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Beyond Tellerrand 2012: „Multi-Device-Testing Pflicht für jeden Webentwickler“

Am 19. und 20. November fanden in Düsseldorf die Konferenztage der 2012 statt. Die renommierte Webentwicklerkonferenz zog rund 400 Webdesigner und aus In- und Ausland an und sorgte für regen Austausch zwischen den Fachkollegen. Im Düsseldorfer Capitol Theater hielten prominente Webentwickler wie Bruce Lawson, Cameron Moll oder Mark Boulton spannende Talks unter anderem zur Zukunft offener Webstandards und Responsive .

Beyond Tellerrand 2012: „Multi-Device-Testing Pflicht für jeden Webentwickler“
Mark Boulton erläuterte, wie Responsive Webdesign den gesamten Designprozess verände…

Gute Stimmung in Düsseldorf

Die Szenerie der Konferenz erinnerte an ein Kino der 50er Jahre: Der Konferenzraum war in rotes Licht getaucht, kleine Tischgruppen auf dem Parkett und entsprechende Dekoration sorgten für lockere und entspannte Stimmung unter den Teilnehmern. Konferenzorganisator Marc Thiele hatte auch in diesem Jahr wieder hochkarätige Speaker an die Rheinmetropole gelockt. Einige Grundthemen zogen sich durch viele Talks: Beispielsweise wie Responsive Webdesign die Art und Weise verändert, wie Webdesigner und -entwickler heute arbeiten, Stichwort: Multi-Device-Testing. In der heutigen Zeit müssen sie ihre Projekte auf einer Vielzahl von Geräten testen – und das im besten Fall nativ direkt auf den Devices. Zu viele Entwickler machen immer noch den Fehler, dass sie Websites entwickeln, die sich ausschließlich an Nutzer aus der „First World“ richten. Dies sei insbesondere bei internationalen Projekten fatal. Im Folgenden eine Auswahl der Talks.

Mat Marquis sprach über Verantwortungsvolles Webdesign (Foto: Stefan Nitzsche)
Mat Marquis sprach über Verantwortungsvolles Webdesign (Foto: Stefan Nitzsche)

Mat Marquis (Filament Group) – „Interacting Responsibly (and Responsively!)“

Mat Marquis ist Frontend-Entwickler bei Filament Group und erläuterte, wie einfach Responsive Webdesign implementiert werden kann. Anstatt sich als Entwickler einem Buzzword Bingo im Umfeld von Responsive Webdesign hinzugeben, sollten sie lieber die drei wichtigsten Säulen von Responsive Webdesign in den Fokus rücken: Ein Flexibles Grid, Media Queries und Flexible Media and Images. Mehr braucht es in der Regel nicht und Marquis betonte die Verantwortung, die Webentwickler für die Nutzer haben: Es gilt, möglichst schlanke Websites zu realisieren, um einer großen Zahl von Leuten ein annehmbares Nutzererlebnis zu verschaffen.

Bruce Lawson von Opera hielt ein Talk über offene Webstandards (Foto: Stefan Nitzsche)
Bruce Lawson von Opera hielt ein Talk über offene Webstandards (Foto: Stefan Nitzsche)

Bruce Lawson (Opera) – „Web Standards for cross-device design: what next?“

Mit Iro und Erkältung stand Bruce Lawson von Opera auf der Bühne und überzeugte mit einem unterhaltsamen Talk. Lawson plädierte für die Nutzung offener Web Standards und stellte eine Reihe von HTML5/CSS3-Technologien vor, mit denen Entwickler bereits heute klassische Multi-Device-Probleme lösen können. Zudem betonte er, dass das Fernsehen das nächste große Ding im Web wird und Entwickler sich frühzeitig mit dieser sehr eigenen Plattform auseinander setzen sollten.

