Twitter sagt den Clients den Kampf an

Den Entwicklern der Twitter-Clients stehen schwere Zeiten bevor, denn Twitter hat ihnen mitgeteilt, dass sie sich besser eine neue Geschäftsgrundlage suchen sollen. Bevor man nun vorschnell überrascht ist, weil Twitter damit seinem ursprünglichen Erfolgsgeheimnis einen mächtigen Tritt versetzt, sollte man sich die Entwicklungen rund um die offiziellen Clients und dem Businessmodell von Twitter genauer ansehen - dann wird aus der Überraschung eine logische Konsequenz.

Twitter will die Clients für sich

Am Freitag erklärte Ryan Sarver als Director of Platform bei , im Developer Forum, dass sich Drittanbieter nicht mehr auf die Entwicklung von Clients verlegen sollten, sondern lieber andere Dienste rund um Twitter entwickeln sollten.

 

Developers have told us that they’d like more guidance from us about the best opportunities to build on Twitter. More specifically, developers ask us if they should build client apps that mimic or reproduce the mainstream Twitter consumer client experience. The answer is no.

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Ryan Sarver sorgt mit einer Diskussion im Twitter Developer Forum für Sorgenfalten bei den Client-Entwicklern. (Foto: jolieodell / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Getarnt als Empfehlung, die darauf basiert, dass es immer schwieriger geworden sei die Ansprüche an Twitters Datenschutzrichtlinien zu erfüllen, sollten Entwickler keine Mainstream-Clients mehr entwickeln und sich stattdessen anderen Bereichen zuwenden. Twitter müsse sich Woche für Woche mit einer Vielzahl von API-Zugriffen auseinandersetzen, die alle die Datenschutzrichlinien verletzen und entsprechend zurückgewiesen werden müssten. Zudem würden schon jetzt 90 Prozent der Nutzer die offiziellen Clients von Twitter nutzen. Wie regelmäßig sie das tun, wird nicht gesagt. Die eigene Statistik von Twitter spricht von mindestens einmal im Monat.

Twitter will endlich Geld verdienen

Fast genau fünf Jahre nach dem Start will sich Twitter also die Vormachtstellung bei den Clients zurückholen. Die vermeintliche Vormachtstellung der eigenen Clients und die Datenschutzrichtlinien sind dabei aber sicher nur vorgeschoben, dafür war die Ausrichtung hin zur Monetarisierung der Plattform in den letzten Monaten zu klar erkennbar. Und da stehen nunmal die Clients im Weg, denn diese werden die einzelnen Modelle wie die Promoted Tweets oder Promoted Trends sicher nicht ohne Gegenleistung integrieren. Für Twitter gibt es da nur zwei Möglichkeiten: Entweder man beteiligt die Cliententwickler an den Erlösen oder man zwingt sie ohne Beteiligung zur Integration. Letzteres wäre über eine Änderung der Nutzungsbestimmungen für die API sicher möglich, dürfte aber auch für einen Aufschrei der Empörung im eigenen Ökosystem sorgen, ohne dass es Twitter in der heutigen Form nicht geben würde.

Twitters Ökosystem war der Garant für den Erfolg

Ohne das schnell gewachsene Ökosystem rund um die Plattform, wäre Twitter heute wohl nicht die weltweit führende Microblogging-Plattform mit guten Aussichten für eine monetarisierte Zukunft. Aber auch wenn die vielen Dienste, die Daten von den Twitter-APIs beziehen, den Nutzern vielfach erst den wahren Wert dieser Kommunikationsform aufzeigten und somit zum Geburtshelfer eines der größten Social Networks der Welt wurden - beim Thema Geld hört die Freundschaft auf.

Als Twitter den beliebten Client Tweetie übernahm, gab es noch Stimmen die sagten, Twitter wolle sich damit Know-How einkaufen. Doch spätestens mit der Einführung der ersten offiziellen Clients aus dem Hause Twitter und mit dem Redesign des WebUIs twitter.com war klar: Twitter will nicht länger nur Traffiklieferant sein, sondern auch selbst etwas von den Besuchermassen haben.

