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Sexy dank Tinder-Gen: So raffiniert ist die neue App von Tape.tv

    Sexy dank Tinder-Gen: So raffiniert ist die neue App von Tape.tv

Die neue App von Tape.tv ist interessanter als man denkt. (Bild: Place.to)

Die neue App des Musikdienstes Tape.tv löst bei Nutzern Jubelstürme aus. Ein Grund ist das erfrischende Design- und Bedienkonzept. Doch dahinter steckt eine raffinierte Strategie.

Tape.tv debütiert im App Store: „Großartig gelöstes Musikfernsehen“

Seit dem Wochenende ist das Berliner Startup Tape.tv, bisher bekannt für seine ausschließlich im Browser platzierte Musikvideo-Plattform, mit einer eigenen App für iPhone und iPad im App Store vertreten. Eine eigentlich nicht weiter erwähnenswerte Meldung, wäre da nicht der auffallend positive Zuspruch darauf – denn vor dem kann sich die auf Tape.tv Express getaufte Anwendung zur Stunde kaum retten: „Genial“, „Wow!“ und „Wunderbar!“ sind nur eine Handvoll der Begriffe, die einen beim Durchstöbern der zwischenzeitlich auf knapp 40 Einträge angewachsenen Liste an Rezensionen förmlich anschreien. „Großartig gelöstes Musikfernsehen“, schreibt ein Nutzer.

Seit einigen Tagen ist der Berliner Musikdienst Tape.tv mit einer iOS-App am Start. Die App löst bei Nutzern Jubelstürme aus. (Foto: Tape.tv)
Seit einigen Tagen ist der Berliner Musikdienst Tape.tv mit einer iOS-App am Start. Die App löst bei Nutzern Jubelstürme aus. (Foto: Tape.tv)

Um das Erfolgsgeheimnis hinter der App zu verstehen, muss man zunächst ganz nüchtern anfangen. So bringt Tape.tv Express für sich genommen lediglich das Angebot auf iPhone und iPad, das der Dienst seinen 2,5 Millionen Nutzern schon seit 2008 per Browser zur Verfügung stellt. Tape.tv versteht sich als Musikfernsehen im digitalen Zeitalter und wartet mit einem circa 45.000 Clips umfassenden und mithilfe redaktioneller Kompetenz und schlauen Algorithmen kuratierten Katalog an Musikvideos auf. Der Dienst finanziert sich durch Werbung. Zwischen jedem neuen Musikvideo gibt es einen gesponserten Clip.

App besticht durch Minimalismus und Suchtfaktor

In der App sucht man solche Werbung bislang vergeblich. Die aber würde das attraktive Gesamtbild wohl nur stören. Tape.tv Express präsentiert sich in einer auffallend schlichten Oberfläche, die mit lediglich vier Grundfarben und einem bis auf das absolute Minimum reduzierten Grundstock an Bedienelementen daherkommt. Videos können favorisiert und geteilt sowie der Katalog mit einer Wischgeste nach rechts durchsucht werden. Per Swipe nach links gelangt man zum nächsten Clip, der automatisch abgespielt wird. Welcher Clip erscheint, richtet sich ganz nach dem Geschmack des Nutzers, den die App entweder auf Basis der eigenen iTunes-Bibliothek oder einem im Hintergrund das Nutzungsverhalten analysierenden Algorithmus ermittelt.

Tape.tv mit Tinder-DNA: So lernt die App, was zu Dir passt – und das schnell wie nie

Losgelöst von der Frage, was genau Tape.tv Express eigentlich tut, ist für die Signalwirkung dieser App aber vielmehr entscheidend, wie sie es tut. Denn so simpel und minimalistisch die App gestrickt ist, so groß ist das Vorbild, an dem sie sich – ob beabsichtigt oder nicht – von den Grundmustern ihrer Bedienung her orientiert: die Rede ist von Tinder, der populären Dating-App aus den USA.

Tinder ist die populäre Dating-App aus den USA. Nutzer lieben vor allem das oberflächliche Bedienkonzept. Tape.tv hat sich das abgeschaut. (Foto: Tinder)
Tinder ist die populäre Dating-App aus den USA. Nutzer lieben vor allem das oberflächliche Bedienkonzept. Tape.tv hat sich das abgeschaut. (Foto: Tinder)

Tinder erfreut sich vor allem wegen seiner einfachen wie effektiven Nutzerführung großer Beliebtheit. Störende Bedienknöpfe sucht man vergebens. Einmal per Facebook-Konto angemeldet, geht es direkt los. Mit einfachen Wischgesten nach links oder rechts lassen sich angezeigte Date-Vorschläge aussortieren beziehungsweise in die engere Wahl einbeziehen. Es ist das typische „Hot or Not“-Prinzip. Sehr oberflächlich, aber eben auch sehr erfolgreich.

