Im Test: Mit Suggy zum personalisierten Internet

Suggy, ein junges Startup aus Leipzig, hat sich viel vorgenommen. Die Plattform, die weder ein reiner News-Aggregator noch Suchmaschine oder Social Network sein will, möchte dem User ein personalisiertes Internet bieten. Per Crawler bekommen Suggy-User Vorschläge für Themen im Internet, die sich aus dem übermittelten Online-Verhalten ableiten. Gängige Kommunikations-Tools lassen Suggy aber auch zu einer sozialen Plattform werden. Wohin führt der Weg des ambitionierten und funktionsreichen Projekts? Wir haben erste Eindrücke gesammelt.

Der Name des Startups leitet sich vom englischen Suggestion ab, also: Vorschlag. Das Wort fasst die Idee hinter Suggy recht treffend zusammen, denn der User bekommt Themen- und Freundevorschläge, während er wie gewohnt im Internet unterwegs ist. Und das kontinuierlich, ohne händisches Dazutun. So einfach, so gut. Als Alleinstellungsmerkmal hat sich Suggy damit fraglos einige Klicks verdient. Aber es will mehr.

suggy konzept methode
Suggy: Das Konzept heruntergebrochen auf drei Schritte.

Das Projekt befindet sich zur Zeit noch in der offenen Betaphase und bietet auch auf den zweiten Blick, sowohl auf der Website, als auch auf dem Projektblog, genügend Information, um die Idee hinter Suggy schnell zu erfassen: Wer sich bisher Informationen und Kontakte über verschiedene Aggregatoren, Netzwerke, Bookmarks, RSS-Feeds oder sonstigen Online-Diensten zusammengesucht hat, könnte in Suggy eine zentrale Plattform finden. Diese Idee des Zentralen, die im Internet oftmals mit Personalisierung gleichzusetzen ist, wird vermehrt ein wichtiges Konzept jüngster Entwicklungen.

Es ist zugleich ein schwieriges Thema, an dem sich so manches Projekt schon die Zähne ausgebissen hat und zumeist an schlechter Benutzerführung oder irreführender Funktionalität gescheitert ist. Der Spagat zwischen dem Angebot einer und der Funktionalität eines kann schnell den Rahmen eines ambitionierten Projekts sprengen. Denn, wer wird mit derartiger Personalisierung zuvorderst addressiert? Normale User, die im Online-Alltag Transparenz und Effizienz in möglichst kurzer Zeit einfordern, weil sie sich zwar mit dem Medium, nicht aber mit dem verbundenen Kleinklein auseinandersetzen wollen. Klar, auch Geeks haben Information und Kontakt gern auf kurzen und effizienten Wegen, scheuen sich aber oftmals nicht, ihr Internet selbst zu personalisieren: Durch genannte Bookmarks, Feeds, Aggregatoren oder Netzwerke.

Hinzu kommen die Timelines und Live Feeds der vielen Social Networks, die ihren Content als quasi Social News aus den Kontakten der User generieren und das Bedürfnis nach Information oftmals bereits stillen. Ob sich der neue Dienst dagegen beweisen kann?

Erste Schritte mit Suggy: Plugin und Themen

suggy plugin
Wird die erforderliche Plugin-Installation für Suggy zur Hürde?

Suggy bereitet zu Beginn sowohl dem normalen User als auch dem Geek eine einstiegsfreundliche Oberfläche und erklärt nötige und nächste Schritte stets nachvollziehbar. Nach der Account-Registrierung ist die Installation eines Browser-Plugins (für Chrome, Firefox und IE) erforderlich, um das Verhalten der User ablesen und auswerten zu können und um die Dienstleistung überhaupt in Anspruch nehmen zu können – Opera- und Safari-User bleiben zunächst außen vor. Der plattformeigene Crawler kennt bereits jetzt schon knapp 500 Millionen Websites.

