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Twitter-Zensur: Wenig Gründe für große Aufregung

Twitter führt Zensur ein, heißt es heute überall in den Online-Gazetten. Auslöser ist eine Ankündigung von Twitter, man könne künftig bestimmte Inhalte länderspezifisch rausfiltern. Doch ist das wirklich Zensur?

Twitter-Zensur: Wenig Gründe für große Aufregung

Twitter führt länderspezifische „Zensur“ ein

Mit einem Blogbeitrag löste Twitter gestern Abend eine Welle der Entrüstung aus. Von Zensur und der Abkehr von der freien Meinungsäußerung war schnell die Rede. Es ginge doch nur darum, neue Märkte wie China zu besetzen, auf denen kritische Themen wie Menschenrechte zensiert werden.

Schauen wir uns die Ankündigung von Twitter zunächst mal genauer an:

As we continue to grow internationally, we will enter countries that have different ideas about the contours of freedom of expression. Some differ so much from our ideas that we will not be able to exist there. Others are similar but, for historical or cultural reasons, restrict certain types of content, such as France or Germany, which ban pro-Nazi content.

Das bedeutet zunächst einmal, dass Twitter sich als globales Unternehmen positioniert und sich dabei der Aufgabe stellen muss, die jeweiligen Landesgesetze, Kulturen und Gepflogenheiten zu berücksichtigen. Weiter heißt es dann:

Until now, the only way we could take account of those countries’ limits was to remove content globally. Starting today, we give ourselves the ability to reactively withhold content from users in a specific country — while keeping it available in the rest of the world. We have also built in a way to communicate transparently to users when content is withheld, and why.

We haven’t yet used this ability, but if and when we are required to withhold a Tweet in a specific country, we will attempt to let the user know, and we will clearly mark when the content has been withheld. As part of that transparency, we’ve expanded our partnership with Chilling Effects to share this new page, http://chillingeffects.org/twitter, which makes it easier to find notices related to Twitter.

Bisher gab es für Twitter also nur die Möglichkeit, bestimmte Inhalte global zu sperren, wenn diese gegen nationale Gesetze verstoßen. Mit der neuen Infrastruktur soll sich dies nun insoweit ändern, dass Twitter die Sperrungen auch nur für ein einzelnes Land vornehmen kann. Beanstandet eine Regierung oder auch ein Individuum jetzt also einen Tweet, kann dieser in dem speziellen Land gesperrt werden, während er überall sonst verfügbar bleibt. Twitter verpflichtet sich gleichzeitig der Transparenz und will gesperrte Tweets als solche anzeigen und zusätzlich die Gründe für die Sperrung nennen.

Zum Schluss betont Twitter, dass man die öffentliche Meinung der Nutzer wo es geht verteidigen werde und in allen anderen Fällen Transparenz beweisen wolle.

Warum Twitters Ankündigung keine Zensur ist

So sieht es derzeit aus, wenn Twitter einen Tweet global sperrt.

Der Begriff „Zensur“ bezeichnet per Definition eine staatliche Kontrollinstanz, die verhindern soll, dass unerwünschte Inhalte veröffentlicht werden. Das neue regionale Filtersystem von Twitter ist daher schon deshalb keine Zensur, weil Twitter nicht die Veröffentlichung von unerwünschten Inhalten verhindert, sondern erst im Nachgang einen Filter einsetzt, um solche Tweets mit einem Hinweis ausstattet: „Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar“. Bei einer staatlichen Zensur, wie sie in totalitären Staaten wie China Alltag ist, werden solche Inhalte proaktiv geblockt und niemand bekommt davon etwas mit.

Der zweite, ganz wesentliche Unterschied zu einer staatlich kontrollierten Zensur liegt in der verwendeten Technik. Wie Martin Weigert berichtet, setzt Twitter kein IP-Geoblocking ein, um unerwünschte Tweets in einem Land zu sperren. Grundlage für die Sperrung ist dagegen lediglich die Länderangabe im Nutzerprofil. Diese wird von Twitter zwar automatisch anhand der verwendeten IP-Adresse ermittelt, lässt sich vom Nutzer aber mit wenigen Klicks manuell ändern. Zensur wäre an dieser Stelle sehr viel restriktiver, denn sonst würde sie schlicht nicht funktionieren.

Und ob sich Twitter mit dieser neuen Regelung den Markteintritt in China sichern kann, muss man so lange bezweifeln, bis der chinesische Staatsapparat einlenkt. Ausreichende Gründe sehe ich durch die einfache Umgehung der gesperrten Tweets allerdings nicht. Und wenn es widererwarten doch dazu kommen sollte, kann von einem Einknicken Twitters vor einem totalitären Staat keine Rede sein. Zum einen kann ein Dienst wie Twitter nie vollkommen kontrolliert werden, auch nicht mit dem jetzt vorgestellten Instrument - selbst wenn es keine Möglichkeit zur Umgehung gäbe. Dafür ist die Begrenzung auf 140 Zeichen viel zu sehr darauf ausgerichtet, Nachrichten, Inhalte und Botschaften zu verkürzen. Zum anderen gibt es Twitter derzeit ja überhaupt nicht in China. So gesehen wäre eine Freigabe der Plattform für den chinesischen Markt per se schon eine Verbesserung der aktuellen Situation. Statt Zensur wäre Twitters Vorhaben in China das genaue Gegenteil.

Worum es wirklich geht, zeigt die neue Transparenz-Seite recht deutlich: Urheberrechtsverletzungen!

