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Kühne Übernahmen: Mark Zuckerbergs besondere Gabe [Kolumne]

Kühne Übernahmen: Mark Zuckerbergs besondere Gabe [Kolumne]

Facebooks Geschäfte könnten nicht besser laufen. Verantwortlich dafür ist auch die Bereitschaft von , kühne Akquisitionen durchzuführen. Wie Martin Weigert in seiner Kolumne konstatiert, verliefen die drei größten Übernahmen alle nach einem ähnlichen Muster. 2016 könnte es wieder soweit sein.

Kühne Übernahmen: Mark Zuckerbergs besondere Gabe [Kolumne]

(Foto: Kris Krug / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Mark Zuckerberg ist in meinen Augen die beeindruckendste Person der vergangenen zehn Jahre. Mit dieser Aussage stelle ich mich nicht pauschal hinter jede seiner Entscheidungen. Sie bedeutet auch nicht, dass ich jede Entwicklung von gutheiße. Ich erkenne aber neidlos an, dass der 32-Jährige in Bezug auf professionelle und private Errungenschaften sowie hinsichtlich seines persönlichen Wachstums mehr erreicht hat als jede andere mir bekannte Person des heutigen öffentlichen Lebens.

(Foto: Facebook)
Eine besondere Fähigkeit von Mark Zuckerberg: kluge Akquisitionen durchführen. (Foto: Facebook)

Eine Sache zeichnet Mark Zuckerberg nach meinen Beobachtungen ganz besonders aus: Seine Fähigkeit, kluge Akquisitionen durchzuführen. Die drei größten Übernahmen von Facebook folgen ein- und demselben Muster: Erst sorgten sie für Verwunderung, Zweifel und auch Häme. Doch mit jedem Monat, der vergeht, erscheinen sie strategisch cleverer.

Es begann mit Instagram

Neirfy / Shutterstock.com
Im Jahr 2012 kaufte Facebook Instagram. (Foto: Neirfy / Shutterstock.com)

„Niemand wusste, welchen Nutzen Facebook von Instagram haben würde. Zuckerberg selbst vielleicht auch nicht.“

Im Jahr 2012 erwarb Facebook Instagram für rund eine Milliarde US-Dollar. Den Deal soll Zuckerberg in Eigenregie eingefädelt haben — ohne Banken oder den Facebook-Vorstand zu involvieren. Instagram hatte zu diesem Zeitpunkt weniger als 100 Millionen aktive Nutzer. Eine Milliarde US-Dollar galt noch als viel Geld. Der für die jüngste Entwicklung im Silicon Valley stilprägende Begriff des „Unicorns” als Bezeichnung für zehnstellig oder höher bewertete Tech-Firmen existierte noch nicht. Niemand wusste, welchen Nutzen Facebook von dem Foto-Sharing-Dienst haben würde. Zuckerberg selbst vielleicht auch nicht. Er sah jedoch Instagrams Wachstumsraten und erkannte, dass sich eine künftige Bedrohung formiert. Besonders dann, wenn sich Google oder ein anderer Netzriese Instagram unter die Finger reißen würde. Also schlug der damals 27-Jährige zu. Instagram wird bis heute weitgehend eigenständig weiterbetrieben und trägt einen kleinen Teil zum Firmenergebnis bei.

Unschädlichmachung von WhatsApp

Anfang 2014 wiederholte Zuckerberg den Prozess mit dem Kauf von WhatsApp, allerdings in einer viel größeren Dimension. Die beliebte Chat-App war in rasantem Tempo auf mehr als 500 Millionen aktive User gewachsen. Abermals ahnte Zuckerberg, dass sich dies für das soziale Netzwerk zum Problem entwickeln könnte — als eigenständiger Service und noch viel mehr nach einer eventuellen Akquisition durch Google, Microsoft oder andere Rivalen. Rivalen im Kampf um die Nutzer-Aufmerksamkeit und Werbegelder. Facebooks eigener Messaging-Dienst war bis dato notorisch vernachlässigt worden und speziell für die Smartphone-Kommunikation völlig ungeeignet. Auf das Risiko hin, als verrückt abgestempelt zu werden, entschloss sich der Facebook-Chef, WhatsApp unter das eigene Dach zu holen — koste es was es wolle. Das Resultat war eine Akquisition des gerade mal 50 Mitarbeitende zählenden Chat-Dienstes für eine unglaublich klingende Summe von rund 22 Milliarden US-Dollar in Barmitteln und Aktien. Zuckerberg und der WhatsApp-Gründer Jan Koum versprachen, WhatsApp unabhängig von Facebook fortführen zu wollen. Bis heute haben sie ihr Versprechen gehalten. Nennenswerte Umsätze generiert WhatsApp nicht.

