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Ubuntu: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt?

Seit knapp einem Jahr investiert Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth noch massiver als bisher in den Ausbau der populären Linux-Distribution. Ubuntu soll auf allen Geräten laufen und die großen Betriebssysteme in punkto Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität einholen. Auf diese Weise will die freie Software ihren Marktanteil deutlich vergrößern. Auf der Campus Party Europe in Berlin hat Kristian Kißling, Linux-Kenner und Chefredakteur des Ubuntu User Magazins, die neuen Entwicklungen vorgestellt.

Ubuntu: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt?

Es begann im Oktober 2011, als Mark Shuttleworth die „ohne Zweifel spannendste Phase in der Geschichte von Ubuntu“ einläutete: „Spätestens mit Version 14.04 wird Ubuntu auf Tablets, Smartphones, Fernsehern und Smart Screens laufen – vom Auto bis zur Büroküche. Und es wird diese Geräte sauber und nahtlos mit dem Desktop, dem Server und der Cloud verknüpfen.“

Raus aus der Nerd-Ecke

Die Idee ist klar: Durch eine leicht zu bedienende Nutzeroberfläche und die Integration populärer Services soll für Mainstream-Nutzer attraktiv werden – und damit eine echte Alternative zu proprietären Anbietern wie Google, Microsoft oder Apple, schreibt Business Insider. In Umfang und Konsequenz mache dies keine andere Linux-Distribution nach, so Kißling: „Shuttleworth investiert massiv, hat Top-Entwickler angeheuert und weiß, wovon er spricht. Er verfolgt eine klare Vision, die er auch gegen Widerstände durchsetzen will.“

Kristian Kißling sprach auf der Campus Party Europe über die aktuellen Entwicklungen der Linux-Distribution Ubuntu.

Auf Widerstand traf beispielsweise der eigene Desktop Unity, eine klare Abkehr vom typischen Linux-Interface und gleichzeitig unverzichtbarer Angelpunkt für die neue Ubuntu-Strategie. Unity wurde für den geräteübergreifenden Einsatz entwickelt, soll intuitive Navigation ermöglichen und unterstützt Touch-Bedienung. Über so genannte Lenses können Web Services direkt in den Desktop integriert und schnell angesteuert werden – außerdem soll Unity für eine bessere Ausnutzung des Bildschirms sorgen. In den vergangenen Monaten hat Ubuntu aber noch diverse andere Entwicklungen angestoßen.

Ubuntu in der Cloud, im TV und auf dem Smartphone

Streng genommen ist Ubuntu das erste Betriebssystem überhaupt, das mit einer eigenen Cloud-Lösung zum Filesharing und Filehosting aufwartet. Wie bei Dropbox werden bei Ubuntu One, das bereits seit Ende 2009 in die Distribution integriert ist, Dateien geräteübergreifend synchronisiert. Ubuntu One bindet auch proprietäre Komponenten ein, etwa den Musikdienst Ubuntu One Music Store.

Ubuntu für Android: Aus einem Smartphone wird ein Desktoprechner.

Mit Ubuntu TV und Ubuntu for Android mischt Canonical auch in den zukunftsträchtigen Segmenten Smart TV und Mobile mit. In beiden Fällen fehlen dem Unternehmen allerdings Hardware-Partner, um die Strategie wirklich umzusetzen. Das erste Android-Endgerät mit Ubuntu wird für 2013 erwartet.

Ubuntu Certified Hardware

Über ein eigenes Zertifizierungsprogramm für Hardware stellt Ubuntu sicher, dass User von bösen Überraschungen verschont bleiben, wenn sie die Software auf ihrem Endgerät nutzen. Dieser Service soll aber nicht zuletzt auch den kommerziellen Partnern mehr Sicherheiten geben.

Das Zertifizierungsprogramm soll sowohl Nutzer als auch Partner von Ubuntu unterstützen.

Und Ubuntu setzt noch mehr daran, Geschäftskunden zu umgarnen, etwa mit dem Ubuntu Advantage Programm für Lieferanten und Reseller. Bei Aufnahme in das Programm können diese unter anderem auf einen schnellen Support, Unterstützung beim Marketing und rechtliche Hilfen zurückgreifen. So soll eine umfassende Service-Struktur entstehen, die Unternehmen die Umstellung auf Ubuntu erleichtert.

Quo vadis, Ubuntu?

Kristian Kißling bewertet die aktuellen Entwicklungen bei Ubuntu positiv. „Canonical und die Ubuntu-Community machen vieles richtig. Sie spielen in vielen innovativen Bereichen schon sehr früh mit – als derzeit einzige Linux-Player, wohlgemerkt. Gerade Ubuntu TV und Ubuntu for Android sind Projekte mit hohem User Appeal, was Ubuntu in den nächsten Jahren in die Hände spielen dürfte.“. Die verstärkte Kooperation mit Hardware-Anbietern sichere die Zukunftsfähigkeit des Systems, ebenso wie die kommerziellen Services – neben dem Music Store unter anderem der hauseigene App Store Ubuntu Software Centre. Diese sorgten nicht zuletzt für eine bessere Refinanzierung.

