Es tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass Google an Twitter interessiert ist. Warum auch nicht? Immerhin machte Google schon häufiger mit der Übernahme von mehr oder weniger großen Startups Schlagzeilen. Zu den bedeutendsten gehört dabei mit Sicherheit die Übernahme von YouTube (1.6 Milliarden Dollar).
Doch es stellt sich natürlich die Frage, warum Google sich mit Twitter erneut auf ein Microblogging-Experiment einlassen sollte? Denn wir erinnern uns noch gut an den Microblogging-Dienst Jaiku, dessen Weiterentwicklung Google im Januar in die Hände der Open-Source-Community übergeben hatte.
Die Position von Twitter
Ganz vergleichbar mit Jaiku ist Twitter jedoch nicht. Zwar fehlt auch dem Microblogging-Platzhirschen ein tragfähiges Geschäftsmodell, doch die Nutzerzahlen steigen und Ansätze zur Monetarisierung, wie beispielsweise kostenpflichtige Corporate-Accounts, könnten Erfolg haben. Bislang hat Twitter nur Geld verbrannt, statt welches einzunehmen, doch die Marktposition könnte für Google durchaus interessant sein.
Twitter hat natürlich zu aller erst den Vorteil, dass sie die ersten in diesem Marktsegment waren. Dadurch konnten sie schon von Beginn an ein relativ großes Wachstum erreichen. Als dann auch noch Stars, Politiker und Unternehmen Twitter nutzten, wurde der Dienst dadurch auch für die Mainstream-Presse interessant, die fortan über Twitter berichtete. Daraufhin folgte nach den Early-Adoptern die zweite Benutzerwelle.
Ein bedeutender Schritt war auch die Öffnung des Dienstes durch die Twitter-API. Dadurch wurden viele fehlende Funktionen von externen Entwicklern umgesetzt und in Twitter-Clients integriert. Die Benutzung von Twitter wurde so erst richtig komfortabel und konnte auch einige der frühen Kritiker zum Umdenken bewegen.
Doch wie könnte Google von Twitter profitieren?
Die Suchergebnisse, die Google liefert, stammen alle aus der - ja man muss es so sagen - Vergangenheit! Jedes Suchergebnis, sei es auch nur ein paar Minuten alt, ist eben schon alt. Selbst kurze Blogeinträge bedeuten einen ungleich größeren Aufwand, als eine Information in 140 Zeichen zu verpacken.
Im Gegensatz dazu bietet Twitter eine Real-Time Suche an. Wie erfolgreich diese funktioniert, zeigte sich zum Beispiel beim Flugzeugabsturz am Hudson River. Bevor irgendeine Redaktion über die Situation überhaupt Bescheid wusste, wurde das Unglück von einem Passagier, der sich auf einer der herannahenden Fähren befand, über sein Mobiltelefon getwittert.
Auch der Gmail-Ausfall vor einigen Tagen ist ein Paradebeispiel für die Fähigkeiten von Twitter. Noch bevor viele der Gmail-Nutzer die Probleme selbst feststellten, kamen dazu die ersten Hinweise im Twitter-Stream. Eine Suche nach "Gmail" zeigte tausende von Real-Time-Ergebnissen mit Erfahrungsberichten von anderen Twitter-Nutzern. So wurde diese Information schon via Twitter verbreitet, lange bevor sie von Google bei Google Groups oder im offiziellen Blog bekannt gegeben wurde. Auch bekannte Blogs wie der GoogleWatchBlog oder TechCrunch brauchten viele Minuten bis sie die ersten Berichte veröffentlichen. Die Google Suche konnte daher in diesem Fall auch nicht helfen.

Diese Ereignisse zeigten sehr deutlich, dass eine auf Twitter basierte Real-Time-Suche früher oder später Anteile am Suchmaschinenmarkt erwerben kann.
Aber auch so hätte Twitter einen Mehrwert für verschiedene Google-Dienste:
- Google Finance: Mittels Hashtags kann Google sehr einfach Informationen aus den Tweets herausfiltern und in Echtzeit neben den Aktienkursen einblenden, wie es momentan auch mit Google News gemacht wird
- Google News: Die Kurznachrichten könnten neben den aggregierten News für mehr Aktualität sorgen
- Orkut: Twitter könnte das Medium für persönliche Statusmeldungen werden
- Google Mail: Google könnte per “direct message” über eintreffende E-Mails informieren
Google könnte die Vielfalt des eigenen Dienste-Portfolios mit einem Kauf von Twitter nicht nur erweitern, sondern auch viele der eigenen Dienste mit einer Verknüpfung der Twitter-Fähigkeiten noch attraktiver machen.
Doch auch Google müsste sich irgendwann fragen, wie sich der Dienst monetarisiert. Dabei ist die Idee der Werbung gar nicht so abwegig. Diese muss ja nicht direkt in die Tweets mit eingeführt werden, sondern könnte, wie bei Google üblich, in die Suchergebnisseite mit eingebunden werden. Denn diese wird mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.
Weiterführende Links zu aktuellen News auf t3n.de:
- Warum Twitter noch immer nicht Mainstream ist - t3n News
- Twitter verdreifacht Anmeldezahlen seit iOS5-Start - t3n News
- iOS vs. Android: Warum Entwickler Apple lieben - t3n News
- Google+ vs. Facebook – Duell der Unternehmensseiten - t3n News
- Facebook 2012 – Zahlen, Daten, Fakten [Infografik] - t3n News
- Bericht: Google+ wächst täglich um 625.000 neue User - t3n News







2 Antworten
von till 02.03.2009 (14:55Uhr) 1.
Klingt nach einer spannenden Sache für Google. Warten wir mal ab was daraus wird!
von Simon Rabente 04.03.2009 (15:21Uhr) 2.
Ergänzung:
http://adage.com/digital/article?article_id=135016