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Karriere

Bessere Jobs für eine bessere Welt: Wie das Karriere-Portal „The Changer“ Unternehmen und Absolventen helfen will

    Bessere Jobs für eine bessere Welt: Wie das Karriere-Portal „The Changer“ Unternehmen und Absolventen helfen will

The Changer: Nicole Winchell, Nadia Boegli und Naomi Ryland. (Foto: The Changer)

Arbeiten gehen, nur um Geld zu verdienen? Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell war das zu wenig. Sie haben „The Changer“ gegründet – eine Karriere-Plattform für den Social-Business-Sektor. Mit ihr wollen sie die Arbeitswelt ein bisschen besser machen.

The Changer: Jobbörse, Event-Kalender und Networking-Plattform

Die Homepage des Projekts „The Changer“. (Screenshot: thechanger.org)
Die Homepage des Projekts „The Changer“. (Screenshot: thechanger.org)

„Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.“ Erich Kästners Satz ist heute so aktuell wie zu seinen Lebzeiten. Vor allem in der Arbeitswelt hat in den letzten Jahren ein rasanter Wandel stattgefunden. Immer weniger Menschen entscheiden sich für einen Arbeitgeber aufgrund des Gehalts, dafür suchen immer mehr Absolventen und Einsteiger nach einem Job mit Sinn. Diesen Wandel beobachten auch Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell. Die drei Wahl-Berlinerinnen, die aus der Schweiz, England und den USA stammen, haben mit The Changer eine Plattform gegründet, die sich auf Jobs im Social-Impact-Sektor spezialisiert hat. „Uns geht es auch darum, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Geld in unserer Generation, also gerade bei den Menschen zwischen 20 und 40, gar nicht mehr so wichtig ist“, sagt Gründerin Nadia Boegli. „Es geht um einen gesellschaftlichen Wandel: Ist das wirklich lebenswert, für die nächsten 40, 50 Jahre ins Büro zu fahren, nur weil ich eine bestimmte Summe dafür bekomme? Will ich nicht auch eine positive Wirkung auf die Welt haben und einen Sinn in meinem Leben finden?“

Um Menschen und Unternehmen dabei zu unterstützen, entweder die passenden Jobs in diesem Sektor oder die richtigen Mitarbeiter zu finden, ist eines der Kern-Features von The Changer eine Jobbörse, das Angebot aber geht deutlich daüber hinaus: „The Changer ist eine Online-Plattform für Menschen, die auf der Suche nach einer Impact-Karriere sind oder diese bereits gestartet haben“, erklärt Nadia. „Das heißt, wir bieten Jobs mit Sinn, Events zum Netzwerken und Lernen und Ressourcen, die entweder die eigene Gründung vorantreiben oder bei der Bewerbung helfen sollen.“

Ob sozial, nachhaltig oder ökologisch: Jobs müssen einen Sinn haben

„Wir wollten selbst einen Job, der es uns erlaubt, die Welt ein bisschen besser machen zu können.“

Kennengelernt haben sich die drei Gründerinnen im Studium, entstanden ist daraus zuerst eine Freundschaft, später dann The Changer. „Der Vorteil, ein solches Projekt mit Freundinnen aufzuziehen, ist, dass man sich sehr gut kennt und oft in die gleiche Richtung denkt“, sagt Nadia. „Aber natürlich gibt es auch Nachteile. Man nimmt zum Beispiel oft Dinge als gegeben hin und hinterfragt nicht mehr. Und Konflikte mit Menschen, die mir nicht so nahe stehen, lassen sich leichter austragen. Aber insgesamt funktioniert das sehr gut und ich würde das jederzeit noch mal so machen.“ Noch mal so machen, heißt: aus dem festen Job aussteigen und ein eigenes Projekt auf die Beine stellen. Vor vier Monaten war das, da hatten Boegli, Ryland und Winchell gerade ein einjähriges Stipendium der Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule für Technik in Berlin in der Tasche und die Website zu The Changer gelauncht. Heute haben sie 100.000 Visits und 350.000 Seitenaufrufe monatlich, eine Facebook-Community mit gut 6.000 Mitgliedern und mehr als 340 Jobs auf der Seite.