Cameron Moll sprach über seine größten Fehler und Erfolge in Sachen Gründung (Foto: Stefan Nitzsche)
Cameron Moll sprach über seine größten Fehler und Erfolge in Sachen Gründung (Foto: Stefan Nitzsche)

Cameron Moll (Authentic Jobs) – „Accidental Founder“

Cameron Moll, der unter anderem Authentic Jobs gegründet hat, gab seiner Erfahrungen in Bezug auf das Gründen und Leiten eines Unternehmens wider. Er zählte diesbezüglich seine wichtigsten Fehler und Erfolge auf. Einer seiner größten Fehler beispielsweise war es, bei Bewerbern einzig den technischen Skill zu bewerten. Heute hält er es für mindestens genauso wichtig, ob ein Bewerber in das soziale Gefüge eines Teams passt. Einer seiner größten Fehler in Sachen Webdesign: Den User und seine Perspektive nicht Ernst zu nehmen. Vielmehr ist es besonders wichtig, bei der Implementierung von Projekten auch die Nutzerperspektive einzunehmen um eine entsprechende Nutzererfahrung umsetzen zu können. Deshalb empfiehlt Moll, alle sechs Wochen mindestens zwei Stunden in das Testen der User Usability eines bestimmten Projekts zu investieren.

Andre Jay Meissner (Adobe) – „Tamagochi Galore“

Jay Meißner, seines Zeichens Developer-Relationship-Manager bei Adobe, unterstrich in seinem Vortrag die Notwenigkeit des Multi-Device-Testings von Websites – und zwar nicht nur im Software-Simulator, sondern nativ auf Geräten. Das sei unumgänglich in der heutigen Zeit, in der eine Vielfalt an verschiedenster Geräte und Plattformen im Umlauf sind – schließlich haben Software-Simulatoren ihre Grenzen, so dass nicht jede Eventualität berücksichtigt werden kann. Deshalb forciert er den Ausbau sogenannter Open Device Labs, die es Entwicklern ermöglicht, ihre Sites auf einer Vielzahl von Geräten zu testen. Mehr Details dazu in der aktuellen TechnikLOAD-Folge 105, in der Jay über die Device Labs spricht und das Konzept dahinter erläutert.

Eva-Lotta Lamm von Google rückte in ihrem Talk die Wichtigkeit des Improvisierens innerhalb des Design-Prozesses in den Vordergrund (Foto: Stefan Nitzsche)
Eva-Lotta Lamm von Google rückte in ihrem Talk die Wichtigkeit des Improvisierens innerhalb des Design-Prozesses in den Vordergrund (Foto: Stefan Nitzsche)

Eva-Lotta Lamm (Google, Android) – Visual Improvisation“

Der Design-Prozess hat viel mit Improvisation zu tun und nur wenig mit Planung – so Eva-Lotta Lamm, UI-Designerin bei Google (Android) in London. Wer am Anfang des Design-Prozesses schon weiß, was am Ende rauskommen soll, durchläuft keinen Design-Prozess, sondern plant eine Produktion. Lamm fordert deshalb zu mehr Mut zum Improvisieren auf. In ihrem Talk gab sie zahlreiche Tipps zum Improvisieren allgemein und innerhalb vonDesignprozessen und zeigte zahlreiche Beispiele aus dem Alltag auf, beispielsweise in der Street Art, in denen Improvisation zu wunderschönen Designs führt. In diesem Zusammenhang ging Lamm auf den wissenschaftlichen Flow-Begriff ein, der einen Zustand der völligen Hingabe an eine Aufgabe beschreibt. Flow ist quasi der Idealzustand für erfolgreiches Improvisieren.

Ben Bodien sprach über comfort zones – und warum man diese auch mal verlassen sollte (Foto: Stefan Nitzsche)
Ben Bodien sprach über comfort zones – und warum man diese auch mal verlassen sollte (Foto: Stefan Nitzsche)

Ben Bodien (Neutron Creations) – „Branching Out“

Ben Bodien von Neutron Creations sprach in seinem Talk über Möglichkeiten, sich selbst im täglichen Tun zu verbessern. Dabei stellte er fest, dass wir uns in unserer täglichen Routine zu sehr in sogenannten comfort zones bewegen – also in einer Aufgaben- und Alltagsstruktur, die uns Sicherheit gewährt, aber auch nichts Neues bietet. In diesen comfort zones werden wir kaum gefordert und haben nur wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Bodien empfiehlt, sich auch mal außerhalb dieser comfort zones zu bewegen, beispielsweise im beruflichen Kontext einfach mal „Ja“ zu einer herausfordernden neuen Aufgabe zu sagen. Nur so kann es gelingen, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern.

