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Open-Source-Philosophie wie im Bilderbuch: Tesla gibt seine Patente frei

    Open-Source-Philosophie wie im Bilderbuch: Tesla gibt seine Patente frei

Tesla gibt seine Patente frei. (Quelle: Tesla)

In einem Blogeintrag lädt Tesla-Chef Elon Musk eine ganze Branche dazu ein, die Patente des Elektrofahrzeugherstellers ohne rechtliche Konsequenzen frei zu nutzen. Was für den Fortschritt in der Automobilbranche wegweisend sein könnte, macht woanders bereits Schule.

Elon Musk lässt Teslas Patentschrank plündern

Dieser Schritt dürfte einem Novum gleichkommen. Vor allem für die sonst so verschwiegene und sich in aller Regelmäßigkeit mit Klagen trollende Technologiebranche mutet das, was Unternehmer-Koryphäe und Tesla-Gründer Elon Musk da über Nacht auf dem Blog seines Elektrofahrzeugbauers verkündet, wahnwitzig an: Tesla gibt seine Patente frei. Alle.

Elon Musk steht jetzt für den Open-Source-Gedanken der Großindustrie. (Quelle: Elon Musk Blog)
Elon Musk steht jetzt für den Open-Source-Gedanken der Großindustrie. (Quelle: Elon Musk Blog)

Eine radikale Abkehr vom eigenen Konzerndenken. Bis gestern noch hingen einige der wichtigsten Patentschriften des Unternehmens pompös an einer Wand im Foyer des Tesla-Hauptquartiers, ausgestellt wie Fußball-Pokale, über auf Hochglanz poliertem PVC-Boden. „Jetzt sind sie weg“, sagt Musk. „Sie wurden im Geiste der Open-Source-Bewegung abgenommen, um den Fortschritt von Elektrofahrzeug-Technologien zu ermöglichen.“

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Tesla: Keine Lust auf „Lotterielose für die Anklagebank“

Es sind drastische wie unterschwellig natürlich für Musk und sein Unternehmen auch werbewirksame Worte, für die es aber zwei plausible Erklärungen gibt.

Elon Musk: „Patente ersticken den Fortschritt.“

Zum einen rechnet Musk mit der Technologiebranche ab. Zwar seien Patente per se etwas gutes, aber darum gehe es angesichts millionenschwerer Klagewellen, mit denen sich Großkonzerne wie Apple und Samsung in aller Regelmäßigkeit überziehen, längst nicht mehr. Patente „ersticken den Fortschritt“ und sind inzwischen allenfalls ein „Lotterielos für die Anklagebank“, so Musk. Auch Tesla habe seine Technologien lange Zeit geschützt, aus Angst, von der Konkurrenz kopiert und überrannt zu werden. „Wir hätten gar nicht falscher liegen können“, schreibt Musk und erklärt: „Auf die gesamten Autoverkäufe der größten Hersteller entfallen weit weniger als ein Prozent Elektroautos.“

Und das ist auch der zweite und entscheidende Punkt, der zeigt, warum der Schritt von Tesla auf lange Sicht enorme Tragweite haben könnte. Zum anderen führt Tesla über 160 Patente in seinem Besitz, darunter besonders solche für robuste Batterien und verbesserte Rotor-Konstruktionen in Elektromotoren. Geht die Rechnung auf, werden schon bald andere Autohersteller und gewiss auch technologieorientierte Startups das Tesla-Wissen nutzen und so die bislang nur schleppende Verbreitung von Elektroautos anschieben.

Open-Source-Denken wie in der Raumfahrt

Tesla sei, so schreibt Musk weiter, mit dem Ziel gegründet worden, die Einführung nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen. Wenn man einen Weg zum Bau attraktiver Elektroautos aufzeigen wolle, dann aber „die Landminen des geistigen Eigentums“ bei der Konkurrenz auswerfe, arbeite man genau gegen dieses Ziel.

Im Foyer seines Hauptquartiers hatte Tesla einen Teil seiner Patente präsentiert. Jetzt wurden sie zu Ehren von Open-Source abgenommen. (Quelle: Freshdialogues)
Im Foyer seines Hauptquartiers hatte Tesla einen Teil seiner Patente präsentiert. Jetzt wurden sie zu Ehren von Open-Source abgenommen. (Quelle: Freshdialogues)

Aus diesem Grund öffnet sich Tesla mitsamt seiner Technologien für andere Unternehmen, auch für vergleichsweise klamme Startups. Sie nämlich werden in besonderer Weise vom Patentwahnsinn gebremst – allein in den letzten fünf Jahren sind ihnen laut einer Studie über 20 Milliarden US-Dollar Venture-Capital wegen Patentstreitigkeiten verwehrt geblieben.

Ein tonnenschwerer, technologischer Bremsklotz, der einmal abgelegt, allerdings enorme wirtschaftliche Kräfte entfesseln kann. So wie es derzeit zum Beispiel in der Raumfahrtbranche passiert: Hier floriert das Geschäft mit der privaten Fernerkundung, auch weil zahlreiche Startups durch kostengünstige Produktion und von der Weltraumbehörde NASA offengelegten Wissen neue, bessere Technologien entwickeln können.

Dass dieses Modell auch in der Automobilbranche Schule machen könnte, davon ist Elon Musk überzeugt: „Wir glauben, dass die Übertragung des Open-Source-Gedanken auf unsere Patente die Position von Tesla stärken und nicht schwächen wird.“ Man darf gespannt sein.

