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Startups

Mit iTunes gegen Tinnitus: Wie ein Hamburger Startup zum Millionen-Hit werden will [SXSW]

    Mit iTunes gegen Tinnitus: Wie ein Hamburger Startup zum Millionen-Hit werden will [SXSW]

(Foto: Tinnitracks)

Nein, so ein Startup-Pitch ist so gar nicht das Ding von Jörg Land. Auf der SXSW in Austin kämpft der Gründer von Tinnitracks, einer App gegen Tinnitus, trotzdem um den ganz großen Coup. Warum das klappen könnte.

Pieeeeeeeep. Pieeep. Pieeeeeeeep.

Das soll nach einem erfolgreichen Geschäftsmodell klingen? Irgendwie nicht.

Tinnitracks-Gründer Jörg Land beim Pitch in Austin. (Foto: Maximilian Knop)
Tinnitracks-Gründer Jörg Land beim Pitch in Austin. (Foto: Maximilian Knop)

Jörg Land aber will es auf der Bühne beim South by Southwest in Austin einmal mehr unter Beweis stellen. Schon letztes Jahr habe er davon geträumt, sagt der 37-jährige: Einmal dort pitchen, wo einst Twitter der umjubelte Durchbruch gelang, „das“, sagt Land, „ist doch geil“. Dabei sei das ja überhaupt nicht sein Ding. Lieber schlägt er sich auf biederen Fachkongressen mit Ärzten und Krankenkassen herum. Weil es aber sein Job ist und er auf Geheiß seiner Heimatstadt nach Texas eingeladen wurde, tut er es an diesem Samstagnachmittag trotzdem. Es geht ja auch um was. Es winkt der Einzug ins Finale des SXSW Accelerator, dem Startup-Wettbewerb des größten Tech-Festivals der Welt. Also: 2 Minuten. Ab jetzt.

Tinnitracks: Die Musiksammlung als Tinnitus-Therapie

„Bis auf ein Hörbuch eignet sich praktisch jede Musikrichtung für eine Therapie. Sogar Heavy Metal.“

Land ist Gründer und CEO von Tinnitracks, ein Startup aus Hamburg, das nicht weniger als drei Millionen Menschen allein in Deutschland wieder glücklich machen will. Soviele nämlich sind es, die unter Tinnitus leiden. Pieeeeeeeep. Pieeep. Pieeeeeeeep. Dieses monotone und äußerst lästige Geräusch, das sich bei zu viel Lärm oder nach einem Hörsturz im Ohr einnistet. Es kann einem die Konzentration rauben, Depressionen auslösen oder einfach nur die Angst schüren, es höre nie wieder auf. Kurz: Es kann Betroffene regelrecht in den Wahnsinn treiben. Heilbar ist Tinnitus nicht. Mit einer Musiktherapie aber, das belegen Studien, kann das Leid erheblch reduziert werden.

Hier kommt Land ins Spiel, der die Lösung bei seinem Auftritt in Austin förmlich aus der Hosentasche zieht. Mit seinen Kumpels Matthias Lanz und Adrian Nötzel hat er eine App entwickelt, die den Tinnitus um 25 Prozent lindern kann. Das Rezept: Ein intelligenter Algorithmus, verpackt in einen mobilen Musikplayer, der die von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Tinnitus-Frequenztöne therapiegerecht zum Beispiel aus der eigenen iTunes-Musiksammlung herausfiltert. So lernt das Gehirn, die störenden Töne besser zu unterdrücken. Zu ersten Erfolgserlebnissen soll kommen, wer die konvertierten Titel über 12 Monate täglich rund 90 Minuten lang hört.

(Screenshot: Tinnitracks)
Ein Prototyp, so könnte die App aussehen. (Screenshot: Tinnitracks)

Das ist ambitioniert. Wenigstens muss man bei der Musikauswahl wenig Kompromisse eingehen. Bis auf ein Hörbuch, sagt Land, eigne sich praktisch jede Musikrichtung für eine Therapie. „Sogar Heavy Metal.“ Welcher Musiktitel besonders oder gar nicht zur Behandlung geeignet ist, verrät ein simples Ampelsystem in der App. Das kommt nicht nur bei der Jury gut an, die auch eifrig nachfragt, mit welchem Equipment man die App denn am besten nutze. Laut Land wird Tinnitracks bereits von über 100 Ärzten und Hörgeräteakustikern empfohlen. Und: Die Nachfrage steigt. Zahlen will Land zwar keine nennen, aber er hat noch ein Ass im Ärmel: Sennheiser. Der weltweit führende Kopfhörerhersteller glaubte schon früh an die Idee des Startups und vertreibt seit geraumer Zeit speziell für die Nutzung von Tinnitracks optimierte Kopfhörer.

