelder bekamen aber eher dadurch negativ auffielen, Panzer und Bäume zu verwechseln... Als Presse sollte man sich fragen, wieso jetzt plötzlich schlagartig eIQ-Projekte seit einem Jahr nach Jahrzehnten der Stagnation plötzlich funktionieren und liefern. Z.b. aktuell den Go-Spieler besiegen. Was ist der Tipping-Point ?

    Und da die meisten User-Interfaces dem User immer noch nicht helfen, wird der Bürger meist eh nix davon haben... Weil fast nur Tesla (früher auch mal Apple) sich 100% um die User kümmern.

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