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13 Forderungen und Thesen der t3n 100 zur Zukunft der deutschen Digitalwirtschaft [#NEXT14]

13 Forderungen und Thesen der t3n 100 zur Zukunft der deutschen Digitalwirtschaft [#NEXT14]

Auf der NEXT 2014 sind die t3n 100 persönlich zusammengetroffen – und sie haben gesprochen: Hier sind ihre 13 Thesen und Forderungen für die Zukunft der Digitalwirtschaft in Deutschland.

13 Forderungen und Thesen der t3n 100 zur Zukunft der deutschen Digitalwirtschaft [#NEXT14]

Die Thesen der t3n 100.

Ende 2013 hat t3n in einem mehrstufigen Auswahl- und Voting-Verfahren die 100 wichtigsten deutschsprachigen Köpfe im Netz gekürt. Im Rahmen der Digitalkonferenz NEXT in Berlin haben sich die t3n 100 auch persönlich getroffen und sich über Chancen und Herausforderungen für die deutsche Digitalwirtschaft ausgetauscht.

Das Ergebnis: 13 Thesen und konkrete Forderungen, die den t3n-100-Vertretern, die in Berlin vertreten waren, besonders am Herzen liegen.

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„Trauen wir uns, unsere eigenen Ideen zu feiern!“

lemke-robertRobert Lemke, Lead-Entwickler TYPO3 Flow und Neos

Deutschland ist zu verschlossen: Wir brauchen dringend einen offeneren Austausch zwischen Web-Agenturen und bei Open-Source-Projekten. Gerade uns deutschen Entwicklern fehlt das Selbstbewusstsein: Wir schrecken davor zurück, unsere eigenen Themen abzufeiern – und wundern uns dann, warum die Medien fast ausschließlich US-Themen hypen. Das sollten wir ändern! Nur so können wir verhindern, dass die Abhängigkeit von den amerikanischen „Big Five“ nicht zu groß wird.

„Deutschlands Chance liegt in der Industrie 4.0“

eichstaedt-bjoernBjörn Eichstädt, Geschäftsführer Storymaker

Deutschland sollte sich aus meiner Sicht auch im Bereich der digitalen Wirtschaft auf seine eigenen Stärken besinnen. Vor allem in den ingenieursgetriebenen Disziplinen, etwa der Automobil- oder Maschinenbauindustrie, sind wir schon seit Jahren und weiterhin ganz weit vorne in der Welt. Deshalb ist es wichtig, dass die digitale Innovationskraft in diese Bereiche gelenkt wird. Stichwort: Industrie 4.0. Wenn wir dagegen weiterhin glauben, mit den USA im Umfeld der Consumer-Anwendungen konkurrieren zu können, werden wir aufgrund fehlender Investoren und offener Konsumenten mittelfristig den Kürzeren ziehen.

„Ohne Netzneutralität wird die digitale Wirtschaft nicht überleben“

hetzel-timoTimo Hetzel, „Bits und so“-Macher

Die digitale Wirtschaft ist erpressbar durch die Netzbetreiber. Und die digitalen Inhalte, die wir verkaufen, werden sowohl auf Server- als auch auf Kundenseite teilweise künstlich, teilweise durch schlechten oder künstlich unterdrückten Ausbau ausgebremst. Wir dürfen nicht zulassen, dass die großen Anbieter die kleinen oder die noch nicht einmal gegründeten Unternehmen durch ihre Netzmacht einschüchtern. Die Netzneutralität kann für die Zukunft der digitalen Wirtschaft gar nicht groß genug geschätzt werden.

„Wir müssen weg von den Gaga-KPIs und hin zu gutem Storytelling!“

wiesner-svenSven Wiesner, Social-Media-Experte

Was ich mir wünsche? Eigentlich zwei Dinge: Erstens ein radikales Umdenken in den Marketingabteilungen – die Abkehr von Gaga-KPIs hin zu integrierten Kampagnen und spannendem Storytelling um Marken. Zweitens braucht Deutschland dringend eine starke Initiative für mehr Medienkompetenz, ausgerichtet auf alle Generationen und soziale Schichten. Von Coden als Schulfach über Whatsappen mit den Enkeln bis hin zu Datensicherheit für Dummys.

„Uns fehlt ein High-Speed-Internetzugang für alle!“

pallenberg-saschaSascha Pallenberg, Gründer Mobile Geeks

In Deutschland sollte jeder einen kostenlosen Highspeed-Internetzugang haben – Festnetz und mobil. Schauen wir uns die anderen Länder ohne eigene natürliche Ressourcen an: Die haben Deutschland in dieser Hinsicht schon längst überholt. Das Internet ist eine genauso wichtige Infrastruktur-Leistung wie das Straßennetz oder die Müllabfuhr. Die Wirtschaft braucht diese Infrastruktur, um funktionieren zu können. Also muss die Politik sie bereitstellen. Dann müssen wir uns auch keine Gedanken mehr darüber machen, dass wir nicht genug Nachwuchs für zukünftige Startups bekommen.

„Dialog gewinnt: In ein paar Jahren funktionieren alle Webseiten als Blogs!“

leopold-meike-t3n-100Meike Leopold, Managerin Social Marketing Salesforce

Ich wünsche mir von deutschen Unternehmen noch mehr digitalen Dialog. Für uns Experten mag das selbstverständlich sein, aber viele deutsche Unternehmen scheuen sich immer noch davor, mit ihren Stakeholdern im Netz wirklich zu kommunizieren. Als Blogexpertin halte ich Unternehmensblogs für ideal um diesen Dialog zu führen. Meine These ist: In ein paar Jahren sind alle Webseiten Blogs bzw. funktionieren als solche.