Der Hauptgrund für die vermeintliche Twitter-Zensur dürften Urheberrechtsverletzungen sein.

Weiterführende Links zum Thema Twitter-Zensur:

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27 Antworten
  1. von Dieter Petereit am 27.01.2012 (12:44Uhr)

    Das ist keine neue Transparenzseite, sondern die Seite, auf der seit Jahren jedermann nachsehen kann, welche Cease-and-Desist Notices im Rahmen des Digital Millenium Copyright Acts eingereicht wurden. So ist es wenig verwunderlich, dass sich auf dieser Seite auch nur Urheberrechtsverletzungen finden. Daraus zu schließen, es handele sich in Wirklichkeit um eine Maßnahme zur Verbesserung des Urheberrechtsschutzes bedeutet einen unzulässigen Zirkelschluss.

    Meine Meinung zum Thema lässt sich hier nachlesen...

  2. von Robert Hartung via facebook am 27.01.2012 (12:48Uhr)

    nich auch noch twitter ...

  3. von Dennis Like via facebook am 27.01.2012 (12:51Uhr)

    GEGEN ZENSUR !

  4. von Alexander Schestag am 27.01.2012 (13:04Uhr)

    Bei dem Artikel rate ich dringend zur Nach- und Selbstzensur, denn so kann man das keineswegs stehenlassen.

    Wenig Grund zur Aufregung? Das sehe ich ganz anders. Sie haben den Knackpunkt selbst genannt:

    "Beanstandet eine Regierung oder auch ein Individuum jetzt also einen Tweet, kann dieser in dem speziellen Land gesperrt werden, während er überall sonst verfügbar bleibt."

    Im Klartext: Twitter sperrt Tweets auf Zuruf von Regierungen oder Individuen ohne richterliche Verfügung? Und das finden Sie ok und keinen Grund für große Aufregung? Über dieses Rechtsstaatsverständnis in einem deutschen Internetmagazin bin ich dann doch einigermaßen entsetzt. In jedem Land, das man auch nur im Entferntesten Rechtsstaat nennen darf, entscheiden nicht die Regierungen und auch nicht irgendwelche Individuen darüber, ob Äußerungen oder generell Inhalte zu beanstanden sind, sondern ausschließlich die Jurisdiktion, also Gerichte! Das ist das rechtsstaatlich grundlegende Prinzip der Gewaltenteilung, das eben solche Willkürmaßnahmen verhindern soll. Würde die Bundesregierung von Twitter ohne richterlichen Beschluß eine Sperre eines Tweets verlangen, wäre das schlicht ein Verstoß gegen Art. 5 Grundgesetz! Somit öffnet die Vorgehensweise, beruht sie nicht ausschließlich auf richterlichen Beschlüssen, nicht nur in Diktaturen Tür und Tor, um mißliebige Äußerungen willkürlich regierungsseitig zu zensieren. Daß das auch in (scheinbaren) Demokratien nicht undenkbar ist, zeigt ein jüngstes Beispiel sehr deutlich, nämlich Ungarn.

    Sie haben Recht, Zensur ist per definitionem ein staatliches Mittel. Aber die Schlußfolgerung "Das neue regionale Filtersystem von Twitter ist daher schon deshalb keine Zensur, weil Twitter nicht die Veröffentlichung von unerwünschten Inhalten verhindert, sondern erst im Nachgang einen Filter einsetzt, um solche Tweets mit einem Hinweis ausstattet" ist aus mehreren Gründen grundfalsch. Erstens scheint Ihnen nicht bekannt zu sein, daß man sehr wohl zwischen Vorzensur und Nachzensur unterscheidet. Was Twitter hier macht, ist eine klassische Nachzensur. Zweitens kann man hier auch nicht argumentieren, daß Twitter kein staatliches Organ ist, weil sich Twitter mit diesem Vorgehen freiwillig als Instrumentarium staatlicher Zensur regelrecht anbiedert und ein Instrument liefert, das geeignet ist, Staaten dabei zu unterstützen, Bürger- und Menschenrechte zu beschneiden. Welche Folgen das für die Demokratiebewegungen in diktatorischen Staaten haben wird, kann sich hoffentlich jeder ausmalen. Last but not least spricht natürlich auch die Art der technischen Umsetzung nicht dagegen, von Zensur zu reden. Denn der Schwierigkeitsgrad der Umgehbarkeit - letztlich kann man jede Form der Zensur umgehen - ist kein Definitionskriterium von Zensur.

    Fazit: Die einzig legitime Vorgehensweise wäre, Tweets auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses zu sperren. Das gilt übrigens auch bei Urheberrechtsverletzungen. Aber das scheint nicht gewollt.

  5. von Timo am 27.01.2012 (13:06Uhr)

    Keine Zensur? Hmm. Wie wäre denn die Revolution in Tunesien verlaufen, wenn es Twitter-Sperren gegeben hätte? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... der Begriff "World Wide Web" wird immer mehr ad absurdum geführt.

  6. von Twitter: Bald “Dieser Tweet ist in… am 27.01.2012 (13:16Uhr)

    [...] Auch t3n.de sagt: "Wenig Gründe für große Aufregung": t3n.de. Wie fandest du diesen Artikel?Interessant (0) Witzig (0) Langweilig (0) [...]