Wer wie Janel Torkington von der App-Suchmaschine AppZoom genauer hinsieht, erkennt, dass sich Tinder drei essentielle Vorteile zu Nutze macht, die vor allem den für App-Betreiber und Werbekunden so wichtigen Nutzerinteraktionen zuträglich sind:

  1. Nutzer können sich immer nur zwischen einer Option entscheiden. Ja oder Nein. Date diese eine Person, oder wische weiter, um zu schauen, ob dir die nächste Person gefällt. Ein Heer an passenden Vorschlägen, ähnlich wie es iTunes oder Netflix mit Filmen und Musiktiteln machen, gibt es nicht. Aus gutem Grund: Es überfordert, lenkt ab und reduziert die aus den ständigen Entscheidungen resultierenden Interaktionen.
  2. Entscheidungen per Wischgeste treffen zu können, macht nicht nur Spaß. Es macht süchtig – auch weil bei Tinder alles unglaublich schnell geht. Klick, Swipe, Swipe, Klick. Der Nutzer bekommt schnell das, was er will. Und: Effektiver lassen sich Daten und Informationen über die persönlichen Vorlieben des Nutzers de facto nicht sammeln.
  3. Der einfache Daumen reicht für die Bedienung der gesamten Tinder-App völlig aus. Dadurch ist die App vor allem auch unterwegs bequem zu bedienen. Gut für die Nutzer, noch besser für die App-Macher. Gemeinsam mit den Punkten eins und zwei unterfüttert dieses Bedienkonzept also in idealer Weise den Algorithmus der App und damit auch das aus den hohen Nutzerinteraktionen resultierende Potential für passgenaue Werbeanzeigen.

Überträgt man diese Idee auf die App von Tape.tv, werden die Parallelen schnell deutlich. Wie Tinder verzichtet auch Tape.tv Express auf störende Bedienknöpfe und stellt die Kernfunktion – nämlich das Entdecken und Genießen von Musik – prominent in den Vordergrund. Mit dem stark an Tinder angelehnten Wischkonzept gelingt es der App außerdem, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: die schnelle Bedürfnisbefriedigung der Nutzer auf der einen und die effektive Fütterung des lernenden Algorithmus auf der anderen Seite. Das Kalkül dahinter: Schon nach kurzer Zeit sollen die Empfehlungen so gut zum Nutzer passen, dass er gerne zurückkommt. Bestenfalls mehrmals am Tag. So wie bei Tinder, wo Nutzer nach Angaben der Entwickler bis zu sechsmal täglich die App öffnen.

Zahl’ mit Minuten: App hat raffiniertes Monetarisierungsmodell in der Hinterhand

Noch ist es bei Tape.tv nicht soweit. Vorausschauend auf das durchweg positive Feedback könnte sich aber schon jetzt ein erster Erfolgspfad für die App des Berliner Startups abzeichnen. Klar ist: Wer die Nutzerinteraktionen ähnlich wie Tinder mit einer derart intuitiven Nutzerführung zu fördern weiß, kann später bei Monetarisierung praktisch aus vollen Mitteln schöpfen.

Das hat auch Tape.tv erkannt, wenngleich die App vorerst kostenlos, ohne Werbung und in Ermangelung eines In-App-basierten Bezahlmodells daherkommt. Wie uns Tape.tv auf Nachfrage mitteilt, dient das natürlich vorrangig dem „Ankurbeln des Nutzerwachstums“. Konkrete Monetarisierungspläne für die App gibt es aber schon seit dem Beta-Start der App im Januar.

Da nämlich experimentierte das Startup mit einem an Nutzerinteraktionen gekoppelten Guthabenmodell auf Minutenbasis. Wer sich Musikclips länger als 30 Sekunden anschauen will, braucht Zeit. Die gibt es zum Beispiel für die Installation der App, aber auch für den Login über Facebook sowie das öffentliche Teilen von Clips in Sozialen Netzwerken. Alternativ können Minutenpakete per In-App-Kauf nachgerüstet oder über den Abschluss eines monatlichen Abonnements gleich dauerhaft obsolet gemacht werden. Ein Schachzug, den man für den Moment noch zurückhält. Auszahlen könnte sich dieses Modell aber dennoch irgendwann.

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2 Reaktionen
Daniel Hüfner

Hallo What?,

es handelt sich nicht um einen gesponserten Artikel. Und wenn, dann wäre er eindeutig als solcher gekennzeichnet.

Beste Grüße aus der Redaktion,

Daniel

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What?
What?

Gesponsorter Artikel? Tape.tv hat stark abgebaut.

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