Update vom 13. Juni 2014: Hinter der Patentoffensive von Tesla stehen auch eigene Interessen. Wie der Motorblog CBCity schreibt, sollen durch den Einsatz der Tesla-Technologien in Konkurrenzmodellen auch die Preise – zum Beispiel für die Produktion von Ladesteckern und Displays – sinken. Das begünstige die Verhandlungsposition gegenüber Zulieferern.

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7 Reaktionen
Fernstudium
Fernstudium

Ich liebe Elon Musk! Kann mich Christine nur anschließen!

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Fernstudium
Fernstudium

Elon Musik ist einfach nur ein genialer Unternehmer, Visionär und Vordenker. Der kann direkt neben Henry Ford, Larry Page, Bill Gates, Richard Brandson und Steve eingereiht werden.

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Kian Gould

Als Tesla Fahrer kann ich dazu beitragen, das tatsächlich die Ladetechnik, Batteriesteuerung und vor allem Auch das gesamte Entertainment System von Tesla dem Rest des Marktes minimal 2 Jahre voraus ist. Somit ist dies für Tesla tatsächlich ein sehr guter Move die Adoption der Ladetechnik (besonders das Supercharging, worum es hier sogar primär geht) offen zu legen, denn wenn jedes Elektroauto superchargen kann ist das Reichweitenthema größtenteils behoben. Wer hat schon Lust 8h Pause zu machen um dann 400km zu fahren, bei 35 Minuten ist das was anderes.
Tatsächlich macht diese Tesla aber auch, weil Sie derzeit gar nicht schneller wachsen können (selbst wenn Sie wollten, da die Produktionskapazitäten nicht so explosiv ausgebaut werden können) als Sie es schon tun und durch die größere Adoption Ihrer Supercharging Technologie müssen Sie zumindest weniger Eigenkapital in die Infrastruktur stecken. Bitte nicht vergessen, dass noch nie ein Autohersteller auch nur auf die Idee gekommen wäre über 300 Millionen Dollar in eine kostenlose Ladeinfrastruktur zu stecken nur um mehr Elektroautos verkaufen zu können. Elon ist ein revolutionärer Geschäftsmann und Visionär und Profitmaximierung war nie seine Prämisse. Er hat sein gesamtes Geld was er aus Paypal Verkauf erhalten hatte in Tesla gesteckt und stand 2008 zu Weihnachten vor der Komplettpleite.

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Matthias B. Krause
Matthias B. Krause

Manchmal seid Ihr erschreckend naiv. Die Geschichte ist doch die, die Ihr im Update so nebenbei erwaehnt, nicht die, die Ihr ellenlang bejubelt. Wenn Musk einen Konzern wie GM fuehren wuerde, wuerde er einen Teufel tun und natuerlich nichts freigeben. Aber Tesla ist eben, bei allem Erfolg, eine kleine Klitsche. Und wenn sich deren Ladetechnologie dank Patentfreigabe in den USA durchsetzen wuerde, waere das enorm wichtig fuer die Zukunft des Unternehmens. Um es anders auszudruecken, Musk hofft bei der Umsetzung auf die Budgets anderer zurueckzugreifen (indirekt).

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Simon
Simon

Hallo Daniel,

danke für das ausführliche Feedback, freut mich dass ihr euch damit auseinandersetzt. Ich nehme eure weitere Definition von OS zur Kenntnis, teile sie aber trotzdem nicht ;) Wie auch immer, ein spannendes Thema!

Viele Grüße nach Hannover und ein schönes Wochenende!

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Daniel Hüfner

Hallo Simon,

vorab Danke für Dein Feedback! Ich hatte ehrlicherweise selbst einige Bauchschmerzen mit der Auslegung des Begriffs Open Source in diesem Artikel. Im Eifer der Begeisterung habe ich es vorhin aber leider versäumt, das im Artikel auch so streng auszulegen. Natürlich kann man nicht per se von Open-Source sprechen, wenn ein Mann wie Elon Musk im Kern nicht mehr als ein Lippenbekenntnis darüber abgibt, konkurrierende Unternehmen beim Einsatz der Patente nicht verklagen zu wollen. Dennoch schließt Open-Source aus unserer Sicht auch das öffentliche Teilen von Informationen und Wissensressourcen mit ein, wo Patente durchaus dazugehören. Deswegen spreche ich im Artikel auch immer von Open-Source-Denke bzw. -Gedanken.

Weil ich das aber in der Überschrift nicht getan habe, habe ich diese in Rücksprache mit der Chefredaktion noch einmal angepasst. Genauso wie die Formulierung des „Verschenkens“ – Tesla gibt nichts aus der Hand, sondern erteilt allenfalls eine Freigabe zur Nutzung. Mir ist Dein und auch das Feedback aus der Community wichtig! Fail, Learn, Repeat heißt die Konsequenz für mich daraus.

Beste Grüße aus Hannover,

Daniel Hüfner

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Simon
Simon

Schöne Sache!
Allerdings kommentiere ich wegen was anderem: Der Begriff "Open Source" wird im Artikel mindestens vier Mal verwendet, und macht (bis auf "Open-Source-Gedanken") keinen Sinn & passt einfach nicht. So toll ich OpenSource finde, es beschreibt Software. Nennt es doch Open Innovation oder Open Value Creation oder oder was euch sonst noch einfällt.

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