Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Gadgets & Lifestyle

Mein Tablet-Jahr oder: Wie ich doch noch zum (halbwegs kritischen) Digital-Avantgarde-Fanboy wurde

Nexus 7 (Bild: Google)

Wie kann es sein, dass jemand, der als Referent für Marketing und PR beim O'Reilly Verlag arbeitet, sich als Technik- und Tablet-Spätzünder outet? Alexander Plaum erklärt sich mit einer Liebeserklärung an das Nexus 7 in einem persönlichen Jahresrückblick der etwas anderen Art selbst.

Für alle, die es noch nicht wussten: Ich bin gar kein echter Early Adopter, geschweige denn ein digitaler Pionier. Meine Jungfern-Mail habe ich erst Mitte der 90er verschickt, die erste eigene Website wurde mit reichlich Verspätung kurz vor der Jahrtausendwende eingerichtet, und mit den Profilen in sozialen Netzwerken ging's ganz trödelig im Jahr 2006 los.

xxx
2013 war für Marketing- und PR-Referent Alexander Plaum von O'Reily das Tablet-Jahr. (Bild: Google)

Rare Ware

Auch in Sachen Hardware war ich lange konservativ: Desktop-Rechenknecht als einziges Gerät bis 2005, dann ein klotziger Laptop, intelligentes Telefon ab Ende 2009 ... und Tablets? „Da kommste wohl noch 'ne ganze Weile ohne aus“, dachte ich mir Anfang 2010, als Steve Jobs das erste iPad präsentierte. Zumal sie ja im Gegensatz zu den anderen genannten Technologien erst einmal keinen besonderen Nutzen versprachen und mit Sicherheit keinen technologischen Quantensprung darstellten. Aber dann kam der Sommer 2012 und mit ihm ein Gadget, das mich trotz aller Vorbehalte vollkommen angemacht und in einen echten Digital-Avantgarde-Fanboy transformiert hat: das Nexus 7.

Seit spätestens Ende Januar 2013 bin ich totaler Sieben-Zoll-Tablet-Junkie.

Das Nexus 7: Super Format (sieben Zoll reichen nicht nur völlig aus, sie sind besser als zehn), grundsolides Betriebssystem (Android Jelly Bean), positive Reviews in quasi allen Fachmedien. Und weil Google die Produktion subventioniert hatte, kostete die handliche Hardware nur knappe 200 Euro. Einziges Problem: Das Tablet war in der Szene dermaßen beliebt, dass es binnen kurzer Zeit ratzfatz ausverkauft und gar nicht so leicht zu beschaffen war. Zum Jahreswechsel 2012/2013 hatte ich dann aber Glück: Ein Entwickler, der zu diesem Zeitpunkt praktischerweise nur einen Steinwurf von unserem deutschen Verlagsbüro residierte, verkaufte mir in der Mittagspause sein quasi neuwertiges Nexus 7 in der 32-Gigabyte-Version zu einem äußerst fairen Kurs.

Anzeige

Bahn, Couch und Bett

Seit spätestens Ende Januar 2013 bin ich totaler Sieben-Zoll-Tablet-Junkie. Was anderen Gerätschaften über Jahre hinweg nicht gelingen konnte, weil sie zu groß waren (diverse Laptops, die ersten iPads) oder zu klein (diverse Telefone) oder in ihren Nutzungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt (E-Reader halte ich genau wie Handheld-Konsolen und Stand-Alone-Navigationsgeräte eher für eine technologische Sackgasse, pardon), das gelang diesem Nexus-Ding jetzt im Multi-Touch-Handumdrehen: Es wurde mein multimedialer Begleiter in der Bahn, auf der Couch, im Bett – kurz: in allen Lebenslagen, die keinen „vollwertigen” Rechner mit Peripherie zulassen. Letzterer ist tatsächlich noch immer mein Lieblingsgerät, weil ich nur dort das Gefühl habe, vollständige Kontrolle zu haben und wirklich effizient arbeiten zu können. Aber das ist eine andere Geschichte.

xxx
Wenn das Tablet zum ständigen Begleiter wird. (Bild: Google)

Lesen, lesen, lesen

Das Nexus 7 hat jedenfalls meine Mediennutzungsgewohnheiten noch einmal vollständig umgekrempelt (was bestimmt auch anderen hochwertigen Sieben-Zoll-Tablets gelungen wäre, ich bin kein Google-Evangelist). Seit ich das Tablet habe, lese ich viel mehr und viel öfter. Das Angebot ist erstaunlich groß, verhältnismäßig günstig und an vielen Stellen sogar kostenlos – hier rede ich natürlich von Public-Domain und Creative-Commons-Sammlungen à la http://wiki.mobileread.com/wiki/Free_eBooks-de/de, nicht von Raubkopie-Foren. Dank EPUB-Standard und Reading-Software wie Aldiko ist der Lesekomfort schon seit geraumer Zeit erstklassig. Ich stehe übrigens auf große, serifenfreie Buchstaben in Orange auf schwarzem Hintergrund. Das schont die Augen und beschleunigt den Lesefluss.

Schon ein gutes Dutzend Romane habe ich dieses Jahr ganz nebenbei digital verschlungen – darunter etliche Schinken, die ich sonst nie mit mir herumgeschleppt hätte. Aus historischen und stilistischen Gründen begann der Lesereigen übrigens mit einem eher schmalen, aber sehr gehaltvollen Buch von Philip K. Dick: „Do Androids Dream of Electric Sheep?