  7. von Falk Hedemann am 27.01.2012 (13:25Uhr)

    @Alexander: Von Sperrungen auf Zuruf kann sicher keine Rede sein. Twitter versichert ja ausdrücklich, Sperrungen von Tweets möglichst verhindern zu wollen. Nur wenn sie eben nachweislich gegen Gesetze verstoßen, werden sie gesperrt. Wie das in der Praxis dann letztlich aussieht, werden wir sehen.

    Auch die Sache mit den gerichtlichen Anordnungen sehe ich etwas anders. Zum einen wäre das wohl kaum leistbar, denn unsere Gerichte sind ja schon jetzt überlastet. Nun bin ich kein Jurist, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass der Streitwert zu gering für eine gerichtliche Bemühung wäre.

    Zudem zeigen ja die Streitigkeiten zwischen YouTube, GEMA und der Rechteinhabern, das die Praxis anders aussieht. So schnell wie da Videos gesperrt werden, ist da wohl kaum immer ein Gericht zwischengeschaltet.

    Ich halte die Aufregung auch deshalb für überzogen, weil ich transparente Sperrungen von Tweets, die gegen geltende Landesgesetze verstoßen, nicht mit der Zensur in totalitären Staaten vergleichen würde. Da herrscht staatliche Willkür, die alles andere als transparent ist. Das muss man schon klar voneinander trennen, denke ich.

    Vielleicht warten wir einfach mal ein paar Wochen ab und schauen dann noch mal genauer nach, welche und wie viele Tweets aus welchen Gründen wo gesperrt wurden ;-)

  8. von Martin am 27.01.2012 (13:43Uhr)

    Bei Twitter ist das Zensur. Egal wie man es dreht. Auf jedenfall hat es nichts mit einem offenen demokratischen System zu tun. In Ägypten hätte die Regierung einfach gesagt bitte filtert die Tweets und dann wären die halt einfach weg. Keine Tweets keine Revolution. Mit welcher Technik zensiert wird ist absolut egal.

  9. von Alexander Schestag am 27.01.2012 (13:51Uhr)

    @Falk "Nur wenn sie eben nachweislich gegen Gesetze verstoßen, werden sie gesperrt". Aha, und wer soll das überprüfen, wenn nicht ein Gericht? Twitter müßte dann ja überall einen entsprechenden Anwalt haben, der das vor Ort für jeden Einzelfall überprüft. Und auch dann ist so eine Vorgehensweise in der Regel höchst zweifelhaft. Es mag ja Fälle wie Beleidigungen geben, in denen das eindeutig ist und bei denen der Dienstebetreiber auch nach deutschem Recht ohne Richterbeschluß in der Pflicht ist. Aber das sind Ausnahmefälle.

    Ich kritisiere an dem Ganzen zwei Dinge:

    a.) Wer entscheidet, ob ein Tweet gegen Landesgesetze verstößt? Das kann rechtsstaatlich legitimiert nur ein Gericht. Die Argumentation, daß Gerichte überlastet sind oder der Streitwert zu gering ist, ist dabei völlig unerheblich. Wenn kein Gerichtsbeschluß erwirkt wird, darf dann eben auch nicht gesperrt werden.

    b.) Wenn Twitter das konsequent durchziehen will, ist es eben auch gezwungen, Gesetze in Unrechtsstaaten einzuhalten und Tweets zu sperren, die gegen dortige Gesetzen verstoßen, nach rechtsstaatlichen Kriterien - etwa nach der UN-Menschenrechtskonvention - aber ganz klar unter die Meinungsfreiheit fallen. Das verstößt gegen Bürger- und Menschenrechte.

    Daß grade von Rechteinhaber oft Sperrungen oder Löschungen ohne richterlichen Beschluß erwirkt werden, ist richtig. Aber das ist auch nicht gutzuheißen und ging schon mehr als einmal schief, weil an sich einwandfreie Werke, an denen der, der sie hochgeladen hat, selbst die Rechte hatte, gelöscht wurden.

    Last but not least: Eine Sperrung unter diesen Umständen setzt zwingend voraus, daß der Betroffene informiert und angehört wird. Alles andere ist nicht transparent.

  10. von ShoXX am 27.01.2012 (14:17Uhr)

    Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber wie zur Hölle kann man das neue Design freischalten???
    Ich hab immer noch das Alte! :/

    Hoffentlich kann mir jemand helfen :)

  11. von Thomas Paul via facebook am 27.01.2012 (14:44Uhr)

    War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Sobald ein Dienst zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht wird auch die Regierung und der Rest der Welt darauf aufmerksam und will natürlich Kontrolle darüber haben. Rede und Meinungsfreiheit ist und wird auf Dauer nicht als selbstverständlich anzusehen sein.

  12. von Google, Timeline und Zensur | Newspresso… am 28.01.2012 (00:01Uhr)

    [...] Twitter-Zensur: Wenig Gründe für große Aufregung [...]

  13. von Addliss am 28.01.2012 (12:54Uhr)

    @Alexander Schestag Ihre Auseinandersetzung mit Zensur teile ich insofern, dass man dies als Nachzensur bezeichnen kann, wenn man es denn dramatisieren wollte. Ich sehe allerdings, dass Sie den Knackpunkt der Neuerung verpasst haben! Schon jetzt muss Twitter bestimmte Tweets blockieren, um Gesetzen gerecht zu werden. Bisher geschieht dies auf globaler Ebene, mit der neuen Vorgehensweise blockiert man aber nur noch national. Ist das nicht vielmehr eine Verbesserung? Alle anderen Länder können den Tweet wenigstens aufrufen.

