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Startups

Uber-Ökonomie: Wo Hyperkapitalismus auf Karl Marx trifft [Neuland-Kolumne]

    Uber-Ökonomie: Wo Hyperkapitalismus auf Karl Marx trifft [Neuland-Kolumne]

Taxi-Killer Uber prägt unsere Wirtschaft. (Foto: Uber)

Uber ist inzwischen zum Sinnbild eines wildgewordenen Silicon-Valley-Kapitalismus geworden, der zu Lasten der Arbeitnehmer wütet. Dabei kann Uber helfen, dass klassische Lohnarbeiter selbstständiger und freier arbeiten – sofern Uber Konkurrenz bekommt. Die größte Gefahr: eine Monopolisierung der Uber-Ökonomie.

Uber: Ein Unternehmen, das weit mehr als die Taxibranche revolutioniert

Wird unsere Wirtschaft durch das Internet zu einer Uber-Economy? (Screenshot: Uber.com)
Wird unsere Wirtschaft durch das Internet zu einer Uber-Economy? (Screenshot: Uber.com)

Ein Gespenst geht um in Europa und den USA – das Gespenst von der „Uberisierung“ der Arbeit. Flexible Internet-Geschäftsmodelle wie die berühmt-berüchtigte Fahrdienst-App höhlen in den Augen ihrer Kritiker reguläre Beschäftigungsverhältnisse weiter aus und führen geradewegs in eine Wirtschaftswelt entrechteter und schlecht bezahlter Arbeitnehmer, die aufgrund niedriger und unsteter Einnahmen keine Familie mehr gründen können.

„Das Silicon Valley wettet darauf, dass das Uber-Modell weit mehr als die Taxibranche revolutioniert.“

Nicht mehr nur die Taxifahrerbranche ist entsetzt – auch prominente Stimmen wie der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich warnen eindringlich vor der „On-Demand-Wirtschaft“ mit ihren „schlecht bezahlten“ und „furchtbar unsicheren“ Jobs. Auf Facebook kritisierte Reich im Dezember vergangenen Jahres, dass ein mit 40 Milliarden US-Dollar bewertetes Unternehmen gerade einmal 1.500 reguläre Angestellte beschäftige. „Der Rest der ‚Mitarbeiter‘ – die Fahrer, die ihre eigenen Autos besitzen – übernehmen fast alle Kosten und Risiken“, schrieb der Universitätsprofessor, der unter Bill Clinton Arbeitsminister war.

Noch lässt sich nicht absehen, wie stark unsere Wirtschaft durch das Internet zu einer Uber-Economy wird – einer Volkswirtschaft, in der Angebot und Nachfrage durch das Internet in Echtzeit zusammenkommen und Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten völlig frei einteilen können. Noch ist auch unklar, inwiefern die Auswirkungen positiv oder negativ sein werden. Klar ist nur: Das Silicon Valley wettet darauf, dass das Uber-Modell weit mehr als die Taxibranche revolutioniert. Würden die Risikokapitalgeber nicht noch mindestens mit der Revolution der Logistikbranche rechnen, wäre das Unternehmen kaum in der jüngsten Finanzierungsrunde mit 40 Milliarden Dollar bewertet worden.

Auch Mitarbeiter werden durch Uber ein Stück freier und selbstbestimmter

Travis Kalanicks Uber nimmt Platz 2 der wertvollsten IT-Startups der Welt ein. (Bild: Flickr-LeWeb / CC-BY 2.0)
Uber-Gründer Travis Kalanick. (Bild: Flickr-LeWeb / CC-BY 2.0)

Tatsache ist: Die Arbeitsbedingungen für Geringqualifizierte, zu denen die meisten Uber-Fahrer zählen dürften, sind heute schon alles andere als rosig – in Europa wie den USA. Gerade in der Taxibranche verdienen viele Fahrer sogar weniger als den zum 1. Januar in Deutschland eingeführten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, weshalb einige Kommunen die Taxipreise drastisch erhöht haben – in Düsseldorf beispielsweise um im Schnitt 25 Prozent. Eine – allerdings von Uber selbst in Auftrag gegebene – Studie kommt zu dem Schluss, dass Uber-Fahrer in den USA weniger arbeiten und mehr verdienen als traditionelle Taxifahrer.

