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Tumblr: Massives Problem mit Fake-Accounts?

    Tumblr: Massives Problem mit Fake-Accounts?
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Tumblr meldet fast monatlich neue Nutzerrekorde, doch bis zu 90 Prozent der Blogs könnten inaktiv oder gefälscht sein, meint Autor Jakob Steinschaden und versucht sich in einer Erklärung.

Bis zu 90 Prozent der Tumblr-Blogs könnten inaktiv sein

Der Social-Blogging-Dienst Tumblr behauptet, dass er 134,8 Millionen Blogs beheimatet, auf denen täglich im Schnitt 88,3 Millionen Postings veröffentlicht werden. Diesen Zahlen zufolge größer als die populäre Blog-Plattform Wordpress (knapp 70 Mio. Blogs, 38 Mio. Updates pro Monat) und besonders beliebt bei US-Teenies, hat sich Yahoo im Mai 2013 Tumblr für 1,1 Mrd. Dollar gekauft. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein auf David Karps Webseite: Denn neben Querelen mit Porno-Inhalten kämpft Tumblr hinter den Kulissen mit einem massiven Problem: Fake-Profile. Bis zu 90 Prozent der Blogs könnten inaktiv sein, und mit Hilfe des neuen Eigentümers Yahoo werden diese gefälschten Accounts still und heimlich nach und nach gelöscht, wie ich in Erfahrung gebracht habe.

Seit im Juni 2012 mein Blog Digital Sirocco im Spotlight-Bereich von Tumblr als besonders lesenswerter Blog empfohlen wird, darf ich mich fast täglich über elektronische Post von Tumblr freuen. “Du hast 58 neue Follower” (24.09.2012),  “Du hast 219 neue Follower” (31.03.2013), “Du hast 711 neue Follower” (12.09.2012): Fast jeden Tag informierte mich der Blog-Dienst per automatischen E-Mails, dass ich von anderen Tumblr-Nutzern abonniert worden war (meistens waren es so 170 neue Follower/Tag). Anfangs freute ich mich darüber, immerhin fühlt man sich ja geschmeichelt, wenn man gelesen wird. Doch als ich dann Anfang Mai 2013 die 50.000-Follower-Grenze und dann nur zwei Monate später, Anfang Juli 2013 die 70.000-Follower-Grenze überschritten hatte, wurde mir die Sache unheimlich.

Tumblr als wichtige Traffic-Quelle für Blogs

Ich meine klar, freut man sich über solche Zahlen, aber für einen deutschsprachigen Blog mit Special-Interest-Themen (Social Media, Netzpolitik) sind solche Follower-Zahlen auf einer verhältnismäßig (für mitteleuropäische Verhältnisse) neuen Plattform etwas unrealistisch. Aus Google Analytics weiß ich, dass Tumblr eine wichtige Traffic-Quelle für meinen Blog ist (etwas kleiner als Facebook, aber oft wichtiger als Google oder Twitter), aber 70.000 echte Follower müssten sich bei den Zugriffen deutlicher bemerkbar machen.

Deswegen wollte ich herausfinden, wer nun diese Follower sind, die mir da täglich via E-Mail bekannt gegeben werden. Aus diesen E-Mails habe ich eine zufällige Stichprobe von 100 Tumblr-Blogs gezogen (volle Liste hier) und jede Seite einzeln nach besten Gewissen bewertet. Ich habe sie in „echt“ (ein Seite, die einen eindeutigen Autor hat, der zumindest ab und zu einen Eintrag macht), „wahrscheinlich echt“ (meist halbherzig befüllte Blogs, die zumindest so aussehen, als wären sie von Menschenhand befüllt worden) und „fake“ (leere Blogs, die die vorgegebenen Avatar-Profilbildchen und Standard-Layouts verwenden und nie einen einzigen Post gemacht haben) eingestuft. Diese Fake-Blogs sehen zumeist so aus: south147.tumblr.comjackb3301.tumblr.com oder suselstef.tumblr.com.

Der Tumblr-Blog south147.tumblr.com ist offensichtlich ein „fake“.
Der Tumblr-Blog south147.tumblr.com ist offensichtlich ein „fake“.

Ab und zu sind Tumblr-Seiten dabei, die nach keiner erkennbaren Logik (von einem Bot?) mit Content befüllt wurden, etwa inespitt.tumblr.com: Hier gibt es ein Bild von einem Einhorn, ein animiertes GIF und dann nochmal das Einhornbild zu sehen. Außerdem gibt es vereinzelte Blogs, die schon wieder gelöscht worden waren.

Das Ergebnis meiner Stichprobe (die keineswegs repräsentativ für meine derzeit 72.000 Follower noch für ganz Tumblr ist): Nur 12 Prozent der analysierten Blogs wirken echt. Der große Rest (88 Prozent) der 100 Blogs sind leere Seiten, die ohne ersichtliches Zutun eines Menschen erstellt wurden - eine virtuelle Geisterstadt, möglicherweise angelegt von einem automatischen Script, das die im „Spotlight“ gelisteten Blogs abgreift und ihnen folgt, um Aktivität zu zeigen (und manchmal wahllos Bilder postet). Sollten all diese Blogs zu den fast 135 Mio. Blogs zählen, die Tumblr offiziell angibt, dann ist das ein großes Problem. Tumblr-Chef David Karp muss davon wissen - ansonsten würde er sich trauen, offizielle Zahlen zu Publikum und zu Seitenabrufen des Web-Dienstes anzugeben.

