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Kolumne

Trojanisches Pferd: Das Smart Home wird Wirklichkeit – anders als man denkt

    Trojanisches Pferd: Das Smart Home wird Wirklichkeit  – anders als man denkt
(Bild: Shutterstock)

Trotz aller Anstrengungen der Branche, das Konzept des Smart Home anzupreisen: Die Mehrzahl der Konsumenten ließ das vernetzte Heim bislang kalt. Doch gerade ändert sich etwas, wie Martin Weigert in seiner Kolumne Weigerts World feststellt.

Trotz mindestens einem Jahrzehnt gefüllt mit hohen Erwartungen hat sich das Smart Home bislang nicht auf breiter Front durchsetzen können. Die Mehrheit der Mieter und Eigenheimbesitzer selbst in den am meisten entwickelten Ländern muss weiterhin den Lichtschalter betätigen, weiterhin im Supermarkt grübeln, ob noch Milch im Kühlschrank steht, weiterhin die Wohnungstür mit einem physischen Schlüssel öffnen, weiterhin die Heizung manuell regulieren und sie ist weiterhin ahnungslos darüber, wieviel Strom sämtliche Apparate zu einem beliebigen Zeitraum verbrauchen.

Mehr erwarteter Aufwand als Vorzüge

Die Tür per Smartphone öffnen? Das ist für viele heute noch nicht die Realität. (Foto: Shutterstock
Die Tür per Smartphone öffnen? Das ist für viele heute noch nicht die Realität. (Foto: Shutterstock

Augenscheinlich hält sich das Interesse der Konsumenten an derartigen Möglichkeiten in Grenzen. Beziehungsweise: Die erwarteten Vorzüge werden als geringer eingeschätzt als der prognostizierte Aufwand der Beschaffung und Installation. In der Kosten-Nutzen-Analyse schneidet das Smart Home aus Sicht der Verbraucher schlicht sehr schlecht ab.

Doch etwas ändert sich gerade. Auch wenn das „traditionelle“ Konzept des intelligenten Heims – mit dem Internet verbundene Haushalts- und Elektrogeräte – die meisten Menschen kalt lässt, erhalten eine wachsende Zahl an Heimen derzeit „Upgrades“ in Sachen Vernetzung und Smartness: in Form von persönlichen digitalen Geräten, die ideal für die Anwendung in den eigenen vier Wänden sind, ohne spezifisch unter dem Label des „Smart Home“ und ohne Bezugnahme auf dessen typische Eigenschäften vermarktet zu werden.

Das Smart Home kommt – anders als man denkt

Die treibende Kraft dieser Entwicklung ist Amazons smarte Box Echo. Echo dient in erster Linie dazu, per Sprachbefehlen breite digitale Bedürfnisse der Anwenderschaft zu erfüllen: Musik hören, Shopping, Wetterberichte, Informationsabfragen. Echo bietet aber auch eine große Zahl an Integrationen mit Smart-Home-Apparaten und -Marken. Nutzer kaufen sich Echo nicht, um damit ihre heimischen Lampen ein- und ausschalten zu können. Steht die kleine Box aber erst einmal auf dem Tisch, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Gadget schließlich doch auch zur Fernsteuerung von Elektro- und Haushaltsgeräten einsetzen.

Andere Beispiele für Geräte, die dem Heim Intelligenz verleihen, ohne dabei aktiv auf die Philosphie des Smart Home zu setzen, sind etwa die neue Generation von smarten WLAN-Routern, smarte Waagen à la Withings, Amazons minimalistischer Shopping-Button Dash oder digitale, mit dem Internet oder Smartphone verbundene Musiksysteme wie Sonos, Bose Soundtouch oder Jawbones Jambox.

Trojanische Pferde

Gemeinsam haben diese Gadgets eine hohe Portabilität, einen in der Regel vergleichsweise günstigen Preis (mit Ausnahme mancher Hifi-Lösungen), minimalen Installationsaufwand sowie Netzfähigkeit (über Bluetooth und/oder WLAN). Aber vor allem auch die Eigenschaft, existierende Nutzerbedürfnisse auf eine für die Heimanwendung optimierte Art und Weise zu erfüllen. Bedürfnisse im Bezug auf Unterhaltung, Kommunikation, Informationsbeschaffung, Produktivität und Shopping.

Das Smart Home kommt bei vielen durch die Hintertür. (Foto: Shutterstock)
Das Smart Home kommt bei vielen durch die Hintertür. (Foto: Shutterstock)

Die Gerätekategorie fungiert als Trojanisches Pferd für das Smart Home. Sie zielt auf die Befriedigung primärer digitaler Bedürfnisse der Konsumenten ab, die unabhängig von der eigenen Wohnung bestehen, liefert aber den Beleg dafür, wie sich im eigenen Heim Nutzerkomfort und Usability steigern lassen. Von da ist der Schritt zur Verwirklichung der Smart-Home-Fähigkeiten aus dem Bilderbuch dann weitaus kleiner, wie insbesondere die Echo-Box verdeutlicht.