Die Idee zur Gründung entstand durch Zufall

Das alles bringt Land bei seinem zweiminütigen Auftritt in nur einer Prezi-Präsentation unter. Klick, Wisch, Klick. So routiniert er seine Show auch abspult: Geplant war die Gründung eines solchen Unternehmens nie. Bis vor drei Jahren, als Mitgründer und Toningenieur Adrian Nötzel gerade an einer Abschlussarbeit schrieb und per Zufall einen Anruf von der Tinnitus-Klinik erhielt. Die Forscher glaubten an den Erfolg einer Musiktherapie, allerdings fehlte ihnen noch eine technische Lösung. Die Initialzündung für Tinnitracks. „Das“, sagt Land, „war also keine bewusste Entscheidung im Sinne von wir ziehen uns einfach mal Karohemden an und gründen eine Firma. Das war purer Zufall.“

Eindrücke von der SXSW 2015

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Ein Abo kostet 539 Euro

„539 Euro. Im Jahr. Teuer? Nicht für Land.“

Heute weiß Land genau, was er will. Schon bald sollen viele Millionen Menschen sein Produkt nutzen können. Das war bisher gar nicht einfach. Zum einen lag das an der Medizinbranche, die sich gegenüber Innovationen aus kleinen Startups nur zögerlich öffnet. Zum anderen am Preis, den Tinnitracks seinen Kunden für die Nutzung auf der Website abverlangt: 539 Euro. Im Jahr. Teuer? Nicht für Land. Er verweist auf die oft vierstelligen Nutzungspauschalen im Audiologie-Bereich. Und: Sei die Musiksammlung einmal konvertiert, könne man diese schließlich lebenslang anhören.

Dass der Preis dem Ziel eines erfolgreichen Geschäftsmodells zumindest mittelfristig im Weg steht, das weiß aber auch Land. Darum jetzt der Schritt mit der App, die Nutzern schon zum Einführungspreis für 19 Euro monatlich den Kampf gegen den Tinnitus schmackhaft machen soll. Dass Land damit auf dem richtigen Weg ist, das scheint nicht nur der große Applaus in Austin zu bestätigen, als er endlich das Mikro abgeben und aus dem Rampenlicht treten darf. 10 Minuten später verkündet die Jury das Ergebnis: Tinnitracks ist im Finale. Land darf morgen noch mal ran. Geht doch.

Update vom 16. März 2015:Tinnitracks hat den SXSW-Accelerator in Austin gewonnen.

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8 Reaktionen
Karl
Karl

Ich bin ein Tinnitus-Betroffener, aber knapp 600€ tun mir derzeit recht weh – leider. :(

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Gerhard M.
Gerhard M.

Leute mit Tinnitus werden heil froh sein, dass es was gibt, was Ihr Leiden lindern kann. Nicht jeder hat die Zeit, das Wissen, und die Muße dieses System einfach nachzubauen mit anderer Software. Aber der Preis ist wirklich etwas übertrieben. Trotzdem Danke an die Erfinder.

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Andreas Lenz

@hans: deshalb haben die auch bei einem der wichtigsten startup-events der welt nen preis abgeräumt ;)

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hans
hans

LOL, was für ein artikel ... diese app wird niemanden interessieren, nicht für das geld.

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Marian
Marian

Da frage ich mich wieder, warum ich nie auf solche Ideen komme...
Einfach, aber genial. Natürlich kann man mit einer normalen Audiobearbeitungssoftware das gleiche machen, aber der Punkt ist, dass es bisher keiner machte, zumindest nicht wirklich Massentauglich.

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George99
George99

Verstehe ich das richtig? Die Musiksammlung wird lediglich durch einen simplen Kerbfilter (notch filter) gejagt, was ich auch besser/schneller direkt am PC machen könnte?

Warum muss

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Sir_Stevie
Sir_Stevie

voll korrekt, George99
Praktisch jede Musikbearbeitungssoftware für ein paar EURO kann das.
Interessant ist auch, dass nur ganz spezielle Kopfhörer eines ganz speziellen Herstellers einen linearen Frequenzband haben - was dazu wohl die gemeinde der Headphone Hersteller sagen wird ? man darf gespannt sein.

