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Karriere

Ein Leben ohne To-Do-Listen? Wer sich das leistet, zahlt irgendwann drauf [Debatte]

    Ein Leben ohne To-Do-Listen? Wer sich das leistet, zahlt irgendwann drauf [Debatte]

Ohne Methode hilft auch die beste Ordnung nichts. (Foto: John Dow / photocase.de)

Unser Autor Andreas Weck hält nicht viel von To-Do-Listen und Kalendern – er arbeitet lieber frei und kreativ. Sein Kollege Florian Blaschke hält ihm entgegen: To-Do-Listen ermöglichen ja gerade Freiräume – wenn man verstanden hat, wie sie funktionieren. Ein Debattenbeitrag, bei dem ihr eingeladen seid, mitzudiskutieren.

James Belushi: Jimmy Dworski. (Screenshot: YouTube)
Findet mehr als nur To-Do-Listen: James Belushi alias Jimmy Dworski in „Taking Care of Business“. (Screenshot: YouTube)

Hilflos irrt Spencer Barnes durch Los Angeles, auf der Suche nach dem Inhalt seines Lebens: seinem Filofax. Doch den hat der aus dem Knast ausgebrochene Autodieb Jimmy Dworski gefunden – und macht sich damit nicht nur ein schönes Leben, sondern auch Karriere. „Taking Care of Business“ ist ein klassisches Buddy-Movie, in dem Barnes stellvertretend für den modernen Menschen steht, der ohne ein gewisses Maß an Organisation und Informationsmanagement aufgeschmissen ist. In seinem Filofax nämlich sind nicht nur seine Kreditkarten, Termine und Kontakte, sondern auch eine Liste mit „Power Words“ – heute würde man vielleicht Buzzwords sagen –, mit denen der Geschäftsmann sich seinen Erfolg sichert: „Excellence“ beispielsweise, „superfluous“ (überflüssig) oder „supersede“ (ersetzen). Und in einer Welt, in der Aufgaben komplexer und Workflows agiler werden, geht es vielen von uns in anderem Maßstab tagtäglich so wie ihm: Wir brauchen Halt – und den bekommen wir in Form von To-Do-Listen und Kalendern.

„Es gibt auch Menschen, die auf solchen Schnickschnack verzichten können: Manager, Prominente, Millionäre.“

Natürlich gibt es Menschen, die es sich leisten können, auf solchen Schnickschnack zu verzichten. Hochrangige Manager etwa, Prominente, Millionäre. Sie alle haben Assistentinnen und Assistenten, die für sie Termine regeln und niedere Aufgaben erledigen – und ohne sie wären viele dieser Menschen wahrscheinlich ähnlich aufgeschmissen wie Barnes. Wer sich diesen Luxus aber nicht leisten kann, tut gut daran, seinem Leben ein bisschen Struktur zu geben. Warum? Weil erst Struktur Freiheit ermöglicht.

Natürlich hilft es nichts, To-Do-Listen um ihrer selbst willen zu pflegen, und wer seine Listen immer nur füllt und füllt und füllt, ohne jemals etwas abzuarbeiten, wird schnell vor einem schier unüberwindbaren Berg an Aufgaben stehen. Doch wer To-Do-Listen als Hilfsmittel begreift, für das es zudem ein paar nützliche Workflows gibt, wird schnell merken, wie viel leichter das Leben wird.

To-Do-Listen und Kalender: Kulturwandel im Kopf

Viele Menschen dürften dabei daran scheitern, dass sie einfach nur Aufgaben untereinander schreiben, ohne Methode und ohne Logik. Dass das auf Dauer stupide wirkt und eher einengt? Kein Wunder. Doch wer sich schon mal mit dem Getting-Things-Done-Prinzip oder der OKR-Methode auseinandergesetzt hat, wer in größerem Maßstab mit Kanban, Scrum oder Kaizen arbeitet, der weiß, dass Listen und Kalender nur Werkzeuge sind.

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„To-Do-Listen und Kalender ermöglichen es mir ja gerade erst, kreativ zu sein“, meint Florian Blaschke.

Sie müssen methodisch genutzt werden, um ihre Kraft entfalten zu können – und dann ermöglichen sie es uns, den Kopf wirklich frei zu bekommen. Methoden aber bedeuten Umstellung, für sie müssen wir lieb gewonnene Gewohnheiten über den Haufen werfen und die Art und Weise, Dinge nach Schema F zu erledigen – oder so, wie wir es in der Schule gelernt haben – hinter uns lassen. Das kostet anfangs Mühe und macht nicht immer Spaß – wer aber den inneren Schweinehund besiegt und die ersten Schritte getan hat, wird merken, wie der Kopf frei wird, wie das ständige Kreisen um die nächste Aufgabe, um die Fragen, welcher Task heute der wichtigste sein könnte und was man diesen Monat erreichen will, langsamer wird.

