How to: Editor VIM als Entwicklungsumgebung nutzen, Teil 2

Im ersten Teil des How-tos ging es um die grundlegenden Funktionen des VIM-Editors und wie ihr den Editor an eure Bedürfnisse anpassen könnt. In diesem Teil möchte ich euch den Visual Mode näher bringen und das erste kleine Plugin zeigen und wie man es installiert. Viel Spaß dabei.

Der Visual-Mode von VIM

Der Visual-Mode ist sehr wichtig, um wirklich produktiv und schnell mit VIM arbeiten zu können. Diese Funktionalität ist für mich das Feature, das die Arbeit um einiges erleichtert und schnell macht. Wechseln vom Standard-Mode in den Visual-Mode könnt ihr mit der Taste „v“. Dort könnt ihr nun mit den Pfeiltasten anfangen zu markieren. Ihr könnt aber statt der Pfeiltasten auch die Tasten „HJKL“ benutzen, was sich zum Beispiel auf Netbook-Tastaturen als ganz nützlich erweist. Nach einiger Zeit kann es passieren, dass ihr intuitiv lieber diese vier Tasten nutzt.

Wenn ihr nun einen bestimmten Bereich markiert habt, kann es sein, dass ihr am oberen Teil noch etwas hinzufügen wollt. Dafür müsst ihr nur mit der Taste „o“ die Ecken wechseln. Weiterhin könnt ihr mit dem Befehl „aw“ im Visual-Mode ein ganzes Wort markieren.

Um nun allgemein mit markierten Bereichen zu interagieren, gibt es verschiedenen Varianten. Mit „d“ löscht , mit „y“ kopiert und mit den Zeichen „<“ und „>“ rückt ihr den markierten Text ein. Mit der Tilde-Taste „~“ könnt ihr den Editor auch anweisen, alle markierten Worte groß zu schreiben.

In allen Skript- und Programmiersprachen werden Klammern „()“ (engl.: „Braces“) und geschweifte Klammern „{}“ (engl.: „Brackets“) genutzt und es ist oft sinnvoll, einen gesamten Bereich innerhalb dieser Klammern zu markieren. Wenn euer Cursor sich in einem Block einer solcher Klammer befindet, markiert ihr diese mit „ib“ für Braces und mit „iB“ für Brackets. Wollt ihr beim Markieren die Klammern mit einschließen, nehmt ihr statt dem „i“ einfach ein „a“.

Copy and Paste

Den Befehl „y“ könnt ihr auch außerhalb des Visual-Mode nutzen. Wollt ihr zum Beispiel eine ganze Zeile kopieren, nutzt ihr einfach im Standard-Mode den Befehl „yy“ und der Editor fügt die gesamte Zeile in die Zwischenablage ein. Diese Zwischenablage ist aber nur vom VIM-Editor selbst zu erreichen und nicht von anderen Programmen. Wenn Ihr mehrere aufeinander folgende Zeilen kopieren wollt, dann nutzt den Befehl „5yy“, wobei Ihr statt der 5 die gewünschte Anzahl der Zeilen eintragen könnt. Anschließend einfügen könnt ihr die markierten Zeilen mit dem Befehl „p“.

VIM-Plugin NERDTree: Dateien- und Ordnerübersicht

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Das VIM-Plugin NERDTree im Einsatz

Zu einer richtig guten IDE fehlt aber noch einiges. Zum Beispiel eine Datei- und Ordnerübersicht. Hier kommt „NERDTree“ ins Spiel. NERDTree ist eine bequeme Datei- und Ordnerverwaltung, in der ihr sogar Bookmarks anlegen könnt. Der Installationsvorgang ist denkbar einfach, wenn wir git nutzen. Da man als fortgeschrittener User früher oder später nicht mehr an einer Versionsverwaltung vorbeikommt, wird bei den meisten schon git installiert sein. Eine Installationsanleitung wäre aber vielleicht zu viel für diesen Artikel und dafür gibt es schon genügend Anleitungen. Alternativ könnt ihr auch einfach den NERDTree unter https://github.com/vim-scripts/The-NERD-tree downloaden. Zuerst wechselt ihr in euer Homeverzeichnis mit:

cd ~

als nächstes kopiert ihr die Version von NERDTree mit folgendem Befehl in das aktuelle Verzeichnis:

