Traue keiner Statistik: Was bedeutet eigentlich „mobile Nutzung“ von Smartphones?

Traue keiner Statistik: Was bedeutet eigentlich „mobile Nutzung“ von Smartphones?
Aktuelle Zahlen belegen auf den ersten Blick, dass in den USA der webbasierte Musikkonsum die zurzeit am stärksten wachsende Nutzungsform bei Smartphones ist, und in Deutschland scheint dieser Anwendungsbereich ebenfalls längst etabliert zu sein. Stimmt das?

 

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(Foto: tmray02 / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Laut des jüngst veröffentlichten Comscore-Quartalsbericht zur Nutzung mobiler Endgeräte  für den US-amerikanischen Markt wuchs das „ webbasierte Musikhören“ von Februar bis Mai 2012 stärker als jede andere Nutzungsart in diesem Zeitraum. Gemäß dieses Berichts würden von den ca. 314 Mio. US-Amerikanern 234 Millionen Personen über 13 Jahren ein Smartphone nutzen.

Starkes Wachstum in den USA

Der Anteil an mobilen Musikkonsumenten im genannten Zeitraum sei dabei um 5,15 Mio (2,2%) von 58,03 Mio (24,8%) auf 63,18 Mio (27,0%) Nutzer gestiegen. Zum Vergleich: Die nächststärkste Wachstumskategorie  „Played Games“ kann lediglich ein Wachstum von 3,58 Mio (1,6%) von 75,35 Mio (32,2%) auf 78,93 Mio (33,5%) Nutzer verzeichnen.

Deutschland als Vorbild

Eine vergleichbare Studie zur Nutzung mobiler Internet-Angebote für den deutschen Markt aus dem Jahr 2011 deutet an, dass die Penetrationsrate beim webbasierten Musikkonsum über mobile Endgeräte in Deutschland sogar bereits bei 36% der „Handy-Nutzer“ liegen würde.

Gemäß dieser  Zahlenspiele wäre Deutschland ein Vorreiter in dieser Entwicklung, und das trotz der hiesigen Barrieren durch Auseinandersetzungen zwischen Musik-Anbietern, Vertriebsplattformen und der Verwertungssgesellschaft GEMA.

Kritik an den Statistiken

Ob und in wieweit webbasierter Musikkonsum über tatsächlich auf dem Vormarsch ist, lässt sich anhand dieser Umfragen und Studien jedoch gar nicht belegen. Dem Comscore-Report fehlt es an Aussagekraft, da weder die Erhebungsverfahren noch Stichprobengröße angeführt werden. Weiterhin mangelt es an Akkuratesse:

Es wird einerseits in den Erläuterungen jeweils unterstellt, dass es sich allgemein um „Web-Nutzung“ handelt. Die  Kategorie  „Listened to music on mobile  phone“ differenziert jedoch nicht zwischen einer mobilen Nutzung (durch Streaming und Downloads, die  tatsächlich über das mobile Gerät erfolgen) und einem möglichen Nutzen des Gerätes als reiner MP3-Player (Downloads erfolgen am Rechner und werden lediglich überspielt). Für die Kategorie „Played Games“ gilt das Gleiche. Zudem ist für die Kategorie  „Used Browser“ unklar, ob und inwieweit bei der Erhebung zwischen Web- und In-App-Browsing differenziert wurde (für Laien unter den Befragungsteilnehmern schwer zu unterscheiden, sofern dies nicht explizit abgegrenzt wird). Das tatsächliche Nutzungs-Verhalten lässt sich also darüber nicht erfassen.

Die Allensbachs-Studie für den deutschen Markt hat ebenfalls Mängel: Eine Kategorie „Gaming“ ist gar nicht erst aufgeführt (Befragungsteilnehmer neigen zu höherer Zustimmung/Ablehnung in einzelnen Kategorien, sofern andere „Items“, die  ihnen eigentlich wichtig wären, gar nicht erst abgefragt werden sind), zudem wird auch hier wieder keine Trennung zwischen Download und Streaming vorgenommen und nicht zwischen einer „Nutzung als“ und „ Beschaffung und Ausführung mit“ unterschieden.

Fazit: Mobile Nutzung ist nicht gleich „Mobile Nutzung“

Die Möglichkeiten, die moderne mobile Endgeräte bieten – vom reinen Abspielgerät bis hin zur vollwertigen Media-Station für die Hosentasche – werden bisher von Demoskopen oftmals nur unzureichend erfasst. Entsprechende Daten werden letztlich nur zu groben Clustern zusammengefügt, deren Aussagegehalt zur Beantwortung der Frage „Wie mobil werden mobile Geräte denn nun eigentlich genutzt?“ wenig beitragen können.

Bezüglich der Erhebungs-Verfahren drängt sich bei diesen – und oftmals auch bei Statistiken anderer Demoskopen – das Gefühl auf, dass deren Fragekataloge und Messmethoden noch auf dem Stand von 1999 stehen würden. Als Mobilität noch mit „SMS“ gleichgesetzt wurde.

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3 Antworten
  1. von Off line gibts dort nicht 03.07.2012 (21:28Uhr) 1.

    Bei der nonliner-Meldung vor 2-3 Wochen gabs die Meldung von ich glaube 5% Nutzung am Mobilfunk-Netz in Deutschland und ich glaube ähnlich viel bei Kabel-TV-Internet. Das fand ich mal interessanter als US-Zahlen.

    In den USA macht es auch wenig unterschied weil dort praktisch "überall" WiFi verfügbar sein soll welches man wohl zu 50% (irgendeine andere Statistik) mal eben mitbenutzen kann. Evtl unterscheiden die daher nicht weil es dort keinen Unterschied macht und man Internet überall kriegen kann. Offline gibts dort bei den "coolen Kids" nicht.

    Bei manchen Umfragen geht es auch nur um die Geräteklasse von wegen Werbung (Phone, 7", 10" Pad, 15"-17" Laptop, 23" Desktop, 40" TV) und Distributions-Kanälen...

  2. von Johannes Johannsen via facebook 03.07.2012 (21:30Uhr) 2.

    Laut Wikipedia liegt die Bevölkerung in den USA (Juni 2011) bei rund 311 bzw. in 2012 bei unter 314 Millionen.

  3. von Karsten Werner 03.07.2012 (22:45Uhr) 3.

    @Johannes Johannsen: Census

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