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Sonormed GmbH

Hallo Sir_Stevie und George99,

mit Tinnitracks ist die individuelle Filterung der persönlichen Musik des Patienten erstmals zuverlässig automatisiert worden. Die einfache Bedienbarkeit stellt dabei sicher, dass auch fachfremde Anwender Ihre Musik für ihre individuelle Therapie zusammenstellen können.

Neben der individuellen Filterung der patienteneigenen Musik bietet Tinnitracks weitere Funktionen, die den zuverlässigen Einsatz der eigenen Musik zur Tinnitus-Therapie gewährleisten:

Tinnitracks bietet die Kontrolle des Therapiepotentials der therapeutisch aufbereiteten Musik, denn nicht jeder Musiktitel besitzt ein Frequenzspektrum, das die Überaktivität der mit der individuellen Tinnitus-Frequenz korrespondierenden Nervenzellen im auditorischen Cortex ausreichend hemmt.
Daher überprüft Tinnitracks jeden Musiktitel des Nutzers automatisch anhand eines neuroakustischen Modells des menschlichen Hörapparats dahingehend, ob er zur Behandlung eines Tinnitus mit der persönlichen Tinnitus-Frequenz des Patienten geeignet ist.
Das Ergebnis wird für den Patienten in einfacher Form ausgegeben: Eine rote Ampel beschreibt ein wenig geeignetes Musikstück, eine grüne Ampel ein gut geeignetes Musikstück. Dies ermöglicht die Kontrolle und ggf. den selbständigen Ausschluss therapeutisch ineffizienter Musiktitel vom Therapieplan – der Patient kann so seine eigene Musik zuverlässig zur Therapie einsetzen.

Zudem ermöglicht nur Tinnitracks die therapeutisch korrekte Speicherung der zur Therapie aufbereiteten Musikdateien im platzsparenden MP3-Format. Bisher verfügbare Verfahren zur MP3-Komprimierung verringern die therapeutische Qualität der aufbereiteten Musikdateien erheblich bis hin zum vollständigen Verlust ihrer Eignung für die Tinnitus-Therapie. Ihre Komprimierung füllt die therapeutische Frequenzkerbe im Bereich der Tinnitus-Frequenz mit Quantisierungsrauschen. Hiervon sind alle bisher verfügbaren Verfahren zur Komprimierung von verlustbehafteten Dateiformaten betroffen.
Das MP3-Encodierungs-Verfahren von Tinnitracks ist daher speziell für die neue Tinnitus-Therapie entwickelt worden. So kann Tinnitracks als einziger Anbieter die therapeutische Qualität der aufbereiteten Musik im platzsparenden MP3-Format sicherstellen.

Der Frequenzgang des für die Therapie verwendeten Kopfhörers sollte möglichst linear sein. Das bedeutet, dass er keine Frequenzbereiche verstärkt oder dämpft und somit ein vollständig neutrales Klangbild aufweist. Zu Zwecken der angenehmen Klanggestaltung sind Kopfhörer jedoch grundsätzlich nicht über den gesamten Frequenzbereich linear.
In Kooperation mit Sennheiser bietet Tinnitracks daher die optionale Entzerrung der zur Therapie eingesetzten Musik des Patienten für ausgesuchte Kopfhörermodelle an, die auch im Paket mit Tinnitracks verfügbar sind:
Die Frequenzen, die das zusammen mit Tinnitracks erworbene Kopfhörer-Modell abschwächt oder betont (z.B. Bassbetonung), werden in den zur Therapie aufbereiteten Musikdateien des Patienten von Tinnitracks entsprechend verstärkt bzw. gedämpft – der Frequenzgang wird für die Therapie präzise ausgeglichen. So können die mit Tinnitracks aufbereiteten Musikdateien über den Kopfhörer des Patienten wiedergegeben werden, ohne bestimmte Frequenzen zu betonen („linearer Frequenzgang“).
Die außerordentliche Qualität der Sennheiser-Kopfhörer garantiert durch die gleichbleibend hohe Verarbeitungsqualität und sehr geringe Bauteiltoleranz einen gleichbleibenden Frequenzgang innerhalb der jeweiligen Modellreihen. Somit sind diese Kopfhörer hervorragend für die softwareseitige therapeutische Entzerrung durch Tinnitracks geeignet und bieten damit optimale Therapievoraussetzungen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:
http://www.tinnitracks.com
http://www.tinnitracks.com/de/aktuelles/tmnmt-anbieter

Freundliche Grüße aus Hamburg

Adrian Nötzel (Sonormed GmbH)

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