git clone https://github.com/vim-scripts/The-NERD-tree.git

Nachdem der Kopiervorgang beendet ist, müsst ihr zuerst noch einen Ordner namens .vim in eurem Homeverzeichnis erstellen, in dem alle Plugins gespeichert werden. Das macht ihr mit folgendem Befehl:

mkdir .vim

Nun müsst ihr nur noch die Dateien aus dem Ordner „The-NERD-Tree“ in das Verzeichnis .vim kopieren, mit folgendem Befehl:

cp -R The-Nerd-Tree/* .vim/

Jetzt müsst ihr nur noch das Plugin aktivieren. Das funktioniert ganz automatisch, doch muss noch im jeweiligen Homeverzeichnis in der Datei .vimrc folgende Zeile hinzugefügt werden:

filetype plugin on

Nun ist der NERDTree aktiviert. Wenn ihr jetzt eine Datei in VIM öffnet, ändert sich zuerst nichts, doch nachdem ihr im Standard-Mode den Befehl „:NERDTree“ (Groß-Kleinschreibung bitte beachten) eingeben habt, öffnet sich der NERDTree auf der linken Seite und ihr könnt durch eure Dateistruktur gehen. Mit der Enter-Taste öffnet ihr Ordner und Dateien. Mit der Taste „s“ könnt ihr einen Vertical-Split einfügen, also zwei Fenster nebeneinander öffnen. NERDTree hat sehr viele Funktionen, ihr könnt euch aber alle stets mit dem Befehl „?“ anzeigen lassen, wenn ihr euch im NERDTree befindet. Zurück zur Übersicht kommt ihr ebenfalls mit „?“.

Wechseln zwischen den geöffneten Fenstern und NERDTree könnt ihr mit dem Befehl [cmd]+w und anschließend die passende Pfeiltaste für die Richtung zum Springen. NERDTree schließen könnt ihr mit dem Befehl „NERDTreeClose“.

Ich hoffe meine Anleitung war nicht allzu kompliziert. Was möchtet Ihr als nächstes sehen? Mehr Plugins, mehr Funktionen oder eine Installationsanleitung für git? Habt ihr bereits angefangen, VIM intensiver zu nutzen oder seid ihr nach wie vor nicht überzeugt?

Weiterführende Links:

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4 Answers

  1. von El Superbeasto via facebook 04.07.2011 (14:48Uhr) 1.

    Zwei Anmerkungen: Mit Shift-v wechselt man in den "visuellen Zeilen-Modus", hier markiert man dann immer ganze Zeilen. Mit STRG-v wechselt man in den "visuellen Block-Modus". In diesem Modus kann man Blöcke innerhalb des Dokuments markieren und so beispielsweise Korrekturen mittend innerhalb von x Zeilen sehr schnell vornehmen. Gerade der Block-Modus ist in diesem Zusammenhang in meinen Augen etwas, das vim allen mir bekannten (!) anderen Editoren voraus hat. Wenn man sich mal dran gewöhnt hat annähernd unverzichtbar :)

  2. von Gregory Igelmund 04.07.2011 (21:03Uhr) 2.

    Hinweis zu Plugins in VIM:

    Anstatt Plugins wie NERDTree manuell zu verwalten, bietet sich die Verwendung des Plugins Pathogen von Tim Pope an. Dieses Plugin ermöglicht eine zentrale Pflege von VIM Plugins (im bundle-Ordner), so wie man es sich wünscht und kann die ansonsten notwendige und unpraktische Verteilung der einzelnen Dateien in verschiedene Unterordner innerhalb des VIM-Verzeichnes umgehen.

    Zur einfachen Aktualisierung und Installation der Plugins bietet sich außerdem die Verwendung des Skripts "autoload" von Tammer Saleh an.

    Mehr Infos zu beidem unter: http://tammersaleh.com/posts/the-modern-vim-config-with-pathogen

  3. von Tim Kraut 07.07.2011 (00:20Uhr) 3.

    Einige Worte zu sinnvollen Grundeinstellungen und/oder wie man seine Farbschemen anpassen kann (abgesehen von den bereits vorhandenen z.B.). Das würde vielleicht auch die Einstiegshürde ein bisschen geringer machen...

  4. von Welche IDE zur PHP Programmierung | Welt… 19.07.2011 (20:44Uhr) 4.

    [...] sind dank der großen Community von Eclipse besser. Für echte Nerds ist es auch möglich vim als IDE zu nutzen. Hab ich noch nicht [...]

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