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Twitter-Follower nach Kündigung: Mitnehmen oder dem Ex-Arbeitgeber überlassen?

26 Jahre war Jim Roberts der Chef vom Dienst der New York Times. Während dieser Zeit vereinte er eine Menge Twitter-Follower auf seinem Profil. Unter @nytjim hat er eine Gefolgschaft von 75.000 Abonnenten um sich geschart. Nun, nachdem er und einige weitere hochrangige „NYT“-Journalisten einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben, geht Roberts. Und nimmt seine Twitter-Follower mit. 

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Wer sich im Social Web herumtreibt, der setzt auf Follower-Stärke. Man baut sich als Unternehmen sowie als Mitarbeiter stetig eine Leserschaft auf. Dabei profitieren nicht selten auch beide gegenseitig voneinander. So sicherlich auch im Fall von Jim Roberts. Der Journalist war über ein Vierteljahrhundert eines der Gesichter der New York Times. Auch seinen Geschichten ist es zu verdanken, dass die Zeitung nicht zuletzt auch im Web eine gehörige Aufmerksamkeit verzeichnen konnte. Doch auch Jim Roberts selber hat sich als Person, auch und gerade durch die New York Times, einen Ruf verschaffen können.

(Foto: keiyac / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

75.000 Twitter-Follower sind durch diese wechselseitige Beziehung alleine auf dem Twitter-Profil @nytjim, das von Roberts geführt wird, zustande gekommen. Als Jim Roberts am gestrigen Donnerstag per Tweet bekannt gab, dass er die NYT verlassen wird, wurde er vom Namensvetter und paidContent.org-Autor Jeff John Roberts nach dem Verbleib seiner gefragt und ob er seinen Account an die „Grey Lady“ übergeben müsse. Seine Antwort kurz und knapp: „My feed is my own.“

Auf die Nachfrage, ob es dazu vertraglich festgehaltene Regelungen gebe, gab Jim Roberts kein tiefergehendes Statement mehr ab, wie sich auf paidContent nachlesen lässt. Dafür nach einiger Zeit aber die NYT-Sprecherin Eileen Murphy:

“No, there is not a specific policy in place that covers this kind of situation but, practically, when Jim leaves The Times officially he will likely change his account name and bio but the followers are his and will choose to continue to follow him (which I suspect), or not.”

Jim Roberts darf seine Follower also auch ohne Regelung behalten. Und muss lediglich den Zusatz „nyt“ und seine Biografie ändern. Ein möglicher Rechtsstreit blieb zum Glück aus. Doch das muss nicht immer so laufen.

Der Fall Phonedog vs. Noah Kravitz

Vor fast genau einem Jahr wurde der Fall des Mobile-Blogs Phonedog vs. Noah Kravitz verhandelt. Kravitz twitterte ebenfalls im Namen seines Unternehmens, vereinte so über 17.000 Follower auf seinem Twitter-Profil @phonedog_Noah und nahm diese nach seiner Kündigung und der Umbenennung seines Nicnames in @noahkravitz kurzerhand mit. Laut dem damaligen Mobile-Blogger wurde ihm das mündlich sogar zugesagt. Das sah Phonedog jedoch anders. Nach deren Meinung habe man zu der Zeit zu viel in Social Media-Aktivitäten investiert, als dass man die Follower nun aufgeben könne. Phonedog zerrte Kravitz vor ein Gericht mit der Absicht, pro Follower 2,50 US-Dollar einzuklagen. Summa summarum forderte man also 340.000 US-Dollar Schadensersatz. Ein Jahr lang wurde dieser Rechtsstreit geführt. Der Ausgang blieb offen. Lediglich die Aussage vom Angeklagten gegenüber Mashable lässt erahnen, wie das Ergebnis aussah: „I'm very glad to have worked this out between us” klingt nach einem Vergleich.

Schriftliche Nebenabreden und interne Richtlinien schaffen Rechtssicherheit

Digitalos, die nicht auf das Glück von Jim Roberts setzen und sich nicht in einer ähnlichen Situation wie Noah Kravitz wiederfinden wollen, sollten sich besser absichern. Wie ein deutsches Gericht beispielsweise solch einen Fall beurteilen würde, lässt sich nur erahnen. Denn Präzedenzfälle und konkrete Rechtsgrundlagen gibt es auch hier nicht. Der Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht hat in seinem Blog rechtzweinull im vergangenen Jahr den Fall Phonedog vs. Kravitz einmal mit Blick auf das deutsche Recht kommentiert:

„Auch wenn eine entsprechende Schadenersatzklage hier in Deutschland sehr abwegig erscheint, tritt hier doch ein Problem zutage, was viele Unternehmen aber auch Mitarbeiter – trotz der weiter zunehmenden Nutzung der Sozialen Medien – unterschätzen. Wem „gehören“ eigentlich Social Media Kontakte? Was passiert mit den Social Media Accounts, wenn Mitarbeiter das Unternehmen – vielleicht sogar zum unmittelbaren Wettbewerber – verlassen? Wie sollen geschäftlich genutzte Accounts übergeben werden?“

Wir haben mit Dr. Carsten Ulbricht telefonisch Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, ob es inzwischen mehr Rechtssicherheit zu diesen Fragen gebe. Laut Ulbricht würde man ein Urteil nach wie vor am Einzelfall ausmachen. Man müsste die Historie des Accounts betrachten. Fragen wie: „Wer hat den Account angelegt?“, „Wer bezahlt etwaige Kosten des Accounts?“ oder „ Wie sind die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks ausgestaltet?“ könnten dabei gestellt werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte bereits während der Vertragsverhandlungen für eine schriftliche Nebenabrede im Arbeitsvertrag sorgen. Unternehmen könnten zudem mit internen Richtlinien einem möglichen Rechtsstreit von Anfang an entgegenwirken.

(Titelbild: keiyac  / flickr.com, Lizenz: CC-BY )

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