„Die Gründe dafür, The Changer zu starten, sind in unserer eigenen Frustration mit der ‚normalen‘ Arbeitswelt und unserer Suche nach Impact entstanden“, blickt Nadia heute zurück. „Wir wollten selbst einen Job, der es uns erlaubt, die Welt ein bisschen besser machen zu können, doch vor allem wollten wir den wirklichen ‚Changern‘ – den Menschen, die den sozialen Wandel täglich vorantreiben – helfen, mehr Impact zu haben.“ Der eigentliche Auslöser für die Gründung war dabei ein ganz praktisches Problem: „Wir haben damals alle versucht, einen Job mit Sinn zu finden und uns war es im Grunde egal, ob wir nun im nachhaltigen oder sozialen Bereich arbeiten – es sollte einfach sinnvoll sein. Es gab jedoch keine Webseite oder Plattform, auf der man einfach mal alle diese Jobs finden konnte, sondern man musste durch zahlreiche Seiten surfen.“ The Changer aber will genau das bieten: „Wir aggregieren all diese Jobs auf einer Seite.“

Bald will The Changer expandieren – zuerst nach Hamburg und München

Das Gründerinnen-Team von The Changer. (Foto: The Changer)
Das Gründerinnen-Team von The Changer. (Foto: The Changer)

Gerade am Anfang aber ist dieses Aggregieren mühsame Handarbeit. „Vor vier Monaten, als wir gestartet sind, haben wir uns noch alles selbst zusammengesucht. Langsam verändert sich das aber, und heute kommen immer mehr gemeinnützige Organisationen, Social Startups und Unternehmen auch auf uns zu.“ Bis jetzt stellen Nadia und ihre Kolleginnen Jobinserate noch umsonst ein, doch die erste Geschäftsidee gibt es schon: Unternehmen können ein Upgrade buchen, das noch mehr Top-Talente erreichen soll. „Mittlerweile konnten wir schon ein paar Kunden an Land ziehen“, sagt Nadia. „Change.org hat zum Beispiel einen Job bei uns promotet. Das wollen wir ausbauen und zudem auch passende Werbung schalten, denn wir glauben auch, dass es coole Werbung gibt, die als Service dienen kann – zum Thema nachhaltig Einkaufen zum Beispiel.“

Bis jetzt sitzt The Changer nur in Berlin, auch das Angebot beschränkt sich noch auf die Hauptstadt. Doch die Expansion steht kurz bevor, schon bald soll das Projekt auch für Hamburg und München verfügbar sein. „Die Entscheidung, zuerst nach Hamburg und München zu expandieren, war ein logischer Schritt“, so Nadia. „Hamburg ist in diesem Sektor wichtig, es gibt viele Stiftungen, von denen einige eben auch nicht immer die richtigen Leute finden. Und auch in München gibt es einen wahnsinnig großen Social-Business-Sektor – und es gibt beispielsweise die Social-Entrepreneur-Akademie oder die BMW-Stiftung, die vor Ort sehr vertreten sind.“ Doch ein Netzwerk wie The Changer auszubauen und für weitere Städte zu öffnen, ist nicht einfach, auch finanziell nicht. Und so sucht The Changer für die Skalierung Sponsoren, die das Projekt bei der Entwicklung der Webseite oder dem Dienst vor Ort unterstützen.

Menschen Inspiration bieten und neue Möglichkeiten aufzeigen

„Wir wollen Nutzer solange begleiten, bis sie einen Job haben.“

Und danach? Will The Changer die Welt erobern – oder zumindest erst einmal Europa. „Unseren Service weltweit anzubieten, ist ein großer Traum von uns. Wir wollen gerne in Berlin bleiben, aber generell ist es vielen ja egal, wo sie leben, wenn sie den Job haben, für den sie morgens gerne aufstehen. In diesem Sinne würden wir gerne expandieren. Gerade in Ländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland, wo die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, halten wir es für extrem spannend, den Menschen Inspiration zu bieten und ihnen neue Möglichkeiten aufzuzeigen.“

Inspiration und neue Möglichkeiten, all das soll neben der Jobbörse in einem großen Infobereich auf thechanger.org seinen Platz finden. „Wir wollen über die Jobbörse hinaus auch Hilfestellung bei wichtigen Fragen bieten: Wie skaliere ich mein Social Business? Wie bekomme ich Funding als soziales Projekt? Da werden bei The Changer noch mehr Dinge kommen, auch im Bereich Karriere. Wie kreiere ich einen richtig guten CV? Wie komme ich mit NGOs oder sozialen Unternehmen in Kontakt? Das soll mehr in Richtung How-tos gehen, und vor allem wollen wir auf der Seite die User-Journey weiter verbessern. Denn eigentlich wollen wir gar nicht ausschließlich als Jobplattform gelten, sondern Nutzer solange begleiten, bis sie einen Job haben – und ihnen dann mit Ressourcen weiter in ihrer alltäglichen Arbeit helfen.“