Sollten 12 Prozent der 135 Millionen Tumblr-Blogs nicht echt sein, wäre das ein großes Problem.
Sollten nur 12 Prozent der 135 Millionen Tumblr-Blogs echt sein, wäre das ein großes Problem.

Dass Tumblr ein Problem mit inaktiven bzw. gefälschten Blogs hat, zeigt sich auch daran, dass wenige Wochen nach der Übernahme durch Yahoo die E-Mail-Benachrichtigungen bezüglich „Du hast hunderte neue Follower“ aufhörten und wieder über vernünftige neue Followerzahlen (5 bis 10 pro Tag) verkündeten. Parallel dazu sind die Follower-Zahlen meines Blogs trotz neuer Follower am sinken – täglich verschwinden einige Dutzend. Derzeit halte ich bei knapp über 72.000 Followern, war aber schon mal bei fast 74.000. Trotzdem will Tumblr mir weismachen, dass die Zahlen nach wie vor wachsen, und zeigt mir im Analyse-Teil folgende Grafik an, die so nicht stimmen kann:

Jakob Steinschaden: „Trotzdem will Tumblr mir weismachen, dass die Zahlen nach wie vor wachsen.“
Jakob Steinschaden: „Trotzdem will Tumblr mir weismachen, dass die Zahlen nach wie vor wachsen.“

Ich vermute, dass Yahoo-Chefin Marissa Mayer genau um die Fake-Blogs weiß und Tumblr jetzt mit dem Know-how des neuen Eigentümers still und heimlich die Fake-Blogs löscht – nicht alle auf einmal, sondern nach und nach, so dass es niemanden ins Auge sticht. Ein mir bekannter Tumblr-Nutzer, der mit seinem Blog ebenfalls im „Spotlight“ gelistet ist und bei mehr als 35.000 Followern hält, hat mir meine Beobachtungen bestätigt und ebenfalls den Eindruck, dass nur ein Zehntel seiner Follower echte Menschen sind.

Anmerkung: Ich habe die Tumblr-Pressestelle vor mehreren Wochen bereits in der Causa kontaktiert und um Stellungnahme bzw. Aufklärung bezüglich der Vielzahl an falschen bzw. inaktiven Accounts gebeten - bis dato ohne Rückmeldung.

Der Beitrag „Tumblr: Massives Problem mit Fake-Accounts?“ ist zuerst auf netzpiloten.de erschienen.

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2 Reaktionen
nk
nk
02.09.2013, 20:48 Uhr

Naja, auch Tumblr geht den Weg alles Digitalen im www - es verkommt zur Spamhölle. Hoffentlich geht es nicht den Weg von Delicious und Yahoo! zieht wie einst den Stecker.

Antworten

Kosten pro Kunde
Kosten pro Kunde
03.09.2013, 17:29 Uhr

Neulich wurden doch Klickfarmen in Phillipinen oder Indien vom TV besucht. Auch die Verträge von Jubel-Bewertern wurden neulich aufgedeckt. Das hier wäre ein neuer Teil-Aspekt. Allerdings fehlt noch der Sinn bzw. Kontext.

Und das Wachstum bleibt doch echt wenn man nicht naiv nur absoluten Zahlen folgt. Wenn 12 Fakes gelöscht werden, werden sie hoffentlich auch rückwirkend gelöscht als ob sie nie gefollowed hätten. So gesehen wächst Dein Blog noch.
Wie ein Makefile könnte man schauen das man erst die Fakes deleted wenn genug neue Follower dazukommen. Reals ersetzen die Fakes um die Zahlen halbwegs stabil zu halten. Man könnte und sollte natürlich als Option anbieten, das man auf einen Schlag alle Fakes weghaben möchte. Wenn die auch rückwirkend in den Statistiken gelöscht würden, würde man weiter ein halbwegs fanzahlen-mäßig monoton steigendes Blog haben d.h. die Grafik würde wohl ähnlich aussehen aber die Zahlen wären einfach nur niedriger.
Wenn Du das machst und viele andere nicht, sehen die in Statistiken natürlich so lange besser aus, bis deren Fakes auch bei denen herausgerechnet wurden.

Ich würde Fakes prozentual niedriger zählen. Wenn man ein viertel Prozent pro Tag abzieht, wären die Fakes in 400 Tagen bei 0% angekommen. Damit könnte jeder leben. Neu-Anmeldungen würden bei 10% anfangen und sich durch sinnvolle Aktionen auf 100% hocharbeiten. Sowas ist in rückständigen Staaten vermutlich trivialpatentierbar. Also spare ich mir die Referenz-Programmierung.

Bei US-Startups wird praktisch immer die Idee der Monetarisierung abgefragt und wie viele Nutzer man hat wohingegen Euro-Startups wohl funktionierende Prototypen und/oder echt leicht schwarze Zahlen vorweisen sollen. Dann wird (wie ARPU bei Mobilfunkern oder Providern usw.) abgeschätzt oder berechnet, wie viel Geld ein Kunde kostet wenn man die Firma zu xx Milliarden aufkauft bzw. wie viel ein Kunde einbringt oder halt wie viel Gewinn pro Aktie pro Quartal. Kleinanleger oder Groß-Investoren müssten sowas mal abklären. Man hätte pro tumblr-Kunden dann ja vielleicht zu viel ausgegeben bzw. mehr bezahlt als gedacht. Haben Analysten das vermutet ? Tja....
Die Einnahmen pro Kunden-Kopf steigen dann aber natürlich, weil die Fakes ja keine Werbe-Banner o.ä. anklicken und die Einnahmen ja rückwirkend nicht weniger werden.

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