Und irgendwann ist es dann da, das Gefühl, sich jetzt um die wirklich wichtigen Dinge kümmern zu können. Dann ist er frei, der ohnehin schon nicht allzu große Arbeitsspeicher im Kopf, dann ist da Platz für kreatives Denken und positive Produktivität, statt für bürokratische Listen und stupide Erinnerungen. Wer aber zu faul ist, sich dem inneren Schweinehund zu stellen und es sich leistet, die eigenen Gewohnheiten nicht zu hinterfragen, wird irgendwann einen teuren Preis zahlen. Er wird eingeholt werden von dem, was das kreative Gehirn einst als zu irrelevant beiseite geschoben hat. Und während er dann mit dem Organisations-Chaos kämpft, ziehen diejenigen, die nach vorne schauen können, an ihm vorbei.

Zu spät sollte man mit diesem Kulturwandel im Kopf übrigens nicht anfangen. Denn was Hänschen nicht lernt ...

Schon gelesen? Im ersten Teil der Debatte beschreibt Andreas Weck die Nachteile von To-Do-Listen aus seiner Sicht.

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6 Reaktionen
AndreasAt99
AndreasAt99

Ich käme ohne Todo-Liste oder irgendwas in der Art nicht aus. Sobald man einigermassen selbsbestimmt arbeitet und nicht immer ungefähr dasselbe zu tun hat geht es kaum ohne, glaube ich.
Ich könnte jedenfalls nicht ohne mein "Personal Kanban" auskommen. Ich nutze es seit Jahren und es hilft mir sehr.
Mehr dazu da:
http://99-developer-tools.com/personal-kanban-kanbanpad/

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Florian Bluhm
Florian Bluhm

Ich teile die Auffassung von Florian Blaschke. To-Do-Listen und Organisationssysteme sind nur Werkzeuge - Mittel zum Zweck. Ich setze schon seit geraumer Zeit GTD ein und habe durch eine gewisse Übung darin mir mittlerweile sehr viele Freiräume geschaffen. Wichtig dabei ist auch der Freiraum "Nein" oder "Später" zu sagen. Somit ist das System auch eine Hilfe für selbstbestimmtes Arbeiten. Es entbindet nicht von der eigenen Prioritätensetzung - auch in einem GTD kann man sich mit Nichtigkeiten beschäftigen. Ich habe da Prinzip für mich mittlerweile so verinnerlicht, dass ich das Pflegen von To-Do-Listen gar nicht mehr als Arbeit empfinde. Ganz im Gegenteil: Ich bin immer skeptisch, wenn Mitmenschen sagen, dass sie etwas erledigen wollen, es dann aber nicht aufschreiben. ;)

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Frank
Frank

Eine ToDo soll nicht die Liste sein die man abarbeiten muss sondern das Backlog für spätere Aufgaben die man erst einmal aus dem Kopf haben will.

Ich habe in drei Stufen. Aktuelle Aufgaben erledige ich im Bugtracker. Kommende Aufgaben in einer ToDo und spätere in einem Backlog.

Mein Kopf istr immer frei für aktuelle Sprintlogs.

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Dare Devil
Dare Devil

Nur das Chaos führt zum Erfolg. Wer sich selbst durch vermeintliche Organisation davon ablenkt, wie trist und grau das eigene Dasein ist, wird wahre Erleuchtung nie erreichen.

Wenn ToDo-Liste, dann gibt es nur eine:

Tätowiert euch die wirklich wichtigen Dinge gleich auf die Haut oder nutzt Branding oder was auch immer. Nur dann ist es wichtig genug und findet genügend Beachtung.

Aber eines noch:

wählt den Ort mit Bedacht. Ich muss mir meine Einkaufsliste jetzt immer vom Arsch im Spiegel ablesen... gar nicht gut.

In diesem Sinne

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Amadeus Paulussen
Amadeus Paulussen

Ich stelle das Prinzip und das grundsätzliche Funktionieren von To-Do-Listen für mich selber nicht infrage. Ich fühle mich top organisiert – und dadurch natürlich auch erleichtert bzw. "entlastet".

Was sich mit diesem Prinzip aber gegenläufig ebenfalls potenziert, ist die Abhängigkeit von Technologie.

Und darüber mache ich mir in dem Kontext schon Gedanken. Also, ob dadurch, dass ich sämtliche Dinge immer gleich ordne, plane, vormerke etc., meine eigenen Fähigkeiten, mir Dinge zu merken etc. dezimiert werden. Abgesehen davon, dass auch eine sauber und nach Regeln geführte To-Do-Liste irgendwann zu gross und unüberwindbar werden kann. Speziell in einer schnelllebigen Branche wie dem Internetbusiness, wo halt oft auch Dinge passieren, die man nicht planen konnte.

Ob durch das "organisiert sein" die Passion oder die Freude an der Arbeit leiden, ist noch einmal ein anderes Thema – irgendwie will die Flut an Dingen aber halt erledigt sein…

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Lars Budde

Ich glaube, das muss gar nicht sein. Als David Allen sein GTD-Prinzip zum ersten Mal niederschrieb, basierte es auf Notizkarten. Ich bin froh, heute nicht mehr lauter Karten, sondern nur noch ein Handy mitschleppen zu müssen.

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