Nur wenige Produkte sind so gut, dass man sich den frühzeitigen Aufbau einer Marke ersparen kann. Für Startups bietet sich die Lean-Brand an. (Foto: Shutterstock)
Nach Instagram folgte der Kauf von WhatsApp Anfang 2014. (Foto: Shutterstock)

Parallel zum Zukauf von WhatsApp stellte Zuckerberg die Weichen für die Etablierung eines eigenen, mit der Marke Facebook assoziierten Chat-Dienstes. Die Mitteilungs-Funktion wurde aus Facebook ausgegliedert und als eigenständige „Messenger“-App lanciert. Bei vielen Nutzern sorgte das anfänglich für Unmut. Auch stellte sich die Frage, wieso das Unternehmen 22 Milliarden US-Dollar in die Übernahme von WhatsApp pumpt, gleichzeitig aber einen eigenen Konkurrenten entwickelt. Aus heutiger Sicht wirkt die Entscheidungen von 2014 genial: WhatsApp weist heute mehr als 900 Millionen aktive Anwender auf. Messenger ist auf 800 Millionen aktive Nutzer angewachsen. In anderen Worten: Das Eigengewächs steht kurz davor, WhatsApp zu überrunden, und wird 2016 funktionell erheblichen Fortschritt erleben.

„Jede Minute, die ein Nutzer unmonetarisiert mit WhatsApp verbringt, ist eine monetarisierte Aufmerksamkeits-Minute weniger für Facebook-Kontrahenten.“

Zuckerberg ist es gelungen, die Gefahr einer unberechenbaren, die eigenen Pläne durchkreuzenden Expansion von WhatsApp zu bannen, langwierige Nutzerrevolten zu vermeiden und gleichzeitig erfolgreich einen internen Wettbewerber aufzubauen, der strategisch für den Konzern immer bedeutsamer wird. Offen bleibt, was Facebook mit WhatsApp vor hat. Meine Vermutung ist, dass man in der Facebook-Führung zumindest inoffiziell darauf hofft, dass im Laufe der Zeit viele WhatsApp-Nutzer ihre Konversationen in den Messenger verlagern. Gleichzeitig halte ich es für möglich, dass man einverstanden ist, WhatsApp vorläufig einfach weiterlaufen zu lassen. Darauf deuten auch jüngste Aussagen von Jan Koum hin. Das kostet zwar etwas, aber Facebooks Kasse ist gut gefühlt. Zudem sorgen Synergieeffekte dafür, dass sich Infrastruktur- und Wartungskosten im Zaum halten lassen. Ein fortgeführtes Investment in den Betrieb von WhatsApp hat einen klaren Vorzug: Jede Minute, die ein Nutzer (unmonetarisiert) mit WhatsApp verbringt, ist eine Aufmerksamkeits-Minute weniger für Facebook-Kontrahenten.

