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Es lebe der Algorithmus: Twitter streut fremde Tweets in eure Timeline ein

Es lebe der Algorithmus: Twitter streut fremde Tweets in eure Timeline ein

Nach vielen Gerüchten und etlichen halbgaren Meldungen ist es jetzt offiziell: Die Tage der bisherigen Twitter-Timeline mit ihrem Echtzeit-Feed sind gezählt – das Unternehmen streut jetzt auch Tweets von Menschen ein, denen man gar nicht folgt. Der Anfang vom Ende?

Es lebe der Algorithmus: Twitter streut fremde Tweets in eure Timeline ein

Twitter ändert seine Timeline. (Foto: Anthony Quintano / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Twitter bohrt die Timeline auf

Twitter-Follower - Pepsi
Unternehmen dürften sich über den Schritt von Twitter freuen – ihnen verleiht er mehr Sichtbarkeit. (Bild: Screenshot @pepsi)

„Unsere Tests zeigen, dass es den meisten Leuten gefällt, auch Tweets von Accounts zu sehen, denen sie nicht folgen.“

Es hat viel Widerstand gegeben in den letzten Wochen, vor allem von Nutzern, die schon seit Jahren kennen und wissen, wie der Dienst angefangen und wie er sich verändert hat. Doch eine der größten Veränderungen in der Geschichte des Microblogging-Dienstes steht jetzt bevor. Wie Twitter-Mitarbeiter Trevor O’Brien in einem Blogpost schreibt, sei man mit dem Experimenten, die lange Zeit streng chronologische Twitter-Timeline um weitere Inhalte wie Sponsored Tweets, empfohlene Tweets, empfohlene Accounts oder Themen anzureichern, durchaus erfolgreich gewesen. „Unsere Tests zeigen, dass es den meisten Leuten gefällt, auch Tweets von Accounts zu sehen, denen sie nicht folgen“, so O’Brien. Woran Twitter erkennt, dass das so ist, darüber allerdings schweigt er sich aus.

Der Algorithmus, den Twitter dabei nutzt, stütze sich auf bestimmte Signale, schreibt O’Brien weiter – darunter die Aktivität der Followings, die Popularität von Tweets und die Interaktion mit Tweets. Weiterhin geht O’Brien in seinem Post auch darauf ein, worauf sich Twitter-Nutzer in den kommenden Wochen und Monaten einstellen müssen: „Wenn wir einen Tweet identifizieren oder einen Account, dem Nutzer folgen sollten oder anderen Content, der beliebt oder revelant ist, dann blenden wir ihn vielleicht in deine Timeline ein.“ Das bedeute explizit, dass Nutzer auch Tweets von Menschen zu sehen bekommen, denen sie nicht folgen. Das Ziel dabei sei es, die Twitter-Timeline noch interessanter und die Inhalte relevanter zu machen.

Sponsored Tweets, empfohlene Tweets, empfohlene Accounts

Schon in den vergangenen Monaten hatte Twitter seine Hilfe-Seiten um Absätze erweitert, die in diese Richtung deuteten. So hieße es dort beispielsweise: „Es können auch Inhalte von Accounts angezeigt werden, denen Du nicht folgst, wie etwa gesponserte Tweets, Retweets von Accounts, denen Du folgst, oder für Dich relevante Inhalte.” Tech-Blogger Carsten „Caschy“ Knobloch hatte dazu im August geschrieben: „Das Ganze erinnert ein bisschen an den Stream von Facebook, der für mich persönlich immer uninteressanter wird, da ich nicht sehe, was ich will – sondern was mir das Netzwerk zeigen will.“

Lange Zeit hatte Twitter in der Timeline nur zwei Arten von Tweets angezeigt: Tweets von Followings und ihre Retweets. Später waren noch „Promoted Tweets“ als Werbeform dazugekommen, nun bohrt Twitter diesen Dreiklang erneut auf. Dieser Schritt jedoch führt nicht nur zu Ablehnung. So schrieb der Blogger Jakob Steinschaden Anfang September zu den Ankündigungen von Twitter, der Vergleich mit Facebook habe einen entscheidenden Fehler, denn Facebook reduziere den angezeigten Inhalt, während Twitter das Gegenteil tue: „Twitter will keine Tweets aussieben, sondern lediglich Content hinzufügen, der ja spannend sein kann. Nicht weniger, sondern mehr soll der User sehen.“

Die neue Twitter-Timeline: Eine weitere Einnahmequelle?

Wird die Twitter-Timeline der von Facebook immer ähnlicher? (Quelle: Facebook)
Wird die Twitter-Timeline der von Facebook immer ähnlicher? (Quelle: Facebook)

Steinschaden aber vermutet noch einen anderen Grund für die Änderung: „Vielleicht tut sich mit dem Verlangen vieler nach einer reinen Timeline und den Beschwerden über immer größeren Werbedruck (zuletzt startete Twitter seine Vermarktung auch in Österreich) auch ein neues Geschäftsmodell auf: Twitter könnte für werbefreie Accounts mit einer puren Timeline nach dem Freemium-Schema eine kleine Nutzungsgebühr einheben. Wem wäre das 3, 4 Euro pro Monat wert?“ Eine logische Konsequenz wäre es – immerhin steht Twitter seit seinem Börsengang noch stärker unter finanziellem Druck als schon zuvor.

Immerhin: Die Ankündigung von Twitter ist einigen Nutzern jedoch dermaßen sauer aufgestoßen, dass sie im September sogar eine Online-Petition gegen die Neuerung angestoßen haben. Noch läuft sie 16 Tage. 10.000 Unterstützer wollten die Einreicher für ihr Ziel gewinnen: „Wir wollen selber entscheiden können, was wir in unserer Timeline sehen und was nicht“, heißt es in der Begründung. Twitter müsste einzigartig bleiben. Bis heute sehen das ganze 116 Menschen genauso.

via marketingland.com

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3 Antworten
  1. von Rob am 17.10.2014 (10:17 Uhr)

    Jetzt macht doch nicht aus jeder Mücke einen Elefanten...
    Ihr zahlt nichts für die Nutzung und meckert, dass Twitter ab und an mal einen fremden Tweet in die TL wirft?
    Und: "Der Anfang vom Ende?" - ernsthaft?

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  2. von Saenic am 17.10.2014 (11:44 Uhr)

    Tja, das ist das Problem von Diensten, die ohne klares Geschäftsmodell starten und dann, nachdem sie Unsummen von Investoren eingesammelt haben oder vielleicht sogar an der Börse sind, gezwungen sind, Geld zu machen.

    Das einzige, was dann bleibt ist, die User zu verkaufen...

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    • von Philes Ion am 20.10.2014 (18:01 Uhr)

      Genau so siehts aus. Wirklich schade um twitter. Bisher hats mir gut gefallen, aber werden meinen account dann deaktivieren.

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