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Interview

Telekom-Geschäftsführer Hagen Rickmann: „Mittlerweile geht es bei uns auch ohne Krawatte“

(Foto: Telekom)

Wir haben mit Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland GmbH, über den Kulturwandel in seinem Unternehmen gesprochen.

Hagen Rickmann ist bei der Telekom der Mann für den Mittelstand. Als Geschäftsführer des Geschäftskundenbereichs ist er derzeit dabei, intern eine mittelgroße Kulturrevolution vom Zaun zu brechen. Fest steht: Wer einen ehemaligen Staatskonzern langfristig ins Cloud-Zeitalter überführen will, muss mehr tun, als seine Krawatte hin und wieder abzulegen. Im Interview spricht der HSV-Fan über die vielversprechende „zweite Halbzeit“ gegen das Silicon Valley, die „Sprache des Mittelstands“, renitente Telekom-Kunden und darüber, weshalb er keinesfalls mit einem Philosophen verwechselt werden möchte.

t3n.de: Herr Rickmann, Sie sind ja bei Ihren Vorträgen gerne auf der Meta-Ebene unterwegs. Sind Sie eher Pragmatiker oder eher Philosoph?

Hagen Rickmann: Pragmatiker. Eindeutig. Aber ich mag auch die Philosophie.

t3n.de: Sie reden gerne von Veränderungen und vom „Kulturwandel“ bei der Telekom…

Ja. Aber nicht, dass es nachher heißt: „Das ist der neue Philosoph der Telekom.“ Das wäre nicht so das, was ich will. Das bin ich auch nicht. Ich rede von Digitalisierung, von Möglichkeiten und Chancen. Und davon, dass in diesem Bereich das möglich ist, was ich gerne „Digitale Dividende“ nenne. Denn von einem bin ich fest überzeugt: Wer mit seinem Unternehmen jetzt in die Digitalisierung investiert, der wird irgendwann ernten. Ganz sicher. Oder er wird überhaupt nicht mehr da sein.

t3n.de: Das klingt existentiell. Dazu passt auch, dass Sie Joseph Schumpeter zitieren, der von „schöpferischer Zerstörung“ spricht …

Ja, ich habe Joseph Schumpeter zitiert, weil er bereits vor über 100 Jahren von schöpferischer Zerstörung sprach. Jede ökonomische Entwicklung verdränge durch Neukombination von Produktionsfaktoren alte Strukturen – und zerstöre am Ende diese alten Strukturen. Er hat Innovationen als willentlichen und gezielten Veränderungsprozess hin zu etwas Neuem definiert, bei dem sich Wirtschaft und Gesellschaft wandeln, da Produktionsfaktoren auf eine neuartige Art und Weise kombiniert werden.

Das ist für mich aber noch keine Philosophie, sondern zunächst einmal nur Wissenschaft. Ich würde es eher so sagen: Sie müssen diese philosophische Ebene gut verstehen, damit Sie irgendwann ihre Ziele erreichen. Und deswegen bemühe ich sie gerne, weil ich mich dadurch natürlich in den Kunden als Menschen hineinversetze. Ihn auf die nächste Herausforderung vorzubereiten und ihn mitzunehmen, das ist etwas, was mich sehr interessiert.

t3n.de: Sie reden auch von der „Sprache des Mittelstands“. Mussten Sie die lernen? Oder haben Sie die immer schon perfekt gesprochen?

Ich bin selbst Kleinunternehmer und Mittelständler gewesen, habe selbst in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet. Und ich bin selbst Gründer, habe mit 23 Jahren gegründet, und das Unternehmen gibt es heute noch. Nur noch ganz klein. Aber ich kümmerte mich über acht, neun, zehn Jahre darum. Von daher weiß ich schon, wie die Kleinen, die Gründer, sprechen, und worauf es ankommt. Außerdem bin ich in einem Unternehmerhaushalt groß geworden, das war ein kleiner Mittelständler. Ich glaube, ich kann die Sprache schon sprechen. Und nicht nur, weil ich da hineingeboren wurde, sondern weil ich da auch mitmachen musste.

t3n.de: Wenn man sich die vielen Themen ansieht, mit denen die Telekom derzeit hantiert, könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Konzern sich verzettelt, anstatt eine klare Agenda zu verfolgen. Welches sind die wenigen Themen, auf die man sich als Unternehmer wesentlich konzentrieren sollte?

Die Telekom hat eine klare Strategie. Wenn ich daraus etwas ganz nach vorne stellen würde, dann den Kundenfokus. Es ist wichtig, vom Kunden her zu denken, dessen wichtigste Anliegen zu priorisieren. Aber eben auch, bestehende richtige Ansätze in dessen Geschäftsmodell beizubehalten. Dieser Kundenfokus ist die allererste Übung, die wir uns gerade verschreiben. Und eine, deren Umsetzung wir sehr beherzigen.

t3n.de: Das war aber nicht immer so.

Nein. Wir waren lange Zeit eher technologisch getrieben. Heute kommt es viel mehr darauf an, zu verstehen, wie der Kunde tickt. Im B2B-Bereich umso mehr. Und diese Denke gilt es, in den Vordergrund sämtlicher Produktentwicklungen, des Marketings oder auch der Delivery zu stellen. Das ist der entscheidende Punkt, auf den wir uns stärker konzentrieren.

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Bulls Hit
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"Start-up Kultur" jetzt auch bei der Telekom - zumal manchmal (also wenn der Kunde auch keine trägt) ohne Krawatte! Da lässt man das Angebot von Google & Co. doch gerne sausen. Ja, reflektiert denn dort niemand?

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