Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kolumne

Was die gigantische PR- und Vertrauenskrise für Uber bedeutet – und was nicht

    Was die gigantische PR- und Vertrauenskrise für Uber bedeutet – und was nicht
Uber: Jetzt ermittelt auch das US-Justizministerium gegen das Skandal-Unternehmen. (Foto: dpa)

Uber ist Kontroversen gewohnt, doch das aktuelle Ausmaß an Kritik übersteigt alles bisher Dagewesene. Welche Auswirkungen die Krise hat, analysiert Martin Weigert in seiner Kolumne Weigerts World.

Nach einer Reihe von Skandalen und Negativberichten durchlebt Uber eine gigantische PR- und Vertrauenskrise. Mittlerweile sind die Zweifel an der Firmenkultur, am Geschäftsgebaren und an der Nachhaltigkeit des Gesamtkonzepts so groß, dass sich die Untergangsprognosen häufen.

Doch was bedeutet die schlechte Presse und die derzeit allerorts vorgetragene Skepsis für die Firma wirklich? Werfen wir einen Blick auf die fünf Interessengruppen, auf die Uber angewiesen ist:

Fahrgäste

Auch wenn sich nach den Enthüllungen der ehemaligen Uber-Ingenieurin Susan Fowler zum schlechten Arbeitsklima speziell für Frauen ein Boykott-Aufruf über Twitter entwickelte, wird sich der dauerhafte Effekt nach allen Erfahrungen der Vergangenheit in Grenzen halten. Klar, in den USA kann Uber-Rivale Lyft derzeit profitieren. International aber dürfte sich wenig ändern. Und Konsumenten vergessen schnell – erst recht, wenn sie ein Produkt oder einen Service schätzen und den (niedrigen) Preis gut finden. Dass den meisten Verbrauchern Arbeitsbedingungen und ethische Konflikte weitgehend egal sind, belegt der Erfolg von Billigkleidung. Zumal Uber, wenn notwendig, immer mit einem Rabattcode nachhelfen kann.

Fahrer

Uber genießt aufgrund seiner aggressiven Strategie aufgezwungener Tarifsenkungen bei vielen Fahrern traditionell keinen guten Ruf. Muss es auch nicht: Ubers Modell basiert auf der Prämisse, dass sich immer genug Menschen finden, denen es an alternativen, besseren Einkommensquellen mangelt. Autofahren kann fast jede(r). Da sich die Aussichten speziell für gering ausgebildete Menschen auf dem Arbeitsmarkt stetig verschlechtern, muss sich Uber keine Sorgen machen: Selbst wenn Fahrer dem Dienst den Rücken kehren wollen, können sie es sich häufig schlicht nicht leisten. Allerdings ist durchaus vorstellbar, dass Uber in den nächsten Wochen eine Charmeoffensive startet, etwa durch neue finanzielle Anreize für Fahrer – und zwar, um die zwei im folgenden beschriebenen Interessengruppen zu besänftigen.

Behörden

Uber ist in den fast 80 Ländern, in denen es Präsenz zeigt, oft auf die Kooperationsbereitschaft der Behörden angewiesen. Eine sich stark verschlechternde öffentliche Wahrnehmung von Uber könnte sich je nach Land, Rechtssituation und Verhandlungspartner negativ auf die Beziehungen zu administrativen Institutionen auswirken. Dass Uber gezielt Behörden-Vertreter von der Nutzung seiner App ausschloss, wird das Misstrauen gegenüber dem US-Unternehmen steigern.

