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TrapIt: Endlich ein Newsreader ohne Social-Media-Gedöns!

Mit TrapIt geht ein neuer Newsreader an den Start, der statt wie viele andere bei der Personalisierung der Inhalte nicht auf die Newsstreams von und setzt. Dafür baut TrapIt auf einen intelligenten Contentfilter, der nach eigenen Angaben mehr als 50.000 Quellen nach persönlichen Interessen und Trendthemen durchsucht. Damit sollen dann auch Inhalte einfließen, die den Interessen der Nutzer entsprechen, aber nicht zwingend in deren Social Streams auftauchen.

TrapIt: Endlich ein Newsreader ohne Social-Media-Gedöns!

TrapIt will den intelligenteren Filter anbieten

Seit wir in die Phase des Mitmachwebs eingetaucht sind, in der jeder Nutzer nicht nur Empfänger, sondern auch Sender sein kann, ist immer wieder von einer Informationsflut die Rede. Nun kann man sich darüber streiten, ob es diesen „Information Overflow“ überhaupt gibt. Denn die einen halten ihn eher für eine eingeschränkte Sichtweise: Ähnlich wie beim Gang in die Stadtbibliothek, wird man eh nie alle Inhalte lesen können - was aber auch nicht schlimm ist, weil nicht alle Inhalte für jeden gleichermaßen interessant sind. Für diese Fraktion kommt es also nur auf die Filter an, die die interessanten von den weniger interessanten Inhalten trennen.

Die anderen fühlen sich von der Masse an Inhalten, die über die verschiedenen Kanäle auf sie einströmt, schlicht überfordert. Das hängt auch damit zusammen, dass Plattformen wie Facebook und Twitter die Inhalte heute zum Leser bringen, ohne dass er danach suchen müsste. Das war früher anders, als die Weiten des Webs lediglich durch Suchmaschinen erschlossen werden konnten und die Leser aktiv auf die Inhalte zugehen mussten. Aber auch für diese Nutzer sind Filter der Ausweg aus ihrem Dilemma.

Nun gibt es bereits einige dieser Contentfilter oder auch Aggregatoren, die dabei sehr oft auf die persönlichen Streams der jeweiligen Nutzer basieren. Und warum auch nicht? Die Streams lassen sich via API leicht abgreifen und haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie bereits Abbilder der Interessen des Nutzers darstellen. Aufwändige Techniken zur Identifizierung von Inhalten, die für einen ganz speziellen Leser interessant sein könnten, sind somit gar nicht mehr notwendig.

TrapIt will dein personalisierter Newsreader werden...

TrapIt hat einen komplett anderen Ansatz. Statt die Facebook- und Twitter-Streams zu nutzen, setzen die Macher auf eine lernfähige Technologie, die sogar kognitive Fähigkeiten mitbringen soll. Hervorgegangen ist sie aus einem Projekt mit dem Namen CALO (Cognitive Assistant that Learns and Organizes), das von der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) mit 200 Millionen US-Dollar gefördert wurde. Aus dem Projekt CALO ist übrigens auch der virtuelle Assistent Siri entstanden, den später Apple übernommen hat.

Erste Eindrücke von TrapIt

Wirklich hoch sollten die Erwartungen an ein lernfähiges System am Anfang nicht sein, noch dazu, wenn es sich um eine Beta handelt. Das hört sich im Zusammenhang mit einem intelligenten Filter erst einmal komisch an, ist aber eigentlich logisch: Die Intelligenz von TrapIt beruht eben nicht auf fertige Fähigkeiten, sondern auf der Lernfähigkeit des Sytems.

Später soll TrapIt frei zugänglich werden, derzeit braucht man eine Einladung. Bis dahin sollten die zehn Mitarbeiter von TrapIt auch noch an der einen oder andere Baustelle arbeiten. Dennoch finde ich den Ansatz sehr interessant und die Oberfläche von TrapIt sieht schon recht schick aus (siehe Bildergalerie unten).

Aber letztlich reichen ein guter Ansatz und eine schicke Optik nicht aus, auf die Inhalte kommt es an. Für neue Nutzer gibt es zunächst einmal die Rubriken „Featured Traps“ und „Trending Traps“. Die vordefinierten Featured Traps sind dabei nochmals in die Kategorien News, Entertainment, Lifestyle, Health, Science, Sports, Business und Technology unterteilt. Zudem gibt es eine Gesamtansicht mit den wichtigsten Inhalten aus allen Kategorien. Viel wichtiger ist aber die Möglichkeit eigene Traps mit eigenen Themen anzulegen. Wer beispielsweise Artikel zum Thema Social Media sucht, der gibt einfach „Social Media“ als Suchbegriff ein und bekommt nach kurzer Wartezeit einen Social-Media-Trap. So einfach wie das jetzt klingt, ist es in der Praxis dann aber doch nicht. Eigentlich fängt die Arbeit für den Nutzer jetzt erst an, denn mit den persönlichen Bewertungen der einzelnen Artikel lässt sich ein Trap weiter verfeinern, bis er dann irgendwann wirklich personalisiert ist.

