Die unerwarteten Folgen des Social Web

(von Falk Hedemann) Die Wandlung des Internets zum Social Web hat den Nutzern eine großartige Möglichkeit bereitgestellt: Sie können Inhalte selbst erstellen und mit anderen auf der ganzen Welt teilen. Diese neuen Möglichkeiten sind allerdings nicht immer unproblematisch.
Die ReadWriteWeb-Autorin Lidija Davis beschreibt in ihrem Artikel "The Unforeseen Consequenses of the Social Web" recht anschaulich, welche Veränderungen durch das Social Web entstanden sind. Schön dabei: Sie belässt es nicht bei einer Lobeshymne über die neuen Möglichkeiten, sondern zeigt ebenso auf, welche Problematiken neu dazugekommen sind.

Interessante Nutzerzahlen

Die Besucherzahlen von Social Networks wie Facebook oder MySpace sind mittlerweile beeindruckend hoch. Mit dem Suchmaschinengiganten Google können sie allerdings noch nicht mithalten:

  • Google: 777,9 Millionen Besucher
  • Facebook: 59 Millionen Besucher
  • MySpace: 59 Millionen Besucher
  • Digg: 33 Millionen Besucher
  • Twitter: 4,4 Millionen Besucher

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Nutzerzahlen der Social Networks von Facebook, MySpace, Digg und Twitter

Google wird hier voraussichtlich noch längere Zeit die Statistiken anführen, aber zukünftig könnte der Trend in Richtung Social Networks weisen. Davis ist der Meinung, dass die Verbreitung von Informationen über die Social Networks einen größeren Stellenwert einnehmen wird, zumal die Informationssuche via Google auch nicht immer unmittelbar zum gewünschten Resultat führt.

Inhalte werden offen verknüpft

In Zeiten günstiger Internet-Flatrates sind immer mehr Menschen permanent online - ja sie leben praktisch online. Dabei ist vielen gar nicht bwusst, dass sie wie im wirklichen Leben auch in der Online-Welt Spuren hinterlassen. So lassen sich viele Informationen über eine Person in den verschiedenen Social Networks finden und ergeben nicht selten ein aussagekräftiges Gesamtbild.

Löschen unmöglich

Hat man einmal etwas im Internet veröffentlicht, wird es zunehmend schwieriger, es wieder zu löschen. Selbst Einträge auf dem eigenen Blog sind nach dem Löschen keinesfalls für immer verschwunden. Die "Way Back Machine" stellt bereits lange gelöschte Inhalte innerhalb von Sekunden wieder als Snapshot bereit.

Daher sollte man sich beim Veröffentlichen von Web-Inhalten immer auch fragen, ob die Inhalte auch zukünftig problemlos bleiben. Beispielsweise bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle könnte sich eine unbedachte negative Äußerung als Bumerang erweisen.

Du weißt nie, wer dich verfolgt

Microblogging und Lifestreams gehören mittlerweile für viele Internetuser zum Alltag. Dabei wird ein Feature schnell mal vergessen: Das Verfolgen oder Following. Davis bringt dazu ein für Unbeteiligte schönes Beispiel:

Ein Geschäftspartner von FedEx war in Memphis unterwegs und lästerte via Twitter ziemlich unverblümt über die Stadt. Das hätte er sich besser verkniffen, denn schon bald bekam er eine E-Mail von FedEx, die wenig erfreut über seine Meinung waren, da Memphis die Heimatstadt einer der FedEx-Gründer ist.

Fazit:

Der Umgang mit dem Social Web in all seinen Facetten will gelernt sein. Dinge die man sich nicht auch in Buchform vorstellen könnte, sollte man auch nicht ins Internet stellen.

Bildnachweis: Converging Footsteps: My Father and Stepmother by CarbonNYC

 Die unerwarteten Folgen des Social Web

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5 Antworten

  1. von Oliver Springer 27.01.2009 (17:34Uhr) 1.

    Das größte Problem dabei dürfte sein, dass überhaupt nicht absehbar ist, welche Aktivitäten in Social Networks sich irgendwann in der Zukunft einmal negativ auswirken könnten.

    Ja, bei einigen Fällen wie den immer wieder zitierten Saufbildern (schön, dass es hier im Artikel mit dem FedEx-Beispiel mal etwas ganz anderes war!) mag das recht eindeutig sein. Diese eindeutigen Fälle taugen zur Veranschaulichung, um überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein zu fördern.

    Doch wie steht es etwa mit politischen Äußerungen? Müsste man nicht zu Vorsicht raten, öffentlich Stellung zu beziehen? Oder Religion?

    Der Web 2.0 Wahlkampf von Barack Obama wird ja allgemein bewundert, doch Millionen Menschen haben dabei Spuren hinterlassen, die sich einmal als nachteilig erweisen können.

    Das FedEx-Beispiel verdeutlicht meiner Meinung nach, dass man aufpassen kann, wie man sich online präsentiert, aber man immer Pech haben kann. Ob man eine Stadt kritisiert wie im Beispiel, eine Limonadensorte, ein Fußballteam oder eine Band - immer werden sich Menschen finden lassen, die einen dafür "hassen".

  2. von Jan Tißler 27.01.2009 (17:52Uhr) 2.

    Absolut. Zu bedenken ist dabei auch, dass sich Meinungen und Einstellungen im Laufe eines Lebens erheblich ändern können. Was ich als Jugendlicher mit 14 denke, kann mir mit 24 und erst Recht mit 34 vollkommen absurd vorkommen. In meiner Generation (1973 geboren) sind entsprechende Aufzeichnungen dazu nicht mehr zu finden. Bei der jetzt aktuellen Jugend hingegen wird vieles noch zu finden sein, weil man so manches gar nicht mehr aus dem Internet herausbekommt.

    Nicht umsonst gibt es ja schon die Forderung danach, Daten im Netz generell mit einem Verfallsdatum zu versehen. Zu einem voreingestellten Zeitpunkt muss ich sie entweder aktiv verlängern oder sie werden automatisch gelöscht. Die Idee dahinter ist, dass das in der analogen Welt schließlich auch nicht anders ist: Auf Papier festgehaltene Informationen gehen dauernd verloren, allein schon, weil der Speicherplatz endlich ist. Anders bei digitalen Informationen: Sie bleiben (theoretisch) dauerhaft erhalten. Was ich mit 14 irgendwo geschrieben habe, kann mir auch mit meinetwegen 54 noch ein Bein stellen.

    Eine spannende Problematik, die uns sicher noch ein paar Jahre beschäftigen wird...

  3. von Karsten 28.01.2009 (09:41Uhr) 3.

    Also ich finde die Idee an sich schon nicht schlecht, die das neue Internet mit Social Networks usw. bietet. Aber die Probleme sollten noch viel offener angesprochen werden, nur so kann man die Menschen für das Thema sensibilisieren, das ist heute wohl wichtiger denn je, denke ich.

  4. von Webstandard 28.01.2009 (11:33Uhr) 4.

    Genau aus diesem Grund sollte man vor dem Schreiben und Veröffentlichen von Beiträgen, Bildern oder Videos überlegen, was man tut. Wenn das der Fall ist, braucht man sich auch keine Gedanken machen.

  5. von Twitter Trackbacks for Die unerwarteten… 31.08.2009 (00:47Uhr) 5.

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