Mitarbeiter

Uber-Fahrzeug. (Foto: Jeramey Lende/Shtterstoc)

Hier bekommt Uber gerade ein ernstes Problem. Ein ramponiertes Arbeitgeber-Image erschwert die Rekrutierung, erhöht die Mitarbeiterfluktuation und sorgt für einen gefährlichen „Abfluss” von Wissen und Erfahrung. Die Konsequenzen für weitere Wachstumsbemühungen können gravierend sein: Twitter leidet seit Jahren an einem Talenteschwund. Ein Zusammenhang zu Twitters Unvermögen, sich aus seiner Dauerkrise zu befreien, ist sehr wahrscheinlich. Andererseits: Wie eine ehemalige Uber-Mitarbeiterin in einem ihren einstigen Arbeitgeber in Schutz nehmenden Beitrag schreibt (Linkedin-Login erforderlich), sei Uber noch nie ein Arbeitsplatz für jede(n) gewesen. Man müsse zu Uber passen und mit dem intensiven Tempo umgehen können, ungeachtet vom Geschlecht. Es lässt sich daher nicht ausschließen, dass der Schaden für Ubers Employer Brand daher ebenfalls vorübergehender Natur ist – zumindest, sofern die Firma keine weiteren Negativschlagzeilen produziert. Ich spekuliere, dass ein nachlassendes Momentum Ubers Anziehungskraft auf  Talente deutlich stärker beeinträchtigen würde. Schließlich will, wer bei einem Unternehmen wie Uber einsteigt, vor allem zwei Dinge: Ruhm und richtig viel Geld.

Investoren

Ubers Geldgeber interessieren sich pauschal ausgedrückt allein für das Exit-Potenzial. Solange Uber seine Wachstumsstory bis zu einem Börsengang aufrecht halten kann, wird dem Konzern das Kapital nicht ausgehen – trotz weiterhin hoher Verluste. Sollten allerdings die akkumulierten Auswirkungen verschiedener Fehltritte und interner Krisen zu einer Situation führen, in der Uber bei den relevanten Leistungskennzahlen (KPA) stagniert oder gar nachlässt, wird es gefährlich. Ohne sein auf stetiger Expansion fußendes Momentum droht ein Dominoeffekt und letztendlich tatsächlich der Kollaps. Eine massive Schrumpfkur mit einem Abschied von vielen Auslandsmärkten und einer Übernahme zu einem Bruchteil der heutigen Bewertung etwa durch einen anderen IT-Giganten oder einen Autokonzern wäre dann ein realistisches Szenario.

Fazit

Der Moment ist für Uber durchaus kritisch, aber nicht unlösbar. Die entscheidende Frage bleibt weiterhin, inwieweit das Modell „Uber” marktunabhängig positive Skaleneffekte generieren kann, und ob Uber-CEO Travis Kalanick in der Lage ist, den Glauben in dieses Modell bei den Schlüsselprotagonisten aufrecht zu halten. Lautet die Antwort „nein”, dann allerdings hat Uber in seiner heutigen Form keine Zukunft.

Weitere Kolumnen der Serie Weigerts World findet ihr hier. Ihr könnt die vom Autor täglich kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit englischsprachigen Leseempfehlungen beziehen.

Finde einen Job, den du liebst

3 Reaktionen
Sebastian Stehle
Sebastian Stehle

Die Frage ist doch, ob es sich die Fahrer leisten können für Uber zu fahren.

Antworten
Martin Weigert
Martin Weigert

Würden sie es sich nicht leisten können, gäbe es keine Fahrer, oder?
Das ist im Prinzip Ubers Untergrenze - an dem Punkt, an dem Fahrer selbst mit menschenunwürdiger Selbstausbeutung nicht mehr hinters Steuer wollen, platzt das Modell.

Antworten
lola
lola

Wen wundert es ? Taxifahrer waren schon immer keine reichen Menschen, auch deren Chefs waren ehen die, die mit Schwarzarbeit den Laden gerade noch am laufen hielten.
Und dann kommt ein UBER will was vom Kuchen ab und wird reich......wie soll das gehen. Und damit die Kunden mitmachen wird es auch noch billiger...wie soll das gehen.

Am Ende des Tages, wenn der Hype erloschen ist.....bleiben die armen Fahrer übrigen, nur ist deren Zahl gestiegen. Es wird dauern bis es wieder weniger werden, weil der Leasingvertrag platzt, der Wagen außeinanderfällt oder die Gesundheit ruiniert ist. Denn "aufgeben" werden Sie nicht, denn die Alternative ist Hartz4 und das Ende eines Traums. Der Traum die schönen und reichen mit dem eigenen Taxi zu fahren.

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden