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Twitter: Das Millionen-Geschäft mit Fake-Followern

Das Geschäft mit falschen Twitter-Followern boomt – das jedenfalls legt ein Post des „Bits“-Blog der New York Times nahe. Experten schätzen, dass es 20 Millionen Fake-Accounts auf gibt. Und die sind immer schwerer zu entdecken. 

Twitter: Das Millionen-Geschäft mit Fake-Followern

Der Post der New York Times bezieht sich dabei auf eine Untersuchung der italienischen Sicherheits-Experten Andrea Stroppa und Carlo De Micheli. Sie haben sich in die Tiefen des Geschäfts mit gefälschten Twitter-Followern begeben.

Demnach gibt es derzeit gut zwei Dutzend Anbieter dafür. Und die behaupten, zwischen 2 und 30 US-Dollar pro Account verdienen zu können. Die Rechnung geht nur auf, wenn ein Account gleich zigfach verkauft wird. Und das ist durchaus im Interesse der Kunden, weil er dadurch echter wirkt.

Der Preis für 1.000 liege aktuell im Schnitt bei 18 US-Dollar. Verkauft werden aber auch bis zu 1 Million neuer Follower am Stück. Wem Retweets wichtiger sind, der bekommt fünf pro Tag schon für 9 US-Dollar im Monat.

Beispiel für automatische Anmeldung neuer Accounts bei Twitter. (Quelle: huffingtonpost.it)

Ein Verkäufer erklärte gegenüber den Experten, mit seiner Software könne er 100.000 neue Fake-Accounts in fünf Tagen anlegen. Hindernisse wie Captchas sind kaum welche: Sie lassen sich entweder durch entsprechend fortgeschrittene Bilderkennung umgehen oder aber es werden Menschen dafür bezahlt, die Captchas zu lösen – für einige Cents pro Einsatz. Und das lohnt sich, denn einige der befragten Follower-Verkäufer erklärten, sie machten 1 Million US-Dollar Umsatz pro Woche.

Stroppa und De Micheli schätzen, dass es derzeit 20 Millionen Fake-Accounts auf Twitter gibt. Insgesamt verweist Twitter auf derzeit 288 Millionen aktive Nutzer. Das entspräche einer Quote von 7 Prozent Fälschungen.

Twitter im Kampf gegen „Bots“ und „Cyborgs“

Die Fakes sind dabei nicht mehr unbedingt so leicht zu entdecken. Schließlich gebe es auch legitime Accounts, die selbst nichts posten, sondern nur anderen folgen, erklärte ein Sprecher von Twitter gegenüber der New York Times. Man arbeite aber natürlich daran, die Maßnahmen gegen Spam aller Art ständig weiterzuentwickeln. Andrea Stroppa und Carlo De Micheli verweisen allerdings auf eine Untersuchung der George Mason University, nach der automatische erstellte Accounts schwerer als früher anhand ihres Verhaltens erkannt werden können. Sie klassifizieren die neuen, verbesserten Bots als „Cyborgs“.

Die Frage nach dem Sinn und Unsinn solcher eingekauften Twitter-Follower stellt sich bei alldem nicht wirklich. Es geht wohl vorrangig darum, Eindruck zu schinden, beispielsweise gegenüber der Konkurrenz. Ein Account soll wichtiger und beliebter erscheinen, als er eigentlich ist. Dass die falschen Follower einem darüber hinaus nichts bringen, sollte dabei auch klar sein. Aber wie man anhand der Millionen-Umsätze der Faker erkennt, spielt das für viele offenbar keine Rolle.

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3 Antworten
  1. von Günter am 08.04.2013 (09:31 Uhr)

    Ich find's einfach nur blödsinnig. Welchen Eindruck habe ich denn von einem Twitter-Account einer deutschen Firma etc. mit jeder Menge Followern mit seltsamen Namen aus Indien und Usbekistan, die in einer für mich nicht lesbaren Sprache unsinnige Dinge schreiben - wenn überhapt?
    Sicher keinen poitiven ...
    Da würde ich die Follower ja noch eher für einen unliebsamen Konkurenten kaufen. Gab's, glaube ich, ja schon ...

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  2. von Xovi am 08.04.2013 (10:24 Uhr)

    Wäre wirklich mal interessant zu sehen, wenn Facebook, Twitter & Co. die Fakeaccounts löschen würden. Da würde sich die Follower- & Like-Zahl bei vielen wahrscheinlich mehr als halbieren :)

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  3. von Andy am 08.04.2013 (10:28 Uhr)

    Ich finde es immer wieder interessant, wenn ich auf Blogs treffe, die 5k+ Follower in Ihrer Statistik aufweisen aber die monatlichen Besucherzahlen schaffen es kaum 5stellig zu sein. Mir persönlich wäre solch ein offensichtlicher Fake arg peinlich. Aber da die Masse der Internetnutzer nicht hinterfragt, funktioniert solch Blendwerk in der Regel wunderbar.

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