Twitter-Clients behindern das Promoted-Programm

Jetzt bereitet man scheinbar den ganz großen Schlag vor, der für eine möglichst weitreichende Verbreitung der verschiedenen Werbeformate sorgen soll und der das Aus für zahlreiche Clients bedeuten könnte. Für die Nutzer kann diese Entwicklung nicht gut sein, denn der Wettbewerb unter den führenden Clients wie Tweetdeck, Hootsuite, Echofon oder Yoono sorgte für eine schnelle Weiterentwicklung, die oftmals sogar über die von Twitter angebotene Funktionalität hinausging. Zudem sind viele der offiziellen Clients noch nicht soweit entwickelt, dass sie als gleichwertiger Ersatz angesehen werden können.

Was die zu erwartende Zunahme an Werbung in den offiziellen Clients und beim Web-Interface für Auswirkungen haben dürfte, wird auch den Verantwortlichen bei Twitter klar sein - ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber den Clients der Drittentwickler. In diesem Licht betrachtet erscheint die Empfehlung von Ryan Sarver als das was sie ist - ein Einschüchterungsversuch.

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8 Answers

  1. von Twitter-Client(-s) 14.03.2011 (16:37Uhr) 1.

    [...] sagt dem Client-Wildwuchs den Kampf an. Nicht, dass dieser für den Erfolg von Twitter mitverantwortlich gewesen wären. Twitter möchte [...]

  2. von Kromonos Achten via facebook 14.03.2011 (22:42Uhr) 2.

    Warum nicht gleich was eigenes mit statusnet aufsetzen? :-D

  3. von Twitter: Regeln für Alternative Clients… 14.03.2011 (22:58Uhr) 3.

    [...] t3n [...]

  4. von Markus Thomas via facebook 14.03.2011 (23:32Uhr) 4.

    So wird twitter es schaffen auch die paar Nerds zu vergraulen die sich dort noch standhaft tummeln ... Gigantische Nutzerzahlen allein bringen halt nix wenn Millionen von Usern inaktiv sind.

  5. von Twitter plant SMS-Dienst in Deutschland… 15.03.2011 (09:48Uhr) 5.

    [...] Twitter sagt den Clients den Kampf an - t3n News [...]

  6. von DoSchu 15.03.2011 (10:08Uhr) 6.

    Kleine Umfrage dazu auf Twtpoll: Wie werden Updates auf Twitter veröffentlicht http://twtpoll.com/7fn7u1

  7. von Andreas 15.03.2011 (10:34Uhr) 7.

    Ich denke mit den Aspekt, dass bei Twitter der Faktor Monetarisierung eine Rolle spielt, hast du Recht. Allerdings sollen Tools wie Hootsuite, Seesmic, Tweetdeck und der dergleichen unangetastet bleiben. Lediglich die vielen Copycats des original Twitterclients sind vom Aussterben bedroht.

    Anlass für diesen Schritt ist meines Wissens mitunter der Missbrauch den manche Entwickler mit der API betrieben haben. Twidroid und Ubertwitter verletzten beispielsweise die Richtlinien des Datenschutzes, indem sie Nutzertweets veränderten, um diese für Werbezwecke zu benutzen.

    Twitter ermutigt weiterhin Entwickler die API zu nutzen und das Twitter-Ökosystem auszubauen. Man solle sich alleridngs an die Auflagen halten.

  8. von Twitter übernimmt Tweetdeck! » t3n New… 03.05.2011 (10:38Uhr) 8.

    [...] vielmehr einen eigenen Microblogging-Dienst, eine Art Anti-Twitter. Und Twitter selbst gab bekannt, es würde sich für die Developer nicht mehr lohnen, Zeit in die Entwicklung neuer Clients zu invest.... Hintergrund dieser Empfehlung war Twitters Streben danach, endlich ein valides Geschäftsmodell zu [...]

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