Technologie-Experte Paul McFedries: „Für mich ist Twitter eine Lernplattform“

Der Medien-Hype um Twitter sei in den USA allgegenwärtig sagt Technologie-Experte Paul McFedries im Interview mit dem t3n Magazin. Der technische Redakteur schreibt seit 1991 Computerfachbücher. Sein neuestes Werk dreht sich um eben diesen Microbloggingdienst: „Twitter: Tips, Tricks and Tweets“ heißt es. Und auch wenn er Twitter gern nutzt, geht ihm die viele Berichterstattung eher auf den Geist: „Ich persönlich kann es nicht erwarten, bis dieser Hype vorüber ist und man wieder ganz normal Twitter nutzen kann.“ Das Interview führte Bernd Sommerfeld von www.LOB.de.

Sie haben ein Buch geschrieben. Warum ein Buch? Aus einer im vergangenen Jahr in den USA veröffentlichten Studie geht hervor, dass 70 Prozent der erwachsenen Amerikaner in den letzten fünf Jahren in keinem Buchladen mehr waren...

Ich schreibe Bücher, weil ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene - so einfach ist das. Ich möchte dennoch etwas näher darauf eingehen. Wie Sie richtig bemerken, haben 70 Prozent der erwachsenen Amerikaner seit geraumer Zeit keinen Fuß in einen Buchladen gesetzt. Dennoch hat die Branche im Jahr 2008 mehr als 3,08 Mrd. Bücher in den USA verkauft - etwas weniger als in 2007 (3,13 Mrd.), aber immer noch eine Unmenge. Die Verlagsbranche ist noch immer ganz schön „lebendig“.

Wir lesen von Twit-ups, Starbucks-Kampagnen, wie erlebt die Öffentlichkeit in USA das Phänomen Twitter?

Zunächst einmal bin ich Kanadier. Mein Verleger sitzt allerdings in den USA. Daher betrachte ich die Dinge eher aus US-amerikanischer Sicht.

Meine tagtägliche Erfahrung mit dem Phänomen hat zwei Seiten: Die Medien machen einen Hype um Twitter, andere lehnen Twitter kategorisch ab. Der Medien-Hype ist allgegenwärtig. Es scheint, als gäbe es keine Zeitung oder Zeitschrift, die nicht über Twitter berichtet. Ich persönlich kann es nicht erwarten, bis dieser Hype vorüber ist und man wieder ganz normal Twitter nutzen kann.

Eine feindliche Einstellung zu Twitter findet sich auch überall: Leute, die Twitter noch nie genutzt haben, sind der Meinung, die Sache sei nur große Zeitverschwendung und ein typisches Beispiel für unsere Gesellschaft, die sich über alle Maße mitteilen möchte. Ich halte mich da an das Gesetz von Sturgeon: „Neunzig Prozent von allem ist Mist.“ Das stimmt: Neunzig Prozent der Beiträge auf Twitter sind ohne Sinn und geprägt von einem überbordenden Mitteilungsbedürfnis. Bei den restlichen zehn Prozent findet man aber wahre Schätze und der aufmerksame Twitter-Nutzer versucht, diese Schätze zu finden.

twitter startseiteDer Erfolg von Twitter ist seine Einfachheit. Andere Plattformen kopieren dies. In welche Richtung wird sich Twitter in Zukunft bewegen? Auch in Relation zu anderen Diensten à la Identi.ca, Friendfeed, Lifestreams, posterous etc.: Was wird sich ändern?

Twitter hat zwei große Stärken: Kommunikation und Informationsaustausch. Ich glaube, Twitter wird sich in Zukunft auf diese Stärken konzentrieren und noch mehr Möglichkeiten bieten, damit die Leute miteinander kommunizieren und in Verbindung treten können, mehr Optionen zur Verfügung stellen, um die unterschiedlichsten Daten gemeinsam zu nutzen (Links, Bilder, Videos, Dokumente usw.), und - ein ganz wesentlicher Aspekt - noch mehr Funktionen bereitstellen, mit denen die Twitter-Datenbank nach Informationen durchsucht werden kann.

Auf der nächsten Seite: Wie erfolgreiche Communitys auf Twitter funktionieren, welches Potenzial Twitter hat, wie Paul McFedries selbst Twitter nutzt und wie aus seiner Sicht die Zukunft der Kommunikation aussieht: „Ich denke nicht, dass Twitter den persönlichen Kontakt ersetzt. Twitter verstärkt ihn eher noch.“

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3 Answers

  1. von Bernd Sommerfeld 11.06.2009 (10:39Uhr) 1.

    ja, die Buchhandlung Lehmanns twittert auch unter @Lehmanns und hat dadurch Anerkennung und neue Freunde gefunden. Danke !
    Ich finde, zu Twitter gehört auch die Seite wie die bei Facebook http://www.facebook.com/pages/Berlin-Germany/Fachbuchhandlung-Lehmanns/56853797625?ref=mf und wenn dazu sogar Tim O'Reilly sehr Nettes schreibt ;-D
    Euer Buchhändler, Bernd Sommerfeld

  2. von Lotrees Journal » links for 2009-06-12 12.06.2009 (15:06Uhr) 2.

    [...] Technologie-Experte Paul McFedries: „Für mich ist Twitter eine Lernplattform“ » t3n Magazi... ie haben ein Buch geschrieben. Warum ein Buch? Aus einer im vergangenen Jahr in den USA veröffentlichten Studie geht hervor, dass 70 Prozent der erwachsenen Amerikaner in den letzten fünf Jahren in keinem Buchladen mehr waren… [...]

  3. von » Twitter - Hype oder Lernplattfor… 15.06.2009 (13:44Uhr) 3.

    [...] Technologie-Experte Paul McFedries: „Für mich ist Twitter eine Lernplattform“ » t3n Magazin via kwout [...]

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