„Wir müssen aufhören, Amerika zu kopieren!“

kubitz-ericEric Kubitz, Geschäftsführer Contentmanufaktur

Ich wünsche mir, dass wir Deutschen uns endlich nicht mehr so stark an den USA orientieren. Zur Abwechslung sollten wir eigene Ideen entwickeln! Damit haben wir vor ungefähr zehn Jahren aufgehört. Besinnen wir uns auf vorhandene Stärken und vermeiden wir das stumpfe Kopieren von Vorbildern aus Amerika!

„Fangt endlich an, euer Wissen zu teilen!“

schaefer-christianChristian Schäfer, Buchautor, Working Draft

Wir Deutschen laufen, was die technische Entwicklung angeht, den meisten Ländern hinterher. Es gibt – zumindest im Bereich Webentwicklung – viel zu wenig deutschsprachige Quellen, die hochwertiges technologisches Wissen vermitteln. Wir leiden unter unserer Sprachbarriere und es gibt keinen großen Antrieb, sich Informationen aus englischsprachigen Quellen zu suchen. Dabei müssten viel mehr Leute ihr Wissen zeigen, teilen und vermitteln! Also: Unternehmen, Personalverantwortliche, Ausbilder: Sensibilisiert euch, fangt an, eure Leute zu Tech-Konferenzen zu schicken, ruft Meetups ins Leben und so weiter. Wir Deutschen müssen endlich unseren Arsch hoch kriegen!

„Die Disruption durch Big Data hat gerade erst begonnen“

beckers-janJan Beckers, CEO Hitfox

Ich glaube, dass Big Data in Zukunft in fast allen Branchen eine ähnliche Disruption darstellen wird wie das Internet. Basierend auf den neuen technischen Möglichkeiten in der Datenauswertung und vor allem der Verfügbarkeit von zahlreichen neuen Datenquellen werden vielfältige neue Geschäftsmodelle entstehen. Als Unternehmer fühlt es sich gerade ein bisschen so an wie die aufregenden 90er: Alles entsteht neu, die meisten großen Opportunities sind noch nicht besetzt. Gleichzeitig kommen riesige Herausforderungen in puncto Datenschutz auf unsere Gesellschaft zu. Die Politik ist meilenweit davon entfernt, diese zu lösen.

„Die Grenze zwischen Werbung und Content verblasst“

alpar-andreAndre Alpar, Gründer/Geschäftsführer, AKM3

Ich glaube, dass Content und Commerce in Zukunft noch näher zusammenrücken werden. Die Unterscheidung zwischen Werbetreibenden und Werbeflächen wird immer geringer. Und warum auch nicht? Die Zeit, in der ich mich über meine Produkte differenziere, ist längst vorbei. Wer etwas gut verkauft, ist auch der beste Berater für dieses Produkt. Diese Kompetenz werden Shopbetreiber in Zukunft immer mehr in Form von Content-Angeboten ausspielen. Wer diesen Zug jetzt verpasst, findet den Anschluss so schnell nicht wieder: Denn eine gute Reputation baue ich nicht von heute auf morgen auf.

„Die Zukunft im Netz liegt in der Content Curation“

krachten-christophChristoph Krachten, Gründer Mediakraft

Meine These: Die Zukunft des Contents gehört demjenigen, der ihn am besten kuratiert. Der eine Destination schafft, wo Zuschauer den besten Content finden und nicht mehr suchen müssen, weil sie eine vernünftige Auswahl geboten bekommen. Die Zuschauer sind genervt von den ewigen Suchen, die Angebote sind einfach zu vielfältig. Kuration ist der Schlüssel – wobei das Rezept für die richtige Mischung aus Mensch und Algorithmus noch nicht gefunden wurde. Der YouTube-Algorithmus hat mehr als eine Million Zeilen und funktioniert immer noch nicht richtig!

„Deutsche Marketer müssen aufhören, ihren Traffic zu verschenken!“

klingberg-patrickPatrick Klingberg, Vorstand artaxo

Unternehmen erzählen ihre Story heute noch nicht konsequent über alle Kanäle hinweg zu Ende. Opel und Scholz & Friends haben es mit umparken-im-kopf vorgemacht. Ein Gegenbeispiel: Die Otelo-Kampagne mit Günter Netzer. Die ist rein auf TV und Print ausgelegt, im Netz findet man nichts dazu. Hier vergeben viele Unternehmen große Chancen. Die Geschichte, die sie erzählen wollen, sollten sie überall dort spielen, wo ihre Zielgruppen sind – und dann zurück auf ihre eigenen Content-Angebote lenken, statt den ganzen Traffic an Facebook, YouTube und weitere Portale zu verschenken. Bevor das nicht passiert, schöpft das Marketing sein Potenzial bei weitem nicht aus.

„Flexibilisiert eure Systeme!“

fauldrath-jensJens Fauldrath, Geschäftsführer takevalue consulting

Big Data und Smart Data werden zur Grundlage von immer mehr Entscheidungen. Doch das, was wir aus den neuen Methoden lernen, können wir oft gar nicht schnell implementieren. Aus Daten lernen wir nur Hypothesen, die wir eigentlich auf den Prüfstand stellen müssen, um aus diesen Tests weiter zu lernen. Dafür brauchen wir flexible Systeme – Webseiten, Content Management etc. – und genau da hapert es bei den meisten Unternehmen heute noch. Die Herausforderung ist also eine prozessuale: Optimiert eure Systeme, damit ihr auf diese Entwicklungen adäquat und schnell reagieren könnt!

Alle t3n 100 findet ihr verteilt auf die folgenden Kategorien:

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