    Ich sehe auch noch nicht, dass eine Blockade von Tweets allein auf Zuruf von Regierungen oder Individuen stattfinden wird. Ich schätze (bisher hat sich Twitter noch nicht dazu geäußert), dass man vielmehr genau den Richtervorbehalt nutzen will, um möglichst wenig Tweets blockieren zu lassen. Wenn die Hürde über den Richtervorbehalt so groß ist, wird nicht ständig jemand unsinnigerweise wegen Schmähkritik o.ä. klagen.
    Natürlich muss man sehen, ob Twitter das so umsetzt, aber ich kann es mir aus rein marktwirtschaftlicher Perspektive durchaus vorstellen.

  14. von Thomas Schewe am 28.01.2012 (15:27Uhr)

    Danke für diesen ausgewogenen Artikel.

  15. von Sven Tilburg am 28.01.2012 (16:53Uhr)

    Lieber Falk,

    ich bin ja auch immer dafür die Kirche im Dorf zu lassen und Du bist ja durchaus dafür bekannt und respektiert auch ruhig und wohl durchdacht zu schreiben. Mir scheint die Kirche ist aber nicht im Dorf und du hast dir nicht die Zeit genommen das Thema zu durchdenken. (Ich gebe zu: Wenn man so wie ich in einem etwas exotischen Land lebt, sieht man es deutlicher und früher.)

    1.) ZENSUR ist ZENSUR (egal von durch wen)

    Du schreibst: "Der Begriff „Zensur“ bezeichnet per Definition eine staatliche Kontrollinstanz, die verhindern soll, dass unerwünschte Inhalte veröffentlicht werden." - So eine Definition ist natürlich Unfug. Was ist wenn Journalisten korrumpiert und gekauft werden und so Meldungen unterbunden werden? Was ist Großkonzerne kleine Blogger in den Boden klagen? - Zensur ist Zensur - egal wer's tut.

    2.) Es geht nicht um Zensur, es geht um Rassismus

    Die gesamte Fragestellung deines Artikels geht meiner Ansicht am Thema vorbei. Es interessiert gar nicht was Twitter tun wird. Es interessiert was Twitter tun kann. Twitter ist nun im Stande nach GeoIP zu zensieren. Ob sie es tun werden und nach welchen Maßstäben hängt nun nur noch von der Firmenpolitik ab. Und das ist der Skandal.

    3.) Nicht Twitter ist böse - GeoIP ist böse

    Ich lebe in Uruguay und treibe mich seit vielen Jahren gerne in Ländern der 2. und 3. Welt herum. Dabei hab ich viel gelernt vor allem eines: GeoIP is Böse. GeoIP ist die Zuordnung einer IP Nummer zu einer geographischen Position, meist einem Land (und/oder Stadt). An dem Konzept ist alles falsch und ich hätte einiges dazu zu sagen, aber hier nur das wichtigste: GeoIP ist angewandter Rassismus. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem GeoIP ethisch vertretbar eingesetzt wird. Im besten Fall ist der Einsatz dumm (z.B. wird einem die Sprache auf einer Website vorgegeben. Weil alle die sich gerade in Buenos Aires befinden, die Website von Tumblr.com auf Spanisch lesen möchten? Und was ist mit Menschen auf Reisen?) - In den meisten Fällen wird geoIP aber verwendet um ganze Länder, ja ganze Regionen der Welt auszusperren.

    War Internet nicht mal grenzenlos mit der Ganzen Welt kommunizieren?

    Erinnert sich denn keiner mehr? War Internet nicht mal, so geil weil Kinder in Tibet übers Internet was über Kinder in Deutschland erfahren konnten und umgekehrt? Habt ihr alle den Geist dieser Jahre vergessen? - Wer als Deutscher nur dumpf auf Deutschen Seiten rumhängt, sei entschuldigt, dass er es nicht mitbekommen hat. Das Internet heute ist voll von Grenzkontrollen, Absperrungen, Zäunen, Stacheldrähten und Blockaden. Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar. Ich kann seit geraumer Zeit an diversen Diskussionen auf Twitter und Facebook nicht teilnehmen, weil ich den Inhalt, um den es geht in Uruguay nicht abrufen kann. Warum? Weil Uruguayer zu blöde sind? Weil die Dritte Welt die Klappe halten soll? Weil wer sich "bei den Negern herumtreibt", es nicht besser verdient?

    Mit der Änderung bei Twitter ist das nun so: Das Video über Polizeigewalt über das sich alle meine deutschen Freunde bei Facebook und Twitter aufregen kann ich nicht sehen, denn "dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar" - Aber ich kann die Diskussion dazu sehen und mir Zugang zu dem Video verschaffen. Dank des neuen Filters bei Twitter werde ich in Zukunft nicht mal erfahren das es ein Video gab.

    Falk, es ist Zensur, es ist noch viel schlimmer als Zensur es ist das Zerlegen der internationalen Internet User in kleine überwachbare Gruppen. Es ist das Ende vom Internet das mich mal beflügelt hat.

    Die Kirche ist soweit aus dem Dorf man sieht sie schon fast nicht mehr!

  16. von Landesspezifischer Inhaltsfilter bei Twi… am 28.01.2012 (18:22Uhr)

    [...] Nachschübe: Hier noch eine interessante, durchaus positive Einschätzung aus Sicht des Free-Speech-Aktivismus. Zapp sieht es ganz easy. Hier noch was auf Ars Technica zu Chilling Effects der EFF. t3n fasst zusammen. [...]

  17. von Twitter-Zensur: Wenig Gründe fü… am 28.01.2012 (21:05Uhr)

    [...] background-position: 50% 0px; background-color:#222222; background-repeat : no-repeat; } t3n.de - Today, 9:05 [...]

  18. von Thomas Schewe am 28.01.2012 (21:41Uhr)

    @Swen

    Die Aussage, dass GeoIP rassistisch ist, kann ich wirklich nicht nachvollziehen.

    Per GeoIP kann man feststellen vermuten, aus welche Region der User kommt, aber nicht welcher Rasse er angehört.

    Blockt man z.B. IPs aus den USA, dann sperrt man alle User, die Provider (oder Services) in den USA nutzen, ganz gleich welcher "Rasse" (was auch immer das bedeuten mag) angehören, Also sämtliche Bevölkerungsgruppen, egal ob man sie nun als Weiße, Hispanic, Asiat oder Afroamerikaner bezeichnen würde.

    Wo ist da Rassismus?

    Auch halte ich es für falsch, GeoIP per se für böse zu halten. Wie bei vielen Werkzeugen, geht es darum wie man es anwendet.

    Ich habe auch den Eindruck, dass Du den Status quo und den nun von Twitter angestrebten Zustand nicht kennst bzw. missverstehst.

    Wenn Twitter heute gezwungen ist, einen Tweet oder Account zu sperren, dann wird der Tweet oder Account gelöscht. Die Information ist dann einfach spurlos verschwunden. Kein Indiz, dass es da mal was gab.

    Bei der geplanten Vorgehensweise wird der Tweet bzw. Account nicht gelöscht, sondern durch einen Hinweis auf die Sperrung ersetzt. Wenn Du dann feststellst, dass bei Dir in den Accountsettings ein falsche Land angegeben ist und Du das berichtigst, soll statt des Hinweise der konkrete Inhalt angezeigt werden.

    So, und nun die Preisfrage:
    Was ist schlimmer, die vollständige und spurlose Löschung für alle Nutzer wie heute oder ein Ausblenden mit entsprechendem Hinweis, das auf der von Dir vorgegebenen Nationalität basiert?

    Für mich ist die Antwort eindeutig.

  19. von Sven Tilburg am 28.01.2012 (22:01Uhr)

    @Thomas

    Keine Sorge - Ich weiß schon was Rassismus ist und ich weiß auch genau was ich sage. :)

    Deine Beobachtung ist die eines typischen Nutzers aus Europa/Nordamerika (oder einfach: aus der Ersten Welt) - 90% der Welt ist schwarz und 90% der Welt wird durch GeoIP ausgeschlossen.

    Meine ist die eines Internet Workers der durch seltene Länder reist. (Zur Zeit: Südamerika)

    GeoIP ist KEINE Technik für die es gute und schlechte Anwendung gibt. Für GeoIP gibt es nur "böse" Verwendung.

    So wie du es beschreibst wäre es richtig: Twitter FRAGT mich, nach meinem Standort und nach meinem Sprachwunsch und gut ist. Leider ist es aber nicht so mit GeoIP. Im Gegenteil: Bei GeoIP werde ich eben NICHT GEFRAGT. Meine IP ist irgendeinem Land zu geordnet und so werde ich behandelt. "Uruguay? You are gay? Ha, Ha - Was'n das für'n Land - machen wir mal lieber dicht, sind doch eh nur alles dreckige Latinos." - Und Uruguay hat's noch gut.

    Mach mal was mutiges in deinem Leben. Nimm dir 6 Wochen Urlaub und fahr nach Uganda oder nach Kyrgystan oder nach Mali. Und versuch dort mal das zu machen, was du sonst so im Internet machst.

    Ich weiß das man das als normal User in Deutschland (oder der ersten Welt) nicht merkt. Aber die Corporate Content Mafia hat bereits effektiv und heimlich die 2. und 3. Welt abgeschaltet.

    Twitter ist in dieser Entwicklung wieder nur ein kleiner Schritt. Kein Grund zur Aufregung. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

  20. von große Aufregung am 28.01.2012 (22:46Uhr)

    GeoIP gibts ja nur, weil rot-grün 1999 keine zentralen Lizenz-Server für z.b. Fernsehserien und Filme aufgebaut hat, so das wir von Deutschland PROBLEMLOS hulu, netflix, Sky-UK,... usw. abonnieren können. Im Prinzip gibts also wirklich eher "nur böse" Einsatzzwecke dafür.
    Mangels konstruktiver Diskussionssysteme gewinnen DIE. Dank Acta werden bald vermutlich viele Webseiten geschlossen z.b. wegen Politiker-Zitaten o.ä. . Schliesslich liegen Urheber-Rechte der Autoren auf den Politiker-Reden und Wahlkampf-Reden, Parteiprogrammen usw.

    "Nachzensur" ist ein gutes Wort.
    Den Begriff sollte man sich angewöhnen (wenn keiner einen besseren Begriff hat) weil per elementarer Definition "Zensur" oft nicht zutrifft aber die ungebildeten Leute dann falsche Worte wie "Trojaner", "Tempo"(Papier-Taschentuch), "sparen"(einsparen), "Lohnerhöhung"(Inflationsangleichung) , "Zensur"(Nachzensur),... oder die vielen false friends aus der Erstauflage der Steve-Jobs-Biographie benutzen.
    Leider kämpft man gegen Windmühlen und muss sich ständig einen Wolf erklären. Leider gibts kein Wiki um solche Standard-Entdummungs-Texte zu sammeln und z.B. als "#EntDummung0815" in Foren wiederzubenutzen. Bezahlte Poster interessiert das nicht, aber es lernen immer mehr Interessierte Leser so das Begriffe wie "Trojaner" u.ä. dann langsam in Verruf geraten und die Front sich gegen die falsche Verwendung richtet.

    Interessant wäre dann automatische Retweet-Channels wie @forbidden-Syria @forbidden-Germany oder sowas den man dann als Oppositioneller im Ausland direkt abonnieren kann. @toptweets-... gibts ja auch.
    Nach den Verschlechterungen und Unbrauchbarmachungen der Twitter-Clients vielleicht mal eine gute Tat von Twitter: "Ihr wollt uns nachzensieren. Ok. Wir nehmens runter und erzählen es jedem Amerikaner...".

    Davon abgesehen zeigt im Grenzgebiet der Client oft eh #Top-Stories und Top-#Hash-Tags aus dem falschen Land an.

    In anderen Texten hiess es, die Takedowns würden schriftlich und nach bestimmten Maßstäben erfolgen. Die Diskussionsfähigkeit vieler Internet-user erkennt man daran, das zu wenig nach den Konditionen gefragt wird und man auch bei diesen Themen (und nicht nur bei Politik wo das sehr berechtigt ist) irgendwas rein-interpretiert statt nachzufragen oder zu erkundigen.

    Twitter muss sich auch an Gesetze halten und hier z.b. Nazikrams löschen. Wenn Politiker Twitters Werbepotential erkennen und Ihr mehr Wahlkampf-Tweets bekommt als Email-Spam, werdet Ihr Euch bessere Clients mit (SELBER!!!!! definierten) Filtern noch wünschen.

  21. von Thomas Schewe am 29.01.2012 (00:28Uhr)

    @Sven

    Natürlich ist meine Meinung von meinen bisherigen Erfahrungen geprägt. genauso wie Deine. Wenn ich auf eine Seite stoße, die keinen Content an mich ausliefert, weil ich die "falsche" IP habe, dann empfinge ich das nicht als Rassismus, auch wenn hier in D 90% der Menschen "Weiße" sind. Ich kann auch Deine Argumentation verstehen, auch wenn sie sich (bisher) nicht mit meinem Bild von Rassismus deckt.

    Mich würde sehr interessieren, weshalb Du in vorliegenden Zusammenhang so auf dem Thema GeoIP rumreitest, wo doch - wie ich glaube aus auch Deinen Worten entnehmen zu können - Twitter nicht auf GeoIP aufsetzt, sondern die Settings des Users verwendet.

    Weiterhin würde mich Deine Antwort auf meine abschließende Frage interessieren.

  22. von Sven Tilburg am 29.01.2012 (01:40Uhr)

    @Thomas

    aus einer Kombination von purem Eigennutz und echter Sorge um unserer aller Freiheit bin ich schon seit Langem ein scharfer Kritiker von GeoIP.

    Eine Website/App hat den User höflich zu fragen, welche Landes/Sprach Einstellungen er möchte und das war's. Dem User über seine IP "hinterher zu schnüffeln" wo er sich gerade befindet und demnach zu behandelnd (oder meist: zu diskriminieren) muss geächtet werden.

    Der Einsatz von GeoIP muss so "toxisch" werden, wie der Einsatz von Kinderarbeit, das Erschießen von Elefanten (GoDaddy) oder das Fangen von Walen. Firmen die das tun müssen im Shitstorm ertrinken. - Nur so wird das Internet nicht in reiche und arme Welt zersägt.

    In diesem Sinne nutze ich (geb ich offen zu) den Twitter Anlass auf das GeoIP Problem zu verweisen. Und ich glaube auch schlicht nicht, das Twitter sich auf die Ländereinstellungen der User beschränken wird. Von da aus ist es ein leichtes in die Nutzungsbedingungen zu schreiben das alle Angaben der Wahrheit entsprechen müssen und wenn du ein anderes Land einstellst, als deine IP über dich verrät ...tja, dann hast du halt gegen die AGBs verstoßen. Account dicht.

    Es ist naiv zu glauben das Twitter nicht nach GeoIP filtern wird, wie es z.B,. YouTube schon lange macht. Letzere geben (wie neulich raus gekommen ist) ja inzwischen Firmen wie Universal direkten Zugriff um Inhalte nach Belieben zu sperren.

    Google zwingt mich zu google.com.uy und zeigt mir keine US Ergebnisse mehr an. Tumbler begrüßt mich mit Spanish English Mix, Skype schickt jede Benachrichtung in einer anderen Sprache. Diverse Payment Plattformen blockieren grundsätzlich jeden Bezahlvorgang. YouTube ist zu 50% unbrauchbar (z.B. Video über Polizeigewalt bei der "Freiheit statt Angst" Demo nicht mehr abrufbar.) usw.

    Die Alternative dar nicht zwischen Löschen und Sperren liegen. Das ist einfach nicht akzeptabel.

    "Arbeit macht frei" war eine höhnische Lüge. "Freiheit macht Arbeit" ist die bittere Wahrheit.

    Gruss

    Sven

  23. von Falk Hedemann am 29.01.2012 (16:18Uhr)

    Hallo Sven!

