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This.cm: Wie ein persönliches Plattenregal – nur für großartige Texte

This.cm: Wie ein persönliches Plattenregal – nur für großartige Texte

This.cm als Facebook- oder Twitter-Alternative? Blödsinn, meint Andreas Weck. Die Plattform ist viel mehr ein cooler Bookmarking-Dienst für publizistische Perlen. Und alle können mitlesen!

This.cm: Wie ein persönliches Plattenregal – nur für großartige Texte

Kennt ihr noch This.cm? Vor knapp einem halben Jahr tauchte der Dienst zum ersten Mal in einigen Tech-Medien auf. Wie so oft mit einem kleinen Hype. Und wie so oft haben sich vor allem Early-Adopter angesprochen gefühlt. Er wurde als Antwort auf all die sozialen Netzwerke gehandelt, in denen Nutzer sich zunehmend einer Reizüberflutung gegenüber sehen. etwa – oder auch . Netzwerke eben, in denen eine große Menge an Menschen eine noch größere Menge Artikel oder Videos in die Newsfeeds der Freunde schießt. Wer soll da noch mitkommen? This.cm dagegen ist extrem reduziert: Nutzer können sich vernetzen und jeweils nur einen Link pro Tag posten. Eigentlich ziemlich cool!

„Ein soziales Netzwerk, in dem man sich nicht austauschen kann, ist wie ein Spaghetti-Eisbecher ohne Erdbeersoße!“

Doch wie so oft – wenn wir von Hypes sprechen – wird der anfängliche Buzz dem herbeigesehnten Nutzwert dann doch nicht gerecht. Im Falle von This.cm dürfte das auch und gerade daran gelegen haben, dass die Erwartungen in eine falsche Richtung gelenkt wurden.

Denn die Plattform als soziales Netzwerk zu bezeichnen und als Antwort auf Facebook und Co. anzubieten, war gar nicht mal so schlau. Für ein soziales Netzwerk fehlt es nämlich an einigen grundlegenden Funktionen – einem Nachrichten-Feature beispielsweise oder einer Möglichkeit Beiträge zu kommentieren. Ein soziales Netzwerk, in dem man sich nicht austauschen kann, ist wie ein Spaghetti-Eisbecher ohne Erdbeersoße. Kannst du behalten!

Jeden Tag ein Perle: Nutzer können nur einen Link pro Tag und somit nur Großartiges empfehlen

Der This.cm-Newsfeed zeigt jeden Tag nur eine publizistische Perle an, die Nutzer für lesenswert halten. (Screenshot: This.cm)
Der This.cm-Newsfeed zeigt jeden Tag nur eine publizistische Perle an, die Nutzer für lesenswert halten. (Screenshot: This.cm)

This.cm fühlt sich viel mehr wie ein Bookmarking-Dienst für publizistische Perlen an. Hier legt man die Artikel ab, die einen so gefesselt haben, dass sie ein ganz besonderes Plätzchen verdient haben. Oder Artikel, die zum Nachdenken anregen – und die man aufheben will. Wir sprechen vor allem von Beiträgen, die von dem üblichen Kram in Pocket oder Digg abgegrenzt werden sollen. Denn da landen eher die Stücke, die man später noch lesen will – wir wissen eigentlich gar nicht, was uns erwartet. Das Schöne an This.cm ist, dass hier tatsächlich nur der heiße Scheiß landet – und vor allem, dass andere Nutzer herzlich eingeladen sind, die Glanzstücke mitzulesen. Und von denen finden sich auf This.cm wirklich viele – insofern man mit den richtigen, aktiven Leuten verbunden ist.

„Das Schöne an This.cm ist, dass dort tatsächlich nur der heiße Scheiß landet.“

Ich will mal zwei Personen vorschlagen – ganz subjektiv aus meiner Bubble: Da wäre zum einen Simon Hurtz, ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der übrigens auch ein eigenes lesenswerten Fazit zu der Plattform veröffentlicht hat und zu dem Schluss kommt, dass This.cm wie ein guter Tarantino-Film ist. Zum anderen ist da auch noch unser Kolumnist Martin Weigert, der beinahe täglich eine Perle aus seinem Fundus ablegt. Ihnen habe ich zu verdanken, dass ich Artikel gelesen habe, wie: „How the CIA made Google“, „Aliens in the Valley: The complete history of Reddit“ oder „Why people are irrational about politics“.

Alles ziemliche coole Longreads, die auch noch nach Tagen spannend sind. Vor allem sonntags liebe ich es, die kuratierten Stücke zu lesen. This.cm ist bisweilen auch wie eine wesentlich informativere Wochenendzeitung, die weniger mit tagesaktuellen Geplänkel daherkommt.

This.cm: Wie das persönliche Platten- oder Bücherregal – nur für Texte

Wie eine Bücher-, Blue-ray- oder Plattensammlung: Auf This.cm sammelt ihr Perlen. (Screenshot: This.cm)
Wie eine Bücher-, Blue-ray- oder Plattensammlung: Auf This.cm sammelt ihr Perlen. (Screenshot: This.cm)

Es ist eigentlich schade, dass der Dienst bis dato nicht populärer geworden ist – auch auf die Gefahr hin, dass sich mit einem steigenden Wachstum vielleicht auch mehr Katzen- und Baby-Content dazwischen mischen würde. Fair enough: Man muss auch erwähnen, dass sich die Plattform noch in der Beta-Phase befindet und Einladungen nur begrenzt vergeben werden. Wer interessiert ist, kann sich jedoch in eine Warteliste eintragen lassen und demnächst dazustoßen – wenn, dann aber mit einer anderen Erwartungshaltung: Versteht This.cm lieber als Regal, in das ihr lesenswerte Texte wie gesammelte Bücher, Blue-rays oder Platten ablegt und anderen präsentiert.

Wer nur einen Facebook-Killer oder eine Twitter-Alternative sucht, den muss ich leider enttäuschen – wir reden hier immer noch von Perlen!

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Eine Antwort
  1. von Schöner Dienst am 07.06.2015 (16:43 Uhr)

    Interessant wäre, wenn man einen Vorschlag wie ein Vote behandeln würde. Wenn man zwei Dinge vorschlägt, zählen beide nur 50% und stehen entsprechend tiefer in den Listen oder halt trotzdem oben weil viele andere auch dafür voten weil die es gut finden. D.h. zutrashen wie bei Rezensionen ginge dann auch nicht. Über entsprechende Bewertungen und Netze (Nutze die diesen link auch vorgeschlagen haben haben auch... vorgeschlagen) und mathematische Modelle könnte jeder für sich selber dann hochwertige Artikel vorgeschlagen kriegen. Bei TV-Serien will man das möglichst viele es gucken und gut finden also eher die Gesamt-Summe der Zufriedenheit. Hier hingegen ginge es um die Maximierung der individuellen Schmankerln für jeden einzelnen.

    Man sollte vielleicht auch ansparen können d.h. 1-2 Links in Reserve halten können wenn man z.b. in den letzten 10 Tagen 1-2 Tage auf Vorschläge verzichtet hat.
    Im Prinzip wie Taschengeld das man aufteilen oder auch ansparen kann wenn man was größeres kaufen will.

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