Aber Kißling sieht auch Schwachstellen. Mit Unity habe Ubuntu viele treue User vergrault und müsse nun schnell neue Nutzergruppen erschließen. Bei den vielversprechenden Projekten Ubuntu TV und Ubuntu for Android komme es jetzt darauf an, dass die Suche nach Hardware-Partnern schnelle Erfolge zeige. Kißling ist jedenfalls gespannt: „Es ist ein bisschen wie beim Fußball: Nur weil das Team gut aufgestellt ist, holt es noch nicht automatisch den Sieg. Ich persönlich denke, die nächsten zwei Jahre werden über die Zukunft von Ubuntu entscheiden.“

Im folgenden der vollständige Vortrag von Kristian Kißling.

Über die Autorin

Lea Weitekamp (Twitter) ist PR-Beraterin bei pr/ip (steht in keiner geschäftlichen Beziehung zur Campus Party).

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9 Antworten
  1. von Manu Hyde via facebook am 29.08.2012 (16:04Uhr)

    und los. habs wieder runtergeschmissen, lasse mich aber gerne wieder umbelehren. :)

  2. von Marek Brieger via facebook am 29.08.2012 (16:09Uhr)

    Ich hoffe doch... es ist ein totales nogo dass sich systeme wie Windows oder MacOs so lange halten obwohl es besseres gibt!

  3. von Synapsenkitzler via facebook am 29.08.2012 (16:12Uhr)

    Siehe auch Bericht der Sendung Breitband über die Campus Party und den kritischen Kommentar über die kommerzielle Ausrichtung. http://breitband.dradio.de/brb120825/

  4. von bix am 29.08.2012 (16:24Uhr)

    Ubuntu ist schon eine schöne Sache denen man den Erfolg gönnt, wen ein umstieg nur nicht mit so vielen Entbehrungen verbunden wäre täten eigne sofort wechseln

  5. von Klabautermann am 29.08.2012 (21:10Uhr)

    Also die Standard Ubuntu Version funktioniert sehr gut, kritisch wirds nur wenn man Software abseits des Ubuntu Desktop Mainstreams braucht, also Software die nicht in den Repositories ist z.B. Oracle Java, oder OpenOffice an Stelle von LibreOffice (Wegen den Macros).

    Dann muss man selbst kompilieren und das ist schon heftig nervig und Zeitaufwändig, vor allem wenn dann noch die Abhängigkeiten nicht aufgelösct werden können usw. Von daher, forget it, ich bleibe bei Windows 7 !

    Übrigens Administriere ich eine ganze Reihe Linux Webserver schon seit Jahren, gibt dafür nix besseres. Aber Unix ist aufm Desktop eben nach wie vor ein NO GO !

  6. von Habt Ihr mal Linux probiert oder verwend… am 30.08.2012 (17:36Uhr)

    [...] Ubuntu: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt? [...]

  7. von Norman am 02.09.2012 (00:03Uhr)

    @Klabautermann : Das kommt immer ganz auf die Anforderungen an, die ein Nutzer an seinen Computer stellt. Ich verwende Linux seit etwas über 10 Jahren als mein Hauptsystem auf dem Desktop (mal von den Servern abgesehen). Windows wird bei mir nur alle paar Monate mal gestartet, ist auf den meisten Systemen auch schon gar nicht mehr als DualBoot drauf.

    Ich Arbeite als Software-Entwickler und verwende sowohl auf der Arbeit als auch zu Hause Linux auf dem Desktop. Vermissen tue ich da höchstens das ein oder andere Spiel, welches ich als Gelegenheitsspieler doch gerne mal Spielen würde. Von den Anwendungen vermisse ich aber sonst nichts. Zum Arbeiten ist Linux - auch auf dem Desktop - stabil und schnell genug. Für Hobby-zocker mag Linux aufgrund der Spiele-Auswahl nicht geeignet sein (obwohl Valves Steam ja auch schon unterwegs ist). Aber deshalb Linux auf dem Desktop gleich als NO GO zu Bezeichnen ist weit daneben. Nur weil man selbst andere Anforderungen an seinen Computer hat, muss man Linux nicht als generelles NO GO auf dem Desktop für alle Bezeichnen.

    In der Firma, in der ich Arbeite, sieht das bei den Kollegen nicht viel anders aus. Von den ca. 80 Mitarbeitern, arbeitet die eine hälfte mit MacOS und die andere mit Linux. Noch vor 3 Jahren war Windows weit stärker vertreten, nun will damit aber kaum noch einer Arbeiten.

    Übrigens ist die Java Runtime/SDK nicht über das Repo beziehbar, weil Oracle dies explizit verbietet. Da muss aber nichts kompiliert werden, sondern es ist nur eine binary. Unter Windows muss man sich die Datei auch extra laden.

  8. von Ubuntu 12.10 „Quantal Quetzal” i… am 19.10.2012 (13:45Uhr)

    [...] Ubuntu: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt? - t3n-News [...]

  9. von Dell XPS 13: Gut ausgestattetes Entwickl… am 30.11.2012 (10:54Uhr)

    [...] Ubuntu: Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt? - t3n-News Weitere Artikel zu Dell, Ubuntu, Notebooks und Ultrabooks (function() {var s = document.getElementsByTagName("script")[0],rdb = document.createElement("script"); rdb.type = "text/javascript"; rdb.async = true; rdb.src = document.location.protocol + "//www.readability.com/embed.js"; s.parentNode.insertBefore(rdb, s); })(); [...]

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