„Die Markteintritts-Barriere für Uber-Konkurrenten ist theoretisch niedrig.“

Viel wichtiger aber noch: Das Uber-Modell löst nicht nur Verpflichtungen auf der Arbeitgeberseite – auch Mitarbeiter werden ein Stück freier und selbstbestimmter. Das in den Kapitalismus zu Teilen gerettete Feudalprinzip – ein Band der gegenseitigen Abhängigkeiten und Verpflichtungen – wird zerschnitten. Zwar sorgt die ehemals klassische Arbeitgeberseite nicht mehr für die mit einer Festanstellung verbundene Sicherheit wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – dafür ist sie gegenüber den Mitarbeitern aber auch nicht mehr weisungsbefugt. Mitarbeiter gewinnen so die Freiheit, sich ihren Arbeitsalltag ohne irgendwelche Absprachen völlig frei einzuteilen. Und sie sind zumindest in der Theorie auch nicht mehr von einem Arbeitgeber abhängig, sondern suchen sich die Auftraggeber heraus, die ihnen die besten Bedingungen bieten.

So lange Uber der einzige „Arbeitgeber“ nach diesem Modell bleibt, ist diese Freiheit natürlich recht theoretisch, denn die Abhängigkeit der Fahrer von Uber bleibt hoch. Die größte Gefahr besteht daher vielleicht darin, dass es Uber gelingt, die Uber-Ökonomie ähnlich zu monopolisieren wie andere IT-Konzerne ihre Märkte – also beispielsweise Google die Websuche, Facebook Social Media oder Amazon E-Commerce. Die Markteintritts-Barriere für Uber-Konkurrenten ist theoretisch niedrig. Alles, was es braucht, ist eine App, die Angebot und Nachfrage zusammenbringt – Uber besitzt weder eigenen Autos noch festangestellten Fahrer. Und theoretisch sind auch ganz andere Uber-Modelle vorstellbar – beispielsweise als unter Fahrern organisierte Genossenschaft. Hochspannend also, dass ausgerechnet Uber-Investor Google einen eigenen Fahrdienst planen soll.

Was es braucht, ist eine neutrale Vermittlungs-Plattform

Anbieter wie Daimlers Moovel wollen nicht nur Ridesharing-Dienste, sondern Vermittlungsplattformen sein. (Screenshot: Moovel.com)
Anbieter wie Daimlers Moovel wollen nicht nur Ridesharing-Dienste, sondern Vermittlungsplattformen sein. (Screenshot: Moovel.com)

Die Gefahr besteht allerdings, dass auch im Falle Uber der Netzwerkeffekt zuschlägt, der schon so oft zu den oben beschrieben monopolistischen Strukturen im Internet geführt hat: Je dichter das Netzwerk an Fahrern wird, desto weniger Chancen haben Konkurrenten, mit dem Angebot mitzuhalten. Ein übermächtiges Verkehrsnetzwerk könnte Fahrern und letztlich auch Kunden die Bedingungen diktieren.

„Wenn es nicht ein Uber gibt, sondern viele, dann wäre das die Chance für Dienstleister, selbstbestimmter und freier zu arbeiten.“

Daher ist zu hoffen, dass sich statt der Uber-App eine möglichst neutrale Vermittlungs-Plattform durchsetzt, die Uber und andere Angebote – darunter auch klassische Taxis – für Kunden transparent vergleicht. Zu solchen Vermittlungsplattformen wollen in Deutschland unter anderem das Berliner Start-up GoEuro und die 100-prozentige Daimler-Tochter Moovel mit der gleichnamigen App werden. Wenn es nicht ein Uber gibt, sondern viele, dann wäre das die Chance für Dienstleister, selbstbestimmter und freier zu arbeiten. Fahrer und andere Dienstleister könnten sich jeweils dem Netzwerk anschließen, das ihnen gerade die besten Bedingungen bietet – und das kann jeweils auch eine von Dienstleistern selbst gegründete Genossenschaft sein.