Wie es von hier an weitergeht, welche Anbieter am Ende das Smart Home dominieren werden und ob dezentrale oder zentrale Systeme beziehungsweise offene Plattformen oder geschlossene Ökosysteme schließlich siegen, ist bislang offen. Doch fest steht, dass das Smart Home am ehesten dann Realität wird, wenn die wirklichen Bedürfnisse der User in den Mittelpunkt gerückt werden, nicht am Marketing-Reißbrett erschaffene, theoretische Visionen. Alles weitere kommt dann von ganz allein.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Hier könnt ihr dem Autor auf Twitter folgen.

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5 Reaktionen
marbach_academy
marbach_academy

Glaubt man den Herstellern, könnte z. B. mit programmierbaren Heizkörperthermostaten bis zu 30 % Heizkosten gespart werden (Quelle http://heizkoerperthermostat-wlan.com). Sicher wird zugrunde gelegt, dass man bei den herkömmlichen Thermostaten Tag und Nacht nicht runterregelt. Programmiert man sie, können die eigenen Abwesenheiten ja hinterlegt werden und dann wird halt weniger geheizt.

Vor dem Hintergrund, dass wir alle Technik lieben und sich so ganz easy die Heizungssteuerung über eine App programmieren lässt, eine tolle Sache.

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Frank Panser
Frank Panser

Ich denke auch, dass es bei den Nutzern noch ein subjektives Unbehagen gibt, wenn Technik soweit in die "Privatsspähre" eingreift. Auch wenn Sociale Netzwerke und Suchmaschinen das schon lange tun und es keinen Unterschied macht. Aber die Heizung von Arbeit aus zu steuern oder die Einkaufsliste vom Kühlschrank zu bekommen ist da eher Spielerei als wirklicher Nutzen. Im Gegenzug zu Social Media bedient es auch nicht die Kommunikationebene mit anderen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es im B2B durchaus gewinnbringende Einsatzszenarien gibt. So können Heizungsgeräte und Nebenkostenabrechnungen voll automatisiert werden. Es muss zum Wasser- oder Heizungsablesen kein Mitarbeiter mehr vor Ort sein. Die Daten gehen direkt zur Hausverwaltung und werden dort automatisch bis zum Rechnungsversand und Einzug automatisiert verarbeitet.

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selfandsound
selfandsound

Smart Home erscheint teuerer, als gewöhnlich vorerst. Und die verwendeten Technologien rechtfertigen die Hoffnungen der Benutzer nicht. Also ist nicht aller so schnell. Ich hoffe, mit der Zeit wird Smart Home Realität immerhin.

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218120 (abgemeldet)
218120 (abgemeldet)

Der größere Kontext wurde mal wieder ausgespart. Wenn man sich die Entwicklung der Daten in den letzten Jahren anschaut
1. Facebook
2. Snowden / PRISM
3. Bargeldabschaffung / Begrenzung > Digitales Geld (Giralgeld)
4. SmartHome
5. Personal Tracking & Optimierung
Es geht um DATEN. Wer die Daten hat und kontrolliert, gewinnt Kontrolle über die Menschen. Vielleicht aus deswegen kein Erfolg bisher für SmartHome.

Schade, dass dieser Aspekt in dem Artikel nicht beachtet wurde.

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Guido
Guido

Effizienzgewinne durch intelligente Thermostate, Heizungssteuerungen usw. sind in Deutschland mit seinen typischerweise hoch gedämmten Häusern kaum zu erzielen - jedenfalls nicht so, dass sich Smart-Home-Investitionen darüber amortisieren. Zweifellos realisierbare Komfortgewinne durch ein Smart Home sind teuer erkauft. Das muss man sich leisten wollen und das wollen offenbar nur wenige. Waagen, Musiksysteme mit Vernetzung sind meistens Insellösungen und haben nicht wirklich viel mit Smart-Home-Konzepten gemein.

Und weil die Leute nicht dumm sind, setzt sich Smart Home deshalb noch nicht wirklich durch. Wie richtig geschrieben wurde, fällt die rationale Kosten-Nutzen-Analyse einfach negativ aus. Ein Problem ist auch, dass es zig verschiedene Technologien gibt, die zueinander meist inkompatibel sind (Zigbee, Z-Wave, Homematic, KNX etc. pp.). Niemand weiß, was sich durchsetzt oder in 5 Jahren noch am Markt ist und weiter supported wird. Wenn man beim Smartphone auf's falsche Pferd (z.B. Blackberry) gesetzt hat, holt man sich in 1-2 Jahren ein neues Smartphone. Verschmerzbar. Die Elektroinstallation in seinem Haus will man aber nicht alle 5 oder 10 Jahre wechseln, weil es keine Teile oder keinen Softwaresupport mehr gibt.

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