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Kolumne

Facebook war gestern: Twitters neues Vorbild heißt Snapchat

    Facebook war gestern: Twitters neues Vorbild heißt Snapchat

(Grafik: turtleteeth / Shutterstock)

Twitter-Chef Jack Dorsey findet den eigenen Dienst verwirrend und Snapchat viel intuitiver. Diese Anmerkung klingt im ersten Moment bizarr. Martin Weigert analysiert in seiner Kolumne Weigerts World, was sie über die Zukunft von Twitter verrät.

In der vergangenen Woche hat Twitter-Chef Jack Dorsey während eines Konferenz-Plausches etwas Bemerkenswertes gesagt (Link zum Video, ab ungefähr Minute 14): Twitters Funktionen seien aus Nutzersicht verwirrend. Wenn Anwender eine Aktivität bei dem Dienst durchführen, passiere „etwas Unerwartetes“. Das wolle er schnellstmöglich ändern.

Bemerkenswert ist diese Aussage, weil Dorsey kurz danach Snapchat als Gegenbeispiel herangezogen hat: Bei Snapchat gebe es dieses Problem nicht. Wenn man etwas bei Snapchat mache, wisse man ungefähr, was als nächstes geschieht.

Snapchats berühmt-berüchtigtes Interface

(Foto: dennizn / Shutterstock.com)
Auf den ersten Blick bizarr, dass sich Twitter Snapchat als Vorbild nimmt. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Man glaubt es kaum, aber Dorsey hat sich mit dieser Feststellung tatsächlich auf Snapchat bezogen; die App, deren Benutzeroberfläche Leute über 30 derartig Kopfzerbrechen bereitet, dass  Tweets mit „Ich verstehe Snapchat einfach nicht“ und Artikel à la „Tipps und Tricks, um mit Snapchat anzufangen“ im Jahr 2016 zu regelrechten Internet-Memes avancierten.

Wörtlich genommen klingt die Aussage von Dorsey bizarr. Twitter hat zwar hinreichend Schwächen. Doch wenn es um die Funktionsweise geht, ist es im Vergleich zu Snapchat eindeutig der weniger komplizierte Dienst.

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Die Jungen lieben Snapchat und vernachlässigen Twitter

Um Dorseys überraschenden Kommentar verstehen zu können, muss man den Kontext berücksichtigen: Twitter beißt sich seit Jahren die Zähne daran aus, endlich wieder ordentliches Nutzerwachstum zu produzieren. Snapchat dagegen strömen neue User nur so zu. Offizielle Zahlen publiziert das kalifornische Unternehmen zwar nicht. Laut einer Bloomberg-Meldung aus der vergangenen Woche verzeichnet die App aber mittlerweile mehr als 150 Millionen aktive Nutzer pro Tag — und hat damit bei dieser Metrik Twitter überflügelt. Zudem ist Snapchat bei Jugendlichen in den USA zum beliebtesten Social Network aufgestiegen. Gemäß der halbjährlichen Umfrage von Piper Jaffray zum bevorzugten Social Network führt Snapchat mit 28 Prozent das Ranking an (Vorjahreswert 13 Prozent). Nur noch 18 Prozent der 6.350 befragten US-Teens nannten Twitter als ihren Favoriten. 2015 waren es noch 24 Prozent.

Fassen wir zusammen: Snapchat wächst und das weiterhin vor allem bei jüngeren Nutzern. Twitter stagniert und verliert obendrein auch noch Sympathien bei jüngeren Anwendern. Von denen sehen immer mehr Snapchat als bevorzugte Social App.

Snapchat als Twitters neues Vorbild

(Bild: 10 FACE / Shutterstock.com)
Twitter will nicht nur noch als Special-Interest-Netzwerk für Medien- und Marketingleute gehobenen Alters wahrgenommen werden. (Bild: 10 FACE / Shutterstock.com)

„Jahrelang hat sich Twitter von Facebook inspirieren lassen. Mit mäßigem Erfolg.“

Twitter-CEO Jack Dorsey hat deshalb Snapchat als neuen strategischen Benchmark auserkoren. Wahrscheinlich, um nicht weiter aus dem Blickfeld junger Anwender herauszufallen. Dorsey möchte verhindern, dass Twitter nur noch als Special-Interest-Netzwerk für Medien- und Marketingleute gehobenen Alters wahrgenommen wird. Deshalb will er den Service für Teens und Twens attraktiver machen. Jahrelang hat sich Twitter von Facebook inspirieren lassen. Mit mäßigem Erfolg. Heutzutage sind jüngere User ohnehin nur noch deshalb bei Facebook, weil es von ihnen erwartet wird. Bei Snapchat dagegen verbringen sie Zeit, weil sie daran Spaß haben.

Wenn Jack Dorsey Snapchat als den verständlicheren, intuitiveren Service bezeichnet, dann macht er das aus der Perspektive der Digital Natives. Aus Sicht derjenigen, die das mobile Web nicht als tragbare Version des stationären Internets sehen. Aus Sicht von Personen, für die spielerisches Swipen und Tappen die Lieblings-Navigationsgesten darstellen. „Twitter wurde gegründet, als es das iPhone noch nicht gab“, konstatierte Dorsey. Was er damit meint: Der Dienst ist konzeptionell betagt und muss sich erneuern.

Twitter-Nutzer sollten sich schon einmal darauf einstellen, dass ihr geliebter Service demnächst genau solche Funktions- und Navigations-Elemente spendiert bekommt, die sie bislang davon abhielten, sich mit Snapchat anzufreunden. Es ist also höchste Zeit, um sich an sie zu gewöhnen.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Hier könnt ihr dem Autor auf Twitter folgen.

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Eine Reaktion
Sebastian Böttcher

Ich bin 26 Jahre alt und hatte gestern eine Diskussion mit 2 Bekannten (29 und 24), welche beide ebenfalls nicht mit Snapchat zurecht kommen. Ich schätze, dass Teenager einfach den Umgang mit Snapchat von anderen lernen oder sich so lange damit befassen bis sie es irgendwann begriffen haben. Die Motivation sich damit zu befassen kommt meines Erachtens nach daher, dass "alle Freunde" Snapchat nutzen. Dennoch glaube ich nicht, dass es ihnen wesentlich leichter fällt als uns, anfangs, ohne fremde Hilfe, die App zu bedienen.

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