Hoffnungsträger Virtual Reality

Ocuslus Rift. (Screenshot: Youtube.com)
Auch auf den Virtual-Reality-Zug ist Facebook früh aufgesprungen – mit dem kauf der Firma Ocuslus VR. (Screenshot: YouTube)

Einige Monate nach der Ankündigung des WhatsApp-Coups folgte der nächste Schlag: Wieder hatte Mark Zuckerberg einen Firmenkauf in die Wege geleitet, der Kommentatoren verblüffte und sie gar an der Zurechnungsfähigkeit der Facebook-Führung zweifeln ließ: Für rund zwei Milliarden US-Dollar übernahm man das Virtual-Reality-Startup Oculus VR — und ließ es abermals erst einmal weiter sein Ding machen. Heute, zwei Jahre später, wirkt auch dieser Schritt nicht mehr so absurd. Virtual Reality gilt (wieder mal) als das nächste große Ding. Das von Oculus VR entwickelte Virtual-Reality-Headset Oculus Rift ist fertig und sticht die VR-Konkurrenz aus. Google hat gerade seine eigene Virtual-Reality-Einheit gestartet, augenscheinlich besorgt, einen der wichtigsten Schritte in die digitale Evolution zu verpassen.

Auch wenn die Akquisition für Facebook bislang nur Kosten brachte: Mit Oculus hat sich Facebook an der Spitze einer vermutet wegweisenden Bewegung postiert. Sofern Virtual Reality tatsächlich endlich reif für die Masse ist, wird Facebook das Tech-Unternehmen sein, das davon als erstes profitiert.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Bei allen drei hier beschriebenen Zukäufen bewies Mark Zuckerberg Weitsicht und scheute sich jeweils nicht davor, kühne Entscheidungen zu treffen. Zumindest im Januar 2016 macht ihn das zu einem brillanten Unternehmenslenker.

Besteht das Risiko, dass mir dieses Loblied auf Mark Zuckerbergs Akquisitionsstrategie in einigen Jahren peinlich sein wird? Sicherlich. Vielleicht entpuppt sich das Versprechen von VR als nächstes großes Ding abermals als Luftschloss. Und womöglich löst der Besitz von Instagram und WhatsApp zu einem späteren Zeitpunkt im Hause Facebook doch noch große Kopfschmerzen aus. Fest steht für mich aber, dass die äußerst positive finanzielle Verfassung des Unternehmens Facebook auch deshalb entstand, weil es rechtzeitig die für das eigene Geschäft aufkommenden Bedrohungen identifiziert und „entwaffnet“ hat sowie unaufhörlich in eine Zukunft investiert, die ganz anders aussehen mag als Facebooks Newsfeed und Profilseiten.

Schönheitsfehler Snapchat

(Screenshot: YouTube)
Der einzige Schönheitsfehler in Zuckerbergs Käufen: Snapchat. (Screenshot: YouTube)

Ein Schönheitsfehler in Zuckerbergs bisheriger Übernahmestatistik ist Snapchat, das 2013 eine Miliarden-Offerte dankend ablehnte. Aber vielleicht bekommt Zuckerberg nochmals eine Chance: Der Markt ist gerade mächtig am Abkühlen. Viele Tech-Firmen sehen sich mit sinkenden Bewertungen konfrontiert. Gerade diejenigen weit entfernt von Profitabilität. Auch Snapchat. Die Furcht vor einer sich fortsetzenden Abwärtsdynamik wird Investoren dazu animieren, ihre Renditen sicher zu wollen. Für Zuckerberg könnte eine zweite Gelegenheit entstehen, sich Snapchat zu krallen. Er würde sie sich sicher nicht entgehen lassen — zumindest sofern er erwartet, dass ein solcher Deal auch im Jahr 2018 rückblickend noch klug aussieht.

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2 Antworten
  1. von John am 18.01.2016 (15:32 Uhr)

    Oder anders gesagt: Immer wenn es Konkurrenz gab, hat Zuckerberg einfach das Facebook Vermögen genutzt, um die Konkurrenz aufzukaufen, teilweise zu absurd hohen Preisen, nur um sie anschlißend unschädlich zu machen. Die total geniale Gabe, da stimme ich zu ;)

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  2. von Fast der einzige der liefert am 21.01.2016 (14:50 Uhr)