    Wow vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen Kommentar und die interessanten Einblicke in eine Welt, die wohl nicht nur für mich fremd ist. Ich finde es klasse, dass Du Dir dafür die Zeit genommen hast. Ich versuche mal auf die wichtigsten Punkte einzugehen und damit meine Sicht noch etwas deutlicher zu machen.

    Zensur ist staatlich!

    Ich bin ein großer Freund davon, Dinge so zu benennen, wie definitorisch benannt werden müssen. Gerade bei einem so sehr geprägten Begriff wie Zensur ist das sehr wichtig, denn wie der Fall Twitter jetzt wieder zeigt, werden solche Begrifflichkeiten oft unreflektiert übernommen. Für die Medien ist Zensur ein starkes Keyword, mit dem sich Leser emotional einfangen lassen. Es gab leider sehr viele Berichte, die genauso gestrickt waren. Zensur hier zur Stimmungsmache instrumentalisiert, obwohl er zu dem was Twitter angekündigt hat ganz klar nicht passt.

    Für einen Rassismus-Vorwurf gibt es keinen Grund!

    Ich glaube Dir gerne, dass es in vielen Ländern beim Thema Internet große Probleme gibt. Doch dafür kann Twitter nicht verantwortlich gemacht werden. Deinen Rassismus-Vorwurf kann ich jedenfalls überhaupt nicht nachvollziehen. Wo ist denn dafür das Motiv? Du machst diesen Punkt allein an GeoIP fest, doch Twitter wird diese Technik nach eigenem Bekunden doch gar nicht einsetzen.

    Was mich aber wirklich stört: Rassismus ist ein viel zu schwerwiegendes Problem, als dass man es völlig ohne Grundlage in kontroverse Diskussionen einbringen sollte. Bitte überlege Dir diesen Punkt nochmals Sven und sei mir nicht böse, wenn ich Rassismus an dieser Stelle für völlig überzogen halte.

    GeoIP ist böse!

    Nicht in jedem Land ist Englisch die Landessprache und wenn die meist aus den USA stammenden Internetdienste GeoIP dazu nutzen, in allen Ländern die Landessprache als Defaulteinstellung vorzugeben, dann helfen sie damit vermutlich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. Aber auch hier kommt es vor allem darauf an, wie diese Technologie eingesetzt wird. Eine pauschale Stigmatisierung einer Technologie liegt mir fern, denn das ist für mich zu sehr von Vorurteilen getrieben. Wenn es dagegen Fälle gibt, in denen GeoIP in schädlicher Weise eingesetzt wird, bin ich da immer offen für Hinweise.

    Freies Internet für alle!

    Da sind wir uns sicherlich schnell einig: Ein freies Internet für alle auf der ganzen Welt wäre eine Idealvorstellung! Dass die Realität anders aussieht, ist klar. Das war aber schon immer so und hat weniger mit dem Internet als Struktur zu tun, sondern viel mehr mit den politischen Systemen in einzelnen Ländern und Regionen. Freiheit war und ist schon immer eine gesellschaftliche Aufgabe gewesen und das Internet ist eben ein Teil dieser Gesellschaft. Trifft man im Internet auf Sperren und Blockaden, hält man das schnell für einen Rückschritt. Ds liegt meiner Meinung nach daran, dass das Internet über Jahre hinweg eine Subkultur innerhalb unserer Gesellschaft darstellte. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert und somit werden immer mehr Strukturen von der Offline- in die Onlinewelt übertragen. „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ hört man von Politikern doch seit Jahren.

    Um das abschließend klar zu sagen: Ich würde es mir sehr wünschen, wenn es ein freies Internet für alle Menschen auf der Welt geben würde! Man muss sich aber der Realität stellen und die sieht einfach nach einer weiteren Annäherung der On- und Offlinewelt aus.

  24. von Sven Tilburg am 29.01.2012 (18:05Uhr)

    Hallo Falk,

    auch dir danke für deine ausführliche Antwort. Lass mich in aller Kürze auf die Punkte eingehen in denen wir auseinander liegen:

    Twitter und GeoIP

    Ich halte es für naiv zu glauben, Twitter wird auf Dauer die Einstellungen des Users als Grundlage der Filter verwenden. Das ist im Grunde genauso wie die Hoffnung (oder Vertrauen?) das Twitter schon das Richtige filtern wird. Es bleibt wishful thinking. Hoffen wir das Beste und vergessen wir nicht: Bei einem Dienst der kostenlos ist, bist im Zweifel Du die Ware.

    GeoIP ist NICHT praktisch...

    Ich vermute das Du dich mit GeoIP noch nicht beschäftigt hast. Verständlich, denn du hast (als deutscher Surfer in Deutschland) keinen Grund dazu verspürt. Ich helf daher mal schnell auf die Sprünge:

    => GeoIP ist nicht dafür geeignet die Sprache zu wählen. Es sei denn du nimmst an, alle Menschen sind zu jeder Zeit in 'ihrem' Land, sprechen die Landessprache und reisen nie.
    Ich gehe aber davon aus das Reisefreiheit herrscht und das man auch in Länder reisen darf deren Sprache man nicht versteht. Wenn Du nach Thailand in Urlaub fliegst - Willst du alle Webseiten auf Thai haben? Indien kann mit ca 2500 Sprachen aufwarten - welche soll für eine indische IP ausgewählt werden? - Und zu guter Letzt: Wofür habe ich Sprachvorgaben in meinem Browser? - Genau dort ist eingestellt welche Sprachen ich in welcher Reihenfolge angeboten haben möchte und das wird bei jedem Seitenaufruf an den Webdienst übermittelt. Die Verwendung von GeoIP zur Sprachauswahl ist bestenfalls arrogant, meist aber schlicht ausländerfeindlich und dumm.