Mark Boulton erläuterte, wie Responsive Webdesign den gesamten Designprozess verändert (Foto: Stefan Nitzsche)
Mark Boulton erläuterte, wie Responsive Webdesign den gesamten Designprozess verändert (Foto: Stefan Nitzsche)

Mark Boulton (Mark Boulton Design) – „Adapting to Responsive Design“

Mark Boulton (Mark Boulton Design) erklärte im vorletzten Talk der Veranstaltung, welchen großen Einfluss Responsive Webdesign nicht nur auf das bloße Design von Websites hat. Vielmehr beeinflusst Responsive Design das digitale Business, den Arbeits- und Designprozess selbst sowie die dargestellten Inhalte. Er plädierte dafür, mit dem Nimbus, dass man den Rezeptionsprozess von Website-Besuchern unter Kontrolle habe, zu brechen. Vielmehr müssten Webentwickler und -Designer die Anpassungslogik von Responsive Design adaptieren und sie mehr als nur im bloßen Webdesign anwenden – sondern eben auch in ihrer täglichen Arbeit.

Die Fotos in diesem Artikel hat uns Stefan Nitzsche zur Verfügung gestellt.

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5 Antworten
  1. von marc thiele am 22.11.2012 (14:18 Uhr)

    Lieben Dank für den tollen Artikel. Freut mich sehr, dass es euch scheinbar gefallen hat. Und nächstes mal planen wir dann mal richtig etwas, damit ihr noch mehr schöne Interviews machen könnt.

    Grüße aus Krefeld!

    /marc

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  2. von derwebdesigner am 22.11.2012 (14:27 Uhr)

    Wir testen unsere websites neben stationären systemen auch auf mobilen endgeräten wie tablets und smartphones. Meist müssen anpassungen vorgenommen werden da sich zb eine toucheingabe von einem mausklick unterscheidet. Auch sollte man eine website mit responsive design umsetzen. Wer dies heute nicht berücksichtigt ist ein schlechter webdesigner.

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  3. von Schlanke Seiten sind gute Seiten. am 22.11.2012 (19:31 Uhr)

    SmarTVs, eyeTV/iTV/AppleTV, KinecTV(XBoxTV) usw mit Fernsteuerung kommen bald auch noch dazu.

    Nur ein Grid ist aber ein Fehler. Grids für 16:9 unter 1920x1080 sowie für Pads und Phones hoch und quer sollten normal sein je nachdem was die Browser-Statistiken so als beliebte Formate zählen. Es ist wichtiger, Freie Flächen einzusparen bzw. sinnvoll zu füllen.
    De facto ist das sehr speziell und freiwillig weil die Chefs es meist nicht interessiert. Wäre es SEO-Relevant (für schmalbandige Google-Suchergebnisse beispielsweise) wäre es möglicherweise relevanter.

    Man merkt aber klar, das auch in USA die meisten Apps voll die Gigabits pro Sekunde unterstellen und Traffic als endloses Gut behandelt wird. Die sitzen halt mit Glasfaser-Büros statt in der Wallachei mit dem Phone die Seiten oder Apps-Daten laden zu müssen.

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  4. von Individuelle Programmierungen am 23.11.2012 (08:20 Uhr)

    Responsive Design auf allen Endgeräten wird essentiell für alle Designer und stellt hohe Anforderungen, was Webdesign und komplexe Anwendungen in der Programmierung nicht gerade einfacher machen wird.

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  5. von Webdesign Weißenburg am 23.11.2012 (08:22 Uhr)

    Unsere Kunden verlangen schon seit kurzer Zeit eine Anzeige auf I Phone und iPad und Smartphones. Das treibt uns an, Lösungen für diese Anforderungen zu finden. Das ist nicht einfach. Allerdings nicht unmöglich.

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