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t3n im Silicon Valley: Meine 7 spannendsten Eindrücke im Überblick

Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende: Mein sechsmonatiger Aufenthalt in San Francisco und im als Korrespondentin für t3n.de neigen sich dem Ende zu. Zum Schluss habe ich euch meine wichtigsten Eindrücke zusammengestellt, die ich von hier mitnehme.

t3n im Silicon Valley: Meine 7 spannendsten Eindrücke im Überblick

Silicon Valley: Wo persönliche „Introductions“ Businesspläne ersetzen

Bye-bye San Francisco, bye-bye Silicon Valley!

Die Kunst des Netzwerkens lässt sich nur im Silicon Valley wirklich erlernen, Deutsche halten zusammen und der Kreislauf aus Geben und Neben funktioniert perfekt: Im Silicon Valley gibt es viel zu lernen, wir geben euch die spannendsten Eindrücke aus sechs Monaten vor Ort weiter.

1. It's all about networking

Gute Netzwerke sind in jeder Branche wichtig, doch im Silicon Valley sind sie der alles entscheidende Faktor. Hier lässt sich studieren, wie gute Netzwerkarbeit funktioniert, mit der Zeit wird man immer vertrauter damit und lernt so auch etwas Wichtiges für den heimischen Markt. Die Netzwerke im Silicon Valley sorgen nicht nur für gute und weiterbringende Kontakte, sondern auch für die „Social Validation“, also die Anerkennung von Außenstehenden, ohne die man hier nicht weit kommt. Die Bedeutung von Zeugnissen und Businessplänen ist hingegen eher gering, ein simples „This is xy, you should meet him/her“ öffnet hingegen unzählige Türen.

Bei vielen Veranstaltungen scheint die anschließende Netzwerk-Party wichtiger zu sein als das Event selbst. Dies mag Netzwerk-Muffel abschrecken, jedoch zeigt die Erfahrung, dass Netzwerken im Silicon Valley viel unkomplizierter ist als anderswo: Die Offenheit der Menschen macht es auch schüchternen Menschen einfach, Kontakte zu knüpfen.

2. Eine Kultur des Geben und Nehmens

Die meisten sind überrascht, wie bereit die meisten Menschen im Silicon Valley sind, sich einfach mal auf einen Kaffee zu verabreden. Und dies oftmals spontan und ohne wochenlange Vorplanung. Wenn man von einem gemeinsamen Kontakt per Email vorgestellt wird, gibt es kaum jemals eine Absage. Menschen helfen gerne und selbstlos und scheinen die innere Gewissheit zu haben, dass es einen Kreislauf des gegenseitigen Gebens und Nehmens gibt, der auch ihnen eines Tages wieder zugute kommt – und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Die Hilfsbereitschaft ist beeindruckend und wer selbst nicht direkt weiterhelfen kann, liefert zumindest wieder neue Kontakte, an die man weiter vermittelt wird.

Meine Zeit in San Francisco - in T-Shirts ausgedrückt.

3. Wo Multikulti herrscht, halten die Nationen zusammen

Das Silicon Valley zieht Gründer, Entwickler und Designer aus aller Welt an, das Leben hier ist bunt und mehrsprachig. Wer hier herkommt, lässt sich darauf ein und schließt Freundschaften mit Menschen aus sämtlichen Nationen. Trotzdem merkt man bei näherem Hinsehen, dass zwischen den Menschen der eigenen Nationalität lockere Fäden gesponnen sind: Man trifft sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen, pflegt ein paar Traditionen wie z.B. die Feuerzangenbowle, trinkt deutsches Bier. Für Menschen, die hier neu aufschlagen, sind diese länderspezifischen Kontakte Gold wert: Die Verbindung durch Herkunft bewirkt, dass auch mal auf die typischen "Introductions" verzichtet wird, es entsteht ein erster Zugang in die Szene.

4. San Francisco: Der ideale Ort, um Deutsche zu treffen

Wer sich in Deutschland seit Langem mit bestimmten Menschen treffen will, es aber nie schafft, sollte nach San Francisco gehen. Irgendwann schlagen sie alle hier auf, und fernab der Heimat nimmt man sich gerne die Zeit für einen Kaffee. Es spricht sich über die sozialen Medien schnell herum, wer gerade vor Ort ist, und öfters als man denkt ist man am Ende doch mit Deutschen zum Lunch verabredet. Und lernt hier nicht nur spannende US-amerikanische Gründer, Investoren und Unternehmer kennen, sondern eben auch interessante Landsmänner, die man theoretisch auch hätte in Deutschland treffen können, es aber irgendwie nie gemacht hat.

San Franciscos Startup-Szene: Arbeiten im offenen Großraumbüro statt in typisch amerikanischen Cubicals.