Ganz wichtig in diesem Bereich: die #bethechanger-Interviews. „Mit ihnen können wir zeigen, wer die Sozialunternehmer in Deutschland beziehungsweise Berlin sind und was sie anderen empfehlen würden. Wir haben auch eine neue Interviewreihe, ‚One day in the life of …‘, in der wir Changer in ihrem Alltag begleiten und unseren Lesern zeigen, was es zum Beispiel heißt, Peacebuilder in Rwanda zu sein.“

Ein Social Business ist nicht auf den Profit fokussiert

Die Facebook-Seite von The Changer. (Screenshot: Facebook)
Die Facebook-Seite von The Changer. (Screenshot: Facebook)

Doch nicht bei anderen, auch in ihrem eigenen Unternehmen, das The Changer mittlerweile ist, arbeiten Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell an einem sozialen Wandel, wie er immer häufiger stattfindet. „Wir haben schon eine Mitarbeiterin, die uns tatkräftig im Projektmanagement unterstützt. Es ist uns wichtig, dass sie für ihre Arbeit eine faire Entlohnung erhält und so intensiv wie möglich ins Team integriert ist und Entscheidungen mit uns fällen kann. Wir versuchen außerdem darauf zu achten, dass wir unser Team und unsere Arbeit nachhaltig gestalten, sprich: dass man sich nicht gegenseitig oder selbst ausbeutet. Social Business bedeutet für uns außerdem, dass man sich nicht nur auf Profit fokussiert, sondern das Geld, das man einnimmt, eben wieder in das Produkt reinvestiert und somit den Impact weiter steigert.“

Dass dieser Wandel nicht nur dem Idealismus der Gründerinnen geschuldet ist, sondern handfeste Gründe hat, betont Nadia immer wieder. „Wir sehen im Social Business die Zukunft. In ein paar Jahren kann es sich kein Unternehmen mehr erlauben, nur an Profit zu denken, sondern ist sowohl gesellschaftlich als auch klimatechnisch gezwungen, nachhaltig und sozial zu agieren.“ Dass es bis dahin aber noch ein weiter Weg ist, weiß auch sie. „Das Problem ist: Soziale Projekte, Sozialunternehmen oder Social Startups erhalten noch nicht genug Hilfestellung, die ihnen dabei hilft, Förderung zu finden, Mitarbeiter zu rekrutieren oder die richtige Geschäftsform zu wählen. Es fehlt auch an Plattformen und Magazinen, auf denen man etwas über sie erfahren könnte. Das wollen wir ändern.“

The Changer: Den Wandel vorantreiben und der Gesellschaft etwas zurückgeben

„Es gibt viele kleine Unternehmen, die genauso Top-Talente brauchen wie Oxfam oder change.org.“

Nicht zuletzt aber ist ein solcher Wandel eine Frage des Geldes und der Einflussmöglichkeiten, dessen ist sich auch Nadia bewusst. „Deshalb wollen wir vor allem niemanden ausschließen. Es gibt viele kleine Unternehmen, die genauso Top-Talente brauchen wie Oxfam oder change.org. Deshalb werden wir immer eine kostenlose Variante unserer Jobbörse anbieten. Aber es gibt jetzt schon Update-Features, zum Beispiel, wenn ein Unternehmen will, dass sein Job immer auf der ersten Seite steht oder er im Newsletter auftauchen und über unsere Social-Media-Kanäle geteilt werden soll.“

Zu entscheiden, ob ein Unternehmen in das Raster von The Changer passt, sei dabei gar nicht so schwierig, sagt Nadia. „Vor allem die Kriterien bei NGOs sind einfach, bei Unternehmen im Social-Business-Sektor aber geht das auch sehr gut. Wir lesen uns die Vision und die Mission durch und gucken uns die Geschäftsform an. Solange wir die Stelle oder das Event für unsere Community relevant finden und das Angebot mit unserer Vision übereinstimmt, veröffentlichen wir es.“ Damit The Changer ein Angebot aufnimmt, müsse klar sein, „dass die Menschen hinter dem Unternehmen oder der gemeinnützigen Organisation den positiven sozialen Wandel vorantreiben und der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen“. Dafür wollen Nadia Boegli, Naomi Ryland und Nicole Winchell hart arbeiten. Denn es gibt nichts Gutes, außer: frau tut es.

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1 Reaktionen
jessie

Sieht interessant aus. finde nur dieses unstete deutsch/englisch gemisch nicht so gut.

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