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Analyse

SXSW 2017: Warum virtuell auch real ist, zeigen nicht nur Telefongespräche

    SXSW 2017: Warum virtuell auch real ist, zeigen nicht nur Telefongespräche
(Foto: Arne Kittler)

Das menschliche Gehirn erkennt Muster. Aus erkannten Mustern leiten wir Unterscheidungen ab, um unser Bild von der Welt zu strukturieren und letztlich handlungsleitende Entscheidungen zu treffen.

Manche dieser Unterscheidungen führen uns aber auch in die Irre und bedürfen der Revision. Dazu gehört wahrscheinlich die Unterscheidung zwischen Virtueller Realität und echter Realität, die ja schon sprachlich schwierig ist.

Ray Kurzweil, eine Ikone der digitalen Welt, wies auf der SXSW darauf hin, dass auch das gute, alte Telefon als Technologie zur Erzeugung einer virtuellen Realität verstanden werden kann. Wir sprechen mit anderen Menschen, als würden wir ihnen direkt gegenübersitzen. Unseren Konventionen folgend allerdings verstehen wir Telefongespräche als durchaus real, denn niemand würde nach einem Telefonat behaupten, das darin Gesagte sei ja nur in einer virtuellen Realität geschehen und deshalb gar nicht wahr.

(Unerfreuliche) VR-Erlebnisse werden real

Vergleichbare Konventionen stehen für die neueren Technologien der Virtuellen Realität noch aus. Für Ray Kurzweil gibt es da keinen Zweifel: Virtuell ist real. Deshalb ist auch ein Wechsel der persönlichen Identität im virtuellen Raum prinzipiell unmöglich, auch wenn unser Sinn für Identität (sense of identity) durch VR/AR flexibler werden wird. Wir können nur andere Rollen annehmen, was Ray Kurzweil und seine Tochter Amy schon vor mehr als 15 Jahren mit der damals noch vergleichsweise rudimentären VR-Technik ausprobiert haben.

Unerfreuliche VR-Erlebnisse sind diesen Überlegungen zufolge durchaus als real zu verstehen und nicht mit dem Hinweis abzutun, es sei ja nur virtuell geschehen. Wie unerfreuliche Telefonate lassen sich aber auch unerfreuliche VR-Erlebnisse durch das Kappen der Verbindung beenden. Das ist ein Vorteil gegenüber physischen Erlebnissen, den alle diese Technologien miteinander teilen.

Ray Kurzweil zeigte sich bei seinem ersten SXSW-Auftritt seit 2012 entspannt und optimistisch, was seine bekannten Vorhersagen angeht. Er verwies auf seinen Essay „How my predictions are faring — an update“ von 2010 und versprach, wen wundert es, ein weiteres Update.

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Welcher Mann kennt nicht die Plastikfliege im Pissoir? Sie ist das ikonische Beispiel für die Anwendung der Nudge Theory, reduziert sie doch den Anteil dessen, was danebengeht, um sagenhafte 80 Prozent. Kelly Baron von Fjord gab auf der SXSW eine kleine Einführung ins Thema. (Disclosure: Fjord gehört zu Accenture Interactive, und mein Arbeitgeber Sinner-Schrader befindet sich im Prozess der Übernahme durch Accenture Interactive.)

Nudges sind die kleinen Impulse, die unser Verhalten in eine erwünschte Richtung beeinflussen. Es gibt kein Design, das in dieser Hinsicht neutral wäre. Jedes Design setzt solche Verhaltensimpulse, wenn es denn funktioniert. Es verändert das Nutzerverhalten. Bei digitalen Produkten sind es die Voreinstellungen (defaults), die von einer Mehrzahl der Nutzer nicht angetastet werden und deshalb von größter Bedeutung sind.

(Foto: Hartmut Giesen)

Das gilt auch für die analoge Welt. Kelly wies darauf hin, dass in Ländern mit Opt-Out-Regelung über 90 Prozent der Bevölkerung Organspender sind, in Ländern mit Opt-In hingegen weniger als 15 Prozent. Unsere Einstellungen und unser Verhalten sind nicht kongruent. Mit Nudges lässt sich diese Schere schließen, aber auch weiter öffnen. Zwischen erwünschten Verhaltensänderungen und Manipulation liegt ein weites Feld.

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