Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kolumne

Twitter und Trump: Eine wahrlich destruktive Beziehung

(Foto: chrisdorney / Shutterstock)

Laut einer Schätzung ist fast ein Fünftel von Twitters Wert auf Donald Trump zurückzuführen. Twitter ist von Trump abhängig, konstatiert Martin Weigert in seiner aktuellen Kolumne Weigerts World.

Twitter hat sich in eine einmalig prekäre Situation manövriert. Als primärer Kommunikationskanal des für seine Impulsivität und Streitlust bekannten US-Präsidenten Donald Trump spielt der Kurznachrichtendienst eine maßgebliche Rolle in seinen zahlreichen kleinen und großen, vielfach hässlichen und selten konstruktiven Auseinandersetzungen. Gleichzeitig verstärkt Twitters von Echtzeit-Diskurs, hoher Viralität und starker Emotionalität geprägter Charakter jeden noch so trivial erscheinenden Tweet ums Tausendfache. So wird auch dank intensiver Beihilfe des bei Twitter ebenfalls sehr aktiven Anti-Trump-Lagers sowie der nach Klicks und Empörung heischenden Onlinemedien jede 140-Zeichen-Botschaft Trumps zur weltweiten Nachricht.

Man kann nur spekulieren, wie die Welt ohne einen Service wie Twitter aussähe. In jedem Fall würde ein elementarer Baustein in Trumps Strategie und Arbeitsführung fehlen. Vielleicht wäre er gar nicht erst im Weißen Haus gelandet. Ein solcher Gedankengang war es wohl, der die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson antrieb, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, um sich als Mehrheitsaktionärin bei Twitter einkaufen und anschließend Donald Trump von der Plattform verbannen zu können.

Es sei an dieser Stelle dahingestellt, ob Plame Wilson einen derartigen Stunt realistisch für möglich hält, oder ob es ihr vor allem darum geht, Druck auf Twitters Management auszuüben. Jedweder Druck dürfte allerdings an der Twitter-Führung abprallen. Denn Twitter ist auf Trumps Präsenz angewiesen. Ein Analyst des Finanzdienstleisters Monness Crespi Hardt & Co schätze den monetären Wert von Donald Trump für den Kurznachrichtendienst jüngst auf zwei Milliarden US-Dollar. Das entspricht fast einem Fünftel des Gesamtwertes von 11,7 Milliarden US-Dollar.

Twitter befindet sich seit Jahren im Krisenmodus. Jeder Quartalsbericht offenbart anhaltende Verluste und stagnierende Nutzerzahlen. Eine übergreifende und überzeugende Vision fehlt. Insofern muss man nüchtern konstatieren: Trump ist derzeit Twitters größtes und einziges Asset. Aus Sicht der Öffentlichkeit steht Twitter heute vor allem für Trump und für die Polarisierung, deren Produkt er ist und die er selbst weiter verstärkt.

Die Absurdität dieses Zustands kann einem nicht verborgen bleiben, blickt man auf Twitters kulturelle DNA: Beheimatet in San Francisco, dem Epizentrum US-amerikanischer Liberalität, mit einem CEO, der seine humanistischen und liberalen Werte nicht für sich behält, und einer wahrscheinlich fast komplett kosmopolitisch und global eingestellten Belegschaft, stellt Twitter das exakte Gegenstück zu dem Wertekonstrukt dar, das Trump zum Präsidenten gemacht hat. Und doch ist die Plattform heute vor allem ein Instrument und Katalysator für Trump.

Twitter-CEO Jack Dorsey muss sich rhetorisch ziemlich verbiegen, um diesen Widerspruch extern und vor allem intern zu rechtfertigen. Doch von außen betrachtet kann einem die Lage von Twitter eigentlich nur Leid tun. Es ist Twitters Machern durchaus abzunehmen, dass sie eigentlich die Welt besser machen wollen. Doch was sind solche Intentionen wert, wenn genau das Gegenteil eintritt? Sich aber von Trump als schwergewichtigsten Nutzer zu entledigen, ist für Twitter schon ökonomisch keine Option. Wirtschaftlich ist Twitter von Trumps Aktivität abhängig. Trump fungiert als Twitters ständig zitiertes mediales Testimonial. Ohne Trump würde Twitters Kampf um Relevanz und Marktanteile gänzlich verloren sein. Trump braucht Twitter für seine häufig fragwürdige Propaganda, und Twitter braucht Trump, um zu überleben. Alle anderen zahlen den Preis für diese wahrlich destruktive Beziehung.

Weitere Kolumnen der Serie Weigerts World findet ihr hier. Ihr könnt die vom Autor täglich kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit englischsprachigen Leseempfehlungen beziehen.

Finde einen Job, den du liebst

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Hinweis

Du hast gerade auf einen Provisions-Link geklickt und wirst in Sekunden weitergeleitet.

Bei Bestellung auf der Zielseite erhalten wir eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten.


Weiter zum Angebot