Und das Uber-Prinzip ist keineswegs auf Personenbeförderung und Logistik begrenzt – mit Anbietern wie Taskrabbit in den USA oder Mila und Crowd Guru in Deutschland wird das Crowdsourcing-Prinzip auf alle möglichen Dienstleistungen ausgeweitet.

Geradezu eine Farce der Geschichte wäre, es wenn Karl Marx’ alte Vision vom Mensch in der kommunistischen Gesellschaft, der sich entscheidet „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren“, ohne dabei aber „je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“, ausgerechnet durch den Hyperkapitalismus von Uber in Erfüllung ginge.

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4 Reaktionen
Ben
Ben

Auch Taxifahrer können frei bestimmen, wann sie arbeiten. Sie können das Taxiunternehmen wählen und innerhalb des Unternehmens ihre Schicht wählen. Dieses Gequarke von "frei und selbstbestimmt"... Uber ist weder effizient (weil das Vergleichen und Überprüfen der Preise und die Intransparenz eines automatisierten Preisanpassungsverfahrens ganz schön viel Zeit in Anspruch nimmt.) noch befreit es irgendwelche Arbeitnehmer aus ihren Fesseln. Uber schöpft einfach die Rendite der Taxiunternehmen ab, indem es die Ausbildung der Fahrer vereinfacht und soziale Regeln, die für das Taxigewerbe gelten (gleichmäßige Verteilung der Taxen über das Stadtgebiet, zentrale, erkennbare Taxistationen, Verpflichtung zur Mitnahme) umgeht. Noch dazu wird diese Rendite dann aus Deutschland und Europa abgesaugt und in die USA transferiert. Außerdem geht es mit Sicherheit auch um die Daten der Uber-Nutzer, die sich prima verwerten lassen. Ich kann absolut nicht verstehen, wie man daran irgendetwas verteidigen kann. Meinetwegen kann Uber gern zum normalen Taxigeschäft eine Alternative bieten, indem sie die gleichen Standards übernehmen. Karl Marx hat gesagt, dass im Kommunismus die Arbeiter nicht mehr ausgebeutet werden, weil sie die Produktionsmittel besitzen. In dem Sinne, dass die Rendite, die heute der Kapitalseite zukommt später ebenfalls den Arbeitern zukommt (da die ja auch diesen Mehrwert produzieren). Ein bisschen so, wie bei der Deutschen Bahn AG, die zwar Gewinn produziert, ihn aber an den deutschen Staat zurück überweist. Ich glaube kaum, dass die "Investoren" (Kapitalisten) in Uber vorhaben die Rendite an die Uberfahrer abzugeben. Uber ist das Gegenteil von einer Befreiung. Es setzt mit der Beseitigung von Fahrtpreisbindungen eine Spirale nach unten in Gang. Das haben wir bei Amazon aber auch verhindern können, indem dort für Bücher weiterhin eine Preisbindung gilt. Und das wird Europa auch für Uber regeln. Alles andere wäre Kapitulation vor der Macht des Kapitals.

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Rike like Mark
Rike like Mark

Ich habe gerade beschlossen euch nicht mehr zu lesen. Von Politik habt ihr nicht wirklich fundiertes VWL Wissen. Genau weil ihr das gemacht habt was ihr konntet hab ich euch gelesen BYEEEEE

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Rich like me
Rich like me

Ich freue mich schon die Rente für UBER Fahrer zu finanzieren mit ihrer Scheinselbständigkeit werden die es nicht schaffen. Die Nummer ist nicht neu Putzfrauen werden auch so ausgebeutet mit dieser " Sie sind jetzt ihr eigener Chef Nummer". Ich fahre aber auch keine ausländischen Mietwagen weil ich weiß eine richtige Firmenflotte kostet jede Firme Geld und UBER zahlt kein Cent wenn es knallt und kein Geld gibt bei schweren Verletzungen wegen mieser oder abgefahrener Bremsen, Wintereifen, Wartung e.t.c. Tolle Zukunft T3N - Super

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Tressa
Tressa

Wäre das Unternehmen in den Medien nicht der massiven Kritik ausgesetzt, wäre es in die Bedeutungslosigkeit verschwunden! Ich brauch die Dienstleistung jedenfalls nicht!

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