Aus dem Verhalten des Nutzers analysiert die Plattform Vorschläge für Themen, Websites oder andere Suggy-User mit ähnlichen Interessen – die Kernkompetenz von Suggy. Per Toolbar ist die Aktivität stets überschau- und einstellbar, etwa für das schnelle Umschalten zwischen aktiver und inaktiver Verhaltenserkennung:

suggy toolbar

Aber hier könnte eine Hürde für den größeren Erfolg von Suggy liegen: Obwohl das Team auf der Website, und während des Registrierungsvorgangs stets auf den sorgfältigen Umgang mit den erhobenen Daten hinweist, werden wohl viel potenzielle User bereits dadurch abgeschreckt – wird doch in der Öffentlichkeit das Thema Datensicherheit viel diskutiert. Stichwort: Datenkrake. Der selbstständige und online-versierte Geek hingegen wird sich wohl fragen, warum er einem Dienst diese übermitteln sollte, um ihn nutzen zu können. Anstatt auf eine Plattform inklusive Toolbar wird er vielleicht doch lieber auf seine eigenen und bewährten Aggregatoren setzten wollen. Auch wenn Suggy versichert, dass die Daten gegenüber Dritten – und auch gegenüber den eigenen Admins – sicher sind.

suggy themen 1
Zumindest quantitativ liefert Suggy schnell Themen. Die Angebotsbreite stimmt also schon.

Hat man diesen Punkt abgehakt, erfolgen schnell die ersten Themen- und User-Vorschläge, die durchaus zum eigenen Verhalten passen. Suggy funktioniert also bereits in der Betaphase als quantitativer News-Aggregator. Um die Qualität der Vorschläge auf Herz und Nieren testen zu können, bedarf es weiterer Erfahrung. Die nächsten Schritte lauten dann: Etablierung innerhalb des Suggy-Netzwerks – um den Dienst in seinem großen Umfang auch effizient nutzen zu können. Hier wird entscheiden, wieviele User den Dienst zukünftig anwenden, um die Wertigkeit der gewonnenen Information auch sozialen Bewertungen unterziehen zu können. Und noch wichtiger: Wieviele User aus dem persönlichen und bestehenden sozialen Netz den Dienst nutzen werden, ob privat oder beruflich. Mit der Pinnwand- und Chat-Funktion verfügt Suggy zumindest dafür schon über die gängigen Tools.

Suggy: Ein erstes Fazit

In der momentanen Beta ist Suggy ein spannender Vorschlag zum Konzept der Personalisierung, der sich im Verlauf der Betaphase oder aber in der finalen Version zu einem attraktiven Beitrag wandeln könnte. Das Potenzial in Sachen Funktionalität und Intuitivität hat es durchaus, ein Navigieren und Zurechtfinden stellt keine große Hürde dar. Was fehlt, ist ein klares Alleinstellungsmerkmal. Mit Google, Facebook, Delicious und Co. ist jedenfalls reichlich etablierte Konkurrenz vorhanden – die auch nicht schläft, wenn man einmal an die Ambitionen Facebooks oder das breite und in sich vernetzte Angebot von Google denkt. Vielleicht ist ein engerer Rahmen und streng gesetzter Fokus für Suggy ein nächster Schritt?

Projekte wie Suggy jedenfalls sind die Ideen, die das Internet aber braucht – oder? Habt Ihr bereits Suggy getestet, oder habt es in nächster Zeit vor? Nutzt die Kommentarfunktion, um eure Meinung oder euren Eindruck mitzuteilen.

Weiterführende Links:

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4 Answers

  1. von Markus Paeschke via facebook 24.03.2011 (10:05Uhr) 1.

    Hab mich mal angemeldet...sieht erstmal schick aus...

  2. von Dominik Hensdiek via facebook 24.03.2011 (12:38Uhr) 2.

    Hab mich auch gerade mal angemeldet. Hab schon ein paar interessante Sachen gefunden, allerdings (fast) nur Seiten auf englisch.

  3. von Thomas Conrad via facebook 24.03.2011 (16:56Uhr) 3.

    @Markus: vielen Dank für die Blumen
    @Dominik: das kommt häufig vor, wenn die Themen sehr viele Anglizismen enthalten - ich kann aber gern mal drüberschauen, woran es liegt - schreib mir einfach: http://www.suggy.com/Tommel/

  4. von Suggy-Test: Wie man Menschen mit gleiche… 09.05.2011 (19:18Uhr) 4.

    [...] Mit Suggy zum personalisierten Internet [...]

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