    Musk ist genau so wichtig für die Zukunft.
    Dann noch Netflix die konsequent ausbauen wo andere nur Luxus-Büros für nette Dienstreisen aufbauen.
    Alle anderen stagnieren oft doch nur aber leider werden oft nur PR-Meldungen nachgeplappert das die (inszwischen oft immer offensichtlichere) Armseligkeit mancher Startups und ihrer Mismanager gnadenlos aufzudecken. Dschungelcamp und Yellow-Press sind oft ehrlicher als manche vermeintlich seriöse Wirtschafts/Startup/Politik-Berichte.
    Die meisten Analysten haben Kauf-Empfehlungen. Verkaufs/Short-Empfehlungen gibts statistisch weniger. Lösung für Milliarden-Empfehlungs-Problem der Wirtschaftspresse und zukünftigen Renten-Einnahmen vieler Investoren ist trivial: "Du hast 100.00 $/Euro geerbt. Wie verteilst Du sie diesen Monat." und natürlich auch noch "Du investierst jeden Monat $10.000. Wie verteilst Du sie diesen Monat" und dann natürlich die Erfolgsquote des Analysten so wie Punkte bei der Bundesliga-Start bei Fußballteams oder Formel1-Punkte seit Saison-Beginn... Dann müsste keiner sagen "ich verkaufe Firma X" sondern einfach nur andere Firmen kaufen und das klare Kaufsignal geben oder Signal zur Untergewichtung. Und wie bei Sport würde man sehen wie erfolgreich der Analyst ist. Trivial und einfach...

    Zuckerberg hat auch bewiesen das mobile Werbung funktionieren kann.
    Fast alle anderen schrieben und sagten damals quasi uniform "mobile Werbung am kleinen Handy kann niemals Profite einbringen". Auch google hats wohl nicht gepackt oder auch seine Radio-Werbe-Vermarktung beendet oder so.
    iAD wird doch zur Zeit heruntergefahren glaube ich. Gabs hier Artikel dazu ?

    Wichtig ist die Aufmerksamkeits-Ökonmie also was wann die Leute machen und wie man ihnen Werbung zeigen kann. Bei Hörspielen oder vorlesen von Facebook-Artikeln oder Robo-Sport-Berichten halt Audio-Mäßig weil man im Auto sitzt und zuhört.
    Oder während Leute Game of Thrones oder Fußball im PayTV gucken halt bei Twitter oder anderen second-screen-systemen welche absichtlich die parallele Nutzung unter Kumpels möglich machen. Gabs nicht auch sowas für Netflix um synchronisiert etwas gleichzeitig an mehreren Orten zu gucken und zu kommentieren ? Fußball oder ESport-Games bietet sich an. Oder Erst-ausstrahlungen im prinzip aber dann auch die Wiederholungen um zu sehen was wann wo die leute damals spannend fanden. Twitter könnte das liefern. Wenn alle Nachbarn laut schreien lohnt es ein paar Sekunden später zeitversetzt zu gucken und zu sehen was grade abging beim WM/EM-Spiel statt wie ein Kaninchen vor der Schlange oder Rentner die kein Second Screen benutzen möglicherweise gleichförmig ins TV zu starren.

    Zuckerberg hat aber im Gegensatz zu Google die Firmen separat gehalten und im Gegensatz zu Ara, Google Glass, Wave, Base, Froogle, Dodgeball, Summly(bei Yahoo) oder Paypal und Skype die auch schneller weiterentwickelt werden könnten... kommt Oculus endlich doch wohl wirklich. Bei Google ist man nach dem Aufkauf Mitglied im Großkonzern und wird wie im Parteistaat oder als Koalitions-Partei anscheinend nicht mehr ganz so agil so das mir von den _vielen_ Aufkäufen nur Youtube als Erfolg einfällt. Google-Alphabet ändert das vielleicht und jede kleine Google-Teil-Firma liefert hoffentlich endlich oder wird an Hedgefonds, Heuschrecken, Chinesen oder Batiatus verkauft und kann dann sehen wo sie bleibt... Google-Core (also Websuche und Vermarktung) kann dann die Gewinne, Boni und Profite ganz allein für sich behalten während die Cashburner und Mismanager hoffentlich nur noch ein Grundgehalt bekommen. Das wollen die Aktionäre oder alle Fußballvereinsmitglieder: Bring Leistung oder spiel woanders und nicht mehr auf meine Kosten.

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