    => GeoIP ist kein "Service aus den USA". GeoIP ist die paranoide Wahn-Idee alle IP Nummern der Welt, geografischen Punkten zu zuordnen und in entsprechenden Datenbanken zu speichern. Du kannst getrost davon ausgehen, das die Volksrepublik China und andere Despoten Staaten ihre eigenen GeoIP Systeme betreiben, um das Internet zu filtern. Was Geheimdienste für Diktaturen erledigen, erledigen Firmen wie MaxMind Inc. für Konzerne.

    => Für Dienste die einfach besser funktionieren, wenn sie meinen Standort kennen, (der internationale Pizza Dienst ist hier immer das Beispiel) gibt es Location-Aware-Browsing. Bei LAB fragt die Website meinen Browser nach meinem Standort, der Browser öffnet ein kleines Fenster und fragt mich ob ich der Website meinen Standort verraten will. Das (und nur das) ist der korrekte Weg meinen Standort zu ermitteln: Mich zu fragen!

    GeoIP _ist_ angewandter Rassismus

    [Nochmal: Ich arbeite zwar als Webentwickler, bin aber studierter Historiker - ich verwende das Wort "Rassismus" mit Sicherheit nicht inflationär oder leichtfertig.]

    Hier zwei abstrakte Beispiele - sag mir welches von beiden Rassismus ist:

    - "Ein Chinese hat mir einen Sack Reis geklaut. Welcher? Weiss ich doch nicht. Die sehen doch alle gleich aus. Ich lasse ab sofort keinen Chinesen mehr in meinen Laden rein. An der Tür wird kontrolliert und jeder Chinese weg gestiefelt. Nur noch ehrliche Europäer dürfen rein."

    - "Das ist schon der zweite Hack-Versuch heute auf meinem Server und wieder eine chinesische IP. Mir ist das jetzt echt zu doof! Ich mach mal einen Deny-All in meine htaccess und lass nur noch Surfer aus den EU Ländern auf meine Seite."

    GeoIP hat nur eine einzige Funktion: Sie steckt Menschen in Schubladen (Land, Region, Kontinent) und erlaubt das einfache Diskriminieren.

    Zur Definition von Begriffen

    Ich hatte deine Definition von Zensur angegriffen, denn es scheint mir das Zensur, Zensur ist auch wenn sie nicht von staatlichen Stellen kommt. Das ist Staatszensur. Wenn Universal einen Direktzugriff auf YouTube bekommt und dort - ohne jegliche Kontrollinstanz - sperren darf was ihnen in den Sinn kommt. Dann ist das ebenfalls Zensur. Definieren wir lieber den begriff der Zensur etwas weiter und schreien etwas früher, denn wenn wir zu spät schreien, wird es vielleicht schon zensiert. :)

    Man kann meine Verwendung des Begriffs " angewandten Rassismus" bestimmt auch angreifen und an der Definition nörgeln. Aber wie wollen wir es nennen, wenn wir alle Menschen in Afrika von einem Internetangebot ausschließen? Wenn wir online Bezahlvorgänge grundsätzlich und immer manuell tagelang nachprüfen, weil sie aus Uruguay und nicht aus der Schweiz kommen? - Ich wette 80% der Leser hier haben gerade gedacht: "Na, Uruguay ist doch auch so ne korrupte Bananenrepublik oder?" - und, das meine Freunde ist "angewandter Rassismus". [1]

    ich wiederhole nochmal: GeoIP ist immer böse, denn es dient nur dazu Menschen unfreiwillig bestimmten Ländern und Regionen zuzuordnen.

    Nur wenn der Einsatz von GeoIP geächtet wird und für jede Firma, jede Behörde und jeden Politiker so 'toxisch' wird, das es das sofortige Karriere-Aus bedeutet - Nur dann, können wir darauf vertrauen, das Firmen wie Twitter kein GeoIP verwenden und den User nach seinem Standort fragen.

    GeoIP verwenden ist wie Robbenbabies erschlagen :)

    Liebe Grüße

    Sven

    [1] Zur Info: Uruguay ist die "Schweiz" Südamerikas: Kriminalität etwa so niedrig wie in Deutschland, weltweit unter den Top 20 Ländern mit der niedrigsten Korruption (transparancy.org) , gehört zu den 20 "echten Demokratien der Welt" (UNO) und ist berühmt für sein zuverlässiges Bankensystem. Es wird aber von GeoIP Systemen i.d.R. nicht anders behandelt als Honduras oder Columbien.

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  26. von Google verschärft mit Länderfiltern f… am 03.02.2012 (10:41Uhr)

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  27. von Aufregung im Büro vermeiden und Zeit sp… am 23.04.2012 (07:46Uhr)

    [...] So wird auch das Unternehmen und die entsprechenden Arbeitsabläufe davon ihren Nutzen ziehen.Im Büro gibt es sehr wohl ausgesprochen stressige und nervige Tage. In diesem Fall gilt es die Ruhe...Grundeinstellung zu Arbeit, und ein wenig Organisationstalent, die Nutzung entsprechender und [...]

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