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Startups

Tiger ohne Zähne? Der neue Kuschelkurs von Uber und Rocket

    Tiger ohne Zähne? Der neue Kuschelkurs von Uber und Rocket

Rocket und Uber gehen auf Kuschelkurs. (Foto: Tambako / flickr / Lizenz CC BY-ND 2.0)

Auf der DLD-Konferenz in München geben sich sowohl Uber-CEO Travis Kalanick als auch Oliver Samwer, der Chef von Rocket Internet, betont publikumsnah und menschenfreundlich. Alles bloße PR?

Wer in den letzten zwei Tagen die Gelegenheit hatte, den internationalen Digital- und Mediengipfel DLD zu verfolgen, dürfte nicht schlecht gestaunt haben angesichts der wohlig-warmen Töne, die aus München den Rest der Republik – und natürlich auch dieses Internet – erreichten. Gleich zwei eigentlich als streitbar bekannte Persönlichkeiten – Uber-CEO Travis Kalanick und Rocket-Chef Oliver Samwer nutzten ihre Bühnenzeit, um auf Kuschelkurs zu gehen.

Oliver Samwer: „Ich spiele gerne im Sandkasten“

Publikumsnah: Oliver Samwer hatte beim DLD die Lacher auf seiner Seite. (Foto: picture alliance für DLD)
Publikumsnah: Oliver Samwer hatte beim DLD die Lacher auf seiner Seite. (Foto: picture alliance für DLD)

Samwer erzählte von der Wichtigkeit von Familie und engen Freunden und davon, dass das Leben mit Kindern manchmal anstrengender sei als der Alltag eines Unternehmers. Und dann zeichnete er Rocket Internet als ideales Sprungbrett für alle, die hart arbeiten und etwas Großes aufbauen wollen – im Gegensatz zu einigen konkurrierenden Tech-Unternehmen, gegen die er nebenbei nonchalant austeilte:

Für den größten Lacher sorgte er aber, indem er sich selbst bzw. die aggressive Firmenkultur von Rocket Internet aufs Korn nahm – wir erinnern uns an die berüchtigte „Blitzkrieg“-E-Mail – und wie folgt auf die Frage antwortete, ob in nächster Zeit auch Amerika attackiert werden solle:

Ganz wich Samwer nicht vom militärischen Duktus ab – so verglich er sein Unternehmen später noch mit der elitären US-Akademie West Point. Und doch fiel auf: Der sonst als medienscheu geltende Samwer, der in früheren Interviews oft unsicher und unnahbar wirkte, entpuppte sich beim DLD als Entertainer, der den Saal, zumindest an den Maßstäben eines Konferenz-Montagmorgens gemessen, sprichwörtlich zum Kochen brachte: eine ganz neue Rolle.

Travis Kalanick: Uber ist hier, um die Welt zu verbessern

Beschwörendes Auftreten, eindringlicher Blick: Uber-CEO Travis Kalanick will zeigen, dass ihm die Verbesserung unserer Verkehrssysteme und Umweltschutz ernste Anliegen sind. (Foto: picture alliance for DLD)
Beschwörendes Auftreten, eindringlicher Blick: Uber-CEO Travis Kalanick will zeigen, dass ihm die Verbesserung unserer Verkehrssysteme und Umweltschutz ernste Anliegen sind. (Foto: picture alliance for DLD)

Ebenfalls eine neue Rolle hat sich Travis Kalanick zugelegt, der als Enfant Terrible der Startup-Szene bekannte Uber-Gründer. In der Vergangenheit ist Uber immer wieder mit negative Schlagzeilen aufgefallen – etwa durch aggressives Wettbewerbsverhalten, männliches Macho-Gehabe und nicht enden wollende rechtliche Auseinandersetzungen rund um sein „Taxikiller“-Geschäftsmodell.

Alles ein Missverständnis, so scheint es – denn eigentlich, so betonte Kalanick gestern auf der DLD-Bühne mit dem sanften Blick eines Teddybären, wolle Uber vor allem eines: Das Leben der Menschen verbessern. Millionen von Kunden habe man bereits aus desolaten Beförderungs-Verhältnissen erlöst, tausende von Jobs geschaffen – und allein in Europa sollen bis Ende 2015 noch 50.000 hinzukommen. Die wahre Vision hinter Uber sei aber die smarte Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen: weniger Autos, weniger CO2 – alles zum Wohle des Planeten.