Das verzückte Aufatmen der Regale

Zeitgleich mit dem E-Book-Rausch manifestierte sich dann eine fast vollständige, lang herbeigesehnte Abkehr von klassischen Printmedien. Die fasse ich jetzt nur noch an, wenn es entweder wirklich keine Alternativen gibt, der Inhalt über alle Maßen interessant erscheint oder ich dem Verlag aus welchem Grund auch immer sein Retro-Publikationsmodell verzeihen kann. Meine Literatursammlung liegt jetzt schon zu knapp 50 Prozent im EPUB-Format bei mehr oder weniger offenen Diensten in der Wolke (Ziel: der eigene Own-Cloud-Server), die gedruckten Versionen habe ich in rauhen Mengen gespendet beziehungsweise verschenkt. Verzückt haben meine Regale aufgeatmet, derweil NGO-Freiwillige verzückt gelächelt haben, weil ihr Charity-Shop noch mal in den Genuss einer ordentlichen Sammlung kommen durfte (Anglistikstudium und so).

xxx
Zum Tablet-Glück fehlt Alexander Plaum noch faire Hardware. (Bild: Google)

Ganz frei von Holzmedien wird meine Wohnung übrigens nie sein: Rare Editionen, alle Erstausgaben und spezielle Fachbücher hüte ich weiterhin in physischer Form – da kommt der Sammler in mir durch. iTunes beziehungsweise amarok und Spotify haben ja auch nie meine liebevoll kuratierte Vinylsammlung ersetzt.

Zeitung & Zocken

Vom Tablet stark begünstigt ist ansonsten das Revival meiner Newsfeed-Abos: Dank Sieben-Zoll-Format und schick gestalteter Web-Dienste wie Feedly ersetzt das RSS-Karussell jetzt wirklich (fast) jede Zeitung. Und dann gibt's ja noch die auf dem Tablet besonders gut navigierbaren Interessenlisten bei Twitter, Facebook und so weiter.

Kommen wir jetzt nach der offensichtlichen Renaissance zu einer, mit der ich gar nicht gerechnet hatte: Seitdem ich das Sieben-Zoll-Tablet besitze, bin ich wieder klassischen Point-and-Click-Adventures und Draufsicht-RPGs verfallen! Alte Schinken wie „Broken Sword“ wirken beinahe, als wären sie speziell für Geräte wie das Nexus entworfen worden (oder verhält es sich umgekehrt?) – und dann haben wir von neuen Krachern wie dem clever konzipierten und herrlich designten „The Silent Age“ noch gar nicht gesprochen. Spätestens bei „Cyberlords – Arcology“ hat sich außerdem die Erkenntis eingestellt, dass ein Tablet das perfekte Medium für Rollenspiele mit Kawumm ist. Darüber hinaus machen Geschicklichkeits- und Puzzle-Spiele wie „Flow Free“ und „Neon Zone“ im Sieben-Zoll-Format deutlich mehr Spaß als auf dem normalen Smartphone.

App-Kollektion & Wermutstropfen

Fast schon müßig zu erwähnen, dass weitere Apps für Freizeit und Beruf jetzt auch vorwiegend auf meinem Tablet im Einsatz sind: unter anderem diverse Google-Dienste (mit gewisser Vorsicht und Reflexion, hallo NSA und BND!), Diigo (mein Evernote), Wikipedia Mobil, IMDb Filme & TV, PONS Online-Wörterbuch, Zatoo Live TV, Chefkoch.de Rezepte, VEBU, Bitcoin Wallet, eBay, Back It for Kickstarter, Immobilien Scout24 – und, natürlich: Schneller lesen.

Was mir zum großen Gadget-Glück freilich noch fehlt, ist ein faires Tablet. Denn im Gegensatz zum Laptop/Desktop-Bereich (diverse Möglichkeiten, zum Beispiel mit dem mittlerweile komplett in Wales produzierten Raspberry Pi) und zum Schlautelefonsektor (Fairphone), konnte ich im Bereich Tablets noch keine wirklich menschen- und umweltfreundlichen Optionen entdecken. Und erst die würde das Gadget-Vergnügen ja zu einer rundum gelungenen Medienerfahrungen im 21. Jahrhundert machen.

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
heiko
heiko

Die 7 Zoll finde ich auch genial und warte schon sehnsüchtig auf ein schönes Firefox OS Tablet!!!!
Ein Google- oder Applekram kommt mir einfach nicht ins Haus und mit Ubuntu scheint es noch zu dauern. Vielleicht gibt es aber bald Cyanogenmod auf Tablet. das wäre ebenfalls richtig gut.

Nico Hirsch

Also dass E-Reader eine "technologische Sackgasse" sind, würde ich mal nicht behaupten - ich würde eher sagen, dass die Geräte eben noch nicht so ausgereift sind, dass man sie so multifunktional wie ein Tablet benutzen kann. Fakt ist, dass vor allem wenn man viel liest, ein E-Reader deutlich besser für die Augen ist - deshalb besitze ich (neben einem großen Smartphone u.a. für News oder bunten Zeitschriften oder Nachschlagewerken) seit Jahren einen Kindle auf dem ich fast täglich lese. Vor allem abends vor dem Schlafengehen deutlich entspannender als ein Tablet ;)

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Hinweis

Du hast gerade auf einen Provisions-Link geklickt und wirst in Sekunden weitergeleitet.

Bei Bestellung auf der Zielseite erhalten wir eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten.


Weiter zum Angebot