Per Mouse-over-Effekt werden die Teaser der Artikel eingeblendet, so dass man neben der Überschrift schon vor dem Klicken einen kleinen Einblick in die genaue Thematik bekommt. In der Einzelansicht erhält jeder Artikel einen TrapIt-Rahmen, über den die Social Features nutzbar sind und mit dem man einfach zwischen den verschiedenen Artikeln eines Traps hin und her blättern kann. Das funktioniert bei mir im Test recht flüssig und macht Spaß, weil man wie in einem Magazin blättern kann.

Sehr schön ist die integrierte „Read-it-Later“-Funktion, mit der man interessante Artikel, die man nicht gleich lesen kann oder sich einfach so für später merken möchte, in eine eigenständige Liste befördern kann. Daneben gibt es als Social Features dann auch noch einen Button zum Teilen der Inhalte bei Facebook und Twitter sowie die schon angesprochene Möglichkeit, Artikel positiv oder negativ zu bewerten. Diese Bewertungen werden dann für den Lernprozess genutzt, so dass man sie gerade anfänglich möglichst oft und bewusst nutzen sollte. Bei einer negativen Bewertung kann man übrigens eine Quelle auch komplett für einen selbstangelegten Kanal entfernen.

Was TrapIt noch fehlt

Wie bei einer Beta nicht anders zu erwarten, ist bei TrapIt noch einige Arbeit zu leisten, damit daraus ein wirklich guter Newsreader wird. Hier einige Dinge, die mir bei meinem kurzen Test aufgefallen sind:

  • gelegentlich fehlen den Inhalten die Bilder
  • mein Test-Trap „Social Media“ beinhaltete einen Artikel von heute und fünf Artikel, die zwischen 4 und 15 Tage alt waren. Das ist mir zu wenig Masse und zu wenig aktuell.
  • weitere Filtermöglichkeiten, beispielsweise nach Zeit, Quellen und weiteren Schlagwörtern fehlen noch
  • eigene Traps lassen sich nicht mit anderen teilen
  • die genutzten Quellen lassen sich nicht einsehen
  • tägliche Zusammenfassungen oder Alerts könnten eine regelmäßige Nutzung erleichtern

Fazit: TrapIt hat viel (noch) verborgenes Potenzial

Das Fazit meines zugegebenermaßen recht kurzen Tests fällt gemischt aus. Ich mag die Vorstellung via TrapIt auch Perlen aus den Weiten des Netzes zu fischen, die ich über meine Social-Media-Kanäle nicht bekommen würde. Ob das nicht nur Theorie ist, sondern auch praktisch möglich sein könnte, kann ich zur Zeit leider noch nicht beurteilen. Dazu muss ich TrapIt über einen längeren Zeitraum nutzen und einen Einblick in die Quellen bekommen. Könnte man dann noch eigene Quellen einbinden, dann hätte der neue Newsreader sicher einen festen Platz in meinem täglichen Workflow.

Aber vielleicht kommen diese Features dann ja auch mit einem Premium-Account, bei dem dann vielleicht sogar Paid Content enthalten sein könnte. Das jedenfalls scheint mir der vernünftigste Ansatz für eine Monetarisierung zu sein.

Ich werde TrapIt in den kommenden Tagen und Wochen weiterhin nutzen und dabei sehr genau schauen, ob die Ergebnisse qualitativ und quantitativ besser werden.

Wie sieht es denn bei euch mit den personalisierten Newsreadern aus? Seid ihr da schon mit einem Tool glücklich oder wäre TrapIt was für euch?

Weiterführende Links:

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Eine Antwort
  1. von Neue Reader am 21.06.2011 (15:12 Uhr)

    Hier würde man vermutlich gleich abgemahnt oder verboten werden wenn man nicht pro Link und natürlich pro User eine Abgabe bezahlt.

    CopyPasten von Agenturmeldungen ist schliesslich eine relevante geldwerte Tätigkeit die dem Erwerb von Dr-Titeln durch die allerbesten Parteimitglieder nahekommt... .

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