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Twitter-Verleumdung: Wer mehr als 500 Follower hat, muss zahlen

Der von der BBC zu unrecht verleumdete Brite Alistair McAlpine forderte nicht nur Schadensersatz vom Rundfunksender, sondern verklagt auch sämtliche Twitterer, die ihn in ihren Tweets diffamiert haben – zumindest diejenigen mit mehr als 500 Followern.

Twitter-Verleumdung: Wer mehr als 500 Follower hat, muss zahlen

Fall McAlpine: Nicht nur BBC soll Schadensersatz zahlen, sondern auch Twitterer

In einem BBC-Report Anfang November war der Politiker Alistair McAlpine im Zusammenhang mit Kindesmissbrauchs-Vorwürfen zwar nicht namentlich genannt aber so umrissen worden, dass er von zahlreichen Menschen identifiziert und in Twitter-Kommentaren diffamiert wurde. Die BBC entschuldigte sich im Anschluss und zahlte nun Schadensersatz in Höhe von etwa 230.000 Euro. Auch der britische TV-Sender ITV wird rund 155.000 Euro an den Briten zahlen. Doch nun will McAlpine auch einzelne Twitterer verklagen, was nicht ganz einfach ist: Die New York Times geht davon aus, dass etwa 10.000 Twitterer am Streuen der Falschnachricht beteiligt waren.

Ihre gezwitscherten Verleumdungen über Alistair McAlpine könnten verschiedene britische Meinungsmacher noch Geld kosten - trotz ihrer Twitter-Entschuldigungen.

McAlpines Anwälte haben nun beschlossen, nur „high profile tweeters“ mit jeweils mehr als 500 Followern zu Schadensersatz zu verklagen. Etwa 20 Personen seien betroffen. „Kleine“ Twitter-Fische mit weniger als 500 Followern haben die Möglichkeit, sich über eine extra eingerichtete Webseite zu entschuldigen und als Wiedergutmachung an eine Wohltätigkeitsorganisation zu spenden. Außerdem komme eine „kleine Verwaltungsgebühr“ auf die Falschmelder zu.

Viele Briten sind empört, zumal es sich in manchen Fällen nicht um direkte Anschuldigungen handelt, sondern um indirekte Anspielungen. So wie bei Sally Bercow, die ihren Twitter-Account (über 50.000 Follower) mittlerweile gelöscht hat: "Why is Lord McAlpine trending? *innocent face*", lautete ihr Tweet. Die Chancen, dass die prominenten Twitterer tatsächlich zur Kasse gebeten werden, stehen nicht schlecht. „Britische Verleumdungs- und Diffamierungsgesetze sind bekanntermaßen Kläger-freundlich“, schreibt die New York Times dazu.

"High Profile Tweeters" - mit 500 Followern?

Interessant an dem britischen Präzedenzfall ist, dass bereits Twitterer mit einer Anhängerschar von 500 Followern als „high profile tweeters“ bezeichnet werden – nicht etwa mit 10.000 oder 20.000. Zum Vergleich: In Deutschland folgen dem Meinungsmacher Sascha Lobo 129.077 Menschen, Thomas Knuewer hat 26.474 Follower. Ab wann sind Menschen Meinungsmacher, bis wann Privat-Twitterer?

Speziell bei ist auch die Frage von Bedeutung, welchen Status Retweets haben: Sind nur aktive Verleumdungen strafbar oder auch das Retweeten von Falschmeldungen? Insgesamt erinnert die Geschichte an den (deutschen) Fall des 17jährigen Tatverdächtigen aus Emden, der im Fall der getöteten Lena über die sozialen Netzwerke diffamiert wurde – bis hin zum Lynchjustiz-Aufruf. Am Ende stellte sich heraus, dass der Teenager unschuldig war.

Die Frage, wie mit über Soziale Netzwerke gestreuten Aussagen umgegangen werden soll und muss, wird die Medienwelt in den kommenden Monaten und Jahren noch stark beschäftigen müssen.

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8 Antworten
  1. von Chris am 27.11.2012 (10:48Uhr)

    Dafuq? Jetzt wird man schon dafür bestraft, wenn man was Retweetet oder wie?

  2. von Joe am 27.11.2012 (11:23Uhr)

    :-) @Chris - ja schaut so aus - daher gilt der Spruch: "Vor Inbetriebnahme des Mundwerks Hirn einschalten!" auch bei allan anderen Kommunikationsmöglichkeiten ...

  3. von mohrekopp am 27.11.2012 (13:10Uhr)

    Womit muss sich denn die Medienwelt noch beschäftigen? Eine falsche Tatsachenbehauptung oder Verleumdung ist bei uns Strafbar. Jemand der diese wiederholt (retweet), macht sich ebenso strafbar - ganz einfach.
    Wenn ich in einer Kneipe mit 5 Freunden sitze, interessiert das zunächst niemanden und wird auch kaum bestraft werden können aber im Netz ist es für jedermann zugänglich.

    Man kann es einfach nicht oft genug wiederholen: Jeder ist unschuldig bis er rechtskräftig verurteilt wurde - so funktionert unser Rechtsstaat. Wenn Menschen andere schon vorverurteilen bekommen Sie es eben mit dem Rechtsstaat zu tun...

  4. von Erbloggtes am 27.11.2012 (13:19Uhr)

    Die 500-Follower-Grenze erscheint mir recht sinnvoll gewählt. In Deutschland ist das die Mengenbegrenzung, die für die Unterscheidung zwischen Rundfunk und Nicht-Rundfunk herangezogen wird. Angebote, die weniger als 500 potenziellen Nutzern zum zeitgleichen Empfang angeboten werden, gelten nicht als Rundfunk. Dem Rundfunk wird dagegen von BVerfG eine besondere Breitenwirkung, Aktualität und Suggestivkraft zugesprochen. Die Analogie erscheint mir bei der Twitter-Followerzahl treffend zu sein.
    Das macht es natürlich riskant, zu twittern, wenn man über 500 Follower hat.

  5. von 5 Lesetipps für den 27. November |… am 27.11.2012 (16:53Uhr)

    [...] Wer mehr als 500 Follower hat, muss zahlen: Der von der BBC zu unrecht verleumdete Brite Alistair McAlpine forderte nicht nur Schadensersatz [...]

  6. von Holtzmeyyerre am 27.11.2012 (19:09Uhr)

    Erbärmlich. Dann sind die News-Quellen schuld und auch nur SIE können und sollen die Verantwortung mit Schadensersatz zahlen. Wie soll das normale ZITIERENDE denn wissen, ob da was konkret dran ist? Kann man bei vielen Dingen, nicht nur hier im Kontext, einfach gar nicht wissen.

  7. von Protokoll vom 01. Dezember 2012 «… am 01.12.2012 (16:00Uhr)

    [...] Verleumdung Dirk Streifler über Verleumdung auf Twitter. [...]

  8. von TRB 306: CryptoParty, Sciencestarter, Ve… am 01.12.2012 (21:19Uhr)

    [...] in Berlin. 17:46 Katja Machill über Crowdfunding in der Wissenschaft. 23:43 Dirk Streifler über Verleumdung auf Twitter. 33:55 Kirsten Mieves  über  den BloggerInnen Weihnachtschor. 47:22 Max Friedrich ist [...]

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