Die neue, fast schon barmherzig anmutende Persönlichkeit Kalanicks dürfte zu einem Teil auf das Konto von David Plouffe gehen, der Barack Obama zwei Mal zum Wahlsieg verholfen hat und seit September 2014 Ubers Geschicke in Sachen Kommunikation und politischer Lobbyarbeit leitet.

Seit dem IPO muss Rocket Internet verstärkt auf sein Image achten

Interessant sind die neuen Töne, die Samwer und Kalanick in München angeschlagen haben, allemal. Samwer scheint sich der Herausforderung gestellt zu haben, dass er als CEO eines börsennotierten Unternehmens auch die Öffentlichkeit suchen und zugänglicher werden muss – durchaus mit Erfolg, wie sein heutiger Auftritt erahnen lässt.

Travis Kalanick hingegen kauft man seinen neuen Kuschelkurs nicht ab, wie nicht zuletzt die Reaktionen auf Twitter zeigten:

Denn die neu propagierte soziale Mission und sein geläutertes Bühnengebaren sind zum jetzigen Zeitpunkt weit vom Image des Unternehmens, das er führt, entfernt. Selbst wenn er seinen wohltönenden Worten nun Taten folgen lässt, wird es für Uber ein weiter Weg.

Uber muss beweisen, dass der neue Kurs keine PR-Masche ist

Und doch ist Einsicht ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. So hat die Uber-Führungsriege wohl endlich eingesehen, dass das Startup in vielen Ländern dieser Welt ein Akzeptanzproblem hat – und dass Uber inklusive CEO Kalanick eine nicht unerhebliche Mitschuld daran trägt. Neue Berater, ein neues Missions- und Markenverständnis: Das alles sind wichtige Schritte auf dem Weg, einen echten kulturellen Wandel anzustoßen. Es liegt nun an Kalanick und seinem Team, zu beweisen, dass das „neue Uber“ keine reine PR-Masche ist.

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3 Reaktionen
Shareconomy
Shareconomy

Wenn ich Uber oder Mitfahrdienste (für Personen und Pakete) betreiben würde, was ich mir wegen zu teurer Rechtskosten gespart habe, würde ich die Zielerfüllung für Kunden, Kleinanleger und Kollegen optimieren damit ich den Markt rule weil alle Beteiligten so zufrieden sind wie die meisten Kunden bei Amazon.

Ein Auto hat zeitlichen Verschleiss (Salzhaltige Luft, Regen,...) und Verbrauchsverschleiss. So gesehen ist es ok, das Auto möglichst viele km pro Tag fahren zu lassen. Aber ein Mitfahrdienst ist Uber nicht. "Fahr ich dich einen km, fährst Du mich einen km" hätte ich ohne teure Nebenkosten längst als App programmiert. Natürlich mit Optionen wie "Raucher/Nichtraucher" oder "Nur Frauen" und brauchbaren Bewertungen von Fahrern und Mitfahrern gegenseitig. Und auch für Wochenend-Bahn-Tickets wenn das noch geht und z.b. ÖPNV und Grenzverkehr. Für Produkte und Personen.
Das ist Uber noch lange weg von. Und die verschiedenen Dienste wie Luxus-Autos, Fun-Wagen (Trampolin, Batman-Auto, Eiswagen,...), Taxis, Privatleute, Lear-Jetzs, Hubschrauber,... usw. blicke ich nicht mehr durch.
Gehen die alle über eine einzige App und fliessend ineinander über ? Also z.B. eingeladene Promi-Gäste für den Opernball oder Disco-Einweihung mit dem Luxus-Rolls abholen, im Learjet mitfliegen, mit dem Maybach abholen lassen ?

Shareconomy kommt, wenn Tesla einem Haus in jeder Straße eine Power-Station stellt und man dort per Handy-App sein Auto abstellen und loaden kann und mit einem anderen vollgeladenen Auto weiterfahren kann. Nicht jeder Rentner braucht noch den Parkplatz vor seinem Haus wenn er ein Elektro-Fahrrad hat und sich bei Bedarf preiswert ein Auto leihen kann. Die Parkplätze bei den Discountern sind auch nicht alle voll und oft stehen die mitten in der Wohngegend oder nah genug um sich dort zu Fuß sein Auto zu holen.

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Insomnia88
Insomnia88

"mit dem sanften Blick eines Teddybären"

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