5. Hierarchien? Ja, aber nicht nach außen gekehrt

Bei Facebook weiß jeder, wer der CEO ist, aber optisch ist dies nicht erkennbar: Mark Zuckerberg trägt denselben Casual Look wie seine Angestellten, arbeitet mit ihnen zusammen im Großraumbüro und wird auch in den üblichen Cafes in Palo Alto gesichtet. Auf die Idee, irgendwelche CEOs oder anderen hohen Tiere in Emails mit "Dear Mr. xy" anzusprechen, kommt hier niemand, formal spielt sich alles auf einer Ebene ab. Dieser unkomplizierte Umgang mit Hierarchie und Form ist typisch für die Silicon Valley Gründerszene, selbst Investoren kann man auf der Straße und in Cafes treffen - sofern man sie als solche identifiziert. An diesen Umgang gewöhnt man sich schnell und es folgt die große Verzweiflung, wenn man plötzlich wieder mit einer Gruppe deutscher Chefs zu tun hat, die sich selbst dann noch gegenseitig siezt, nachdem die einzelnen eine Woche lang miteinander herumgereist sind.

6. San Francisco ist das neue Silicon Valley

Wenn vom „Silicon Valley“ die Rede ist, geht es in Wirklichkeit immer stärker um den Hotspot San Francisco. Hier sind vor allem viele Consumer-basierten Startups ansässig, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Da es Kreative und Designer eben eher in hippe Städte als in verschlafene Techie-Städtchen zieht, ist San Francisco explodiert. Unternehmen wie Google und Facebook richten Shuttle-Busse ein, weil Mitarbeiter lieber in San Francisco als im echten Silicon Valley wohnen wollen, und manche Unternehmen wie Mozilla verlegen ihren Hauptsitz gleich ganz in die tolle Küstenstadt. In den nächsten Jahren dürfte sich das vielleicht wieder etwas relativieren: Mit der kommenden B2B-Phase wird es wieder mehr ältere und familienorientierte Gründer geben, die statt in die quirlige Stadt lieber ins beschauliche Silicon Valley ziehen, glaubt LinkedIn-Gründer Konstantin Guericke.

7.  Die große Besonderheit: Der geballte Erfahrungsschatz

Was das Silicon Valley am allermeisten von anderen Ökosystemen unterscheidet, ist der geballte Erfahrungsschatz. Weil Erfahrung nicht einfach produzierbar ist, wird dies auch noch eine ganze Weile und vielleicht sogar für immer so bleiben. Fähige Mentoren, Entrepreneurship-Professoren, erfolgreiche Gründer und Unternehmer, spezialisierte Anwälte sitzen in unmittelbarer Reichweite, alle Ressourcen sind schnell verfügbar: ein unschätzbarer Vorteil. Allein um von diesem geballten Erfahrungsschatz zu profitieren, lohnt sich eine Zeit im Silicon Valley - egal, ob dann hier oder doch lieber in Deutschland gegründet wird.

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7 Antworten
  1. von Rico Weigand am 26.02.2013 (21:11Uhr)

    Danke für deine Erfahrungen. Ich lese deine Artikel wirklich gerne und bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht, wenn du nicht mehr aus dem Silicon Vqlley schreibst. Kurze Frage, wo hast.du denn das Dropbox T-Shirt her? Sieht cool aus.

    Das beste wurde aber noch überhaupt nicht erwähnt. Dort in den USA ist das Technik-Dadein einfach akzeptiert, weil sich eben jeder damit auskennt. Ich werde hier in Deutschland oft als Freak oder Nerd abgestempelt, nur weil ich mich gut mit Webdesign und Webentwicklung auskenne. Oft verschweige ich dieses Können einfach, eben weil solche Interessen in der Öffentlichkeit einfach nicht geschätzt werden.

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  2. von Gutis am 26.02.2013 (22:54Uhr)

    Über die "kommende B2B Phase" möchte ich gern mehr erfahren. Gern auch per Email oder einfach nur nen Tipp zum nachlesen im Netz.

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  3. von Yvonne Ortmann am 27.02.2013 (03:52Uhr)

    @Rico: Vielen Dank! Das Dropbox-T-Shirt ist aus dem Dropbox-Headquarter und liegt dort in unzähligen Farben herum :)

    @Gutis: Im Text ist auf das Interview mit Konstantin Guericke verlinkt, hast du das gesehen?

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  4. von Rico Weigand am 27.02.2013 (16:23Uhr)

    @Yvonne Ist es irgendwie möglich so eins zu bekommen? Auch wenn man nicht zufällig im Silicon Valley ist?

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  5. von Yvonne Ortmann am 27.02.2013 (16:43Uhr)

    @Rico: Schreib doch mal Rachel von Dropbox an, vielleicht klappt es ja!

    Ich würde dir ja eins mitbringen, wenn ich nicht just heute wieder zurückfliegen würde...

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  6. von Rico Weigand am 27.02.2013 (20:40Uhr)

    Danke für den Tipp. Mache ich gerne. Hoffe, du hattest eine schöne Zeit im SV.

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  7. von Ulrich Reitz am 03.03.2013 (16:05Uhr)

    Du liegst goldrichtig: Die Duzerei ist nicht nur entspannend, sondern auch überaus nützlich: Keine Barrieren mehr.

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