Twitter-Hack Hacker verschickt vertrauliche Twitter-Dokumente und löst Ethik-Debatte aus

Falk Hedemann, 15.07.2009 - 13:14 | 7 Kommentare |  |  Teilen

Aus einem Hacker-Angriff auf die Unternehmensserver von Twitter stammt ein Paket mit insgesamt 310 teils vertraulichen Dokumenten, die ein gewisser „Hacker Croll“ nun an TechCrunch geschickt hat. Michael Arrington und sein Redaktionsteam haben das Material gesichtet und wollen nun interessante Informationen daraus veröffentlichen, ohne jedoch eine ethische Grenze zu überschreiten. Die Mehrheit der Leser sprach sich allerdings gegen eine Veröffentlichung aus.

Die besagten Dokumente scheinen echt zu sein, denn der Hacker-Angriff wurde mittlerweile von Twitter-Mitbegründer Evan Williams, dessen eigener Account auch zu den betroffenen Profilen gehörte, bestätigt. Auch seine Frau und weitere Twitter-Mitarbeiter gehören zu den Opfern des Angriffs. Weitreichendere Folgen als die gehackten Twitter-Profile hat aber der Zugriff auf weitere persönliche Profile von Williams, wie dessen Gmail-Account, durch den der Hacker letztlich an vertrauliche Daten gekommen ist.

Nachdem TechCrunch über die Zuspielung der vertraulichen Daten berichtet hatte und eine teilweise Veröffentlichung angekündigt hatte, reagierten die Leser mehrheitlich ablehnend und machten dies in über 200 Kommentaren deutlich. In einer Reaktion von TechCrunch auf die ethische Diskussion in den Kommentaren heißt es:

Wir veröffentlichen fast jeden Tag vertrauliche Informationen auf TechCrunch. Diese Sachen sind ebenfalls gestohlen, häufig von Mitarbeitern oder von Personen aus dem näheren Umfeld des Unternehmens. Und die Unternehmen sind darüber nicht begeistert. Und es war auch unethisch, illegal oder zumindest unerlaubt von diesen Personen uns diese Informationen zu geben. Aber letztlich sind es einfach News.

Zudem hätten schon andere gestohlene Informationen veröffentlicht, wie beispielsweise das Wall Street Journal es mit dem „Yahoo Memo“ getan habe. Auch sei TechCrunch nicht dafür verantwortlich, wenn Google es Hackern durch die Password-Recovery-Funktion einfach mache, in fremde Profile einzudringen.

Michael Arrington ist sich außerdem sicher, dass die gestohlenen Dokumente sowieso irgendwo im Internet auftauchen werden. Daher könne man bei TechCrunch die Dokumente selbst veröffentlichen - auch wenn sie gestohlen wurden. Besonders sensitive Dokumente wolle man allerdings nicht herausbringen.

Fazit

Die Haltung von Michael Arrington und TechCrunch sorgt auch nach der Reaktion auf die ethischen Bedenken der Leser für Diskussionen. Auf der einen Seite sind exklusive und noch dazu eigentlich vertrauliche Informationen natürlich interessant für eine Newsseite wie TechCrunch. Sie garantieren Schlagzeilen, Gesprächsstoff und reichlich Leser. Doch wenn die Bedenken der Leser nicht mehr ernst genommen werden und man sich durch das fragwürdige Verhalten anderer legitimieren muss, begibt man sich auf sehr dünnes Eis. Was haltet Ihr davon? Sollte TechCrunch die Dokumente veröffentlichen oder nicht?

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7 Antworten zu “Twitter-Hack: Hacker verschickt vertrauliche Twitter-Dokumente und löst Ethik-Debatte aus”

  1. #1 » Hacker schnappt sich über 300 interne Twitter-Dokumente [UPLOAD Blog]

    [...] sich nun in seinem Besitz und er hat sie zwischenzeitlich TechCrunch angeboten. Kollege Falk hat drüben bei t3n vor allem die Diskussion darüber zusammengefasst, inwiefern man solche Dokumente überhaupt [...]

  2. #2 Daniel Peters » Blog Archive » Twitter-Unternehmensdokumente geleakt

    [...] t3n magazin [...]

  3. #3 gomez

    Was ich von TechCrunchs Haltung und insbesondere von Michael Arrington halte, kann ich nicht besser ausdrücken als Leo Laporte

  4. #4 Thorsten

    Im Falle von Twitter handelt es sich um eine Diebstahl. Das bewerte ich jedenfalls anders, als wenn ein Mitarbeiter der Bahn ein internes, aber an ihn gerichtetes Memo rausgibt. Accounts zu hacken und 310 Dokumente abzugreifen um sie dann wiederum zur Veröffentlichung auszuteilen, hört sich auch eher an wie jemand der dem Unternehmen Twitter ganz bewusst schädigen möchte. Sich da zum Helfer zu machen ist in meinen Augen für TechCrunch kein gutes Zeugnis. Ich glaube das hier Vernunft vor Sensationsgier gehen sollte.

  5. #5 mr-fancypants

    Ich möchte hier schreiben, was ich auch bei TechCrunch gepostet habe:
    «Isn’t a journalistic rule, that every information has to be confirmed by three different sources until it get’s published?
    If it’s confidential information and you do have this three confirmed sources, then fire away and publish it. If not, let it be! Maybe you’re about to get tricked or it’s a PR stunt. Who knows?

    Just the fact, that it’s getting published somewhere on the internet isn’t a reason! It’s really not.

    Please, react like journalists do and check your sources and informations. If you’re not, you aren’t better than any guy who starts a blog and writes stuff that’s not true, because he thinks he’s a journalist now.»

    Hinzufügen sollte ich noch, dass TechCrunch vielleicht auch mit Twitter einen Deal ausarbeiten hätte können, dass die Infos nicht veröffentlicht werden (oder nicht alle), und TC dafür in Zukunft exklusives Material bekommt – was aber ein wenig an Erpressung grenzt und deshalb mit Vorsicht genossen werden sollte.

  6. #6 Twitter: TechCrunch veröffentlicht Twitters Strategie für die nächsten Jahre » t3n Magazin

    [...] hat die angekündigte Veröffentlichung von internen Dokumenten aus dem Twitter-Hack wahr gemacht und damit die Strategieplanung von [...]

  7. #7 Microblogging: Twitter mit Business-Accounts, Location-API und Übernahmeplänen – ob das reicht? » t3n Magazin

    [...] letzten Wochen waren für Twitter hart. Erst entwendet ihnen ein Hacker über 300 interne Dokumente und TechCrunch zitiert genüsslich die interessantesten Passagen daraus. Dann gibt es eine Denial [...]

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